Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gobat; Gobbo; Göbel; Gobelet; Gobelette; Gobelins; Gobelīnus Persōna; Goebel; Goeben

109

Gobat - Goeben

Gobat (spr.-bah), Samuel, evang. Bischof in Jerusalem, geb. 26. Jan. 1799 zu Cremine, einem Dorf im Münsterthal (Schweiz), wurde im Baseler Missionshaus ausgebildet, vervollkommnete sich 1825 in Paris und London in den orient. Sprachen und begab sich 1826 im Auftrage der Londoner Missionsgesellschaft nach Abessinien, um dort unter der jakobitisch-christl. Bevölkerung zu wirken, von deren eigentümlichem Geistesleben er die erste sichere Kunde nach Europa brachte. 1836 versetzte ihn die Missionsgesellschaft nach Malta, wo er einem Missionsgymnasium vorstand und sich an der Herausgabe der Bibel in mehrern orient. Sprachen beteiligte. Inzwischen war 1841 die engl.-preuß. Stiftung eines evang. Bistums zu Jerusalem erfolgt, dessen Inhaber abwechselnd von den Kronen England und Preußen ernannt werden sollte. Nach dem 1846 erfolgten Tod des ersten, von England eingesetzten Bischofs wurde G. preußischerseits zum Bischof von Jerusalem ernannt. In diesem Amte hat er bis zu seinem Tode (11. Mai 1879) segensreich gewirkt, besonders durch die Einrichtung zahlreicher evang. Schulen; auch die Waisen- und Krankenhäuser in Jerusalem, Bethlehem, Jafa, Nabulus und Nazareth sind seine Stiftungen. - Vgl. Samuel G., evang. Bischof in Jerusalem, sein Leben und Wirken, meist nach seinen eigenen Aufzeichnungen (Bas. 1884).

Gobbo, Jl, ital. Bildhauer, s. Solari.

Göbel, Karl, Aquarellmaler, geb. 1824 in Wien, Sohn des Malers Karl Peter G., war Schüler der Wiener Akademie und machte wiederholt Reisen in Frankreich, Rußland, Italien und Spanien, die ihm den Stoff zu seinen Landschafts-, Genre- und Tierbildern boten. Unter seinen Arbeiten sind hervorzuheben: die Interieurs der k. k. Ambraser Sammlung in Wien (Eigentum des Kaisers von Österreich), über 200 Bildnisse im Album des Grafen von Chambord, Jagdbilder im Besitz des Fürsten Schwarzenberg. G. lebt in Wien.

Goebel, Karl Eberhard, Botaniker, geb. 8. März 1855 zu Billigheim in Baden, studierte zunächst Philosophie und Theologie, sodann Naturwissenschaften in Tübingen, Straßburg und Würzburg, war 1878-81 Assistent am Botanischen Institut zu Würzburg und seit 1880 Docent der Botanik daselbst, siedelte 1881 in gleicher Eigenschaft nach Leipzig über, wurde aber bereits nach einem halben Jahre als außerord. Professor nach Straßburg berufen. 1883 wurde er ord. Professor in Rostock, 1887 in Marburg, 1891 in München, wo er auch Direktor des Botanischen Gartens ist. 1885 und 1886 hat er eine Forschungsreise in die Tropen (Indien, Ceylon, Java), 1890-91 eine solche nach Venezuela und Britisch-Guayana unternommen. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Über die Verzweigung dorsiventraler Sprosse" (Würzb. 1880), "Grundzüge der Systematik und der speciellen Pflanzenmorphologie" (Lpz. 1882), "Morphologische und biologische Studien", 1-6 (Leid. 1887 u. 1890), "Pflanzenbiologische Schilderungen", Bd. 1 u. 2 (Marb. 1889, 1891 u. 1893), "Entwicklungsgeschichte der Pflanzenorgane" (Bresl. 1884). Seit 1888 giebt G. die botan. Zeitschrift "Flora" heraus.

Gobelet (frz., spr. gob'leh), Becher mit ganz niederm oder ohne besondern Fuß, besonders der Becher der Taschenspieler; Gobeleterie (spr. goblet'rih), Handelsbezeichnung für Trinkgläser und andere gläserne Gebrauchsgegenstände. ↔

Gobelette (frz.), kleines Boot mit einem Maste.

