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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geronimo de San Yuste - Gersau

Geronimo de San Yuste (spr. che-), meist Yuste oder San Juste genannt, ehemaliges Hieronymitenkloster in der span. Provinz Caceres, 11 km im W. von Jarandilla in romantischer Einsamkeit, am Abhänge der Sierra de Gredos, wurde 1404 gegründet und 1809 durch die Franzosen in Ruinen gelegt. Berühmt ist das Kloster durch Kaiser Karl V., der nach seiner Abdankung hier seine letzten Tage verlebte und 21. Sept. 1558 starb.

Geronta, Dorf, s. Didyma.

Geronten (grch., d. h. die Alten) hießen bei den Griechen schon im heroischen Zeitalter die ältesten des Herrenstandes, welche die öffentlichen Angelegenheiten unter dem Vorsitze des Königs besprachen und ordneten. In histor. Zeit bezeichnete man damit, namentlich in dor. Staaten, die Mitglieder des Rats der Alten, Gerusia genannt, der beispielsweise in Sparta aus 28 oder mit Einschluß der zwei Vorsitzenden Könige aus 30 Mitgliedern bestand, welche bei einem unbescholtenen Lebenswandel das 60. Jahr zurückgelegt haben mußten, auf Lebenszeit gewählt wurden und nebst den Königen (und später den Ephoren) die höchste Gewalt im Staate hatten. Die G. waren von jeder Rechenschaft über ihre Amtsthätigkeit befreit. Seit Anfang des 6. Jahrh. v. Chr. wurde die Gerusia durch Wahl der gesamten dor. Gemeinde ergänzt. Ihre Befugnisse wurden allmählich durch die immer zunehmende Gewalt der Ephoren (s. d.) beschränkt. In Athen führte der oberste Rat den Namen Bule (s. d.).

Gerontokomion, s. Gerokomie.

Gerontokratie (grch.), Herrschaft der Geronten, Ältestenherrschaft.

Gerontoxon (grch.), Greisenbogen (Arcus senilis), Altersring, eine aus Verfettung des Gewebes beruhende Altersveränderung der Hornhaut des menschlichen Auges, die in Form eines vollständig oder unvollständig geschlossenen grauweißen, dicht am Hornhautrande verlaufenden Ringes auftritt, eine Sehstörung jedoch nicht bedingt.

Gerra (span., spr. che-) oder Jarra, d. i. Krug, älteres Flüssigkeitsmaß auf der Insel Menorca von 2 Cuarteras = 12,063 l. Die Pipa Wein wurde zu 40 G. angenommen. Die Jarra ist ferner ein mexik. Flüssigkeitsmaß von 18 Cuartillos = 9/16 der Arroba (s. d.) oder 1/12 des Wein-Barril oder 3/25, des Branntwein-Barril (s. Barile) = 9,075 l.

Gerresheim, Stadt im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Düsseldorf, 6 km östlich von Düsseldorf, an der Linie München-Gladbach-Schwerte und der Nebenlinie Düsseldorf-Hagen der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Düsseldorf), hat (1890) 7264 E., darunter 3511 Katholiken und 50 Israeliten, Post, Telegraph, eine im roman. Stil erbaute Kirche (13. Jhdt.) des im 9. Jahrh. gegründeten, 1806 aufgehobenen Frauenstifts; bedeutende Glashütte, 3 Drahtstiftfabriken, 2 Drahtziehereien, Nieten- und Farbenfabrik, Ziegelei und Roßhaarspinnerei. In der Nahe die Provinzial-Irrenanstalt Grafenberg.

Gerridae, Familie der Stachelflosser (s. d.) mit seitlich zusammengedrücktem meist hohem Körper und sehr stark vorstreckbarem Maule, bewohnen in einer Gattung (Gerres) und 30 Arten die tropischen Meere, gehen aber auch in die Flußmündungen.

