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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frohse - Fromentin
Gräfill von Chambord gegründete Mädchenschule
der Schulschwestern und Feldwirtschaft. F. war
Vereinigungspunkt der ältern Bourbonenlinie, in-
dem seit 1844 die Herzogin von Angouleme hier
wohnte. Nach deren Tode übernahm es der G;as
von Chambord (s. d.). Nach dem Tode seiner Witwe
ll886) ging F. auf ihre Erben aus der span. Linie
der Vourbons über.
Frohse, Flecken im Kreis Calbe des preuß. Reg.-
Bez. Magdeburg, bis 1831 Stadt, 2 km im NW.
von Schonebeck, links an der Elbe, hat (1890) 1819
E.,Postagentur, Fernsprechverbindung, chem. Fabrik
(Vermannia, Aktiengesellschaft, ehemals staatlich),
1 Leim-, 2 Düngerfabriken, Ziegeleien und Dampf-
mühle. Die 1772 angelegten Kolonistenstraßen ver-
binden den Ort mit Schonebeck und Groß-Salze.
Am 10. Jan. 1278 wurde hier Markgraf Otto IV.
(mit dem Pfeil) von Brandenburg vom Erzbifchof
Günther von Magdeburg geschlagen und gefangen.
Froissart (spr. fröassahr), Jean, franz. Dichter
und Historiker, geb. 1337 zu Valenciennes, erhielt,
zum geistlichen Stande bestimmt, eine gelehrte Er-
ziehung, wendete sich aber bald der Poesie zu. Als
1356 sein Gönner, der Herr von Veaumont, starb,
begab sich F. nach England, wo er eine Beschützerin
in Philippa von Hcnnegau, Gemahlin König
Eduards III., fand, die ihn zur Schilderung der
großen Ereignisse seines Jahrhunderts anregte. Nach
einem kurzen Aufenthalt in Frankreich kehrte er wieder
nach England zurück, wurde Sekretär der Königin und
erfreute sich als Dichter am eugl. Hofe allgemeiner
Beliebtheit. 1365 trat er seine Reise nach den Schau-
plätzen der Ereignisse an, die er in seinem Gcschichts-
werke zu schildern hatte, nach Schottland, Osteng-
land, Bretagne, Bordeaux, begleitete den Herzog
von Clarence nach Italien und ordnete die Festlich-
keiten an, welche Amadens VI. von l^avoyen dem
Herzoge zu Ehren gab. Nach dem Tode seiner Gön-
ncrin Philippa (1369) trat F. nach manchen Wan-
derungen als Dichter und Sekretär in die Dienste
des Herzogs Wenzel von Vrabant, dessen Poesien
er mit eigenen zu einer Art Roman "^I^lulm-" ver-
band. Nach Wenzels Tode ging er in die Dienste
des Grafen Gui de Blois, der ibn ermunterte, sein
Geschichtswerk fortzusetzen, weshalb er (1388) eine
Reise zu delu GiafenGastonIII.von Foixunternabin,
um aus dem Munde der an dessen Hofe lebenden
bearnischen und gascognischen Ritter die Tbaten zu
hören, die sie verrichtet. Auf der Reise dahin wurde
er mit dem Ritter Messire Espaing du Lion be-
kannt, der allen Kriegszügen beigewohnt hatte und
ihm so genaue Mitteilungen darüber machte, daß
der dieselben enthaltende Teil der vorzüglichste seiner
Chronik ist. Nachdem er noch Reisen in Frankreich,
England u. s. w. im Iuteresse seiner Chronik ge-
macht hatte, starb er als Kanoniker zu Chimay nach
1400, vielleicht erst 1419.
F.s Geschichtserzählungen, die von 1322 bis 1400
reichen und in verschiedenen von F. selbst vorgenom-
menen Redaktionen auf uus gekommen sind, sind
schätzbare Dokumente der Sitten jener Zeit und lassen
das Bestreben, unparteiisch zu berichten, erkennen.
Sie sind bekannten, d. T. "^In-o!ii(iu68 6 6 I^i-Hncs,
cl'^u^Ietßire, ll'1^0886, ä'UsMg'uk, cle Zi'6wFU6",
wurden oft gedruckt und in die lateinische und mehrere
lebende Sprachen übersetzt. Eine ältere gute Auf-
gabe ist die von Vuchon (15 Bde., Par. 1824-26);
^v^n^ne ^ dve von Kcvvyn de LeNenhovc (25 Bde.,
Brüst. 1867-78), der auch das erste Buch der Chro-
nik nach F.s letzter Redaktion (2 Bde., ebd. 1863)
veröffentlichte; die beste die von Luce (Bd. 1-8, Par.
