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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Granatfels - Gran-Canaria

Spreng- und Brandwirkung ausübt. (S. Geschoß, Bd. 7, S. 906-908.) G. sind gegenwärtig nur von länglicher Gestalt und, wenn sie für Hinterladungsgeschützc bestimmt sind, zu ihrer Führung mit einem Bleimantel oder mit Kupferringen versehen. G. von mehr als vierfacher Länge im Verhältnis zum Kaliber nennt man Langgranaten, wenn sie mit Brandsatz gefüllt sind, Brandgranaten (s. Geschoß, Fig. 3). In der ersten Zeit der gezogenen Geschütze nannte man Langgranaten G. von mehr als doppelter Länge. Von großer Wirkung gegenüber lebenden Zielen sind die Doppelwandgranaten (s. Geschoß, Fig. 24) und die Ringgranaten (s. Geschoß, Fig. 25). G. haben meist Perkussionszünder und große Sprengladung. Die frühern engl. Segmentgranaten (s. Geschoß, Fig. 23) waren mit Eisenstücken (statt Bleikugeln) gefüllte Shrapnels. Gegen Panzerungen wendet man statt gewöhnlicher gußeiserner G. solche aus Stahl oder Eisenhartguß an. Stahl- und Hartgußgranaten haben eine scharf zulaufende Spitze und können den Zünder entbehren, da die Sprengladung lediglich durch die Erhitzung des Geschosses beim Durchschlagen des Panzers sich entzündet. Handgranaten sind runde Hohlgeschosse kleinern Kalibers und Gewichts (etwa 1 kg), die mit der Hand oder dem Granatgewehr (s. d.) dem Feinde entgegengeworfen wurden. Im 17. und 18. Jahrh. führte man Handgranaten im Felde mit, und die mit dem Werfen derselben betrauten Truppen hießen Grenadiere, die sich mitunter auch der Granatgewehre zum Werfen derselben bedienten. Später verwendete man die Handgranaten nur noch im Festungskriege. Eine größere Zahl von Handgranaten, die gleichzeitig aus einem schweren Mörser ähnlich einer Kartätsche geworfen wurden, ergaben den Granathagel oder Wachtelwurf. In neuester Zeit spielen namentlich die Brisanzgranaten (s. d.), auch Sprenggranaten genannt, die statt des Schießpulvers einen hoch explosiblen Sprengstoff als Sprengladung führen, eine große Rolle.

Granatfels, ein feldspatfreies Gestein, das vorwiegend aus braunem oder gelblichem, mehr oder weniger feinkörnigem Granat besteht, wozu sich aber in der Regel noch grünschwarze Hornblende und Magneteisenerz gesellen; in Drusenräumen zeigen sich manchmal schöne Granatkrystalle. Sehr häufig sind noch andere Silikate, wie Augit, Epidot, auch Quarz, Schwefelmetalle und Kalkspat hinzugemengt. Der G. bildet untergeordnete linsenförmige Einlagerungen, namentlich im Bereich der alten krystallinischen Schiefer, z. B. auf der Hohen Waid im Odenwald, am Teufelsstein und Klobenstein bei Schwarzenberg, bei Ehrenfriedersdorf und Berggießhübel in Sachsen, bei Kupferberg sowie zwischen Abertham und Joachimsthal auf dem Erzgebirge, wo die Lager im Glimmerschiefer stellenweise 15 m Mächtigkeit gewinnen.

Granatgewehre dienten im 18. Jahrh. zum Schießen von Handgranaten; der Lauf war kurz und weit, ähnlich einem Mörser; oft stand noch ein gewöhnlicher Gewehrlauf damit in Verbindung (s. Granatkanonen). Jetzt versteht man unter G. ein zum Schießen explodierender Geschosse bestimmtes Gewehr; solche G. sind aber durch die Petersburger Konvention von 1868, betreffend Sprenggeschosse, völkerrechtlich verboten. (S. Explosionsgeschosse.) Eine brauchbare Konstruktion stammt von Franz von Dreyse.

