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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Frankfurt an der Oder

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Frankfurt an der Oder

tumskunde in F.; Stricker, Neuere Geschichte von F. (3 Bde., Frankf. 1874‒75); Puls, Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kanalisierung des Mains von F. bis zum Rhein (1879); ders., Festschrift zur Eröffnung der Mainkanalisierung und der Frankfurter Hafenanlagen (1886); Heyner, Erinnerung an F. (6. Aufl., Frankf. 1880); F. am Main in seinen hygieinischen Verhältnissen (ebd. 1881); Horne und Grotefend, Geschichte von F. (2. Aufl., ebd. 1882); Stricker, Neuere Geschichte von F., 1806‒66 (ebd. 1881); F. und seine Bauten (hg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein, ebd. 1886); Bücher, Die Bevölkerung von F. im 14. und 15. Jahrh. (Tüb. 1886); ders., Frankfurter Buchbinderordnungen vom 16. bis 19. Jahrh. (ebd. 1888); Bleicher, Statist. Beschreibung der Stadt F. am Main und ihrer Bevölkerung (Frankf. a. M. 1892 u. 1895).

Frankfurt an der Oder, Hauptstadt des Reg.-Bez. Frankfurt (s. d.) und Stadtkreis, liegt an den Linien F.-Cüstrin (32,4 km), F.-Bentschen-Posen (173,1 km), F.-Angermünde (96,7 km), F.-Cottbus-Großenhain (152,3 km) und Berlin-Kohlfurt-Breslau der Preuß. Staatsbahnen und zerfällt in die Altstadt, die Gubener und Lebuser Vorstadt und das Beresinchen auf dem linken und die Dammvorstadt auf dem rechten Ufer der Oder, über die eine neue steinerne Brücke (13 m breit, 261 m lang) führt. Von dem Weichbild der Stadt (5788 ha), welches sich weit über die ehemaligen Befestigungen ausgedehnt hat, sind 250 ha mit Häusern bebaut, 309 ha sind Wege, Straßen und Eisenbahnen, 4953 gärtnerisch und landwirtschaftlich benutzt und 275 ha Wasserfläche. Längs der Westseite der Altstadt ziehen sich die durch Lenée aus dem ehemaligen Wallgraben geschaffenen gärtnerischen Anlagen mit mehrern Denkmälern hin.

Bevölkerung. Die Stadt hat (1890) 55738 (27589 männl., 28149 weibl.) E., darunter 51091 Evangelische, 3518 Katholiken, 354 andere Christen und 775 Israeliten. In Garnison liegen das Leibgrenadierregiment König Friedrich Wilhelm Ⅲ. Nr. 8, das Grenadierregiment Prinz Karl von Preußen Nr. 12, die 1. und 2. Eskadron des Ulanenregiments Kaiser Alexander Ⅱ. von Rußland Nr. 3 und die 1. bis 3. Abteilung des Feldartillerieregiments General-Feldzeugmeister Nr. 18.

Denkmäler, Gebäude, südlich vom Wilhelmsplatz steht das Kriegerdenkmal (1882); vor der Kommandantur seit 1888 das Bronzestandbild (5,5 m) des Prinzen Friedrich Karl (von Unger), dicht dabei im Park das von der Loge 1779 errichtete Denkmal des Dichters Ewald von Kleist, der hier 24. Aug. 1759 an den in der Schlacht bei Kunersdorf erhaltenen Wunden starb, in der Dammvorstadt das figurenreiche Denkmal (7 m hoch) des Herzogs Leopold von Braunschweig, der 27. April 1785 in der Oder ertrank. Von den Kirchen (4 evang., 1 reform., 1 altluth., 1 kath., 1 der apostolischen Gemeinde) sind zu erwähnen: die Marien- oder Oberkirche, ein Backsteinhallenbau (13. Jahrh.) mit Altarholzschnitzwerk (1419), alten Glasgemälden, siebenarmigem Leuchter (4 m hoch), Reliefs (14. Jahrh.) und Taufstein mit Bronzereliefs (1376), die Anfang des 13. Jahrh. im Übergangsstil erbaute reform. Kirche, kürzlich restauriert und mit 2 neuen Türmen versehen, die von den Minoriten eines Franziskanerklosters erbaute Unterkirche (1525) und die Gertraudkirche (1875‒79) mit Gemälde von Anton von Werner. Ferner hat F. eine Synagoge, ein stattliches Rathaus (1607‒10), Stadttheater (1842 von Schinkel erbaut) und einen großen Schlachthof.

