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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fuentesauco - Füeßli
1603 an den Grenzen des Veltlin, beim Einflüsse der
Adda in den Comersee, die Feste F., wodurch er die
Graubündener äußerst erbitterte. In Besorgnis über
den Aufschwung, den Frankreich unter Heinrich IV.
nahm, brachte er 1599 ein Bündnis mit dem Herzog
von Savoyen zur Zerstückelung Frankreichs und die
Verschwörung des Marsckalls Biron zu stände. Als
der Krieg zwischen Frankreich und Spanien wieder
ausbrack, fiel der hochbetagte F. mit einem Heere von
25000 Mann span. Kerntruppen in die Champagne
ein, wurde aber bei Nocroi 19. Mai 1643 von dem
jungen Herzog von Enghien, dem spätern großen
Condö, mit geringerer Macht gänzlich geschlagen und
blieb mit 6000 Spaniern auf dem Platze.
Fuentesauco, Hauptort eines Gerichtsbezirks
der span. Provinz Zamora (Leon), im l^O. von
Zamora, in 836 m Höhe, ist wichtiger Straßen-
tnotenpunkt, hat (1887) 3827 E. In der Umgebung
wacksen ausgezeichnete Garbanzos (Kichererbsen)/
Fuentes de Andalucm, Stadt der span. Pro-
vinz Sevilla, im O. von Sevilla, an der Eisenbahn-
linie Marchena-Cordoba, hat (1887) 7161 E.
Fuero (span., vom lat. torum, Marktplatz), in
der span. Nechtssprache zunächst der Gerichtsort,
der Gerichtsbezirk und die Gerichtsbarkeit, dann
übertragen auf die Sammlungen von Gesetzen (wie
z. B. das ^uei'o i6al und das I?u6i-0 ^uxFo, die
span. Bearbeitung der alten I^6x Visi^otlioi-uin),
insbesondere auf die von den Königen verliehenen
Stadtrechte (wie z. B. das F. von Leon und das
von Najera, der Hauptstadt der Rioja). Da diese
Stadtrechte meist besondere Privilegien enthielten,
wurde das Wort in der Mehrzahl Fueros vor-
zugsweise in dieser Bedeutung gangbar, und ins-
besondere behielten bis in die neueste Zeit die
Fueros der vier nördl. Provinzen, d. h. Navarras
und der drei bask. Provinzen Biscaya, Alava und
Guipuzcoa, diese Bedeutung. Letztere behielten da-
durch nicht nur eine große Selbständigkeit in der
Verwaltung, sondern vor allem die Freiheit, nicht
zum allgemeinen Militärdienst für die Verteidigung
anderer Provinzen herangezogen zu werden. Der
Kampf für diese Freiheiten war der eigentliche Be-
weggrund der beiden karlistischen Bürgerkriege. (^.
Spanien.) Erst nach Niederwerfung des letzten Auf-
standes unter der Negierung des Königs Alfons XII.
wurden die Fueros im Juli 1876 mit aller Scho-
nung der Gewohnheiten des Volks aufgehoben.
Fuerteventüra, Infel der fpan. Canarien,
südwestlich von Lanzarote, durch die 11 km breite
Bocaynastraße von der letztern getrennt, ist 100 km
lang, durchschnittlich 24 km breit und hat, ein-
schließlich der benachbarten Insel Lobos (4,6 ykni),
1721,6 ykm und (1887) 10166 E. F. ist mit
zahlreichen erloschenen Kratern besetzt, erreicht im
Monte-Iarsa 844, im Monte-Muda 683 m und ist
ziemlich unfruchtbar. Nur in der Nähe der Ort-
schaften sieht man einige Feigen- und Mandelbäume
und auf dem Felde erntet man nur in regenreichen
Jahren etwas Getreide; der größte Teil ist Weide-
land, auf dem Ziegen, Schafe und Kamele weiden.
Kalkstein- und Gipsbrüche bilden eine andere Er-
werbsquelle. Wald fehlt gänzlich. Größere Ort-
schaften sind Antigua (2066 E.), La Oliva (2310
E.) und Tuineje (2022 E.).
Füetzli, Fühli, Name einer Schweizerfamilie,
von deren Mitgliedern sich mehrere als Künstler und
Kunstgelehrte ausgezeichnet haben. Sie stammten
aus Zürich, wo sie auch thätig waren.
