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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Glessum; Gletscher

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Glessum – Gletscher

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Glessit'

skop in einer klaren Grundmasse eine Menge kleiner Hohlräume, welche mit einer dunkelbraunen Masse ausgefüllt sind. Von den Harzen lebender Pflanzen zeigt eine ähnliche Eigentümlichkeit das der Myrrha. Man hält daher den G. für ein fossiles Gummiharz.

Glessum (Glaesum), s. Bernstein.

Gletscher (in Graubünden Wader, in Tirol Ferner oder Firne, in Salzburg und Kärnten Kees, in den ital. Alpen Ghiacciajo, im rhätoroman. Gebiet Vedretta oder Vadret, im Wallis Biegno, in Piemont Ruize, in Savoyen und Dauphiné Glacier oder Glacière, in Norwegen Brae, in Island Jökull), Eisströme, die in den Firnschneefeldern der Hochgebirge und der Polarländer entspringen und sich in langsamem Vorschube an den Berggehängen hinunter und thalabwärts bewegen. Ihr Material ist eine aus alljährlich oberhalb der Schneegrenze fallenden und nicht schmelzenden Schneemassen gebildete, in den höher gelegenen Teilen des G. meist weniger dichte, im ganzen aber kompakte Masse von dicht aneinander gefügten Eiskörnern, die nach unten zu an Größe zunehmen. Die Farbe ist an der Oberfläche silbergrau, an ganz reinen Stellen bläulich- oder grünlichweiß, mit Ausnahme von aus dichterm Eise bestehenden blauen Bändern und der sog. Schmutzbänder, die nur oberflächlich mit Staub und Schmutz infiltrierte und zugleich auch weniger dichte Eisbänder sind. Das Gletschereis entsteht aus den locker liegenden Eiskörnern des Firnschnees (s. Firn) durch deren Zusammensintern unter dem Druck der eigenen Masse und unter dem Einfluß der Sonnen- und Erdwärme und fließt dann, nach den Gesetzen der Bewegung von Flüssigkeiten, in den Thälern hinab, weil es selbst zäh plastisch ist und eine beständige Formumwandlung durch teilweises Schmelzen und Wiedererstarren erleidet (s. Regelation). Die G. rücken mit ihrem Ende, der Gletscherzunge, meist weit unter die Schneelinie hinab, oft bis in Gebiete mit üppiger Vegetation, wie auf Neuseeland; ihre Länge und Mächtigkeit hängt einerseits von dem Nachschube, andererseits von dem Betrage des Abschmelzens ab. Letzteres geschieht von oben (Ablation) durch Sonnenstrahlung, Luft und Regen, oder von innen durch Sickerwasser, Luft und Druck, oder endlich von unten durch Schmelzwasser, Luft und Erdwärme. Manche G. der Alpen erreichen die Länge von mehr als 15 km, so der große Aletschgletscher eine solche von 24 km, und in ihrer obern Region eine Dicke von mehr als 300 m. Die tägliche Bewegung der alpinen G. schwankt zwischen 15 cm und 1,3 m; viel beträchtlicher, bis zu 22 m täglich, ist die Bewegung grönländ. Gletscher, die Abflüsse des Inlandeises sind. Wie bei Flüssen ist die Bewegung in der Mitte größer als an den reibenden Rändern; die nach vorn konvexen Schmutzbänder zeichnen sie schön ab. In schneereichen Jahresreihen wachsen die G. nach Dicke und Länge; in warmen und trocknen Jahresreihen schwinden sie, und ihre untern Enden weichen oft weit zurück.

