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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Geschichte 55 v. Chr. bis 1070 n. Chr.)

Nebenlinie Lancaster 1399-1471:

Heinrich IV. 1399-1413.

Heinrich V. 1413-1422.

Heinrich VI. 1422-1471.

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Nebenlinie York 1471-1485:

Eduard IV. 1471-1483.

Eduard V. 1483.

Richard III. 1483-1485.

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Das Haus Tudor 1455-1603:

Heinrich VII. 1485-1509.

Heinrich VIII. 1509-1547.

Eduard VI. 1547-1553.

Maria I. 1553-1558.

Elisabeth 1553-1603.

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Das Haus Stuart 1603-1714:

Jakob I. 1603-1625.

Karl I. 1625-1649.

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Republik 1649-1660.

Protektorat Oliver Cromwells 1651-1658.

Protektorat Richard Cromwells 1658-1659.

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Karl II. 1660-1685.

Jakob II. 1685-1688.

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Wilhelm III. von Oranien und Maria II. 1689-(1694)1702.

Anna 1702-1714.

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Das Haus Hannover, seit 1714:

Georg I. 1714-1727.

Georg II. 1727-1760.

Georg III. 1760-1820.

Georg IV. 1820-1830.

Wilhelm IV. 1830-1837.

Victoria, seit 1837.

Geschichte. Der Name Großbritannien (Great-Britain) begreift die beiden seit 1603 in der Person des Monarchen, seit 1707 auch in der Verfassung politisch vereinigten Königreiche von England und Schottland. Bis zur ersten dieser Einigungen ist die Geschichte beider Reiche eine getrennte, aber da Schottland durch die Ungunst der geogr. Lage, die Beschaffenheit des Landes und seiner Bewohner und die ganze polit. Gestaltung in seiner Entwicklung weit hinter England zurückgeblieben war, so ging bei der Vereinigung das kleinere Schottland in dem größern, nach jeder Seite höher entwickelten England fast völlig auf. Wie England im Einheitsstaat der bestimmende Teil wurde, so kann man auch von seinen Anfängen an in Englands Geschichte die Geschichte Großbritanniens erblicken; über die Geschichte Schottlands vor Vereinigung beider Reiche s. Schottland. Irland (s. d.) hat dagegen stets eine Sonderstellung eingenommen.

1) Die Epoche des Völkerkampfes bis zur normännischen Eroberung (55 v. Chr. bis 1070 n. Chr.). Die Geschichte des brit. Landes und die des engl. Volks ist nicht immer dieselbe gewesen, die Wiege der engl. Nation stand im nördl. Germanien, und auf dem Boden des spätern England saßen kelt. Volksstämme. In vorhistor. Zeit soll England geographisch mit dem gegenüberliegenden Festland durch eine Landbrücke zusammengehangen haben, sicher ist, daß sie völkerschaftlich verbunden waren. Als Julius Cäsar zuerst seinen Fuß auf das Inselreich setzte (55 v. Chr.), fand er hüben und drüben Kelten. Mit seiner Landung begann ein Kampf der verschiedensten Völkerschaften um Herrschaft und Existenz auf brit. Boden, der, von langen Friedenszeiten unterbrochen, über ein Jahrtausend gewährt hat, und dessen Abschluß die Eroberung durch den Normannen Wilhelm in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh. war.

Die Kultur der ersten Jahrhunderte in Britannien wurde völlig vernichtet und steht nur durch wenige äußere Bindeglieder mit der Folgezeit in Zusammenhang. Das ganze Land wurde eine röm. Provinz, bis in die schott. Niederlande zwischen dem Clyde- und Forthbusen war ihre Grenze vorgeschoben; wie überall zog röm. Kultur, lebendiger Handel und Wandel, hernach auch röm. Christentum in Britannien ein. York war der Mittelpunkt des Landes, doch schon blühte unter andern Städten das altbegründete London. Kein vernichtender Schlag bereitete der Römerherrschaft ein jähes Ende, sie starb unter der Rückwirkung ihres allgemeinen Niederganges auf dem Kontinent, nachdem sie bereits durch Gegensätze in der brit. Provinz selbst wie durch die Anfälle der nicht unterworfenen Picten aus den schott. Hochlanden erschüttert war. 410 mußten die letzten Legionen abberufen werden, und das verlassene Land fiel binnen wenigen Jahrzehnten einem neuen Eroberer anheim. (Über die Geschichte der röm. Herrschaft in England s. Britannia.) German. Stämme, Jüten von der Jütischen Halbinsel, Angeln, die südlich von ihnen in Schleswig saßen, Sachsen vom Unterlauf der Elbe und Weser, brachen während des 5. Jahrh. in einzelnen Banden zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Angriffspunkten aus erobernd in Britannien ein, und nach einem Jahrhundert des entsetzlichsten Vernichtungskrieges hatten sie, mit vereinigtem Namen Angelsachsen genannt, den Osten des Landes in ihrem Besitz, die Urbewohner waren erschlagen oder verjagt, die von Rom gebrachte Kultur bis auf die Erinnerung ausgerottet, sächs. Heidentum an Stelle des Christentums getreten. Wie heimischer Glaube, so war es durchaus heimische Art und heimischer Brauch, was die Eroberer mit herüberbrachten und selbständig unter den veränderten Verhältnissen fortentwickelten. Während des langen Krieges hatten sich heerführende Könige an ihre Spitze geschwungen, unter diesen waren sie in mehrern Stammreichen vereint, die bei fortdauernder gegenseitiger Befehdung schwankten in ihrer Zahl, Größe und Selbständigkeit. Schließlich waren es drei größere Reiche, die mit wechselndem Glück um die Führung kämpften: Northumbria im N., Wessex im S., zwischen ihnen Mercia, und jedes von ihnen setzte zugleich den fortschreitenden Eroberungskrieg gegen die nach dem W. gedrängten kelt. Briten fort. Den schließlichen Sieg erfocht der König von Wessex, Egbert, der 828 ein Oberkönigtum von Wessex über alle Angelsachsen begründete. (S. Angelsachsen.) Wie der Kampf um die Macht, so hatte auch der Kampf um den Glauben geschwankt. Das von Rom aus neu gepflanzte Christentum hat nach manchem Unterliegen den Sieg über das Heidentum behauptet und zugleich über ein anderes Christentum, das unabhängig von Rom in Irland zu schöner Kulturblüte erwachsen, und von dort nach Britannien hinübergetragen war. So haben schließlich die Angelsachsen alles, was von den kelt. Urbewohnern kam, abgewiesen, sie blieben Germanen und wurden röm. Christen.

Kaum war unter Führung von Wessex eine gewisse Einigung erzielt, als dem Angelsachsenreich eine neue schwere Gefahr entstand durch die Einfälle der Normannen aus Skandinavien und Dänemark, die den Angelsachsen in gleicher Angriffsart auch das gleiche Schicksal zu bereiten drohten, wie diese vorher den Briten. Die Herrschaft von Wessex in Britannien, Wessex selbst, brach vor den Dänen zusammen, erst König Alfred (871-901) gelang es, Wessex und den SW. von Mercia zu retten. Während das übrige Land dänisch blieb, schuf er in diesem Rest ein neues, vorzüglich verwaltetes, kraftvolles Reich, auf das gestützt seine Nachfolger die Wiederherstellung des Gesamtreichs zu erkämpfen suchten; vollendet wurde sie unter der Leitung Dunstans, Erzbischofs von Canterbury,