Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Goethe; Gothaische Genealogische Taschenbücher; Göthakanal; Göthe

188

Gothaische Genealogische Taschenbücher - Goethe (Johann Wolfgang von)

unterstützen. Die beiden Gagern, Dahlmann, Beckerath, G. Beseler, Duckwitz, J. Grimm, Bassermann, Mathy, Simson, Riesser, Biedermann, Waitz u. a. beteiligten sich an diesen Beschlüssen. Von 147 bei der Abstimmung anwesenden Teilnehmern stimmten 130 dafür und unterzeichneten eine Erklärung, worin sie aussprachen, sie fühlten sich unter den gegebenen Umständen, um wenigstens etwas aus der Bewegung von 1848 zu retten, in ihrem Gewissen gedrungen, unter gewissen Voraussetzungen auf den Anschluß der noch nicht beigetretenen Staaten an den Berliner Entwurf hinzuwirken, sowie an den Wahlen zum nächsten Reichstage sich zu beteiligen. Gleichzeitig ward eine Organisation der Partei in ganz Deutschland vorbereitet und in der Presse und in den Vereinen für dieses Programm gewirkt. "Gothaer" hießen seitdem alle die, welche eine bundesstaatliche Verfassung für Deutschland unter konstitutionellen Formen und mit einem preuß. Erbkaisertum erstrebten.

Gothaische Genealogische Taschenbücher, s. Genealogische Taschenbücher.

Göthakanal, s. Götakanal.

Goethe, August von, Sohn des Dichters, geb. 25. Dez. 1789 in Weimar, starb als großherzoglich sächs. Kammerherr und Geh. Kammerrat 27. Okt. 1830 auf einer Reise durch Italien in Rom. Vermählt hatte er sich 1817 mit der geistvollen und excentrischen Ottilie, Freiin von Pogwisch (geb. 31. Okt. 1796 in Danzig), die mit ihrer Mutter (geborene Gräfin Henckel von Donnersmarck, Tochter der Oberhofmeisterin Karl Angusts) schon als Kind nach Weimar gekommen war. Sie ist bekannt als die Pflegerin des alternden Dichters, nach dessen Hingang sie in Wien, dann in Weimar lebte, wo sie 26. Okt. 1872 starb. Von ihren drei Kindern, den Enkeln G.s, starb das jüngste, Alma von G. (geb. 29. Okt. 1827), 29. Sept. 1844 in Wien am Typhus. Von den beiden Söhnen widmete sich Walther Wolfgang, Freiherr von G. (geb. 9. April 1818), der Musik, die er in Leipzig unter Mendelssohn und Weinlig, bei Loewe in Stettin, zuletzt in Wien studierte. Mehrere seiner Kompositionen, namentlich für den Gesang, sind durch den Druck veröffentlicht. Er lebte unvermählt als Kammerherr in Weimar und starb 15. April 1885 in Leipzig, durch sein Testament den Nachlaß des Großvaters der Fürsorge der Großherzogin von Sachsen-Weimar überlassend (s. Goethe-Archiv). Sein jüngerer Bruder, Wolfgang Maximilian, Freiherr von G. (geb. 18. Sept. 1820), erwarb sich in Heidelberg mit der Schrift "De fragmento Vegoiae" die jurist. Doktorwürde. Nachdem er in dem dreiteiligen Werke "Der Mensch und die elementarische Natur" (anonym, Stuttg. und Tüb. 1845) als Philosoph, Jurist und Dichter zugleich aufgetreten war, veröffentlichte er noch eine größere Dichtung "Erlinde" (2. Aufl., ebd. 1851) und eine Sammlung lyrischer "Gedichte" (ebd. 1851). Er war preuß. Legationsrat und weimar. Kammerherr und starb 20. Jan. 1883 in Leipzig.

Goethe, Christiane von, s. Goethe, Johann Wolfgang von.

Göthe, Eosander von, Baumeister, s. Eosander.

