Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

664
Gegensiegel - Gegensprechen
nismäßigen Nachschüssen verpflichtet. Zum Unter-
schiede von der einfachen Versicherung gegen Prämie
(Deutsches Handelsgesetzbuch Art. 271, Nr. 3) ist der
Vertrag des Versicherungsnehmers mit einer Ver-
sicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit, wennschon
er unter Zahlung einer Prämie erfolgt, Beitritt zur
Gesellschaft als Gesellschafter und deshalb kein
Handelsgeschäft. Der Geschäftsbetrieb der Ver-
sicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit bedarf
der polizeilichen Genehmigung wie der Betrieb an-
derer Versicherungsgesellschaften.
Die durch das Statut geregelte Organisation der
G. ist im allgemeinen derjenigen der Aktiengesell-
schaften ähnlich. Die Gefchäftsführung hat regel-
mäßig ein Vorstand (Direktor), unter dessen Voll-
machtin den verschiedenen Bezirken Generalagenten
oder Agenten die Versicherungsverträge id. h. die
Aufnahme neuer Gesellschafter) abfchließen oder vor-
bereiten. Ein Aufsichtsrat beaufsichtigt die Thätig-
keit des Vorstandes, während die gesamten Mit-
glieder die Generalversammlung bilden. Bisweilen
ist bei sehr ausgebreiteten Anstalten in richtiger
Würdigung der thatsächlichen Unmöglichkeit, viele
Tausende von Mitgliedern in einer Generalver-
sammlung zu vereinigen, von einer solchen abgeseben
(so z. B. in den Verfassungen der genannten Gotbaer
Anstalt), wo dann in anderer Weise, durch Schaf-
fung eines engern Wahlkörpers für die Vertretung
der Interessen der Gesamtheit der Versicherten ge-
sorgt sein muß. G. mit kleinerm (besonders geogra-
phisch begrenztem) Wirkungskreise baben eine ein-
fachere Organisation: auch fehlen ihnen die Kor-
porationsrechte, welche die gröftern meist erhalten.
Doch wird das Recht der G., im Prozeß durch ibren
Vorstand als Partei aufzutreten, in Deutschland
kaum noch beanstandet, wenn anch die G. Korpora-
tionsrechte nicht haben. Sehr mit Unrecht hat die
deutsche Gesetzgebung bisher unterlassen, die recht-
liche Stellung der G. und ihre Organisation gesetzlick
zu regeln. Denn keine der gesetzlich normierten Gesell-
schaftsformen paßt auf dieses eigenartige Institut.
Das Princip der Gegenseitigkeit hat auch im
Kreditwesen zunächst bei den Landschaften (s. d.)
Anwendung gefunden, insofern der Gesamtpfand-
briefschuld der Genossenschaft der Gesamtwert der
bei ihr bestellten Hypotheken als Haftung gegen-
übergestellt wurde, sodann bei den durch Schulze-
Delitzsch ins Leben gerufenen Vorschuß- und Kredit-
vereinen (s. d.) und den Raiffeisenschen Spar- und
Darlehnskassenvereinen (s. Darlehnskassenvereine)
mit Solidarhaft der Mitglieder für die Schulden
der Genossenschaft. In großartigstem Maßstabe ist
neuerdings die Gegenseitigkeit in der deutschen Un-
fallversicherungsgesetzgebung durch die Bildung von
Berufsgcnossenschaften (s. d.) eingeführt worden, in-
dem letztere für alle innerbald der betreffenden Ge-
nossenschaft vorkommenden Arbeiterunfälle solida-
risch aufzukommen haben. (Vgl. I>i6nä1x Koeik-
Gegenfiegel, s. Siegel. " ftieg.)
Gegensonne, s. Halo.
Gegenspalier, s. Spalier.
