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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Revolutionskriege
satzungen zurückgeblieben und alle oberital. Plätze
in die Gewalt der Verbündeten gekommen (Citadelle
von Turin 20., Alcssandria 22. Juni, Mantua
27. Juli); Ancona wurde von einer russ.-türk. Flotte
bombardiert. Suworow beschloß nunmehr, die
Riviera zu besetzen und nahm 6. Aug. das Schloß
^crravalle; sein Heer stand an der Ecrivia. Die
Franzosen waren inzwischen auf 45000 Mann ver-
stärkt worden, über die 5. Aug. Ioubert den Ober-
befehl übernommen hatte. Dieser überschritt in drei
Kolonnen den Apennin, fammelte fein Heer am 13.
bei Novi (s.d.) und wurde dort am 15. von suworow
geschlagen, wobei er den Tod fand. Moreau führte
das gefchlagene Heer nach der Niviera zurück und
versuchte im September von der Vocchetta aus aber-
mals zum Entsatze von Tortona vorzudringen, wäh-
rend die franz. Alpenarmee unter Championnet nach
Überschreitung des Mont-Cenis bis La Perosa vor-
gerückt war. Inzwischen hatten die Verbündeten
beschlossen, die russ. Truppen aus Italien zu ziehen
und in der Schweiz zu verwenden, worauf Suworow,
nachdem Tortona 11. Sept. gefallen war, von der
Scrivia über Valenza nach Bellinzona marschierte.
In Mittel- und Unteritalien hatten die Franzosen
ihre letzten Stützpunkte verloren, ein Volksaufstand
hatte den König von Neapel wieder eingesetzt, Capua
und Gaeta hatten sich ergeben, die Besatzung der
Engelsburg 27. Sept., Ancona nach vierwöchi-
ger Belagerung 13. Nov. kapituliert. In Italien
standen nach dem Abzüge Suworows, abgefehen
von 22000 Mann Bcsatzungstruppen, jetzt nur
68 000 Österreicher unter Baron Melas um Turin
und an den über den St. Gotthard, Simplon und
St. Bernhard führenden Straften den beiden in-
zwischen erheblich verstärkten franz. Heeren gegen-
über. Melas warf die Vorhut der franz. Alpen-
armee aus den Thälern von Aosta und Susa nach
dem Hochgebirge zurück, worauf Championnet, dem
auch die ital. Armee unterstellt war, die gesamten
sranz. Streitträfte bei Cuneo verfammelte, 3. Nov.
längs der Stnra vorrückte, aber von Melas bei
Fosjano an den beiden folgenden Tagen geschlagen
und mit großem Verlust über Cuneo bis nach Genua
zurückgeworfen wurde. Cuneo ergab sich 3. Dez.,
und beide Heere bezogen Winterquartiere.
Inzwischen batten sich in der Schweiz Ende August
die Franzosen des Simplon und St. Gotthard be-
mächtigt und die Österreicher aus dem Renßthale
und im Süden des Zürichersees zurückgedrängt;
doch traf 25. Aug. ein 20000 Russen starkes Hilss-
beer unter Korfatow über Schaffhaufcn bei Nzuach
ein, das mit einem österr. Korps unter Hotze den
Raum zwischen dem Zürichersee und der ital. Grenze
besetzte. Masstna schlug 25. und 26. Sept. die Nüssen
bei Zürich und vertrieb die Österreicher von der
Linth, worauf die Verbündeten hinter den Rhein
zurückgingen undVorarlberg zur Landesverteidigung
aufboten; ein großer Teil der rnfs. Artillerie war
verloren gegangen. Korsakow stand zwischen Ramsen
und Schaffhausen, die Österreicher bei Konstanz,
und Erzherzog Karl ließ die Rheinbrücken zerstören.
Suworow war 15. Sept. mit einem Teile seines
Heers l18 000 Mann Infanterie, 7000 Kosaken,
25 Gebirgsgeschützen) in Taverne angekommen (der
'Rest seiner Truppen marschierte nach Verona), setzte
am 21. den Marsch fort, vereinigte sich bei Dazio 23.
mit einer österr. Brigade und erzwang unter bluti-
gen Kämpfen gegen Lecourbe 25. und 26. den Über-
gang über den Et. Gotthard und die Teufelsbrückc.
