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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gascanier - Gascogne
Menge Luft und entzündet die Mischung, so ver-
brennt sie mit Explosion. Diese Erscheinung wird
in den Gasmotoren (s. d.) nutzbar zur Krafterzeu-
gung verwendet. Explosiv ist die Mischung von
1 cdui Leuchtgas mit 4-11 cdm Luft. Das Leucht-
gas verbrennt, ohne einen festen Rückstand zu
hinterlassen, vollständig zu Kohlensäure und Wasser-
dampf, und zwar erzeugt 1 edm Leuchtgas rund
0,5 cdm Kohlensäure und reichlich 1 c^din Wasser-
dampf. Das Leuchtgas wirkt durch seinen Gehalt an
Kohlenoxyd beim Einatmen giftig. Charakteristisch
ist sein eigentümlicher intensiv widerlicher Geruch,
welcher es selbst noch in den geringsten Mengen
erkennen läßt.
Statistisches. Infolge der großen Verbreitung,
welche die G. gesunden bat, ist fast jede größere
Stadt mit einer Gasanstalt versehen. 1884 wurden
in Deutschland 577 Städte nachgewiesen, welche
eine Gasanstalt besitzen und zusammen 1 700000 t
Gaskohlen verarbeiteten, woraus rund 510 Mill.
odm Gas gewonnen wurden. Gegenwärtig werden
in 190 der größern deutschen Gasanstalten über
580 Mill. cdm Gas jährlich dargestellt, wovon allein
über 100 Mill. edm aus Berlin kommen. In London
wurden im gleichen Jahre rund 500 Mill. odm ge-
wonnen, also ungefähr soviel wie in ganz Deutsch-
land. Obwohl die elektrischen Centralen den Gas-
anstalten eine bedeutende Konkurrenz gebracht haben,
ist die Entwicklung der Gasanstalten eher gefördert
als gehemmt worden. Es ist dies nicht nur dem Um-
stände zuzuschreiben, daß das Lichtbedürfnis in
stetem Wachstum begriffen ist, sondern namcntlicb
der Thatsache, daß die Gasanstalten auch zur ccn-
tralen Versorgung der Städte mit Wärme und Kraft
ganz hervorragend geeignet sind, da sie den hierzu
erforderlichen Stoff in einfacher, bequemer und bil-
liger Weise liefern können.
Die Gasanstalten erzielen bei Gaspreisen von
12 bis 24 Pf. pro 1 cdm meist eine bedeutende
Rente und spielen deshalb in den städtischen Haus-
haltungen eine wichtige Rolle. In Deutschland gehen
die meisten noch in Privatbesitz befindlichen Gas-
anstalten allmählich in städtischen Besitz über. Zur
Verbreitung der Verwendung des Gases zuHeiz- und
Kraftzwecken haben viele Gasanstalten niedere Gas-
preife (8-15 Pf. pro 1 cdm) eingeräumt und da-
durch eine bedeutende Zunahme des Gasverbrauchs
in diefer Richtung erzielt. Folgende Tabelle zeigt
den jährlichen Gasverbrauch und die Gaspreife
einiger deutfcher Städte:
Städte
Berlin .
Hamburg
Köln . .
Dresden
Leipzig .
München
Brcslau
Nürnberg
Tilsit . !
Jährlicher
Gasverbrauch

