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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gang nach Canossa; Ganglien; Gängling; Ganglion; Gangotri; Gangraena; Gangri

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Ganglien - Gangri

Benediktinerorden, wurde 1847 Religionslehrer, 1867 Direktor am Obergymnasium in Kremsmünster, 1876 Abt daselbst, 1877 Mitglied des Herrenhauses, wo er zur liberalen Verfassungspartei gehörte. Nach Kutschkers Tode wurde G. 1881 zum Fürst-Erzbischof von Wien ernannt, in welcher Eigenschaft er sich durch Mäßigung und Toleranz allgemeine Achtung erwarb. 1884 wurde er Kardinal. Er starb 14. Dez. 1889 in Wien.

Ganglien (grch.) oder Nervenknoten, anatom. Name für knotenförmige, größere oder kleinere Körperchen von blaßgrauroter Farbe, die an den verschiedensten Stellen des Körpers vorkommen, mit Nervenfäden vorzugsweise des sympathischen Nervensystems in Verbindung stehen und aus sehr feinen Nervenfäserchen und Nervenzellen oder Ganglienkugeln zusammengesetzt sind. Die letztern sind kugelförmige, bis zu 1/30 mm große Gebilde, bestehen aus einem feinkörnigen weichen Protoplasma und einem großen runden bläschenförmigen Kern und gehen entweder direkt vermittelst fadenförmiger Fortsätze in die Nervenfasern über oder werden von diesen nur umsponnen. Nach der Zahl dieser Fortsätze unterscheidet man unipolare (mit einem), bipolare (mit zwei) und multipolare (mit mehr als zwei Fortsätzen) Ganglienzellen. Anhäufungen von Ganglienzellen in der Form von Nervenknoten finden sich teils in großer Anzahl im sog. vegetativen oder sympathischen Nervensystem, das deshalb Gangliensystem (s. unten) genannt wird, teils an ganz bestimmten Stellen der cerebrospinalen, d. h. der aus dem Gehirn und Rückenmark entspringenden Nervenstämme, und zwar überall da, wo eine Verbindung dieser Nerven mit solchen des sympathischen Nervensystems erfolgt. Zu dieser Gruppe gehören die sog. Spinalganglien, die an allen Rückenmarksnerven bei ihrem Austritt aus dem Wirbelkanal gefunden werden, ferner der Ciliarknoten (ganglion ciliare) in der Augenhöhle, der Ohrknoten (ganglion oticum) und der Flügelgaumenknoten (ganglion sphenopalatinum) am Schädelgrund, der Gassersche Knoten (ganglion Gasseri, benannt nach Gasser, geb. 1505 zu Lindau, gest. 1577 zu Augsburg) am Stamme des fünften Hirnnerven und manche andere. Physiologisch betrachtet sind sämtliche Nervenknoten oder richtiger jede einzelne Ganglienzelle als ein kleines Nervencentrum anzusehen, das für die von ihm abgehenden Nervenfäden ebenso fungiert, wie im großen das Gehirn und Rückenmark für die von diesen Centralorganen entspringenden Nervenfasern.

