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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frostschmetterling
Frühjahr wechseln, wird der Boden mit den darin
wurzelnden jungen Pflänzchen durch das im Ge-
frieren sich ausdehnende Wasser gehoben. Tritt
nun wieder Tauwetter ein, so sinkt der'Voden zurück,
die Pflänzchen können aber uicht folgen, weil ihre
zarten Würzelchen nicht steif genug sind, in die
Erde einzudringen, namentlich nicht, wenn die un-
tern Bodenschichten noch gefroren sind, sie fallen um
und aehen zu Grunde. Nach wiederholtem derarti-
gen Auffrieren liegen die jungen Pflanzen oft
mit sämtlichen Wurzeln auf der Oberstäche des Bo-
dens, es sieht aus als wären sie herausgezogen,
daher nennt man diese Erscheinung des. Auffrierens
auch Frostziehen. Fast alle Holzarten sind in
ihrem ersten Lebensjahre, manche auch noch später,
der Gefahr des Auffrierens ausgefetzt, vorzugs-
weise die flachwurzeligen, wie Fichte, Birke, Buche
u. s. w. Mittel dagegen sind: Entwässerung uasser
Bodenstellen, Anwendung der Pflanzung stärkerer
Pflanzen an Stelle der Saat, möglichste Erhaltung
des natürlichen Vodenüberzuges; in Saat- und
Pflanzkämpen Unterlassen des Unkrautjätens im
Kerbst, Bedeckung der Beete mit Stroh, Reisig,
Moos, Heidekraut u. dgl.
Das Erfrieren der'Holzpflanzen oder noch zar-
ter Baumteile erfolgt nicht ohne weiteres beim Ein-
tritt emes Frostes, sondern erst bei rafchem Wieder-
auftauen. Man kann unter Umständen erfrorene
Pflanzen durch vorsichtiges, ganz allmähliches Auf-
tauen am Leben erhalten. Der Frost wirkt auf das
Pflanzengewebe durch Wasserentziehung. Der Vor-
gang ist bei verschiedenen Geweben ein verschiede-
ner. Gefrieren wasserreiche junge Triebe und Blät-
ter, gewöhnlich bei Spätfrösten, dann scheiden sich
Eismassen an bestimmten Gewebsteilen, besonders
unter der Oberhaut oder im Markgewebe aus, wäh-
rend die Gewebe felbst frei von Eis bleiben und
durch den Wasserverlust zusammenfchrumpfen, ver-
trocknen. Bei langsamem Auftauen vermögen die
Gewebsteile das durch allmähliches Auftauen des
Eises gebildete Wasser oft wieder aufzunehmen, die
Pflanze erholt sich, bei raschem Anstauen bleibt die
Zellflüssigkeit in den Intenellularräumen, die Zellen
vertrocknen. Je wasserreicher die Pflanzenteile, desto
leichter erfrieren sie, daher leiden Winterknofpcn,
Samen, verholzte Triebe uicht durch Frost, häufig
dagegen junge sich entfaltende Blätter, Blüten, Trieb-
und Keimpflanzen durch Spätfröste, oft auch uoch
nicht verholzte Triebe durch Frühfröste. An man-
chen Laubhölzern, z. B. Buchen, Eichen, werden
auch krebsartige Erscheinungen durch den Frost her-
vorgerufen. Frühfröste sind eine Mitursache der
Schüttekrankheit der Kiefer und ähnlicher Erschei-
nungen an der Fichte. Sehr empfindlich gegen
Spätfröste sind Walnuß, Esche, Edelkastanie, Rot-
buche, Eiche, Akazie, Weißtanne; am meisten frost-
hart sind Hainbuche, Ulme, Aspe, Pappeln, Weiden,
Sorbusarten, Hasel, Erlen, Birken, die meisten
Kiefernarten. Die Winterfröste halten die heimi-
schen Holzarten meist gut aus. Gegen Frühfröste
sind namentlich Stockausschläge, z. B. dle der
Akazie, sehr empfindlich, weil sie bis in den Spät-
herbst wacysen, daher bis zum Eintritt der ersten
Fröste nicht verholzen. Die Fröste sind entweder weit
verbreitete Land froste (namentlich im Winter)
oder Lokal froste. Letztere treten bei ruhigem
Wetter und einem klaren, die Wärmestrahlung be-
günstigenden Himmel auf, am regelmäßigsten und
häufigsten in sog. Frost löchern, Terrainvertiosun-
gen, die die Lustbewegung hindern und die Anhäu-
fung der kältern, daher schwerern Luftschichten be-
günstigen. Mittel gegen das Erfrieren wendet die
Forstwirtschaft verschiedene an: in Saat- und Pflanz-
kämpen schützende Bedeckung; bei empfindlichern
Holzarten, wie Buche und Tanne, Femelschlagbetrieb
(s. d.); Entfernung des Grases aus den Kulturen,
weil diefes eine ungewöhnliche Abkühlung der un-
tern Luftschichten durch Wärmestrahlung bewirkt
und die Luftbewegung hindert; in Frostlagen Ver-
meidung des Anbaues empfindlicher Holzarten,
Schutz letzterer in der ersten Jugend durch Über-
pflanzung mit fchnellwüchsigern, härtern Holzarten,
z. V. oft Überpflanzung der Fichtenkulturen mit
Kiefern; Anwendung besonders starker, kräftiger
Pflanzen; Entwässerung nasser Stellen u. a. m.