Goethe, Herm. Theodor, Ampelograph und Pomolog, geb. 16. März 1837 zu Naumburg a. S., gründete 1862 in Obergorbitz bei Dresden eine landwirtschaftliche Gartenbauschule. 1865 erhielt er eine Berufung als Lehrer und Wanderlehrer an die großherzogliche bad. landwirtschaftliche Gartenbauschule in Karlsruhe; 1871 folgte er einer Berufung als Wanderlehrer für Niederösterreich. Noch in demselben Jahre wurde G. zum Direktor der neu zu gründenden steiermärkischen Landesobst- und Weinbauschule in Marburg ernannt, trat 1883 in den Ruhestand und siedelte 1885 nach Baden bei Wien über. Im gleichen Jahre habilitierte er sich als Privatdocent für Obst- und Weinbau an der k. k. Hochschule für Bodenkultur in Wien, wurde 1889 Geschäftsleiter des österr. Weinbauvereins und gründete in Baden eine biologische Weinbauversuchsstation, an der er jetzt noch wirkt. G. schrieb: "Der Weingarten" (Wien 1873), "Die für den Weinbau Deutschlands und Österreichs wertvollsten Traubensorten" (30 Tafeln in Fol., ebd. 1874), "Ampelographisches Wörterbuch" (ebd. 1876), "Der Obstbaum" (3. Aufl., Weim. 1889), "Handbuch der Ampelographie" (2. Aufl., Berl. 1887), "Die Reblaus" (deutsch und slowenisch, 2. Aufl., Graz 1890), "Die wichtigsten amerik. Reben, welche der Reblaus widerstehen" (ebd. 1884), "Die Rebenveredelung" (Wien 1886), "Weinbaustatistik des Herzogtums Steiermark" (Graz 1881), "Phylloxera und ihre Bekämpfung. In zehn Vorlesungen" (Wien 1887), "Aus der biologischen Weinbauversuchsstation" (mit 4 kolorierten Tafeln, deutsche, ital. und slowen. Ausgabe, ebd. 1891). 1867-71 war G. Redacteur der "Rhein. Gartenschrift", 1877-81 Herausgeber der ampelographischen Berichte (deutsch und französisch) und von 1892 an Redacteur der "Mitteilungen des Vereins zum Schutze des österr. Weinbaues".

Goethe, Johann Wolfgang von, Deutschlands größter Dichter, zugleich einer der gewaltigsten und reichsten Denker, geb. 28. Aug. 1749 in Frankfurt a. M. Sein Vater, der Dr. jur. und kaiserl. Rat Johann Kaspar G. (getauft 31. Juli 1710, gest. 27. März 1782), stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie, die ursprünglich in Artern (Thüringen) ansässig war; doch schon G.s Großvater, der Hufschmiedssohn Friedrich Georg G. (gest. 1730), war jung als Schneidergesell nach Frankfurt gewandert, dort Bürger und durch die Ehe mit der Witwe Cornelia Schellhorn (gest. 1754) der wohlhabende Besitzer des Gasthofs "Zum Weidenhof" geworden. Von seinem Vater, der in behaglicher Muße seinen Studien lebte und den sein stetes, fast pedantisches Bildungsstreben auch nach Italien führte, hat G. die ernste Arbeit an sich selbst, den Sinn für strenge Wissenschaft und für bildende Kunst geerbt. Innerlicher verwandt fühlte er sich seiner Mutter, Katharina Elisabeth G. (s. d.). Der schwindende Glanz der alten Reichsstadt wies den Knaben früh auf histor. Betrachtung hin. Der frische Sprachreichtum des Dialekts herrschte hier, durch die Schriftsprache wenig verkümmert, auch bei den Gebildeten. Frankfurts litterar. Geschmack war altmodisch, die Antike wurde dem jungen G. durch das Französische oder Italienische vermittelt. Klopstocks "Messias" genoß er gegen des Vaters Willen, Lessings Name aber drang schwerlich an sein Ohr. Die franz. Besatzung, die der Siebenjährige Krieg 1759 nach Frankfurt brachte, wurde im Goetheschen Hause, wo alles "Fritzisch" gesinnt war, schwer empfunden; doch regten die künstlerischen Aufgaben, durch die der einquartierte Königslieutenant Graf Thoranc (nicht Thorane) Frankfurter und Darmstädter Maler beschäftigte, den Knaben lebhaft an, und seine Leidenschaft für die Bühne, schon durch ein Puppentheater genährt,