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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geographische Breite - Geographische Gesellschaften
ihnen und den Bestrebungen der hentigen G. nnr
in lockerer Weise. Der wissenschaftliche Begründer
der Anthropogeographie (s. d.) ist Ratzel.
4) Hinsichtlich der geogr. Bearbeitung einzelner
geschichtlicher Epo ch en hatte man schon in der
Mitte des 17. Jahrh., bei der vorherrschenden Ricb-
tung ans das klassische Altertum, vorzüglich die
alte G. bearbeitet. Dagegen ließ die G. des Mit-
te l a l t e r s, wenn man von den Monographien über
einzelne Länder absieht, noch sehr viel zu thun übrig.
Innckers "Anleitung zur G. der mittlern Zeiten"
(Jena 1712) ist der erste unvollkommene Versuch,
der sich überdies meist nur auf Deutschland bezieht.
Ebenfalls nnr dürftig sind die Arbeiten d'Anvilles,
Köhlers und Pischons. Von kartogr. Werken sür die
alte G. sind die Landkarten und Atlanten von d'An-
ville, Neichard u. a. in neuester Zeit in den Hinter-
grund gedrängt durch die mit großer Umsicht und
Sorgfalt gearbeiteten Kartenwerke von Spruner
l"^t1a3 anti^uu8", Gotha 1817-50; 3. Aufl., von
Menke, 1865) und Kiepert ("^istor.-geogr. Atlas der
Alten Welt", Weim. 1818 n. ö.)/Vortrefflich ist
des letztern "Neuer Atlas von Hellas und den helle-
nischen Kolonien" (Berl. 1871-79). Für die mitt-
lere und neuere Zeit ist Spruners "Handatlas für die
Geschichte des Mittelalters und der neuern Zeit" i
(3. Aufl. von Menke, 90 Karten mit 376 Nebenkarten, '
Gotha 1880) das bedeutendste. ^ !
Die wichtigsten Werke sür dieGeschichte derG. !
sind: Verger, Geschichte der wissenschaftlichen Erd-
kunde der Griechen (4 Abteil., Lpz. 1887-93); Lele-
wel, 660Arg,p1ii6 än mo^6n ü.^o (4 Bde. und Atlas,
Vrüss. 1852; nebst I^iloxne 1857); Kretschmer,
Die physische Erdknnde nn christl. Mittelalter (Wien
1889); Peschel, Geschichte der Erdkunde (Münch.
1865; 2. Aufl. von Nuge, 1878); Vivien de St.
Martin, Iiiswiie ä" I". ^60^rÄp1ii6 (Par. 1873);
Peschel, Geschichte des Zeitalters der Entdecknngen
(Stuttg. 1858; 2. Aufl. 1877); Rüge, Geschichte des
Zeitalters der Entdeckungen (Berl. 1881). An Kar-
tenwerten: Iomard, NoiinmvntZ äs 1a F60At'llpIn6
(Par. 1862 fg.); Theob. Fischer, Sammlllng mittel-
alterlicher Welt- und Seekarten ital. Ursprungs
(Vened. 1886); Nordenstiöld, ^08imii6 ^tl^s
(Stockh. 1889); K. Krctschmer, Die Entdeckung
Amerikas in ihrer Vedentung für die Geschichte
des Weltbildes. Mit einem Atlas von 40 Folio-
taseln (Berl. 1892), Festschrift der Gesellschaft für
Erdkunde zu Berlin; A. Oppel, Erdkarte, darstellend
die Entwicklung der Erdkenntnis vom Mittelalter
bis zur Gegenwart in Stufen von Jahrhunderten
(Winterthur 1893).
Litteratur. Am vollständigsten wurde die G.
dargestellt in dem von Gaspari, Hasset, Cannabich,
GutsMuths und Nkert bearbeiteten, jetzt veralteten
Vollständigen Handbuch der neuesten Erdbeschrei-
bung (23 Bde., Weim. 1797 fg.; neue Aufl. 1819
- 32) und Maltebruns 68o^i'aplii6 univ6r86N6
(8 Bde. und Atlas, Par. 1810-29 u. ö.; neue Aufl.
1856 - 61); aus neuerer Zeit sind hervorzuheben:
Stein und Hörschelmann, Handbuch der G. und Sta-
tistik (7. Aufl., bearbeitet unter Mitwirkung meh-
rerer Gelehrten von Wappäus, 9 Bde., Lpz. 1850
-71); Daniels Handbuch der G. (3 Bde., Stuttg.
u. Franks, a. M. 1859-63; 5. Aufl., 4 Bde., Lpz.