Gobelins (frz., spr. gob'läng), gewebte, zur Bekleidung der Wände oder auch der Möbel dienende Teppiche, die ihren Namen von der Färberfamilie Gobelin erhalten haben. Der erste aus dieser Familie war Jean Gobelin, der um die Mitte des 15. Jahrh. bei Paris eine Wollfärberei anlegte; seine Nachfolger setzten diese fort und gründeten dazu im 16. Jahrh. eine Teppichfabrik, die Ludwig XIV. ankaufte. Die Arbeiten dieser königl. Anstalt wurden vielfach zu königl. Geschenken und für den Bedarf der königl. Schlösser verwendet. Als Staatsanstalt besteht diese Fabrik bis auf den heutigen Tag, während die zahlreichen Fabriken ähnlicher Art, die unter fürstl. Schutz in verschiedenen Ländern entstanden, gegen Ende des 18. Jahrh. wieder zu Grunde gingen, so die in Rom, Florenz, München, Berlin, Madrid, Brüssel u.a. Die Technik, vermutlich orient. Herkunft, ist dieselbe, wie sie im Mittelalter seit dem 11. Jahrh. in verschiedenen Ländern Europas geübt wurde. Sie ist, je nachdem auf stehender oder liegender Kette gearbeitet wird, entweder Hautelisse- oder Basselisseweberei. Die Aufgabe der Gobelinmanufaktur besteht in dem Kopieren eines Gemäldes mit gefärbten Wollfäden; als Vorlagen dienen Ölgemälde oder Kartons. Berühmt sind die G. nach den Kartons, die Raffael 1515-16 auf Befehl des Papstes Leo X. anfertigte (jetzt, 7 an Zahl, im South Kensington Museum zu London). Es wurden von jedem der zehn Bilder (Scenen aus dem Neuen Testament darstellend) zwei Exemplare zu Arras in Flandern gewebt, wovon die einen sich in sehr beschädigtem Zustande im Vatikan zu Rom befinden, die andern (neun Teppiche), ursprünglich für Heinrich VIII. von England gefertigt, 1844 in das Alte Museum zu Berlin kamen. (S. Arrazzi.) Die in Dresden befindlichen sind erst in späterer Zeit, wahrscheinlich in England gewebt. - Vgl. Müntz, La tapisserie (Par. 1883); J. Guiffrey, La tapisserie depuis le moyen âge jusqu'à nos jours (Tours 1885); Havard und Bachon, Les manufactures nationales: les gobelins, la savonnerie, Sèvres, Beauvais (75 Tafeln, Par. 1889); Gerspach, La manufacture nationale des gobelins (ebd. 1892).

Gobelīnus Persōna, westfäl. Universalhistoriker des 15. Jahrh., geb. 1358 in Paderborn, kam nach Italien und wurde in der Kanzlei Urbans VI. verwandt. Als Priester kehrte er zurück, wurde 1389 Rektor der Dreifaltigkeitskapelle in Paderborn, später Pfarrer an der Marktkirche, darauf Offizial des Bischofs Wilhelm, dann Dechant des Kollegiatstifts in Bielefeld. Er starb nach 1421, vielleicht in Kloster Böddeken. Sein Hauptwerk ist das "Cosmodromium" ("Weltenlauf"; hg. von H. Meibom in den "Scriptores rerum Germ.", Bd. 1, Helmst. 1688), das er schon um 1390 begann und 1418 beendete. Von seinen sechs Büchern hat nur die zweite Hälfte des sechsten Bedeutung. Aus dem "Cosmodromium" hat Scheffer-Boichorst die verlorenen "Annales Patherbrunnenses" herauszuschälen verstanden. - Vgl. Bayer, G. P. (Leipzig ohne Jahr); Hagemann, Über die Quellen des G. P. (Soden 1874).

Goeben, August von, preuß. General der Infanterie, geb. 10. Dez. 1816 zu Stade in Hannover, trat 1833 in das preuß. 24. Infanterieregiment. 1835 zum Lieutenant befördert, nahm G. 1836 bereits den Abschied, um für die Sache des Don Carlos in Spanien zu kämpfen. Dort machte er 1836-40 fünf Feldzüge mit, wurde fünfmal verwundet und geriet

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 110.