Gegenfprechen,telegraphisch es (Dupler-
telegrap hie), diejenige Art der Doppeltelegraphie
(s. d.), bei welcher zwei Telegramme zugleich in
entgegengesetzter Richtung auf derfelben Leitung
befördert werden. Die Vorschläge zur Herstellung
von Gegensprechern sind sehr zahlreich und die
Gesichtspunkte, von denen man dabei ausgegangen
ist, sind sebr verschieden. Bei dem Differential-
Gegensprecher z. B. erhält der Elektromagnet
des eigenen Empfängers jedes Amtes eine doppelte
Wicklung, und es wird der abgesendete Strom in
zwei entgegengesetzt wirkenden Zweigen durch die
beiden Windungen geführt, damit er in diesem
wirkungslos bleibt. Bei seinem Brücken-Gegen-
sprecher schaltete Karl Maron 1863 in jedem
Amte den Elektromagnet von dessen eigenem Em-
pfänger in die Diagonale einer Wheatstoneschen
Brücke (s. d.) und glich die Widerstünde so aus,
daß in dieser Diagonale die Stärke des fortgehen-
den Stroms gleich Null sein mußte. Nicht selten ver-
wendet man beim G. verschiedenartige Telegraphen-
apparate, namentlich Telephone neben andern Tele-
graphen (s. Doppeltelegraphie). Hiermag nur der bei
den engl. Staatstelegraphen auf Luftleitungen be-
nutzte Gegensprecher -^ _,
mit dauernden Wech- ^ '" /^
selströmen kurz er-
läutert werden (s.
Doppelgegen-
sprechen). In dem s
Amte I(s. beistehende
Figur) sind nötig:!
eine Batterie I>i, ein
polarisiertes Relais
ki (s. Elektrische Te-
legraphen, Bd. 5,
T.1013d),einTaster
^ und ein künstlicher
Widerstands; im
Amte II die gleichen Teile V.,, N.2,^2 und V^. In
'I, und 1^2 (s- auch Telegraphenschaltungen) sind
gewöhnlick 1 mit 2, 4 mit 3 verbunden, beim Nieder-
drücken des Tasters dagegen kommt 1 mit 3,4 mit 2 in
Verbindung. DiesüdmagnetischenZungen8iUnd 82
der Relais Ri und Il.2 spielen zwischen den Rollen Ni
und V;, U2 und v>2 der Relais und ihren Kontakt-
schrauben 3^1 und i'i, a.2 und i'2- Li und L.2 sind gleich
stark und gleichsinnig geschaltet, in II liegt daher der
positive Pol über 2 und 1 an Linie 1^, der negative
Pol über 3 und 4 an Erde N. In der Ruhelage bei-
der Taster 1^ und ^ ist die Leitung 1^ sowie die Re-
laisschenkel Vi und V2 von einem Strome von der
Stärke 2 durchlaufen, welcher in v^ Süd-, in v.2
Nordmagnetismus erzeugt. In U; herrscht eben-
falls Südmagnetismus, durch einen durch ^ lau-
fenden Zweigstrom der Batterie Li von der Stärke 1
hervorgerufen, in U2 ebenso starker, von L2 erregter
Nordmagnetismus. Die südmagnetischenZungen "i
und 82 der Relais K^ und 1^ liegen daher an ihren
Ruhekontakten i^ und 12, und beide Empfänger
schweigen. ^1 und ^2 gleichen dem Widerstände der
Leitung 1^. Drückt nun I allein den Tasters nieder,
so treten die Punkte 1 mit 3, 2 mit 4 in Verbin-
dung. I hat nun gleichfalls den positiven Pol an
Linie 1^', letztere sowie die Schenkel v, und v^ sind
daher stromfrei. Die südmagnetische Zunge 82 in 1l
wird nun nicht mehr durch den in der Ruhelage
vorherrschenden Nordmagnetismus in V2 gegen 1.2
gehalten, sondern giebt der Anziehung des auck
jetzt noch in U2 erregten Nordmagnetismus nack
und legt sich gegen ^2- In I kehrt sich im Schenkel
Ni die Stromrichtung um, und 8^ bleibt an 1^ liegen,
da jetzt V; stromlos ist und ^ nicht mehr abstoßen
kann, während in 1^ Nordmagnetismus Hervor-
gerufen wird und anziehend auf 8^ wirkt. Llhnlich
gestaltet sich der Vorgang, wenn II allein sendet
und I empfängt.