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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grey (Familie)
sord, über; heutiger Träger ist William G., neun-
ter Graf Stamford, geb. 1850.
Von dem ältern Sohne jenes Neginald G. de
Ruthyn, I o h n G., stammten die G. v o n W i l t o n,
die mit Thomas, der in Raleighs Verschwörung
verwickelt, 1614 im Tower endete, ausstarben, und
in jüngerer Linie Edmund G. von Ruthyn, der
1465 zum Grafen Kcnt (s. d.) erhoben wurde,
Henry G., elfter Graf von Kent, seit 1710 Herzog l
von Kent, starb 1740 ohne männliche Erben, ^eine
Urenkelin, Amabel, Tochter des Grafen von Hard-
wiäe und Witwe Lord Polwarths, ward 1816 zur
Gräsin de G. erhoben, welcher Titel nach ihrem
Tode 4. Mai 1833 an ihren Neffen Thomas
Philipp Robinson, Lord Grantham, über-
ging, der den Familiennamen De G. annahm.
Er war geb. 8. Dez. 1781 als ältester Sohn des
Lord Thomas Grantham, war 1834-35 erster
Lord der Admiralität, 1841-44 Vicekönig von
Irland und starb 14. Nov. 1859 zu London. Er
war Präsident des Instituts der brit. Architekten,
Mitglied der lio^ai Zociot^, der societ^ "t' ^.nti-
(iu9.i'i63 und anderer gelehrter Vereine. Von sei-
nen schriftstellerischen Arbeiten ist eine Lebensskizze
seines vieljährigen Freundes, des Herzogs von
Wellington: "(Haractei-^ti^ ol tdo Dnks ol V/ol-
linFwn apart Irom 1ii8 militai'^ taients" (Lond. z
1853), bekannt. Seinen Titel erbte der Sobn seines !
jüngern zum Lord Goderich und Graf Ripon er- !
hobcnen Bruders, der heutige Marquis von Ripon.
Grey (spr. greh), alte in Northumberland an- >
säfsigeFamilie, deren Ahnherr, SirJohnG., 1372 !
lebte und Vater von Sir Thomas G. (gest. 1402)
war, dessen ältester Sohn zum Grafen Tankerville !
in der Normandie erhoben wurde, und von desfen !
zweitem Sohne Thomas die 1706 ausgestorbenen ^
Lords G. von Werke sowie die heutigen Grafen G.
abstammten. Von der letztern Linie wurde Henry G.
von Howick 1746 zum Varonet erhoben. Dessen vier-
:er Sohn Sir Charles G., geb. 1729, trat in die ^
Armee, diente als Adjutant des Herzogs Ferdi-
nand von Vraunfchweig im Siebenjährigen Kriege,
zeichnete sich im amerik. Kriege aus und wurde 1782
Generallieutenant. 1794 zum Oberbefehlshaber
des Landheers in Westindicn ernannt, eroberte er
zusammen mit der Flotte unter Lord Samt-Vincent
einen großen Teil der franz. Besitzungen auf den An-
tillen, wurde 1796 zum General, )801 zum Baron
G. von Howick und 1806 zum Viscount Howick und
Grafen G. erhoben. Er starb 14. Nov. 1807.
^cin Sohn Charles G., zweiter Gras G.,
aeb. 13. Juni 1764 in Fallodon bei Alnwick, war
herangebildet zu Eton und Cambridge, reiste auf
dem Festlande und trat mit 22 Jahren ins Unter-
haus. Trotz der Tory-überliescrungen seiner Familie
schloß er sich den Whigs an und hielt sogar bei der
Spaltung der Partei wegen ihrer Stellung zu der
Franzosischen Revolution zu dem kleinern extremen z
Wbigkreise unter Fox. Mit Erskine trat er an die ^
Spitze des neugebildetenVereins der "Volksfreundc", ^
dessen Ziel eine Reform der verrotteten Parlaments- !
Verhältnisse war; seine beiden dahin zielenden An-
träge 1793 und 179? kamen jedoch mit großer
Mehrheit zu Fall. Als Lord H owick war er 1806
unter Grenville erster Admiralitätslord und nach
Fox'Tode (13. Sept. 1806) Staatssekretär des Aus-
wärtigen. Durch seine Befürwortung der Befreiung
der Katholiken von ihren bürgerlichen Veschrän- !
kungcn gab er den Anstoß zum Sturz des Kabinetts.
