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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fürstenau - Fürstenberg (schwäb. Fürstentum und Geschlecht)
Fürstenau, Stadt im Kreis Versendrück des
preuß. Reg.-Vez. Osnabrück, 44 Wn im NW. von
Osnabrück, in 52 in Höhe, an der Linie Oberhausen-
Nbeine-Quakenbrück der Preusi. Staatsbahnen, Sitz
enies Amtsgerichts (Landgericht Osnabrück), hat
(1890) 1380 E., darunter 607 Katholiken, Post,
Telegraph, Fernsprechverbindung; eine evang. und
eine kath. Pfarrkirche, ein altes Schloß, ehemals zeit-
weilig Residenz der Bischöfe von Osnabrück; Acker-
bau, Rindviehzucht und Schweinemast.
Fürstenau,Kaspar, Flötenvirtuos, geb. 26.Febr.
1772 zu Münster in Westfalen, gest. 11. Mai 1819
zu Oldenburg, wo er Kammermusitus war. Sein
Sohn Anton Bernhard, geb. 20. Okt. 1792 zu
Münster, erbte des Vaters Kunst in vollem Maße
und wurde auf diesem Instrument einer der ersten
Meister seiner Zeit. Zahlreiche Kompositionen, eine
große Flötenschule und viele Schüler bezeugen noch
jetzt seine Kunst. Er war seit 1820 Mitglied der
Hoftapelle in Dresden, wo er sich die Freundschaft
von K. M. von Weber erwarb. F. starb 18. Nov.
1852. Sein Sohn und Schüler Moritz, geb. 26. Juli
1824 zu Dresden, wurde 1842 Flötist bei der königl.
Hofkapelle, später Kammermusiker, tönigl. Professor
und Vorsitzender des Tonkünstlervereins in Dres-
den und starb als Kustos der königl. Musikalien-
sammlung 28. März 1889. Er hat sich besonders
als Musikschriftsteller hervorgethan. Wertvoll sind
die Monographien: "Beiträge zur Geschichte der
königlich sächs. musikalischen Kapelle" (Dresd. 1849),
"Zur Geschichte der Musik und des Theaters am
Hofe zu Dresden" (2 Bde., ebd. 1861-62).
Fürstenbank, Bezeichnung für die auf dem
frühern deutschen Reichstage mit Virilstimmen aus-
gestatteten Rcichsfürsten. Der Reichsfürstenrat zer-
fiel in zwei Bänke, diegeistli ch e und weltliche F.,
die bis 1803 zusammen 94 Stimmen umfaßten, zu
denen noch 6 Kuriatstimmen, d. i. Kollektivstimmen
mehrerer, nämlich zwei Prälatenbänke und vier
Grafenbänke hinzukamen. Zur geistlichen Bank ge-
hörten außer den Bischöfen und gefürsteten Äbten
auch Österreich nebst Burgund und zwar lediglich
aus dem Grunde, um Osterreich einen Vorrang
vor Bayern einzuräumen, welches die erste stimme
auf der weltlichen Bank führte. Die Rangordnung
war o.enau geregelt und zwar folgte immer auf eine
Stimme der geistlichen Bank eine Stimme der
weltlichen. Von der geistlichen Bank wurden nach
den Säkularisationen des Westfälischen Friedens
die säkularisierten stimmen auf einen gleichen Platz
in der weltlichen F. übertragen und für die prot. Bi-
schöfe (Lübeck, Osnabrück alternierend) eine "Ouer-
dank" abgezweigt. Die zahlreichen Rangstreitigkeiten
unter den geistlichen und weltlichen Fürsten wurden
zum großen Teil dadurch erledigt, daß sie im Vor-
range miteinander alternierten; es wnrden darüber
zahlreiche "Alternationsrezesse" abgeschlossen. Nach
dem Lnn^viller Frieden kamen sehr viele stimmen
sowohl auf der geistlichen als der weltlichen F. durch
die Abtretung an Frankreich und durch die Säkulari-
sationen in Wegfall; zwar sollte die Einteilung des
Fürstenrats in die geistliche und weltliche Bank bei-
behalten werden, die Auflösung des Reichs machte
aber diesen Einrichtungen ein jähes Ende.