Behörden. F. ist Sitz der königl. Bezirksregierung, der Generalkommission für die Provinzen Brandenburg und Pommern, eines Landgerichts (Kammergericht Berlin) mit 11 Amtsgerichten (Beeskow, Drossen, F., Fürstenwalde, Müncheberg, Reppen, Seelow, Sonnenburg, Storkow, Wendisch-Buchholz, Zielenzig), eines Amtsgerichts, einer Oberpostdirektion für den Reg.-Bez. F. mit 4518,18 km oberirdischen Telegraphenlinien (17959,25 km Leitungen, einschließlich 1090,43 km Stadtfernsprechanlagen) und 380 Verkehrsanstalten, der Neumärkischen Ritterschaftsdirektion, eines Zoll- und Hauptsteueramtes, Bergrevieramtes, einer Reichsbankstelle, Handelskammer für die Stadt F. und die zu derselben gehörigen Kämmereidörfer, sowie der Kommandos der 5. Division, 9. und 10. Infanterie- und 5. Kavalleriebrigade, einer Filiale des Artilleriedepots in Cüstrin, eines Proviantamtes und eines Garnisonlazaretts.

Unterrichtswesen. Die 27. April 1506 vom Kurfürsten Joachim Ⅰ. als Viadrina gestiftete Universität wurde 1811 nach Breslau verlegt. Unterrichtsanstalten sind: Das Friedrichsgymnasium, 1694 gegründet, 1813 reorganisiert und 1874 vom Staate übernommen, mit bedeutender Bibliothek, das städtische Realgymnasium (Oberrealschule), aus dem frühern Lyceum hervorgegangen, 1813 gegründet, 1861 als Realschule erster Ordnung anerkannt, die Knabenbürgerschule, Victoria-, Elisabeth- und Augusta- (höhere Mädchen-) Schule, letztere mit Lehrerinnenseminar, eine private höhere Mädchenschule, Knaben-und Mädchenmittelschulen, 9 evang., 1 kath. Gemeindeschule, 1 Garnisonschule.

Von Wohlthätigkeitsanstalten bestehen ein städtisches Krankenhaus, ein Diakonissen-Mutterhaus, ein Kinderkrankenhaus, zwei Waisenhäuser und drei Hospitäler.

Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Maschinen und Kesseln, Eisenguß, Feilen, Gewehren, Patronen, Musikinstrumenten, Steingut, Kachelöfen, Töpferglasuren, Grabdenkmälern, Orgeln, Blech- und Holzinstrumenten, Knopf- und Metallwaren, Stärkezucker und Zuckercouleur, Dachpappe, Schokolade und Zuckerwaren, Mostrich, Seife, Kerzen, Papier, Tüten, Leder, Knöpfen, Cigarren, Bier, Vaseline, Ceresine, Schäften, Bürsten, Korken, Möbeln und Handschuhen. Die Hauptwerkstätte der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn beschäftigt über 800 Arbeiter. Bedeutend sind die Weinkellereien. Der früher bedeutende Handel, gefördert durch die zu Reminiscere, Margaretha und Martini stattfindenden Messen, hat durch den Rückgang derselben und die Nähe Berlins Einbuße erlitten.

F. hat ein Postamt erster Klasse mit zwei Zweigstellen, drei Stadtpostämter, ein Telegraphenamt erster Klasse und drei Stadtpostanstalten. – F. ist Geburtsort der Dichter Heinr. von Kleist und Franz von Gaudy sowie des Direktors der Berliner Kunstakademie A. von Werner.

Geschichte. Infolge ihrer Lage an dem Punkte, wo die Oder sich am meisten der Spree nähert, (der [alte] Friedrich-Wilhelms-Kanal mündet nur etwa

^[Abb. Wappen von Frankfurt an der Oder]