Granatguano, s. Garneelen.

Granathagel, s. Granate.

Granatiere, der anfängliche Name der Grenadiere (s. d).

Granatkammern, die zur Aufbewahrung der Geschosse auf Kriegsschiffen besonders eingerichteten Räume unter der Wasserlinie, meist unter dem Zwischendeck; bei Feuer können sie ganz unter Wasser gesetzt werden. Ihre Erleuchtung geschieht von außen. Für die Pulverladungen der Geschütze sind besondere Pulverkammern ähnlich den G. eingebaut, zu denen der Zutritt nur mit besondern Vorsichtsmaßregeln (Filzschuhe u. s. w.) gestattet ist. Getrennt von diesen sind an Munitionsräumen auf den Schiffen noch Aufbewahrungsräume für scharfe Torpedoköpfe, für verschiedene Zündungen und Gewehr- und Revolvermunition vorhanden. Alle Munitionsräume sind außer bei "Klar-Schiff" (s. d.) geschlossen und werden durch Posten bewacht.

Granatkanonen, verkürzte glatte Kanonen mittlern und großen Kalibers zum Schießen von Granaten (s. Granatgewehre). Bei größerm Kaliber hießen sie auch Bombenkanonen (s. d.). Man wollte in Gestalt der G. die Vorteile des Hohlgeschoßfeuers auf die gestreckten Bahnen der Kanonen übertragen. In der 12 cm-Granatkanone, um deren Konstruktion sich unter andern Napoleon III. verdient gemacht hat, hoffte man eine Zeit lang das Einheitsgeschütz der Feldartillerie gefunden zu haben. Vermöge ihrer geringen Präcision und Tragweite mußten sie den gezogenen Geschützen bald das Feld räumen.

Granatkartätsche, soviel wie Shrapnel, wenig gebräuchlich.

Granatoeder, ein früher gebrauchtes Synonym für das Rhombendodekaeder (s. d.), weil der Granat insbesondere in dieser Form krystallisiert.

Granatschrot, Granatmehl, s. Garneelen.

Granatsicher, in der Befestigungskunst, s. Unterkunftsraum.

Granatstern, ein im Sternbild Cepheus befindlicher, veränderlicher Stern, der durch seine intensiv rote Farbe auffällt und von Herschel G. genannt wurde; er variiert zwischen vierter und fünfter Größe.

Granatstücke, eine Art langer Haubitzen, die im 18.Jahrh. der sächs. Artilleriegeneral von Hoyer konstruierte, die Vorläufer der Granatkanonen (s. d.).

Gran-Canaria, die zweitgrößte der nach ihr benannten Gruppen der Canarischen Inseln, 1667 qkm groß, mit 95 415 E. in 22 Ortschaften. Die Insel, von 561 km Durchmesser, ist ein domformiger erloschener Vulkan; an der Nordostseite schließt die kleine Halbinsel Isleta von neuerer vulkanischer Bildung an. Zwischen dem 1950 m hohen Pico del Pozo de las Nieves, dem 1862 m hohen Nublo und dem 1819 m hohen Saucillo ist der weite, tiefe Schlund der sog. Caldera eingesenkt. Die Insel vereinigt alle landschaftlichen Schönheiten und Eigentümlichkeiten der Canaren in sich und ist wegen ihrer Produktion die wichtigste des Archipels; es gedeihen alle Kulturpflanzen Europas und des Orients, und die Pflanzungen sind überall in gutem Zustande. Rindvieh-, Schaf-und Ziegenzucht stehen in Blüte. Die Insel besitzt mehr als 100 Seeschiffe und zahlreiche Fischerboote. Hauptstadt ist Las Palmas (s. d.) mit 20 756 E. Der Handel ist lebhaft. Der alte canarische Herrschersitz ist das Städtchen Galdar (5078 E.). Andere Orte sind Telde (9403 E.) und Teror (4125 E.). G. wurde 1478-83 von den Spaniern erobert.