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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Genua (Stadt)
bevölkerung 215300 E. In Garnison liegen das !
25., 29. und 30. Infanterieregiment, das 29. und !
31. Bataillon des 4. Versaglieriregiments, die 1. bi5 !
8. Compagnie des 20. Festungs- und zwei Traincom-
pagnicn des 9. Feldartillerieregiments.
Kirchen. Von den 82 Kirchen sind die be-
deutendsten die Kathedrale San Lorenzo, im ro-
man., franz.-got. und Renaissancestil, die Facade
aus schwarzem und weißem Marmor ist im untern
Teile aus dem 13. Jahrh., die roman. Portale sind
mit Skulpturen des 12. Jahrh, geschmückt, im!
Innern Christus am Kreuz von Baroccio, in der
großen Kapelle San Giovanni Battista, 1451-^96
erbaut, Reliquien Johannes des Täufers; Eant'
Ambrogio, eine Iesuitentirche voll prunkenden
Schmuckes, aus dem 16. Jahrh., mit Bildern von
Guido Reni (Himmelfahrt der Maria) und Rubens !
(der heil. Ignatius heilt einen Besessenen); Sta. >
Maria Assunta in Carignano, 1555 nach Plänen l
von Galcazzo Alessi begonnen, 1603 vollendet, da^
Hauptportal aus dem 18. Jahrh.; die ehemalige
Kapuzmerkirche Sta. Annunziata, die prächtigste
Kirche der Stadt, 1587 von Giac. della Porta er-
baut, eine dreischiffige Basilika mit Marmorsäulen-
portal und unvollendeter Vacksteinfacade; die kleine
gotische, 1278 erbaute Kirche San Matteo, mit zabl-
reichen Familienerinnernngen der Dona, die Facade
mit den Dona gewidmeten Inschriften; die got.Ki'rcke
San Stefano mit altern roman. Turm, am Hocb-
altar Steinigung des heil. Stephanns von Giulio
Romano; die Kathedrale San Siro, 1580 neugebaut,
Facade von 1830, mit Statuen von Taddeo Cartone
Uni! Fresken von Giov. Vatt. Orsolino.
Weltliche Gebäude. Zahlreiche der herrlich-
sten Gebäude und Paläste verdankt die Stadt dem
Baumeister Galeazzo Alessi (s. d.), dessen Richtung
auch für die Folgezeit massgebend geworden ist.
Die bedentendsten derselben sind der Palazzo Mar-
cello Durazzo, früher della Scala, mit stattlicher
Facade, schöner Eingangshalle und prächtiger
Treppe, letztere Ende des 18. Jahrh, von Andrea
Tagliaftco hinzugefügt, im ersten ^tock die Galleria
Durazzo-Pallavicini (f. unten); Palazzo Nosso von
Alessi erbaut, so genannt wegen seiner roten Farbe,
1874 von der Marchesa Maria Vrignole-Sale, Ge-
mahlin des Marchese Deferrari, Duca di Galliera,
und deren Sohne Filippo der Stadt geschenkt samt
der Bibliothek (20000 Bände) und Gemäldesamm-
lung; Palazzo Vianco, im Gegensatze zu dem roten
Vrignolepalast der "Weiße" genannt, von der Her-
zogin von Galliera der Stadt vermacht und zu einem
Museum bestimmt; ferner Palazzo Ces. Cambiaso;
Palazzo Parodi, 1560-81 sür Franco Lercaro er-
baut, mit Fresken von Luca Cambiaso; Palazzo
Spinola, mitBildern der Genueser Schule; Palazzo
Giorgio Doria, mit Fresken von Cambiaso und
andern Bildern (von van Dvck, Veronesc); Palazzo
Adorno, init Bildern von Rubens, Cambiaso u. a.;
Palazzo Scrra, im Innern umgestaltet, mit großem
Prachtsaal. Andere Paläste sind der Palazzo Ducale,
die alte prächtige Residenz der Dogen, jetzt Sitz
mehrerer Behörden, ein Bau des 13. Jahrh., im
16. Jahrb. durch Rocco Pennone umgebaut, uacb
dem großen Brande 1777 modernisiert; Palazzo
Municipale (Stadthaus), früher Doria Tursi, im
16. Jahrh, von Rocco Lurago erbaut, neuerdings
mit Wandgemälden von Nic. Barabino geschmückt;
, Palazzo Doria am Hauptbahnhof, 1522 dem be-
rühmten Admiral Andrea Dona ("Märe äoliü
Mi-ii^", Vater des Vaterlandes) geschenkt, 1529
nach Plänen von Montorsoli umgebaut und von
Pierin del Vaga mit Fresken geschmückt, mit Gürten
am Berge und uach dem Hafen zu und großer Ar-
cadcn-Loggia; Palazzo Reale, im 17. Jahrh, für die
Durazzo von Cantone und Falcone erbaut, Änfam?