Die österr. Brigade blieb auf dem Passe zurück, und
Snworow stieg im Reusithalc bis Altdorf hinab,
überstieg am 27. anf Fußpfaden das Gebirge zwischen
dem Echächen- und Muotathale und erfuhr 28. in
Muota die Niederlage Korsakows bei Zürich. Su-
worow ließ den Paß über den Vrakelberg stürmen
und zog nach Glarus; seine Nachhnt wies am 30. bei
Muota die von Schwyz nachrückenden Franzosen
zurück. Ratlos, was zu thun sei, blieb Suworow
bis zum 4. Okt. bei Glarus stehen und entschloß sich
dann, das Heer über das Hochgebirge ins Vorder-
rheinthal zu führen. Die Russen marschierten in
tiefem Schnee unter unfäglichen Befchwerden über
Enzi, Matt und Elm nach Ilenz, wo sie 8. Okt.
erschöpft eintrafen und von österr. Truppen aufge-
nommen wurden. Suworow führte die Trümmer
feines Heers fodann über Chur nach Feldtirch und
vereinigte sich dort mit Korsatow.
In Deutschland war zu Ende August der franz.
General Müller mit 30 000 Mann der Rheinarmee bei
Mannheim über den Rhein gegangen, hatte Heidel-
berg besetzt und Philippsburg belagert, war jedoch
12. Sept. wiederübcr den Rhein zurückgelehrt,da Erz-
herzog Karl heranzog. Am 18. Sept. wurde Mann-
heim von den Österreichern mit Sturm genommen
und die Werke zerstört; doch kehrte der Erzherzog so-
dann wegen der Niederlage Korsakows nach Villingen
zurück. Die franz. Rheinarmee, über die Lecourbe den
Befehl übernommen hatte, wurde inzwischen verstärkt
und überschritt 15. Okt. bei Oppenheim abermals
den Rhein, nahm Mannheim und Heidelberg,
blockierte Philippsburg und drängte die österr.
Truppen hinter die Enz zurück; doch rückten diese
Anfang November unter glücklichen Gefechten wie-
der vor und entsetzten Philippsburg. Lecourbe warf
jedoch 16. Nov. die Österreicher zurück und schloß
Philippsbnrg ein, nachdem der Herzog von Württem-
berg die Verwendung seiner Truppen außer Landes
verweigert und dadurch das deutsche Heer plötzlich
erheblich geschwächt hatte. Als Verstärkungen von
Erzherzog Karl eintrafen, nahmen die Österreicher
die Bergstraße, entsetzten abermals Philippsburg
und drängten Lecourbe über den Rhein zurück.
In Holland war 27. Aug. eine engl.-russ. Flotte
mit Landungstruppen vor dem Terel erschienen und
batte sich der Holland. Flotte infolge einer Meuterei
der Besatzung ohne Kampf bemächtigt, auch einige
Truppen bei Heldcr gelandet, die gegen Ende Sep-
tember unter dem Herzog von -))orl vordrangen,
aber bald von General Vrune in den ersten Oktober-
tagen geschlagen wurden, worauf Holland zu Ende
diefes Monats auf Grund einer Übereinkunft von
den Engländern geräumt wurde. Im Dezember dem-
selben Jahres schied Rußland aus der Koalition aus,
vorzugsweise wegen der Unfälle, welche die russ.
Heere betroffen hatten, und infolge einer Spannung
zwischen den Höfen von Wien und Petersburg.
Bonaparte, der nach der Rückkehr aus Ägypten
Nov. 1799 das Direktorium und den Rat der Füns-
hundert gefprengt und sich znm Ersten Konsul ge-
macht hatte (s. Frankreich, S. 96 ch, legte die innern
Kämpfe gegell die Vendeer und die Chouans durch
Verhandlungen bei und fandte die dadurcb verfügbar
gewordenen Truppen an die Grenze, um den Krieg
nachdrücklich fortzusetzen. Moreau übernalnn den
Oberbefehl am Rhein und in der Schweiz, Massena
in Italien, und bei Dijon wurde eine Reservearmee
gebildet, deren Kommando sich Napoleon selbst vor-
behielt. Auf österr. Seite befehligten am Rhein