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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gelbsucht; Gelbveigelein; Gelbvögel; Gelbwurz; Gelcich; Geld

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Gelbsucht (der Haustiere) - Geld

Acht nehmen und ihrer geschwächten Verdauung entsprechend nur eine ganz leicht verdauliche, aber nahrhafte Kost (fettlose, jedoch kräftige Suppen, mageres Fleisch, kalten Braten, Gemüse, geschmortes Obst) wählen: dagegen sind alle Fette und fetten Speisen, insbesondere Bratensaucen und Butter streng zu vermeiden, da dieselben beim Abschluß der Galle vom Darme fast gar nicht resorbiert und deshalb schlecht vertragen werden. Als Getränk dienen am besten Wasser, Selters- und Sodawasser, Citronenlimonade; stärkere alkoholische Getränke sind durchaus zu vermeiden. Die oft hartnäckige Verstopfung erfordert die Anwendung von erweichenden Klystieren oder milden vegetabilischen Abführmitteln (Sennesblatter, Latwerge, Rhabarber); gegen die oft äußerst lästige Blähsucht, welche auf fehlerhaften Umsetzungen des Darminhalts infolge des Gallenmangels im Darm beruht, wird der Gebrauch der gereinigten Ochsengalle empfohlen. Gegen die katarrhalische Form der G. erfreuen sich die Mineralwässer von Karlsbad, Marienbad und Kissingen eines wohlverdienten Rufs. Das lästige Hautjucken wird am besten durch kalte Abwaschungen, durch laue Bäder mit nachfolgender Regendouche oder durch Dampf-, Seifen- und Pottaschenbäder bekämpft.

Die G. der Neugeborenen entsteht in den meisten Fällen wahrscheinlich durch den Zerfall einer großen Menge von Blutkörperchen nach der Abnabelung des Kindes und bedarf keiner besondern Behandlung, da sie gewöhnlich schon nach wenigen Tagen von selbst verschwindet. - Vgl. Gerhardt, Über Icterus gastroduodenalis (Lpz. 1871).

Gelbsucht der Haustiere kann nach den verschiedensten Veranlassungen auftreten. In der Regel sind es Erkrankungen des Anfangsteiles des Dünndarms oder Erkrankungen der Gallenwege (z. B. Gallensteine), die den Abfluß der Galle verhindern und dadurch veranlassen, daß dieselbe in das Blut zurückgesaugt und hierauf in den verschiedenen Geweben abgelagert wird. Eine besondere Rolle spielt die G. der Schafe, die nach der Fütterung von Lupinen auftritt (s. Lupinose). Von der G. wohl zu unterscheiden ist die erst am geschlachteten Tiere erkennbare Gelbfärbung des Fettes, wie sie häufig bei Weidevieh (z. B. den sog. Husumer Ochsen) beobachtet wird.

Gelbveigelein, volkstümlicher Name des Goldlack, s. Cheiranthus.

Gelbvögel, soviel wie Beutelstare (s. d.).

Gelbwurz, Pflanzengattung, s. Curcuma.