Seit 1807 kämpfte er im Oberhause 18 Jahre lang
gegen die reaktionären Maßregeln des herrschenden
Toryismus und trat 1820 als Verteidiger der Kö-
nigin Karoline in ihrem Proceß mit Georg IV. auf.
Als Nov. 1830 das reformfeindliche Ministerium
Wellington abtrat, wurde G. als erster Schatzlord
Leiter eines Whigkabinctts, und nach schweren Käm-
pfen wurde Juni 1832 die Reformbill (s. d.) Gesetz,
die eine gerechtere Verteilung des Wahlrechts durch-
setzte. Nach diesem Siege wurde jedoch die Stellung
des Ministeriums schwierig gegenüber den neuen
radikalen Elementen, die ins Unterhaus eindran-
gen, und Juli 1834 trat G. zurück. Er unterstützte
nach Peels kurzer Ministerherrschast das Kabinett
Melbournes, zog sich aber dann vom Kampfplatz
zurück und starb 17. Juni 1845. - Vgl. George
Grey, 801N6 account cik tlio lils and opinionz ol
(^arl63 86conä Nai-1 O. (Lond. 1861); ^oi-rößpou-
äeuco ot' ^Viliiam IV. anä I^orcl (-. 1830-32 (hg.
von Henry Grey, 2 Bde., Lond. 1867).
Sein ältester Sohn Henry G., dritter und
gegenwärtiger Graf G., geb. 28. Dez. 1802, stu-
dierte in Cambridge und trat 1826 als Lord Howick
ins Unterhaus. Im Ministerium seines Vaters
wurde er 1830-33 Unterstaatssekretär der Kolonien,
dann 1834 kurze Zeit Unterstaatssekretär des Innern
und unter Melbourne 1835-39 Sekretär des Kriegs.
Er opp onierte Peels Bestrebungen zur Aufhebung der
Getreidezölle, trat 1845 nach feines Vaters Tode
ins Oberhaus und war 1846 - 52 Staatssekretär
für die Kolonien im Ministerium Russell. G. war
ein gewandter Redner, aber durch seinen Hochmut
wenig beliebt und trug durch seine Haltung gegen
die Kapkolonisten und durch den Kafsernkricg eine
Hauptschuld am Sturz des Kabinetts; seine Politik
verteidigte er in " kolonial polic^ ol I^oi-ä "lokn
I5n836N'8 aäminiZtration" (2 Bde., Lond. 1853) und
legte seine konservativen Ansichten über Parlaments-
verfassung dar in "I'ai'iiainLnta!'^ Fovoriiilikiit con-
Liäercä in relkrOnce to i-eiorin" (1858; 2. Aufl.,
ebd. 1867; deutsch, Prag 1863). Er opponierte den
folgenden Reformmaßregeln, war aber weniger
im Parlament als publizistisch, besonders in der
"1ii7l68", thätig. Da er kinderlos ist, so ist mut-
maßlicher Erbe der Sohn seines Bruders Albert
Henry George G., geb. 28. Nov. 1851.
Sir George G., Vetter des vorigen, wurde
17. Mai 1799 zu Gibraltar geboren, wo sein Vater,
der dritte Sohn des ersten Grafen G., Marine-
kommissar war. 1826 wurde er Anwalt in London,
trat 1832 ins Unterhaus, war 1834 und wieder
1835-39 unter Melbourne Unterstaatssekretär für
die Kolonien, 1839 Generalauditcur, 1841 Kanzler
des Herzogtums Lancaster, legte aber dies Amt mit
Melbournes Sturz Aug. 1841 nieder. Unter Rus-
sell 1846 - 52 und unter Palmerston 1855-58
war er Staatssekretär des Innern, dazwischen unter
Aberdeen 1854 Kolonialsekretär, 1859 unter Pal-
mcrston Kanzler von Lancaster, dann seit 1861 wie-
der Minister des Innern, was er auch unter Russell-
Gladstone bis 1866 blieb. Ein großes Verdienst
erwarb er sich dadurch, daß er 1847 die Bestim-
mungen über die Transportation von Verbrechern
nach den Kolonien in einer Weise änderte, die bald
zur völligen Beseitigung der Transportationsstrafe
führte. 1874 fchied er aus dem Parlament aus und
starb 10. Sept. 1882 in Fallodon (Northumberland).
Sir John G., engl. General, geb. 1785, Enkel
dcs jüngsten Bruders des ersten Grafen G., dienie