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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Friant - Fric
Friant (spr. -äug), Louis, Graf von, franz. Ge-
neral, geb. 18. Sept. 1758 zu Villers-Morlancourt
lSomme), nahm an den franz. Nevolutionskriegcn
1792-97 mit Auszeichnung teil, wurde 1794 Bri-
gadegeneral, ging 1798 mit Bonaparte nach Ägyp-
ten, wurde Dpsaix' Nachfolger als Gouverneur von
Oberägypten, zeichnete sich in der Schlacht bei He-
liopolis, wo er den rechten Flügel befehligte, her-
vorragend aus und wurde zum Divisionsgeneral
befördert. Er verteidigte dann Alexandria, mußte
aber 31. Aug. 1801 vor der engl. und türk. Über-
macht kapitulieren und wurde mit feinen Truppen
dem Vertrage gemäß nach Frankreich übergeführt.
Napoleon ernannte ihn zum Generalinspccteur der
Infanterie. 1805-7 nahm er in den Kriegen gegen
Österreich und Preußen an den Schlachten bei Aufter-
litz, Jena und Eylau teil und wurde 1808 in den
Grafenftand erhoben. 1809 zeichnete er sich bei Eck-
mühl und Wagram, 1812 bei Smolensk und an
der Moskwa aus. In den Feldzügen von 1813-14
befehligte er eine Division der Jungen Garde und
kämpfte bei Hanau, Champaubert und Craonne.
Nach Napoleons Sturz ernannte ihn Ludwig XVIII.
zum Commandeur der ko'nigl. Grenadiere in Metz,
doch schloß er sich während der.hundert Tage wieder
an Napoleon an und wurde bei Waterloo verwundet.
Fortan lebte er zurückgezogen auf seinem Landgut
Gailonnct bei Meulan, wo er 29. Juli 1829 starb.
Friaul (ital. I^iuli oder I^ti-ia. ä^i I>WIi), ehe-
mals ein eigenes Herzogtum, von der Livenza bis
über den Isonzo sich ausdehnend, zerfällt jetzt in das
ehemalige venetianische F., die heutige ital.
Provinz Udine (s. d.), und das österreichische F.,
das als Graffchaft Gradisca (s. Görz und Gradisca)
einen Teil der österr. Küstenlande bildet. F. hat seinen
Namen ohne Zweifel von der altröm., einst in seinem
Bezirk gelegenen Stadt I^oruin ^ulii. E'5 ist ein an
Getreide und Wein fruchtbares und mit Mincral-
und Heilquellen gesegnetes Land, das von mehrern
Zweigen der Karnischen und Jütischen Alpen, die
die Gebirgspässe von Chinsa di Venzone und die Flit-
scher Klause bilden, durchschnitten und vom Taglia-
mento bewässert wird. Die Einwohner sind katholisch
und im venetianischen F. meistens sog. Furlaner
(Friauler), ein den Italienern verwandtes Volk. Die
wichtigsten Orte sind: Udine, Cividale und das durch
den Friedensschluß 1797 bekannte Campo-Formio.
F. teilte in den alten Zeiten das Schicksal der
Länder des nörol. Italien. Ursprünglich von den
Carnern bewohnt, wurde es, wie die Nachbarländer,
um 150 v. Chr. ein Teil des Römischen Reichs, dann
im 6. Jahrh, von den Langobarden erobert und zu
einem der 36 Herzogtümer gemacht, in die das lan-
gobard. Italien geteilt wurde. Es wurde vom König
Alboin 569 seinem Neffen Gisulf übergeben, der
um 610 im Kampfe gegen die Avaren gefallen sein
soll; 1874 wurde in Cividale sein Grab entdeckt.
Von den folgenden Herzögen wurde Ratchis 744
nach Liutprands Tode und Hildeprands Absetzung
Nömg der Langobarden und ebenso nach Ratchis'
Abdankung 749 sein Bruder Aistulf (s. d.). Nach
der Eroberung des Langobardenreichs durch Karl
d. Gr. (774) behielt F. anfangs einen Herzog. Als
aber dieser sich 775 mit andern Herzögen und dem
Sohne des Königs Desiderius in eine Verschwörung
einließ, trat an seine Stelle ein frank. Graf, der
aber auch Herzog genannt wird und als Grenzgraf
(Markgraf) größere Befugnis hatte, auch eine Zeit
lang über Kärntcn, Istrien u. a. die Oberaufsicht
führte. 828 wurde Markgraf Valderich abgesetzt
und die Mark in vier Grafschaften aufgelöst. Der
Graf (oder Markgraf) Eberhard war mit Ludwigs
des Frommen Tochter Gisela vermählt, und dessen
Sohn Berengar (s. d.) ward 888 zum König von
Italien erwählt. Nach seiner Ermordung 924 wird
F. seltener genannt, bis Kaiser Heinrich IV. 1077
diese Mark dem Patriarchen von Aquileja verlieh.