Gesamter
Kopf der lölkerung



Mill. odm

Proz.
Proä.
Proz.
100
63
73,7
13,3
6,0
39
68
71,9
17,3
2,8
22
78
64,4
22,1
5,0
22
80
64,5
16,6
9,4
16
46
67,1
13,2
8,3
15
43
68,2
12,5
8,9
14
42
60,6
19,1
4,8
7
49
57,3
13,6
14,4
0,57
24
42,8
14,5
34,5
Gasprcis
für 1 odin
-K?
3?
Pf.! Pf.
16
12
18
15
15
12
17
12
18
15
23
17
18
12
20
15
19
13
Ein großer Teil der Kosten der zur Gasberei-
tung erforderlichen Gaskohlen wird durch die Ein-
nahmen für die Nebenprodukte: Koks, Teer, Gas-
wasser, Ammoniak. Cvan und Retortenczrapbu ge-
deckt. Man erhält bei der Gasbereitung aus 1001<3
Steinkohlen durchschnittlich 30 cdm Gas, 65 kx
Koks, 10K3 Gaswasser und 6K^ Teer. Aus 100 cdm
Leuchtgas werden ferner durch die Reinigungspro-
zesse ausgeschieden: etwa 0,8 kF Ammoniak/0,7 kF
Kohlensäure, 1,o? k^ Schwefel und 0,09 kF Stick-
stoff als Cyan.
über die Stellung der G. gegenüber andern Be-
leuchtungsarten f. Beleuchtung, über die auf an-
dere Weise als durch Destillation von Gaskoblen
(s.d.) gewonnenen Arten von Leuchtgas s. Holzgas
Lustgas, Naturgas, Olgas, Torfgas, Wassergas.
Litteratur. Schilling, Handbuch für Stein-
kohlen-Gasbeleuchtung (Münch. 1879); Schilling
.stiu., Nachtrag hierzu (ebd. 1892); Schillings Jour-
nal für G. und Wasserversorgung (hg. von Bunte,
München) ;Eoglievina,Thcorctisch-praktischesHand-
buch der Gasinstallation (Wien 1889); Thenius,
Die Fabrikation der Leuchtgase (Wien 1891); Achel-
bäuser, Die Steinkohlengasanstalten als Licht-,
Wärme- und Kraftcentralen (Dessau 1892).
Gascamer, Volksstamm, s. Basken.
Gasch, Fluß, s. Atbara.
<5a.8-(3kbok (spr. gäß tscheck), in England und
Nordamerika gebräuchliche Art der Erpansions-
fülnung (s. Erpansion).
Gascogne (spr. -tönnj; Vaäconia), franz. Land-
schaft, erhielt ihren Namen von den Basken (s. d.),
welche, in der Mitte des 6. Jahrh, von den West-
goten aus ihren Wohnsitzen am Südabhange der
Pyrenäen verdrängt, sich in der frühern röm. Pro-
vinz ^lovempo^uwui^zwifchenAtlantifchem Ocean,
Garonne und Westpyrenäen niederließen. Sie um-
faßte die heutigen Depart.Landes,Hautes-Pyr^nees,
Gers sowie den südl. Teil von Haute-Garonne,
Tarn-et-Garonne und Lot-et-Garonne, hatte etwa
W520 qkin und zerfiel in folgende 13 Länder:
Landes (fast ein Viertel des Ganzen), Armagnac,
Quatre-Vallees, Chalosse, Condomois, Nebouzans,
Labourd, Soule. Die Bewohner der östl. Gegenden,
besonders des Depart. Gers oder die eigentlichen
G a sc 0 gner, sind von kleinem, aber kräftigem Kör-
perbau, gutmütig, hitzig und ehrgeizig, besitzen aber
eine lebhafte Phantasie und Unternehmungsgeist.
Hie haben in Sprache und Sitten ihr Voltstum
bewahrt. Wegen der Dürstigteit des Bodens oft
genötigt, in fremden Heeren zu dienen, wobei sie
sich übrigens als gute Soldaten zeigten, wußten sie
sich das Ansehen zu geben, als thäten sie dieses
bloß um des Ruhmes willen. Da sie nebenbei ge-
wöhnlich viel von ihren angeblichen Besitztümern
sprachen und überhaupt zu allerhand Übertreibun-
gen neigten, so wurde allmählich das Wort Gas-
connade die Bezeichnung sür eine harmlose, un-
schädliche Ausschneiderei. Die Bewohner der westl.
Landschaften oder der Landes sind schwächlich, von
gelblicher Hautfarbe, gutmütig, ehrlich, aber un
wissend und ungebildet. Sie beschäftigen sich mn
Viehzucht, Holzsammeln, Korkschneiden, Kohlen-
brennen, Fischfang, im S. auch mit Ackerbau, Obst
und Weinzucht. Der größte Teil der Bauern, die
Schäser, Ochsenhirten und Harzsammler, führen eine
Art Nomadenleben.
Die G. bildote den nördl. Teil des alten Aquita-
nien (s. d.), gehörte nach dem Sturze des Römischen
Reichs den Westgoten und mußte sich 602 den Fran-
ken unterwerfen. Diefelben stellten sie unter Aufsicht
der Herzöge von Aquitcmien. Karl d. Gr. gab der