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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Golgasdruck - Golgatha
der Lust (im Winter) von 3,i" (^. verursachen könnte, '
der sich am Nordkap auf 8,1° (^. steigert. Schon Lenz
in Petersburg, der Begleiter Kotzebues auf seiner
zweiten Reise, stellte 1845 die Theorie eines allge- ,
meinen vertikalen Kreislaufs im Meere auf, die aber
erst, nach den Ergebnissen derTiessce-Untersuchungen ^
in neuester Zeit, dirrch CarpenterundWyvilleThom- !
son wieder ausgenommen und zur Annahme gebracht
wurde. Die zahlreichen und sorgfältigen Beobach-
tungen der Meerestemperatur in verschiedenen Tiefen >
zeigen, daß ein allgemeines Abstießen der warmen >
Oberflächenwasser der heißen Zone nach den Polen
zu stattfindet, wogegen von da her in der Tiefe das
kalte Wasser langsam, aber stetig zum Äquator zieht
und dort aufsteigt. Letzteres zeigt sich namentlich
darin, daß die kalten Wasserschichten (unter -^ 5° 0.)
unter dem Äquator dichter an der Oberstäche des
Meers liegen als irgendwo im Atlantischen Ocean
bis 60° nördl. Br. hinauf. Die warmen, nordwärts
abstießenden Wassermassen sind es, die durch ihren
Überschuß an Notationsgeschwindigkeit allmählich
ostwärts gedrängt werden und so die Temperatur
der europ. Westküste erhöhen. Diese allgemeine Be-
wegung, die durch die nördlich von dem Wende-
kreise vorherrschenden West- und Südwestwinde ver-
stärkt wird, bezeichnet man als Golfstromtrift.
Die Frage, wie der G. entstehe, hat die Wissen-
schaft schon lange beschäftigt, aber erst durch neuere
Forschungen wird einiges Licht auf dies Problem
geworfen. Der Mississippi kann den G. nicht, wie
man früher annahm, hervorbringen, da das Vo-
lumen Wasser, welches dieser Fluß in den Mexi-
kanischen Golf ausschüttet, noch nicht ^oo von
dem ist, das als G. aus demselben entweicht.
Überdies ist das Wasser des G. salzig, das des
Mississippi süß, und man vergaß, daß gerade soviel
Salz, als durch den G. aus dem Golf von Mexiko
entfernt wird, in denfelben wieder durch einen an-
dern Kanal eindringen muß, denn sonst müßte der-
selbe im Laufe der Zeit ein Süßwasserbecken werden.
Auch Franklins Ansicht, wonach der G. der Abfluß
des durch die Passatwinde in das Karibische und
Mexikanische Meer getriebenen und zu einem höhern
Niveau aufgestauten Wassers sei, kann nicht als
Ursache dieser Strömung angenommen werden, weil
eine solche Erhebung der Wassermassen zu bedeutend
sein müßte, um ein Hinabfließen des G. quer durch
den Ocean bis zu den Azoren und den Westgestaden
Europas zu veranlassen. Nach der jetzigen Kenntnis
der Strömungen im Atlantischen Ocean ist der G.,
wie schon oben bemerkt, nur die Fortsetzung des ^lqua-
torialstroms (s. Atlantischer Ocean), dessen nördl. Teil
als Guayanastrom in dasKaribischeMeer eintritt und
zwischen Jucatan und Cuba in den Golf von Mexiko
stießt. Nach seinem Gange durch die Floridastrafte
bleibt ihm bei dem Andränge der äquatorialen Trift
gegen die Vahama-Inseln nur der Ausgang nach
Norden offen. Infolge der wegen des größern Salz-
gehalts stärkern Adhäsion seiner Wasserteilchen und
des wegen der höhern Temperatur geringern Ge-
wichts muß das Wasser des Stroms selbst ein höhe-
res Niveau haben, und zwar ergiebt die Berechnung,
daß die Achse des G. fast l>0 cin höher liegt als die
daranstohenden Gewässer des Oceans. Seine Ober-
fläche muß also eine Neigung nach beiden Seiten
haben, wie ein flaches Dach, und auf diesem muß
das Wasser von der First seitwärts herabflieften.