Unter diesem blieb F., bis es sich 1420 den Vene-
tianern unterwerfen muhte. 1511 eroberte Kaiser
Maximilian I. die meisten Städte in F.; doch gingen
sie 1514 wieder an die Venetianer verloren.
Der östlichste Teil von F. kam schon früb an die
Vögte des Patriarchats Aquileja, die Grafen von
Görz, die 1500 mit dem Grafen Leonhard ausstar-
ben. Hierauf nahm Kaiser Maximilian I. vermöge
alter Verträge von 1361 und 1486 die Graffchaft,
die ibm ohnehin schon verpfändet war, in Besitz.
Das venetianische F. blieb bis zum Frieden von
Campo-Formio (1797) bei Venedig, kam dann mit
diefem an Österreich und 1805 durch den Frieden zu
Preßburg an das von Napoleon I. gestiftete König-
reich Italien. Österreich verlor 1809 auch noch den
übrigen Teil von F. durch Abtretung an die illyr.
Provinzen, gewann aber 1814 ganz F. wieder, und
der Kaiser war seitdem als Herzog von F. und ge-
fürsteter Graf von Görz und Gradisca im Besitz
diefer Landschaft, bis im Nikolsburger Frieden 1866
das venetianifche F. wieder an Italien abgetreten
wurde. - Vgl. Manzano, ^unlili äei I^iinli (7 Bde.,
Udine 1856-80); ders., (^oinpsuäio äi ßtoiia lrin-
I^uli (ebd. 1876); von Czörnig, Das Land Görz und
Gradisca (Wien 1873); Zahn, Friaulische Studien
(im "Archiv für österr.Geschichte", Vd.57, Abteil.II,
ebd. 1879); für F. in den letzten Tagen der Repu-
blik Venedig: Ippol. Nievo, 1^6 coick^ioni äi uu
otwa^imi-io (2 Bde., Flor. 1867).
Friaul, Herzog von, hieß seit 1807 der franz.
General Duroc (s. d.).
Fric (spr. fritsch), Joseph Vaclav, Pseudonym
Vrodskh, czech. Schriftsteller, geb. 5. Sept. 1829
in Prag, nahm daselbst an der revolutionären Bewe-
gung von 1848, sodann an dem Kampfe der Slo-
waken gegen die Ungarn teil, hatte wegen Verbin-
dung mit der Revolutionspartei mehrjährige Kerker-
strafe und Verbannung nach Siebenbürgen zu er-
dulden. 1859 verließ er Österreich, lebte in London,
Paris, Berlin, gab dort 1866 zur Zeit der preußi-
schen Invasion in Österreich gegen das letztere eine
heftige Broschüre heraus: "?1^o Körung c68k6"
("Wehklage der böhm. Krone"), ferner 1868 eine
czech. Zeitschrift "Lianik" mit slawisch-demokrati-
scher Tendenz und sodann die " ^orrLsponäHnco
tciiöhus". Nach dem Deutsch-Französischen Kriege
begab er sich nach Budapest und redigierte von
1873 bis 1877 die "Agramer Zeitung". 'Erst 1879
vollständig amnestiert, lebte F. seitdem in Prag und
starb 14. Okt. 1890. Neben lyrisch - epischen Dich-
tungen in einem mystisch-phantastischen, stark byro-
nisierenden und heinisierenden Charakter (wie"IIpir"
s"Der Vampyr"^, 1849) verfaßte F. Dramen ("8va-
topluk", "II1i-)1c IInttLn", "Na^kM" u. a.). Beson-
dere Bedeutung hatte sein Almanach "I^äa. ^iola"
(1885) als Anfang einer neuen Litteraturperiode.
Seine Werke sind zum Teil gesammelt in "Hedrau^
8pi8^" (4 Bde., Prag 1879-80). Mit L. Leger gab
er heraus: "I^i^oliömo liizwri^uL) ^ittoresHus et
lit^i-aii'L" (Par. 1867).
Sein Bruder Anton I ohann F., s. Fritsch, A.I.