Gerris, Raubwanze, Gattung der Landwanzen (s. Wanzen) von mückenartigem Habitus, schlank, schmalleibig, langbeinig. Sie ernährt sich von den Säften anderer Insekten. Eine der beiden deutschen Arten (G. erraticus Klg.) findet sich nicht selten in Häusern, namentlich in Gartenwohnungen. Sie wird 4 mm lang und ist von braungrauer, heller und dunkler Farbe, gescheckt und geringelt.

Gerrymander (spr. -mahnder), eine Methode der Einteilung der Wahlkreise, die in Amerika im Gebrauch ist, um die Vertretung der schwächern Partei noch zu verringern. Der Name ist abgeleitet von dem einflußreichen demokratischen Politiker Elbridge Gerry; eine Karte von Massachusetts, die um 1814 unter seiner Leitung nach diesen Grundsätzen eingeteilt war, nannte man zuerst ein G. - In Deutschland spricht man bei einer solchen nicht nach der natürlichen Lage, sondern mit Rücksicht auf die Parteiverhältnisse vorgenommenen Abgrenzung der Wahlbezirke von Wahlkreisgeometrie.

Gers, Längenmaß, s. Göß.

Gers (spr. schähr), linker Nebenfluß der Garonne, entspringt aus der Hochfläche von Lannemezan am Fuß der Pyrenäen, fließt nach N. über Auch und Lectoure und mündet 170 km lang bei Layrac. Nach ihm heißt das Departement G.

Gers (spr. schähr), Departement in Südwestfrankreich, besteht aus den gascognischen Landschaften Armagnac, Astarac, Condomois u. a., grenzt im N. an Lot-et-Garonne, im T. an Haute-Garonne und Tarn-et-Garone, im S. an Hautes- und Basses-Pyrenées und im W. an Landes, hat 6280,31, nach Berechnung des Kriegsministeriums 6290 qkm, (1891) 261 084 E. (darunter 6399 Ausländer), d. i. 41 auf 1 qkm und eine Abnahme von 4,84 Proz. gegen 1886. G. zerfällt in die 5 Arrondissements Auch, Condom, Lectoure, Lombez und Mirande mit 29 Kantonen und 465 Gemeinden. Hauptstadt ist Auch. Das Land ist durch die Vorhöhen der Pyrenäen kleinern Teils hügelig, im übrigen flach, von der Save, Gimone, dem Arrats, Gers, der Baïsse, Zuflüssen der Garonne, ferner vom Adour mit Douze, Midour und Arros bewässert, von denen mehrere wegen allzugroßer Wasserarmut aus der wasserreichen Reste durch einen Kanal gespeist werden müssen. Das Klima zeigt sich im ganzen gemäßigt. Schnee ist selten und der Frost hält nicht an. Regen fällt reichlich (900 mm). Der Boden, zur Hälfte dem Ackerbau gewidmet, giebt keine reichliche, doch dem Bedarf genügende Ernte. 1891 wurden auf 146 502 ha 1 449 387 hl Weizen und auf 34 973 ha 517 212 hl Hafer geerntet. Guter Wein wird in geringer, schlechter in großer Menge erzeugt (1891 auf 96 940 ha Weinpflanzungen 1 538 393, 1881-91 im Durchschnitt 1 074 680 hl). Letzterer liefert jedoch den Armagnacbranntwein. Die Wälder (meist Laubholz) haben keine große Ausdehnung. Gartengewächse werden in Menge gezogen. Das Mineralreich giebt wenig Ausbeute. Metalle fehlen gänzlich. Das Departement besitzt viele Heilquellen, davon die namhaftesten Castéra-Verduzan, Barbotan, Lavardens, Bassones und Masca. Haupterzeugnisse der Industrie sind Branntwein, Maßgefäße und Gerberwaren. Der Kanton St. Clar ist Mittelpunkt der Bandfabrikation. Der Handel führt viel Vieh nach den angrenzenden Departements und Spanien aus. Das Departement hat 1 Lyceum und 2 Colleges. - Vgl. Jacquot, Description géologique et agronomique de département du G. (2 Bde., Par. 1871-73): Joanne, Géographie du département du G. (ebd. 1881).

Gersau, Gemeinde im schweiz. Kanton Schwyz, bildet einen eigenen Bezirk von 19,1 qkm mit