Deshalb scheint es am Nande aufzuwallen und
schäumt hier und da gleich einem Wasserfall. In
der That schwimmt ein Boot, das ein von Süden
nach Norden fahrendes Schiff dort aussetzt, entweder
nach Osten oder nach Westen. Treibholz und See-
tang oder Golf kr ant, welches in Menge längs
des östl. Randes des G. schwimmt, findet sich nie
auf der Westseite, wenn es von Osten kommt, weil es
nicht über den Berg schwimmen kann, doch lommen
schwimmende Körper von dem Meritaniscben Golf
oder aus Westindien nach Europa.
Den G. nahe an seiner storidanischen Enge ent-
deckte zuerst Francisco de Alaminos, der Pilot des
Ponce de Leon, 22. April 1513. Auf allen Karten
des 15. und 17. Jahrh, heißt er Canal de Babama,
und unter diesem Namen beschrieb ilm 1600Herrera.
Die Entdeckungen und Ansiedelungen der Ostküste
Nordamerikas im 17. und 18. Jahrh, haben nickts
Erhebliches zur genauern Kenntnis desselben beige-
tragen. Es war dem klaren Verstande Benjamin
Frantlins vorbehalten, die Eigenschaften und Be-
ziehungen des Stroms zu beleuchten. Auch war
Franklin der erste, der die Benennung G. anwen-
dete. Seitdem ist er fortwährend Gegenstand der
Untersuchung gewesen; in neuester Zeit (l892) hat
sich der Fürst von Monaco um seine Erforschung
durch Aussetzen zahlreicher Flaschenposten (s. d.) be-
sonders verdient gemacht.
Litteratur. Report ol tli6 Unitsä 8tat63 (^zt
3urv67 (1866); Kohl, Geschichte des G. und seiner
Erforschung (Brem.1868); Findlay in den "I^oceeä-
W33 ok tk6 (-eoFi-apliical 80016^" (1869); Peter-
mann in den "Geogr. Mitteilungen" (1870); die Be-
richte über die Challenger-Expedition in Petermanns
"Geogr. Mitteilungen" (1874); den "Hydrogr. Mit-
teilungen der kaiserl. Admiralität" (Berl. 1874) und
im a^60FrHi)Iii(Hi NaFÄxino" (Lond. 1874); Thom-
son, vkptkZ oktks 86a, (ebd. 1876); von Klöden,Der
G. nicht der Erwärmer des westl.Europa sin der"Zeit-
schrift der Gesellschast für Erdkunde", Verl. 1878);
Voguslawsky und Krümmet, Handbuch der Ozeano-
graphie, Vd.2,Kap.4 (Stuttg.1887). U. d.T. "I^i-s
0N t1i6 6H8t61'U lUiä NOrtiiCI'N 6Xt6N810N8 "f t1i6
6M'3ti'6Hin" hat das Hydrographische Amt der Ver-
einigtenStaaten eineAnzahl Abhandlungen über den
G., meist von Petermann, von Freeden und Mührv,
aber auch von Seefahrern und Naturforschern ver-
schiedener anderer Nationen, zusammenstellen lassen.
Golgasdruck, der auf Wolle angewendete
Vandanadruck (s. d.); die wollenen Zeuge werden,
ehe sie zwischen die Platten kommen, mit Alaun
oder Weinstein gebeizt.
Golgatha, grch. G 0 lg 0 th a, im Neuen Tcsta-
mt die Stätte der Kreuzigung Jesu. Das Won,
ment
von den Evangelisten als "Schädelstätte" gedeutet,
i von vielen Auslegern als "Richtstätte" aufgefaßt,
> ist aramäisch und bedeutet "Schädel", wahrscheinlich
! wegen einer schädelähnlichen Felsbildung gebraucht.
> G. lag außerhalb der ^tadt Jerusalem (Matth.
^ 27,32fg.;28,ii;Joh.19,i7;Hebr.13,i2), nahedabe>i
das Felfengrab Josephs von Arimathia, in das der
Leichnam Jesu gelegt wurde. Die Frage nach der
Echtheit der heute als G. gezeigten Stätte fällt daher
im wesentlichen mit der Echtheitsfrage des Heiligen
Grabes ls. d.) zusammen. Das heutige G. wurde
zuerst von Konstantin d. Gr. als heilige Stätte in
eine prächtige Basilika eingeschlossen und bat die
Schictsale dieser und der ihr folgenden Baulichkeiten
, geteilt. Nach dem Bau des Modestus 629 bildete
G. längere Zeit ein kleines Heiligtum für sich; seit
dem Umbau durch die Kreunabrcr oder schon seit