des 18. Jahrh, von Fontana verziert, seit 18 l 7
im Besitz des königl. Hauses und 1842 neu ein-
gericbtet; Palazzo Balbi-Senarega (17. Jahrh.),
von Bart. Vianco begonnen und von Corradi ver-
größert, noch jetzt im Besitz der Familie, mit Säulen-
hof und sehenswerter Gemäldesammlung; die Uni-
versität von Bart. Bianco, 1623 als Iesuitcn-
tollegium begonnen, mit schönen Hof- und Treppen-
anlagen, einem Denkmal des ersten Dogen Bocca-
negra (14. Jahrh.), in der Aula Vronzestatuen und
Reliefs von Giov. da Bologna; die Akademie der
schönen Künste mit mittelalterlichen Skulpturen aus
der ehemaligen Kirche San Domenico im Treppen-
raum und die Börse (Loggia de' Banchi), Ende des
16. Jahrh, nach Plänen von Alessi erbaut, mit der
sitzeuden Marmorstatue Cavonrs von Vela.
Behörden. G. ist Sitz des Präfekten,des Finanz-
intendanten, eines Erzbischofs (zur Kirchenprovinz
G. gehören die Erzdiöcese G. sowie die Suffragan-
bistümcr Albenga, Bobbio, Vruguato, Savona
und Noli, Tortona, Ventimiglia), eines Tribunals,
Appellationsgerichts, Handelsgerichts, Hauptzoll-
amtes, Eisenbahnverkehrsamtes, einer Handelskam-
mer, Börfe, einer Genieterritorial- und Artillerie-
territorialdirektion, eines Festungs- und Eisenbahn-
kommandos sowie der Kommandos der 8. Division
und der Infantcriebrigaden von "Bergamo" und
"Pisa". Das Marinearsenal ist nach Spezia verlegt.
Unterrichts- uudBildungs anst alten. Die
Universität wurde 1812 von Napoleon gegründet
und bald den Jesuiten überlassen. Sie hat eine
jurist., mediz. - chirurg., mathem. - naturwissenschaft-
liche und philos. Fakultät, sowie eine Ingenieur-
und eine pharmaceutische Schule mit insgesamt
(1892) 99 Professoren und Docenten und 955
immatrikulierten Hörern. ^)ie enthält außerdem
eine Bibliothek (1773 gegründet, 95000 Bände,
15 000 Broschüren, 20 000 kleinere Schriften und
1450 Manuskripte), einen botan. Garten, ein Obser-
vatorium, ein Naturalien- und ein Physik. Kabinett.
Ferner bestehen ein Staatsarchiv mit wertvollen
Urkunden, Lidliotsca civiog. Ilorio, gegründet vom
Abt Berio und vom König Victor Emanuel der
Stadt geschenkt(44413 Bände, 10824 Flugschriften,
686Handschriften); die Akademie der fchönenKünste
mit einer Kunstschule und einer Sammlung von
Gemälden, Renaissanceskulpturen, Gipsabgüssen
und kleinen Altertümern (Nuseo I'i'iucipe Oääouö);
ein königl. Gymnasium, theol. Seminar, eine königl.
Marine-uud ^chifsahrtsschule, eine staatliche höhere
Schule für Schiffbauer (seit 1870), eine höhere Han-
delsschule mit Universitätsraug, ein köuigl. Ge-
werbe-Institut, 5 technische Schulen, eine Lehrer-
und eine Lehrerinnenbildungsanstalt.
Von den großartigen Sammlungen sind außer
den obenerwähnten noch zu nennen die Bibliothek
nnd die Gemäldesammlung des Palazzo Rosso mit
Bildern von Dogen aus der Familie Vrignole (17.
und 18. Jahrh.), Kleopatra von Guercino, Mars
und Venus von Rubens, Antonio Giulio Vrignole-
^ala zu Pferde von van Dyck und Gemälden von
ac. Bassano, Paris Vordone, Gerard David,
lma Vecchio u. a.; die Galleria Durazzo-Palla-