Fürstenberg. 1)F. anderOder, Stadt im
Kreis Guben des preuh. Reg.-Bez. Frankfurt a. O.,
24 kni im NW. von Guben, in 43 m Höhe, links an
der Oder, am Oder-Spreekanal und an der Linie
Berlin-Kohlfut-t 5er Preuß. Staatsbahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Guben), hat (1890)
4021 E., darunter 429 Katholiken und 43 Israeliten,
Post, Telegraph, Vorschußverein, Sparkasse, städti-
sches Krankenhaus; Glashütte, Vraunkohlcngrube
(jährliche Produktion etwa 700000 Iii), Vriquett-
und Teerfarbenfabriken, Korbflechterei, Ziegeleien,
Getreidehandel, Schiffahrt, Acker- und Gemüsebau.
- 2) F. in Mecklenburg, Stadt im Groß Her-
zogtum Mecklenburg-Strelitz, 19 km im SSO.
von Neustrelitz, an der Havel, zwischen drei Seen,
an der Linie Berlin-Neubrandenburg der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Land-
gericht Neustrelitz), hat (1890) 2405 evang. E.,
Post zweiter Klasse, Telegraph, großherzogl. Schloß
nebst Garten; Wollspinnerei, Tuchmacherei, Fische-
rei, Schiffahrt, Vierbrauerei, Schneide- und Mahl-
mühlen sowie bedeutenden Holzhandel. - 3) F. in
Baden, Stadt im Bezirksamt Donaueschingen des
bad. Kreises Villingen, in 794m Höhe, am Fuße des
Fürstenberges (919 ni), hat (1890) 330 kath. E. und
verdankt seinen Ursprung der aus dem Berge liegen-
den Burg, die im 13., 14. und 15. Jahrh/Wohnsitz
des Hanptstammes des nach ihr benannten Ge-
schlechts Fürstenberg (s. d.) war. - 4) Stadt im
Kreis des Eisenberges des Fürstentums Waldeck,
2 Km von der Orke, auf einem Berge, hat (1890)
373 E. und evang. Pfarrkirche. - 5) F. an der
Weser, Dorf im braunschw. Kreis Holzminden, an
der Weser und an der Linie Scherfede-Holzminden
der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 772 E., Post-
agentur, Fernsprechverbindung, Steinbrüche und
Porzellanfabrik (200 Arbeiter).
Fürstenberg, deutsches mediatisiertes Fürsten-
tum von 2090 hkm, welches die Grafschaft Heiligen-
berg, die Landgrafschaften Stühlingen und Baar
und die Herrschaften Hohenhöwen, Jungnau, Troch-
telfingen, Hausen im Kinzigthal, Meßkirch, Wilden-
stcin, Waldsperg, Neufra und Hayingen umfaßt,
liegt unzusammenhängend in dem südl. Teile Schwa-
bens und stebt seit 1806 unter der Landeshoheit
von Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sig-
maringen (Preußen). Die standesherrlichen Ver-
hältnisse F.s zu Baden wurden durch die Verhand-
lungen vom 11. Nov. 1823 und durch die Überein-
kunft vom 14. Mai 1825, die zu Württemberg durch
die königl. Deklaration vom 23. Jan. 1839, mit
Hohenzollern-Sigmaringen durch die Übereinkunft
vom 17. Juni 1808 und mit Preußen durch den
Hauptreceß von: 9. Mai 1866 bestimmt.
Die Fürsten zu F. sind die direkten Nachkommen
der Grafen von 11 räch, als deren Stammvater
Graf Unruoch, ein Zeitgenosse Karls d. Gr., gilt.
Ihr näherer Stammvater ist Graf Heinrich von
Nrach, der bei der Teilung mit seinen Brüdern die
von den Zähringern an die Uracher vererbten Be-
sitzungen in der Vaar und im östl. Schwarzwalde
erhielt und sich seit 1270 nur Graf von F., nach
seiner in der Vaar gelegenen Hauptfcste, benannte.
Er leistete König Rudolf von Habsburg wichtige
kriegerifche und diplomat. Dienste und wurde 1283
auch Landgraf von Baar, welche Würde feine Nach-
kommen bis 1806 behaupteten. Diese schwächten
die Macht ihres Hauses durch wiederholte Tei-
lungen; erst im 15. Jahrh, hob sich das Haus aufs
neue. HeinrichvonF., geb. 1464, und sein Bruder
Wolfgang erwarben das Vertrauen Kaifer Maxi-
milians; Heinrich erhielt den Oberbefehl über die
Streitkräftc in Vorderösterreich gegen die Eidgenossen
und siel 22. Juli 1499 bci Toruegg an der Birs.