Häufig hat die Frostwirkung uicht sogleich den Tod
der betreffenden Pflanze zur Folge, bringt aber ge-
wisse chem. Veränderungen in den betroffenen Teilen
hervor. Als folche find zu nennen z. B. das Süß-
werden der Kartoffeln, der Frostgefchmack der Wein-
beeren u. s. w. - Vgl. R. Goethe, Die F. der Obst-
bäume und ihre Verhütung (Berl. 1883); N. Hartig,
Lehrbuch der Baumkrankheiten ß. Aufl., ebd. 1889);
Heß, Der Forstschutz (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1890).
Bei den Iagdticren macht sich F. insofern
geltend, als bei sehr starkem Frost ein Erfrieren der-
selben eintritt, durch Zufrieren der Gewässer die
Tränken fehlen und durch eine starke Eis- oder
Schneekruste die Äsung unzugänglich sowie auch
Beschädigung an den Läufen herbeigeführt wird.
Frostschmetterling ((^simatodia di-ninata 1/.)
oder Frostspanner, ein zu der Familie der (^60-
ni6ti'iäH6 oder Spanner gehöriger Schmetterling,
welcher erst im November oder Dezember fliegt und
an Bäumen sitzend sich begattet, worauf das Weib-
chen, welches statt der Flügel kurze, zum Fliegen
untaugliche Stummel besitzt, hoch auf die Bäume
kriecht und die kleinen Eier an Knospen oder Blatt-
stielnarben klebt. DieRäupchen (s. Tafel: Raupen,
Fig. 9), gewöhnlich Spaniol, auch Spanne ge-
nannt, kriechen beim Ausbrechen der Knospen aus,
fressen diese aus und gehen später an die Blätter;
gegen die Mitte des Juni lassen sie sich an Fäden
von den Bäumen herab, um sich in der Erde zu
verpuppen. Der Spaniol ist mit Recht gefürchtet,
da er die Obstgärten, uamentlich in der Nähe von
Buchen- und Eichenwäldern, oft in unglaublicher
Weise verheert. Er ist grau, dann grün und gelb
gestreift, in den gelben Streifen mit roten Punkten.
Die Flügellosigkeit des Weibchens hat ein Mittel
finden lassen, ihm beim Besteigen der Obstbäume
deu Weg zu verlegen. Man legt nämlich im Okto-
ber und November sog. Klebgürtel um die Stämme,
mit einer klebrigen Substanz bcstrichene Papier-
ftrcifen, auf welchen das Weibchen beim Aufbäumen
kleben bleibt und zu Grunde geht, oft in so großer
Individuenzahl, daß sie den uachsolczenden als
Brücken den Übergang erleichtern. Sobald man dies
wahrnimmt, muh man die Kledgürtcl durch andere
ersetzen. Andererseits wird man auch die tlebrige
Substanz, wenn sie durch die Luft verhärtet ist, er-
neuern müssen. Früher benutzte man als Klebe-
mittel den Wagenteer, der aber, bald vertrocknend,
seine Aufgabe nur unvollständig erfüllt. Wirksamer
ist zwar der seit etwa 10 Jahren im Handel befind-
liche Vrumataleim, doch ist er zu teuer und deshalb
für größere Obstbaumpflanzungen nicht vorteilhaft.
Ein viel billigeres Klebemittel bereitet man sich aus