1881-82); Klödens Handbnch der Erdkunde (3 Tle.,
Berl. 1859-62; neue Aufl., 5 Bde., 1873-81);
E. Neclus, I^0UV6li6 ^Og'I'i^N"? UIiiv6I8ftIlc. l.ll
terro 6t, 163 110NIU63 (19 Bde., Par. 1875-94);
Guthe, Lehrbuch der G. (2 Bde., 5. Aufl., hg. von
H. Wagner, Hannov. 1882-83; neue Auflage seit
1894 im Erscheinen). Vgl. auch die Litteratur unter
Erde. - Unter den geographische n Z eitschrif -
ten sind aus früherer Zeit zu nennen: Zachs Monat-
liche Korrespondenz zur Beförderung der Erd- und
Himmclskunde (28 Bde., Gotha 1800-13) und die
von Vertnch mit andern Heransgegebenen Geogr.
Ephemeriden (l. Eerie,51 Bde., Weim. 1798-1816;
2.Serie, 31 Bde., ebd. 1817-31); ferner: Berghans'
Annalen der Erd-, Völker- und Staatenkunde (zu-
sammen 35 Bde., Verl. u. Bresl. 1830-43), ewe
Fortsetzung von dessen Hertha (8 Bde., Tüb. 1825
-29); Zeitschrift für vergleichende Erdkunde, hg.
von Lüdde, später von Berghaus (10 Bde., Magdeii.
1842-49); Petermanns Mitteilungen aus Iustus
Perthes' Geographischer Anstalt (Bd. 1-40, Gotha
1855-94), dazu Ergänzungshefte (1 - 113, ebd.
1859-94); Kettlers Zeitschrift für wissenschaftliche
G. (Lahr, Wien u. Weim. 1880-91, dann eingegan-
gen) ; das Ausland, der Globus und Aus allen Welt-
teilen. Über den Fortschritt aller geogr. Disciplinen
und Methodik berichtet das Geogr. Jahrbuch (hg.
von Behm, seit 1880 von H. Wagner, Bd. 1-17,
Gotha 1866 - 94). Außerdem veröffentlichen alle
Geographischen Gesellschaften (s. d.) monatliche Zeit-
schriften oder Jahresberichte. Iphische.
Geographische Breite, s. Breite, geogra-
Geographische Gesellschaften, Vereine, die
die Förderung der geogr. Wissenschaft dnrch ihre
Bemühungen und Geldmittel zu ihrem alleinigen
Zwecke machen und meistens ihre Verhandlungen,
Vorlesungen und Korrespondenzen, die Resultate
der auf ihre Kosten unternommenen Entdeckungs-
reisen u. s. w. in Monatsheften oder Jahrbüchern
veröffentlichen. Die erste eigentliche Gesellschaft die-
ser Art wurde 15. März 1821 zu Paris durch Malte-
brun und Barbie du Vocage ins Leben gerufen.
Deutschland. In Berlin bildete sich 20. April
1828 die Gesellschaft für Erdkunde. Ihre rege Thä-
tigkeit wurde von Männern wie K. Ritter, Ehren-
berg, Lichtenstein, Dove, H. Barth, Vastian, von
Richthofcn u. a. geleitet und spricht sich in der
bedeutend angewachsenen Zahl von Mitgliedern
(1895: 1026) aus; sie besitzt ein Kapitalvermögen
von 56300 M. und veröffentlicht: "Zeitschrift für
allgemeine Erdknnde" (6 Bde., Berl. 1853-56;
Neue Folge, 19 Bde., ebd. 1856-65), seit 1866 fort-
gefetzt als "Zeitschrift der Gesellschaft für Erd-
kunde zu Berlin" (Bd. 1-30, ebd. 1866-95),
mit der Beilage: "Verhandlungen der Gefell-
schaft für Erdkunde zu Berlin". Die von H. Varth
gegründete Karl-Ritter-Stiftung besaß 1894 ein
Kapital von 54400 M., dessen jährliche Zinsen
Reisenden zum Zwecke der Lösung ganz bestimmter
Ausgaben als Reisestipendinm zuerkannt werden.
Nach der Zeit ihrer Gründung geordnet schließen
sich an: der Verein für Geographie und Statistik
in Frankfurt a. M., 1836 gegründet; der 11. Jan.
1845 in Darmstadt konstituierte Verein für Erd-
kunde und verwandte Wissenschaften. Der Verein
von Freunden der Erdkunde zu Leipzig trat 1861
ins Leben und veröffentlicht seit seiner Gründung
"Mitteilungen", neuerdings außerdem "Wissenschaft-
liche Mitteilungen". Er zählt (1893) 434 Mitglieder.
Die mit dem Verein verbundene, 1861 gestiftete Karl-
Ritter-Stiftnng besitzt ein Kapitalvermögen von
(1894)30450 M.; die 1888 gegründete Hans-Meyer^
Stiftung ein Kapitalvermögen von 30000 M., deren