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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Griechische Kunst
tiner sich fortgebildet hat. Als authentischer Bibeltext gilt für das Alte Testament die Septuaginta. Gegen alle abendländ. Verbesserungen des Textes im Neuen und Alten Testament verhält sich die G. K. ablehnend. Die wichtigsten Ritualbücher der G. K. sind das "Euchologion", das "Horologion", das "Pentekostarion", das "Triodion", das "Anthologion", das "Menäon", das "Typikon", das "Synaxarion". (S. die Einzelartikel.)
Das Mönchtum ist noch jetzt für die G. K. von größter Bedeutung als Träger der Tradition und meist unbestechlicher Zeuge der Orthodoxie. Aus den Klöstern geht die höhere Geistlichkeit hervor. Mönchsorden giebt es in der G. K. nicht. Alle Klöster leben nach den alten Regeln, die man meist auf Basilius d. Gr. zurückführt, im besondern aber nach dem Typikon des betreffenden Klosters. Es giebt zwei Stufen unter den Mönchen, das große und das kleine Schema (s. d.), denen für den Neueintretenden eine Probezeit von 6 Monaten bis 3 Jahren vorangeht. Die Hauptformen des griech. Mönchslebens sind das Koinobion (s. d.), die Skete (s. d.) und das Kellion (s. d.). Die Klöster zerfallen in drei Klaffen, je nachdem sie über 5, 10, 20 Väter haben. Dieser Unterschied bezieht sich nur auf die Verpflichtung, jeden Tag oder in größern Zwischenräumen die Liturgie zu feiern. Die sieben Gebetsstunden werden täglich in jeder Mönchsansiedelung gehalten. Der Vorgesetzte des Klosters ist der nächste Erzbischof. Die Kleidung der Mönche ist ein langes, weites, schwarzes Gewand, das über einem ebenso langen gleichfarbigen, enggegürteten getragen wird. Als Kopfbedeckung dient die schwarze, hohe, mörserartige Filzmütze, die beim Gottesdienst und gemeinschaftlichem Essen mit einem schwarzen Schleier bedeckt wird. Die Frauenklöster der G. K. sind von keiner Bedeutung für das kirchliche Leben, da die Nonnen sich aus den untern Ständen ergänzen und sich lediglich mit Handarbeiten, namentlich mit Sticken beschäftigen. Für ihre kirchlichen Bedürfnisse sorgt einer der benachbarten Priester, meist ein Klostergeistlicher (Hieromonachos).
Die Geistlichkeit der G. K. zerfällt nach den drei Weihen in die Stufen des Diakonus, Presbyter (Priester) und Erzpriester (Archiereus). Aus letztern gehen die Bischöfe bis zum Patriarchen hinauf hervor. Unter den Diakonen unterscheidet man noch Unterdiakonen (Hypodiakonen), Psalten oder Sänger. Der Priester wird vom Volk Papás genannt, woher bei den Slawen das Wort Pop.
Der heutige Charakter der G. K. zeigt Festhalten an der alten Orthodoxie und starke Abneigung gegen alle direkten abendländ. Beeinflussungen; doch finden die allgemeinen Grundsätze, namentlich der prot. Wissenschaft, vielen Anklang bei der höhern gebildeten Geistlichkeit. Die Notwendigkeit einer Reformation wird empfunden, diese kann aber nach Ansicht der Griechen nicht durchgeführt werden, ehe das ganze Volk politisch geeint ist. Im allgemeinen gilt die Kirche für ein ebenso großes Heiligtum als die Nationalität, da beide auch seit alters eng verbunden sind.
