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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gislason – Gitterschnecken

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Giskra'

liehen. Vom Staatsdienste zurückgetreten, wurde er Präsident der Franco-Österreichischen Bank in Wien und Oberkurator der ersten österr. Sparkasse. Er starb 1. Juni 1879 in Baden bei Wien.

Gislason, Konrad, isländ. Sprachforscher, geb. 3. Juli 1808 zu Langamyri in Island, war seit 1848 Lektor der isländ. Sprache an der Universität zu Kopenhagen und 1853–86 Professor daselbst. Seitdem lebte er noch wissenschaftlich thätig in Kopenhagen, wo er 4. Jan. 1891 starb. Sein Vermögen vermachte er der Universität zu wissenschaftlichen Zwecken. G. war einer der gründlichsten Kenner des Altisländischen. Außer vielen Abhandlungen in Zeitschriften schrieb er «Um frumparta islenztrar tungu i fornöld» (Kopenh. 1846), «Dansk-Islandsk ordbog» (ebd. 1851), eine «Oldnordisk formlœre» (Heft 1, ebd. 1858) und «Udvalg af oldnordiske Skjaldekvad. Med Anmœrkinger» (ebd. 1892). Außerdem gab er eine Reihe altisländ. Texte heraus, die sich durch große Sorgfalt auszeichnen. Unter ihnen ist der wichtigste die «Njála» (Kopenh. 1875). Zu diesem schrieb er einen ausführlichen Kommentar «Njála II» (ebd. 1879–89), der namentlich eingehende Untersuchungen über die altisländ. Skaldendichtung enthält, wie G. überhaupt für diese die erste Autorität ist. G. war auch selbst dichterisch thätig.

Gislebert, Propst von Mons, war Kanzler bei dem Grafen Balduin V. von Hennegau, der durch Heirat auch Graf von Flandern und durch Erbschaft Markgraf von Namur wurde. G. schrieb auf Grund der Kenntnis, die er als erfahrener Geschäftsmann im Dienste seines Herrn gewann, ein «Chronicon Hanoniense» (hg. von W. Arndt in «Monumenta Germaniae.» Scriptores, Bd. 21, Hannov. 1869), das die J. 1086–1195 umfaßt und neben hennegauischer Territorialgeschichte auch wichtige Nachrichten über Reichsgeschichte bietet. – Vgl. Hantke, Die Chronik des G. von Mons (Lpz. 1871); Wachter, Der Einfluß der nationalen und klerikalen Stellung G.s auf seine Geschichtschreibung (Dissertation, Halle 1879).

Gislifluh (die), Bergrücken des schweiz. Jura, 6 km nordöstlich von Aarau, ist 774 m hoch und wird von Aarau und von Schinznach aus der weiten Fernsicht wegen oft bestiegen.

Gis-moll (ital. sol diesis minore; frz. sol dièse mineur; engl. G sharp minor), die Moll-Tonart, bei der f, c, g, d, a um einen halben Ton erhöht werden, also 5 # vorgezeichnet sind; parallele Dur-Tonart ist H-dur. (S. Ton und Tonarten.)

Gisors (spr. schisohr), Hauptort des Kantons G. (164,17 qkm, 20 Gemeinden, 10857 E.) im Arrondissement Les Andelys des franz. Depart. Eure, an der Epte und an der Linie Pontoise-Dieppe der Westbahn, den Lokallinien Pacy-sur-Eure-G. (63 km), Pont de l’Arche-G. (54 km) und der Linie Beauvais-G. (35 km) der Nordbahn, hat (1891) 3975, als Gemeinde 4462 E., Ruinen eines Schlosses, eine Kirche (13. bis 16. Jahrh.) mit schönen Skulpturen, ein prächtiges Krankenhaus; Baumwollspinnerei, Spitzen- und Tuchfabrikation. Bei G. besiegte 1195 Richard Löwenherz die Franzosen. – Vgl. Charpillon, G. et son canton (Andelys 1867).

Gisselfeld, Fräuleinstift im dän. Amte Sorö auf Seeland, ursprünglich vom Reichshofmeister Peder Oxe im 16. Jahrh. erbaut, wurde 1701 als Stift für adlige Damen eingerichtet.