Das Gangliensystem, auch organisches oder vegetatives Nervensystem (nervus sympathicus) genannt, umfaßt alle Nerven, die zu den vom Willen unabhängigen Organen des sog. vegetativen Lebens, d. h. zu den Organen des Kreislaufs, der Atmung, der Verdauung, der Harnabsonderung und der Fortpflanzung gehen, und steht so in einem gewissen Gegensatz zu dem Cerebrospinal- oder Hirnrückenmarkssystem, das der willkürlichen Bewegung und Empfindung dient. Seine Unabhängigkeit vom Gehirn und Rückenmark tritt namentlich in den Fällen deutlich hervor, wo die beiden letztgenannten Ncrvencentren von Krankheiten getroffen, z. B. gelähmt werden; das Gangliensystem fährt während jener Krankheiten fort, seine Funktionen auszuüben, die Blutcirkulation, die Verdauung und alle übrigen vegetativen Verrichtungen gehen ungestört von statten, wenn auch die von den gelähmten Nerven versorgten Organe ihre Thätigkeit teilweise oder gänzlich eingestellt haben. Doch ist das Gangliensystem nicht ein vollkommen in sich geschlossenes System, sondern steht in anatom. und pbysiol. Hinsicht mit dem Cerebrospinalsystem in vielfacher und inniger Verbindung. Seinen Namen hat es davon erhalten, daß es außerordentlich reich an Nervenknoten ist und weil die letztern die eigentlichen Centralorgane dieses Systems darstellen. Die Nervenfasern des Sympathicus sind übrigens dünner und zarter als die des Gehirns und Rückenmarks und bestehen nur aus einer Substanz, welche dem Achsencylinder der gewöhnlichen Nerven entspricht. Eine weitere wesentliche Eigentümlichkeit des Gangliensystems besteht darin, daß seine Bestandteile nicht auf einem engen Raume zusammenliegen, sondern fast durch den ganzen Körper verteilt sind. Der Sympathicus liegt nämlich in zwei Strängen, den beiden sog. Grenzsträngen, die unter den Wirbeltieren, den Lanzettfischchen und den Rundmäulern fehlen, symmetrisch zu beiden Seiten der Wirbelsäule in der Brust- und Bauchhöhle und erstreckt sich auch mit drei großen Nervenknoten auf Hals und Kopf. In der Mittellinie des Körpers treten Zweige des Sympathicus zu eigentümlichen Netzen oder Nervengeflechten (plexus nervosi) zusammen, während er andererseits mit allen Nerven des Rückenmarks und des Gehirns, mit Ausnahme der Sinnesnerven (Geruch-, Seh- und Gehörnerven) in vielfacher Verbindung steht. Das größte Geflecht dieser Art ist das sog. Sonnengeflecht (plexus solaris), welches dicht unter dem Zwerchfell auf der Vorderseite der Aorta gelegen ist und mit sämtlichen Eingeweidenerven innig zusammenhängt. Ebenso sind für das Herz, die Nieren und die Beckenorgane besondere Geflechte vorhanden, die sämtlich viele kleinere und größere Nervenknoten enthalten.

Von Krankheiten des sympathischen Nervensystems ist im allgemeinen wenig bekannt; doch weiß man, daß die Basedowsche Krankheit, die fortschreitende Gesichtsatrophie, die Migräne und einige andere Nervenkrankheiten auf Veränderungen der sympathischen Hals- und Brustnerven beruhen. - Vgl. Eulenburg und Guttmann, Die Pathologie des Sympathicus (Berl. 1873). (S. Tafel: Die Nerven des Menschen, beim Artikel Nerven.)

Gängling, Fisch, s. Aland.

Ganglion (grch.), Ganglienzelle, Ganglienknoten (s. Ganglien), Überbein (s. d.).

Gang nach Canossa, s. Nach Canossa gehen wir nicht.

Gangotri, ein Hinduheiligtum in dem Vasallenstaate Garhwal des Indobritischen Reichs, auf dem rechten Ufer der Bhagirathi-Ganga (s. Ganges), 13 km nordwestlich von der Gangesquelle, in 3l44 m Höhe, an einer Einbuchtung des Flusses; ein einfach gebautes, viereckiges, 6 m hohes Tempelgebäude mit Statuen der Ganga, der Bhagirathi und anderer, zu der Örtlichkeit in Beziehung stehender mytholog. Wesen. Die Wallfahrer finden in den Wäldern und Höhlen der Umgegend Unterkommen.

Gangraena (Necrosis), Gangrän, s. Brand (mediz.). G. nosocomialis, Hospitalbrand; G. oris, s. Mund und Roma; G. senilis, Altersbrand; gangränös, brandig; gangränescieren, brandig werden; Gangränescenz (Gangränose), das Brandigwerden eines Körperteils.

Gangri, Tise Gangri, Gangsri oder Kailasch, Gebirgskette in Innerasien, mit der das Hochland von Tibet dem Himalaja am nächsten tritt,