Litteratur. I. M. Hemeccius, Abbildung der alten und neuen G. K. (3 Tle., Lpz. 1711); Pitzipios-Bey, Die orient. Kirche (deutsch von Schiel, Wien 1857; 2. Ausg. 1865); Pichler, Geschichte der kirchlichen Trennung zwischen dem Orient und Occident (2 Bde., Münch. 1864-65); Gaß, Symbolik der G. K. (Berl. 1872); Stanley, History of the eastern church (5. Aufl., Lond. 1883); Ph. Schaff, The creeds of christendom with a history and critical notes, Bd. 1 (Neuyork 1884); Kattenbusch, Lehrbuch der vergleichenden Konfessionskunde, Bd. 1: Die orthodoxe anatolische Kirche (Freib. i.Br. 1892). Biographien der griech. Theologen von 1453 bis 1821 enthält Sathas, Νεοελλενικὴ Φιλολογία^[Transkription: Neoellenikê Philología - in griechischen Buchstaben] (Athen 1868). Die beste Kirchenzeitung der G. K., die auch viel und gutes Material zur Geschichte liefert, ist die Ἐκκλησιαστικὴ Ἀλήθεια^[Transkription: Ekklêsiastikê Alêtheia], redigiert von Gedeon in Konstantinopel. Die heutige Verfassung der G. K. in Γενικοὶ Κανονιςμοί^[Transkription: Genikoì Kanonismoí] u. s. w., neugedruckt 1888 in Konstantinopel. Eine Beschreibung der Ceremonien, Priestergewänder u. s. w. enthält Neale, A history of the holy eastern church. General introduction (2 Bde., Lond. 1850); Sokolow, Darstellung des Gottesdienstes der orthodox-kath. Kirche des Morgenlandes (deutsch von Georgij Morosow, Berl. 1893).
Griechische Kunst. (Hierzu die Tafeln: Griechische Kunst I-III. Taf. I: Baukunst. Taf. II-III: Bildnerei. Ferner die Tafel: Skulpturen aus dem Ostgiebel des Parthenon.)
Die ältesten Kunstdenkmäler auf griech. Boden, aber nicht die ältesten Denkmäler der griech. Kunst überhaupt sind die mykenischen Altertümer. Sie sind die Zeugen einer in sich abgeschlossenen Kultur, welche von der Westküste Asiens über die Inseln des Ägäischen Meers und über die ganze Ostküste Griechenlands verbreitet, um das 14. Jahrh. v. Chr. ihre Blüte hatte, zu derselben Zeit, als Ägypten unter der 18. und 19. Dynastie mächtig war, und große Reiche an der asiat. Küste und im Euphratgebiet bestanden. In Troja (s. d.), Tiryns (s. d.) und Mykenä (s. d.), auf den Stätten der Schliemannschen Ausgrabungen sind die namhaftesten Reste dieser Kultur erhalten. Hier auf den Königsburgen standen weitschichtige Paläste, in deren Räumen das Herrschergeschlecht wohnte. Nach orient. Geschmack war der Männersaal (das Megaron) ausgestattet mit Wandmalereien und Friesen aus bunten Steinen. Noch mehr äußerte sich das Bestreben reicher Prachtentfaltung in den Anlagen der Fürstengräber mit ihren großen, kuppelförmig gewölbten Hallen, deren Steinwände metallene Ornamente schmückten. Staunenerregend, wie in diesen Kuppelbauten, ist die Technik auch in den Mauern, welche die Burgen umschließen. Sie sind aus verschiedenen Perioden und nicht alle von derselben Konstruktion; die von Tiryns sind aus unbearbeiteten Steinen, während die mykenischen aus behauenen Blöcken, die in den Fugen aneinander schließen, aufgetürmt sind, aber gleichartig in der massigen Wucht ihrer Formen, die schon den spätern Griechen so gewaltig erschienen, daß sie sich die sagenhaften Kyklopen als ihre Erbauer dachten. Die Mauern sollten die Burgen vor dem Angriff der Feinde schützen. Um die Verteidigung wirksamer zu machen, waren sie durch Türme und kasemattenartige Galerien verstärkt, und durch mehrere Thore mußte der Feind hindurchdringen, ehe er das Innere der Burg erreichte; der eigentliche Eingang aber war als Prachtthor gestaltet, über der Thür war, wie bei den Kuppelgräbern, eine dreieckige Öffnung zur Entlastung des Thürsturzes ausgespart und in diese eine steinerne Platte eingeschoben, die in Mykenä mit dem berühmten Löwenrelief verziert ist. Weniger hervorragend als in diesem Bildwerk zeigt sich die mykenische Plastik in den Reliefstelen, welche den im innern Burgring