Gissen, seemännischer Ausdruck für mutmaßen, schätzen. Der Koppelkurs (s. d.) wird, da er nur auf ↔ Schätzungen beruht, bei welchen unbekannte Strömungen nicht mit in Rechnung gezogen werden können, gegißtes Besteck (s. Besteck) genannt. Ebenso gißt man die Entfernung vom Lande, einem Feuerturme u. s. w., wenn man nur nach Augenmaß schätzt.

Gistainthal, wildes Hochgebirgsthal der Pyrenäen in der span. Provinz Huesca, das vom Cinquetta, einem Nebenfluß des Cinca (s. d.), gebildet und nach dem Hauptort Gistain (406 E.) benannt ist.

Gitagovinda, s. Dschajadeva.

Githagin, s. Saponin.

Githago segětum Desf., s. Agrostemma.

Gitschin, deutscher Name von Jičin (s. d.) in Böhmen.

Gittelde, Flecken im braunschw. Kreis Gandersheim, 12 km südlich von Seesen, in 241 m Höhe am Westfuße des Harzes, an der Linie Seesen-Herzberg (Station G.-Grund) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 1255 E., Post und Telegraph (im Bahnhof), Postagentur und Fernsprechverbindung (im Ort) und eine Faßfabrik in der Nähe.

Gitter, im Gegensatz zur bloßen Einfriedigung (s. d.), die Verwahrung einer Öffnung oder Umschließung eines Raums mittels lotrechter oder sich kreuzender Stäbe von Holz oder Eisen oder mittels Drahtgeflechts. Es werden wie früher so auch noch heute G. verwendet zum Verschluß von Fenster-, Thür- und Thoröffnungen, zur Umfriedigung von Gärten, Grabstätten, öffentlichen Denkmälern und Monumentalbrunnen (s. Tafel: Brunnen I, Fig. 4 u. 8), in Kirchen zum Abschluß von Kapellen und des Chors von den Schiffen. Die Vorliebe für Verwendung von Schmiede- oder Gußeisen, im Mittelalter auch von Messing, hatte eine große Kunstfertigkeit in der Herstellung prächtiger G. zur Folge; die glatten Stäbe wurden in mannigfacher Weise miteinander verschlungen und mit Blättern, Blumen, Arabesken, Menschen- und Tierfiguren geschmückt sowie einzelne Teile zur Belebung der Eisenfarbe vergoldet, verkupfert u. s. w. Künstlerisch ausgeführte G. sind an den Schlössern zu Würzburg, Belvedere in Wien, Schönbrunn bei Wien, am Augustusbrunnen in Augsburg, im Dom zu Freising, am Grabmal Karls IV. im Dom zu Prag, auf der Place Stanislas in Nancy, am Quinten-Massys-Brunnen in Antwerpen, zu Hampton-Court bei London. Großartige neue Gitterwerke sind die Thürflügel am Berliner königl. Schloß und die Thore der deutschen Abteilung der Weltausstellung 1893 zu Chicago (von Armbruster in Frankfurt a. M.).

Gitterbrücken, die mit Gitterträgern konstruierten Eisenbrücken (s. d., Bd. 5, S. 920b u. 921b) und Holzbrücken (s. d.).

Gitterflügler, s. Netzflügler.

Gitterpfeiler, s. Brückenpfeiler.

Gitterpflanze, s. Ouvirandra.

Gitterschieber, ein Schieber zur Dampfverteilung in großen stationären und besonders Schiffsmaschinen, bei dem die Mündung des Einströmungskanals am Schieberspiegel resp. Schieber in mehrere einzelne (in der Regel zwei bis vier, selten mehr) Teile zerteilt ist, wodurch der Schieberspiegel ein gitterartiges Ansehen erhält.

Gitterschnecken (Cancellariidae), Familie der Vorderkiemer, mit ei- bis turmförmiger Schale, die in der Regel außen eine gitterartige Skulptur zeigt; die Spindel hat schiefe Falten, die Fühler stehen weit auseinander und tragen außen am Grunde die Augen. Der Fuß ist klein und dreieckig, ein

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 25.