Gelcich (spr. -tschitsch), Eugen, österr. Nautiker, geb. 14. Jan. 1854 zu Cattaro, trat in die k. k. Kriegsmarine, wurde 1873 Linienschiffsfähnrich und war längere Zeit der Marinesternwarte zugeteilt. 1878 trat G. aus dem aktiven Marinedienst aus und wurde zum provisorischen Leiter der Nautischen Schule in Cattaro ernannt. Seit 1881 ist G. Direktor der Nautischen Schule in Lussinpiccolo. Außer einer großen Zahl von in Fachzeitschriften veröffentlichten Abhandlungen, darunter die "Kritischen Studien zur Columbusgeschichte" in der "Zeitschrift der Berliner Gesellschaft für Erdkunde", schrieb er: "Die Theorie des Schiffsmagnetismus" (Wien 1877), "Physische Geographie des Meeres" (ebd. 1880), "(Corso di astronomia nautica" (ebd. 1381), "Trigonometria piana e sferica" (ebd. 1881), "Studien über die Entwicklungsgeschichte der Schiffahrt mit besonderer Berücksichtigung der nautischen Wissenschaften" (Laibach 1881), "Die Insel Lussin als klimatischer Winterkurort" (Wien 1888), "Geschichte der Uhrmacherkunst" (Weim. 1887), "Estudios sobre el desenvolvimiento historico de la navegción" (Valencia 1889), "La scoperta d'America e Cristoforo Colombo nella letteratura moderna" (Görz 1890), "Magnetische Ortsbestimmungen an den südöstl. Grenzen der Monarchie" (Wien 1887), "Zwei Briefe über die Maghellanische Weltumsegelung" (ebd. 1890), "Die Uhrmacherkunst" (mit Dietzschold, ebd. 1892), "Die Tabellen der Uhrmacherkunst und die Behandlung der Präcisionsuhren" (ebd. 1892), "Die Instrumente und die wissenschaftlichen Hilfsmittel der Nautik zur Zeit der Entdeckung Amerikas" (in der von Neumeyer herausgegebenen Festschrift der hamburg. Amerikafeier, Hamb. 1892) u. s. w.

Geld. I. Geld (mittelhochdeutsch gelt, d. i. Vergeltung, Ersatz) ist dasjenige wirtschaftliche Gut, welches entweder auf Grund einer Verkehrsgewohnheit oder einer staatlichen Anordnung als allgemeines Tauschmittel und als Maßstab für den Tauschwert aller andern Güter verwendet wird. Die Schwerfälligkeit des reinen Tauschverkehrs tritt mit der Ausbildung der Arbeitsteilung und der dadurch bedingten Vermehrung der einzelnen Tauschakte immer mehr hervor und wird nur durch Einführung eines allgemeinen Tauschmittels beseitigt, durch welches der Tausch in zwei voneinander zeitlich und örtlich getrennte Geschäfte (in Verkauf und Einkauf) zerlegt wird. Mit dieser Funktion des G. in der Wirtschaft verbindet sich zugleich die andere, daß man den Tauschwert aller Waren und Leistungen in dem G. festsetzt und daß es, als das geeignetste Mittel zur Aufbewahrung und Übertragung von Werten, der allgemeine Wertträger wird. Während nun ursprünglich diese Aufgaben des G. aus dem Verkehrsbedürfnis herauswuchsen und ihm ohne Zwang, aber auch ohne Ordnung zufielen, machte sich auf höhern Kulturstufen mit dem wachsenden Umfang des Verkehrs und der Wichtigkeit des G. das Bedürfnis geltend, das Geldwesen unter die Hoheit des Staates zu stellen und gewissen Geldsorten die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels zu verleihen.

II. Die Vorteile des G. für die Volkswirtschaft bestehen hauptsächlich in folgendem: Durch das G. als Tauschmittel wird der Güterumsatz erleichtert und beschleunigt und damit die Arbeitsteilung in der Produktion und im Handel ungemein gefördert, sodaß die Menschen mit wirtschaftlichen Gütern leichter, besser und billiger als vorher versorgt werden. Da man zugleich in dem G. ein für die praktischen Bedürfnisse genügendes Preismaß erhält und somit den Wert der Güter und Leistungen besser beurteilen kann als in der Tausch- oder Naturalwirtschaft (s. d.), so wird die Güterverteilung gerechter und gleichmäßiger. Auch eignet sich das G. als die umlaufsfähigste und wertbeständigste Ware viel besser als andere Güter zur Wertanhäufung und Wertübertragung, sodaß die Kapitalbildung in größerm Maßstabe erst mit Hilfe des G. vor sich geht. Damit bewirkte das G. auch einen Umschwung in den polit. und socialen Verhältnissen, insofern mit dem Wachstum des beweglichen Vermögens die Übermacht des Grundbesitzes schwinden und die Gliederung der Gesellschaft nach gleichwertigen Berufszweigen eintreten mußte. Es ist einleuchtend, daß diese Wirkungen des G. nur ganz allmählich in Erscheinung treten