Der älteste, Johann Kaspar F., geb. 1707 in
Zürich, gest. 6. Mai 1782, Schüler seines Vaters
Matthias, hatte sich auf großen Reisen Kenntnisse
erworben und war im Vilonisfache tüchtig. Er ver-
faßte das "Verzeichnis der vornehmsten Kupfer-
stecher und ihrer Werke" (Zür. 1771) und "Geschickte
und Abbildungen der besten Künstler in der Schweiz"
(5 Bde., ebd. 1769-79). Von Winckelmann, der ihm
persönlich befreundet war, gab er deMn Briefe an
feine Schweizerfreunde (Zür. 1778) heraus.
Außerordentliches Verdienst um die Gesckichte der
Kunst hatHans Rudolf I. F., dessen großes "All-
gemeines Künstlerlerikon" (Bd. 1 mit 3 Supple-
menten, Zür. 1763-77; 2. Ausg. 1779 erschienen)
noch jetzt von Wichtigkeit ist. Er wurde 5. Sept. 1709
in Zürich geboren, war als Maler Lutherburgs
Schüler und starb 12. Sept. 1793.
Hans Rudolf II., geb. 1737 in Zürich, lernte
bei feinem Vater, Johann Kaspar F., kam 28 I.
alt nach Osterreich, um dessen Kunstleben er sich Ver-
dienste erwarb. Namentlich sind seine nicht vollende-
ten "Annalen der bildenden Künste für die österr.
Staaten" (2 Hefte, Wien 1801 - 2), welche er als
Archivar der Wiener Akademie verfaßte, von gro-
ßem Werte. Ferner lieferte er ein "Kritisches Ver-
zeichnis der besten, nach den berühmtesten Malern
aller Schulen vorhandenen Kupferstiche" (4 Bde., un-
vollständig, Zür. 1798-1806). Vorher bekleidete
er mehrere administrative Stellen im österr. Dienste
und wirkte als Geometer in Ungarn undDalmatien.
Kaiser Joseph II. ernannte ihn zum Präsidenten
der Steuerkommission. Er starb 1806 in Wien.
Johann Heinrich, Bruder von Hans Nu-
dolf ll., als ausübender Künstler der hervorragendste
aus der Familie, auch als Übersetzer tüchtig, geb.
7. Febr. 1742 zu Zürich, studierte zunächst Theologie
und lernte verschiedene Spracken, übersetzte einige
Shakespearesche Dramen, ging 1765 nach London,
wurde dort 1767 Schüler des Malers Reynolds,
ging dann nach Rom, wo er zu Raphael Mengs,
Winckelmann u. a. in Beziehung trat und bald ein
berühmter Künstler wurde. In Italien und Eng-
land sich abwechselnd aufhaltend, war er sowohl
künstlerisch als litterarisch thätig; er wurde 1788
Mitglied, 1799 Professor, 1804 Direktor der königl.
Kunstakademie zu London und wetteiferte an lünst-
lerischem Ruhm mit West und Reynolds. Er starb
16. April 1825 in Putney-Heath. Er liebte große
histor. Stoffe, namentlich aus der GeWchie ie'mes
Vaterlandes und aus der Mythologie; so malte er
u. a. den Bund der Eidgenossen im Rathause zu
Zürich, Füßli und Bodmer im Gespräch, Adsckied
des Theseus von Ariadne, das kolossale Gemälde
der Seelen in der Unterwelt nach Lucian. Eine
stark ausgesprochene Individualität schädigt indessen
die Anerkennung seiner meist poesievollcn Entwürfe.
F. veröffentlichte "I^octui-ss cni p^intin^" (2Tle.,
Lond. 1801-20) und bearbeitete das "DiotionHi-^
okpHwwi-Z" von Pilkington (ebd. 1805). Erwirb
in England meist "Fuseli" geschrieben. - Vgl.
Knowles, I^it'6 anä norks ok ^odn ^ugeli (3 Bde.,
Lond. 1831).
Hans Heinrich F., Sohn von Hans Rudolf I.,
geb. 8. Dez. 1744, ein Jugendfreund Vonstettens
und Joh. von Müllers, dem er einen Teil seiner
wertvollen histor. Sammlungen überließ, war gegen
Ende des 18. Jahrh. Lehrer der vaterländischen Ge-
schichte und unter der helvct. Einbeitsverfassung
Mitglied der obersten Vollziehungsbehörde. Er war