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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gramm; Grammaire générale et raisonnée; Grammar schools; Grammatik

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Gramm – Grammatik

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gramineen'

halten, häufig sogar bloß einblütig sind. Diese Ährchen sind nun wiederum in mannigfachster Weise zu Blütenständen vereinigt, vorzugsweise in Rispen, Ähren und Trauben.

Die einzelnen Blüten haben einen eigentümlichen Bau, in der Regel sind sie so zusammengesetzt, wie es die nachstehende Skizze einer Blüte von Bromus mollis L. (Fig. 1) und das Diagramm derselben (Fig. 2), das auch für die meisten andern G. gültig ist, zeigt.


Figur 1:


Figur 2:

Das in den beiden Figuren mit b bezeichnete Blatt ist das Deckblatt (in Fig. 1 ist es zurückgeschlagen dargestellt, damit das Innere der Blüte sichtbar wird), Palea inferior genannt, das mit v bezeichnete Blatt ist das Vorblatt oder die Vorspelze (Palea superior), die beiden kleinen Blättchen, die mit l bezeichnet sind, nennt man die Lodiculae; sie stellen das eigentliche Perigon dar; die Staubgefäße sind in der Dreizahl vorhanden und die Griffel stehen zu zwei, sie krümmen sich mit ihrer federigen oder anders zerteilten Narbe nach unten und außen. Von diesem Blütenbau giebt es nur wenige Ausnahmen; so besitzen einige Gattungen, wie Bambusa (s. d.), drei Narben, eine andere, Nardus (s. d.), nur eine Narbe, die Reisarten sechs Staubgefäße, die Gattung Anthoxanthum (s. d.) dagegen nur zwei. Der Fruchtknoten ist einfächerig und enthält nur eine Samenknospe. Die Frucht ist eine Schließfrucht und zwar eine sog. Karyopse; sie bleibt gewöhnlich umhüllt von den beiden Spelzen und oft auch noch von den darunterstehenden Hochblättern, den Deckspelzen (Glumae). Bei einigen Arten, wie bei dem Roggen und Weizen, fällt sie bei der Reife nackt aus den Spelzen heraus.

Die systematische Einteilung der G. in mehrere Unterabteilungen ist zwar nicht in allen Systemen die gleiche, doch ergeben sich aus der Anzahl der Glumae besonders zwei große Abteilungen, die Panicoideen mit 3–6 Glumae und die Poacoideen mit 2 Glumae, zu den letztern gehören die meisten der in Deutschland einheimischen G.

Hierzu Tafeln: Gramineen I–V (zur Erklärung vgl. die Artikel: Phalaris, Briza, Melica, Lolium, Anthoxanthum, Bambusa, Alopecurus, Saccharum, Mais, Reis, Sorghum, Agrostis, Glyceria, Gynerium, Esparto, Stipa, Cynodon) und VI, Ziergräser (vgl. den Artikel Ziergräser). Vgl. Getreide nebst Tafel: Getreidearten; Futterbau und Futterpflanzen und Tafeln: Futterpflanzen.

Fossile Gräser kennt man nur wenige; zwar sind viele Arten beschrieben und in verschiedene Gattungen, wie Bambusium, Culmites, Poacites u. a. zusammengefaßt worden; doch ist die genaue Bestimmung dieser Reste gewöhnlich nicht möglich, da nur von sehr wenigen Blütenstände erhalten sind, die sichern Aufschluß über die systematische Stellung geben können, von den meisten finden sich nur Blätter oder vielmehr Blattfragmente.

Litteratur. Linné, Fundamenta agrostographiae (Upsala 1767); Kunth, Enumeratio plantarum etc. (Bd. 1: «Agrostographia synoptica», Stuttg. 1833); ders., ↔ Distribution méthodique de la famille des graminées (Par. 1835); Reichenbach, Icones Florae germanicae et helvetiae etc., Bd. 1, (Lpz. 1823–70); Steudel, Synopsis plantarum glumacearum (2 Tle., Stuttg. 1855); H. Hein, Kurze Beschreibung der wichtigsten in Deutschland einheimischen und angebauten G., Cyperaceen und Juncaceen u. s. w. (Hamb. 1876); ders., Gräserflora von Nord- und Mitteldeutschland (2. Aufl., Weim. 1880); E. Hackel, Gramineae (in der 2. Abteil, von Engler und Prantls «Natürlichen Pflanzenfamilien» (Lpz. 1887).

Gramm (frz. gramme), dem Namen nach die Gewichtseinheit (abgekürzt g geschrieben) des metrischen Systems, das Gewicht von 1 Kubikzentimeter destillierten Wassers bei +4° C. Aus dem G. werden durch decimale Vervielfachung und Teilung die größern und kleinern Gewichte gebildet, jene griechisch, diese lateinisch vorbenannt: Dekagramm = 10g; Hektogramm = 100 g; Kilogramm (abgekürzt kg) = 1000 g; Myriagramm = 10000 g; Decigramm = 1/10 g; Centigramm = 1/100 g; Milligramm (abgekürzt mg) = 1/1000 g. Die thatsächliche Gewichtseinheit ist das Kilogramm (s. d.). Der Name G. ist dem des um die Hälfte schwerern altgriech. Gewichts Gramme entnommen.

Grammaire générale et raisonnée (spr. -mähr scheneráll e räsonneh), s. Allgemeine Grammatik.

Grammar schools (spr. grämmĕr skuhls), ausnahmsweise auch Colleges, heißen in Großbritannien die Unterrichtsanstalten, die gleich den deutschen Gymnasien auf die Universität vorbereiten. Wenn auch der Name eigentlich auf alle Schulen anwendbar ist, in welchen Unterricht in klassischen Sprachen erteilt wird, so wird er doch vorzugsweise für die in größern Städten errichteten meistens mit einer Kathedrale zusammenhängenden Schulen angewandt, in welchen sich die Schüler nur während des Tages aufhalten. Die großen öffentlichen Schulen, die zugleich die Schüler beherbergen und von der Aristokratie und den höhern Ständen hauptsächlich benutzt werden, werden als Public schools bezeichnet. (S. auch Englisches Schul- und Universitätswesen.)

Grammátik (grch.) ist die Darstellung des vorhandenen Materials der Sprache, ihres Baues und der Gesetze ihrer Entwicklung und Veränderung. In neuerer Zeit zerfällt die wissenschaftliche G. einer Sprache gewöhnlich in folgende Teile:

  • 1) Lautlehre, Darstellung des Lautsystems der Sprache, des Verhältnisses der einzelnen Laute zueinander, ihrer gesetzmäßigen Veränderungen, bei vergleichender Behandlung auch ihres Verhältnisses zu den Lauten der verwandten Sprachen oder der Ursprache des betreffenden Sprachstammes;
  • 2) Stammbildungslehre, behandelt die Wurzeln, die aus ihnen abgeleiteten Stämme und die Mittel der Ableitung (s. d.);
  • 3) Flexionslehre, behandelt die Deklination und Konjugation;
  • 4) Syntax, behandelt die Bildung und die Formen des Satzes.

– Unter den abendländ. Kulturvölkern wurde die erste G. von dem alexandrinischen Gelehrten Dionysius Thrax (s. d.) verfaßt. Seine «Techne grammatike» (ars grammatica) wurde seiner Darstellung nach Muster für die nachfolgenden G., und man darf sagen, daß kaum ein Werk der ganzen Profanlitteratur des Abendlandes einen so weitreichenden Einfluß geübt habe wie dieses. – G. wird häufig im allgemeinern Sinne gleichbedeutend mit Sprachforschung und Sprachwissenschaft (s. d.) gebraucht,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 245.