Die Oberfläche der G. bietet mancherlei typische Erscheinungen dar. Darauf herabfallende Steinblöcke und Schuttmassen bilden die Moränen (s. d. und Tafel: Gletscher I, Fig. 1, und II, Fig. 3), die man ihrer Lage nach als Seiten-, Mittel-, Grund- und Endmoränen bezeichnet. Wenn um einzelne größere Steinblöcke herum das Eis durch die Wirkung der Besonnung abschmilzt, so erheben sie sich ↔ schließlich als sog. Gletschertische auf Eisstielen über die Oberfläche des G. Letztere ist stets uneben und rauh, mit runzelförmigen Erhöhungen bedeckt und überall da, wo Ungleichheit des Bodens und der Bewegung den Zusammenhang des Eisstroms zerreißen, von oft tiefen und langen Spalten durchzogen, die senkrecht auf die Richtung des größten Zuges entstehen. Die Randspalten haben ihren Grund in der gegen die Mitte raschern Bewegung, die Querspalten, die größten von allen, entstehen beim Übergang zu einer steilern Böschung des Untergrundes, die Längsspalten treten auf, wo ein G. aus einer Thalenge heraustritt. Wo Spaltensysteme sich schneiden, zerfällt der ganze G. in Eiszacken und Eisnadeln (Seracs, s. Taf. II, Fig. 2). Überschreitet der G. einen steilen Felsabhang, so bildet er eine Eiskaskade, einen Gletschersturz, dessen Trümmer oft unterhalb des Sturzes zu einem regenerierten G. wieder zusammenfrieren. An seinem untern Ende entströmt dem G. der Gletscherbach bisweilen aus einer thorartigen Öffnung, dem Gletscherthor (Taf. II, Fig. 1) oder der Eisgrotte, von deren Innerm aus man oft die schöne blaue Farbe der dichtern Gletschereismassen beobachten kann, die sich übrigens auch in tiefen Spalten zeigt. Das Wasser des Gletscherbachs (Gletschermilch) ist meist trübe durch mitgeführtes, fein zertrümmertes Gesteinsmaterial. Bei der Bewegung der G. fallen die Blöcke und Schuttmassen oft in die Spalten, zerreiben sich dann aneinander oder kratzen und schrammen das Bett des G.: so entstehen die Gletscher- oder Eisschliffe, die beim Zurückweichen des G. beobachtet werden können. Über die Erosionskraft der G., besonders über die Frage, ob dieselben Seebecken aushöhlen können, gehen die Ansichten der Forscher immer noch weit auseinander. Indem der G. Seitenthäler absperrt, kann er einen Eissee verursachen, dem die Moräne nach Zurückweichen des G. auch Dauer verleihen kann. Ein Beispiel ist der Märjelensee am Aletschgletscher (s. Taf. I, Fig. 2).

Nach der Größe unterscheidet man G. erster (Thalgletscher) und zweiter Ordnung (Hänge- oder Hochgletscher, Jochgletscher); nach der Art ihrer Entstehung einfache, wenn sie nur einem Sammelbecken entströmen, zusammengesetzte, wenn sie aus mehrern einfachen G. entstehen. Ein einfacher G. ist der Rhônegletscher, doppelt zusammengesetzt ist der Vieschergletscher, dreifach das Mer de Glace, fünffach der Gornergletscher u. s. w. Heim unterscheidet ferner einen alpinen, norwegischen und grönländischen Typus der G.

Das Vorkommen der G. beschränkt sich nicht auf die arktische und gemäßigte Zone. Auch in den Tropen finden sie sich, aber selbstverständlich nur in den höchsten Gebirgen, so in den Anden Südamerikas und am Kilima-Ndscharo. Mit der Annäherung an die Pole rücken die G. sowohl nach der Höhenlage ihres Sammelbeckens als nach der des Gletscherendes in die Tiefe, bis letzteres endlich ins Meeresniveau zu liegen kommt. Alpengletscher giebt es über 2000, davon 250 erster Ordnung; sie bedecken 4000 qkm, d. h. 2,3 Proz. des Alpengebietes, die der Finsteraarhorngruppe allein 500 qkm. Die größten Alpengletscher sind: Aletschgletscher (s. d. und Taf. I, 120 qkm), Gornergletscher (s. d., 69 qkm), Mer de Glace (s. d., 42 qkm), Vieschergletscher (s. d., 40 qkm). Der größte G. der Ostalpen ist die Pasterze (32 qkm).

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 72.