1869 - 88). Auch seine lyrischen und allegorisch -
lyrischen Gedichte, unter denen die erstern Wert
haben, wurden von Vuchon (Par. 1829), besser von
Scheler (3 Bde., Vrüss. 1870-72) herausgegeben.
Die schöne Handschrift der Chronik F.s, die einzige
Kopie einer Redaktion F.s vom gesamten Werke,
wird in der Vreslauer Bibliothek aufbewahrt. - Vgl.
Kervyn de Lettenhove, ^., 6wä6 littßi-iurs (2 Bde.,
Par. 1858), und dessen Introduktion zu semer Aus-
gabe der "Nnvi-68 äsl^."; Paris, Aouv6il63 r6-
cli6r(ck68 8N1- Ia vi6 cl6 I?. (im "Lulwtin äu didlio-
pliile 6t än dil)liotli6caii'6", Par. 1860); Weber,
Jean F. und seineZeit (im "Histor. Taschenbuch", Lpz.
1871); Scheler, 61o88Hir6 ä63 ow'oniyneg äs 1<
(Vrüss. 1877); Darmesteter, I^oi^art (Par. 1894).
F>oe?., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Johann Aloys von Frölich, geb.
1766 in Oberndorf, gest. 1841 als Medizinalrat zu
Ellwangen, bekannt als Entomolog und Moosken-
ner. Nach ihm heißt eine Pflanzengattung ^lOLlioliia.
Frölich, Oskar, Physiker und Elektrotechniker,
geb. 23. Nov. 1843 in Bern, studierte daselbst und
in Königsberg, habilitierte sich 1867 in Bern und
wurde Direktor der eidgenössischenAichstättedasclbst,
wurde 1868 an die Land- und Forstwirtschaftliche
Akademie in Hohenheim berufen, von wo er 1873 als
Oberelektriker und Chef des Laboratoriums bei der
Firma Siemens & Hcuske in Berlin eintrat. Von
seinen Arbeiten sind am bekanntesten geworden sein
"Handbuch der Elektricität und des Magnetismus",
für Techniker bearbeitet (als Bd. 2 von Zetzsche's
"Handbuch der elektrischen Telegraphie", Verl. 1878,
und 1887 als besonderes Werk in zweiter Auflage
ebd. erschienen), und "Die dynamoelektrische Mcv
schine, eine Physik. Beschreibnng für den technischen
Gebrauch" (ebd. 1886). Das letztere enthält die
erste ausgebildete Theorie der Dynamomaschine.
Seme Abhandlungen beziehen sich auf: Erdwärme,
Temperatur des Weltraums, Sonnenwärme, elek-
trische Meßkunde, Instrumentenkunde, Theorie der
Dynamomaschinen, elektrische Schwingungen und
ähnliche Gegenstände.
rroiuaFS (frz., spr. -mahsch'), Käse; ^. äe Vris,
s. Brie; I?. äc cocdou (spr. koschöng), Sülze; 1< ü.
1H Flace, 8^cö (spr. glahß, glaßch), Gefrornes; l'.
I)^vaioi8 (spr. bawaroä, "Bayrischer Käse"), ein
kalter Creme, s. Vavaroise; I?. ä'italio (spr. ditalih,
"Italienischer Käse"), eine Art Fleischkäse, der in
Frankreich sehr beliebt ist.
Frome (spr. fruhm), Stadt in der engl. Graf-
schaft Somerset, 18 Km südlich von Bath auf einem
.s^ügel in reizender Lage, ist Eisenbahnknotenpunkt,
hat (1891) 9613 E., eine Steinbrucke mit 5 Bogen,
eine schöne got. Kirche; Wollfabrikation, Beklei-
dungsindustrie, Eisengießerei und Alcbrauerei.
Fromentin (spr.-mangtäng), Eugene, franz.
Maler, geb. 24. Okt. 1820' in St. Maurice bei La
Rochelle, bildete sich in der Landschaftsmalerei unter
Cabat und bereiste daun mehrmals Algerien, die
Sahara und Ägypten. Die Natur sowie das Volks-
leben jener fremden Gegenden fanden an dem Künst-
ler einen geistreichen und gewandten Schilderer, der
die Formen in der Bevölkerung und der Landschaft
treu wiederzugeben vorstand, sodah er einer der
Führcr der Orientmalerei wurde. Von seinen Ge-
mälden sind hervorzuheben: Maurisches Begräbnis
(1853), Karawane unter Palmen lagernd (1857),