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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Geschichte 1714-1832)

verratsklage nur durch Flucht, Oxford mußte in den Tower. Wie zur Vergeltung entstand darauf 1715 eine gefährlich aussehende jakobitische Bewegung durch die Erhebung des Grafen Mar in Schottland und die dortige Landung des Prätendenten, der als Sohn Jakobs II. sich Jakob III. nannte. Sie wurde jedoch schnell niedergeschlagen, ihre Folge war nur eine stärkere Befestigung der prot. Dynastie und eine für die Zukunft sehr wichtige Maßregel, die Einführung siebenjähriger Wahlperioden des Parlaments (1716), statt der seit Wilhelm III. bestehenden dreijährigen, zunächst nur hervorgerufen durch den Wunsch, bei der damaligen unruhigen Stimmung eine Parlamentsneuwahl zu vermeiden. Seit 1717 war der Staatssekretär des Auswärtigen Stanhope und neben ihm Sunderland Leiter des Kabinetts. Aber die Verwicklung mehrerer Mitglieder in den Schwindel, der 1720 mit den Aktien der Südseegesellschaft getrieben wurde, erschütterte ihre Stellung, und als 1721 Stanhope starb, übernahm Robert Walpole (s. Oxford), der 1715 im Zerwürfnis mit ihm ausgetreten war, als erster Schatzlord die Führung der Staatsgeschäfte, die er 20 Jahre lang zu behaupten wußte. Walpole leitete eine lange Epoche der Ruhe und friedlichen Weiterentwicklung ein, während der er durch geschickte Finanzverwaltung, das Fernhalten polit. Aufregung und durch systematische Bestechungen sich eine große gefügige Parlamentsmehrheit zu erhalten wußte. Sein Vorgänger hatte in der Quadrupelallianz von 1718 zur Wahrung des Utrechter Friedens gegen Eroberungsgelüste Spaniens einen kurzen Krieg gegen diese Macht führen müssen, hierzu wurde auch Walpole durch den notwendigen Beitritt zu dem Herrenhauser Bündnis mit Frankreich und Preußen (1725) gezwungen. Er strebte aber sofort wieder einem Ausgleich zu. Vorübergehend wurde er seiner Stellung enthoben, als Georg II. (1727-60), der ihn haßte, zur Regierung kam, doch bald rief er den Unentbehrlichen zurück. Die allmählich sich regende Parlamentsopposition der sog. "Patrioten" (s. d.), erspähte den Moment eines Handelsstreites mit Spanien, um den widerstrebenden Walpole in einen Krieg hineinzudrängen und während desselben (1742) zu stürzen. Nach einigen Schwankungen behauptete Walpoles alter Anhänger Pelham die Führung. England war dem Österreichischen Erbfolgekrieg (s. d.) als Bundesgenosse Österreichs gegen Frankreich beigetreten, und in der entscheidenden Schlacht bei Dettingen (27. Juni. 1743) führte Georg II. selbst das Kommando. Auch Frankreichs Angriff zur See, der Landungsversuch des von ihm unterstützten Stuartprätendenten Karl Eduard 1744 mißglückte, und als dieser kecke Abenteurer im folgenden Jahre sich nach Schottland warf, dort sich zuerst siegreich behauptete und selbst in England eindrang, wurde er schließlich bei Culloden (27. April 1746) durch den Herzog von Cumberland völlig geschlagen, und den jakobitischen Herstellungsversuchen damit für immer ein Ende gemacht. Der Aachener Friede (s. d.) stellte dann 1748 im wesentlichen den Zustand vor dem Kriege wieder her. Die schwierige Lage beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756) und der Mangel anderer geeigneter Männer zwang den König, den ihm persönlich mißliebigen William Pitt (s. Chatham) zur Regierung zu berufen und nach kurzer Unterbrechung (1757) dauernd im Amte zu lassen. Auf der ganzen Erde führte dieser als Bundesgenosse Friedrichs d. Gr. den Krieg gegen Frankreich und Spanien. Namentlich wurde in Canada mit Glück gegen die Franzosen gekämpft; auch in Ostindien wurden sie von Lord Clive verdrängt und mit der Eroberung Bengalens der Grund zu dem Angloindischen Reiche gelegt. (S. Ostindien.) Als aber nach des Königs Tod sein Enkel, der junge Georg III. (1760-1820) zur Regierung gekommen war, schob er den großen Minister zur Seite (1761) und drängte mit schmählicher Preisgabe des Preußenkönigs durch seinen schott. Günstling Graf Bute zur Beendigung des Krieges. Durch den Frieden von Paris (1763) erhielt England in Nordamerika Canada, die Anerkennung des Mississippi als westl. Grenze, Florida und mehrere Inseln. Walpoles friedliche Arbeit sowie Pitts glückliche Kriegführung hatte Britannien zur ersten Handels- und Kolonialmacht und zur Beherrscherin der Meere erhoben. Trotz der Kriegsopfer und der gewaltig angewachsenen Staatsschuld flossen ihm neue Reichtümer zu, und Handel und Industrie entfalteten sich zu immer größerer Blüte. Da gab Georg III. selbst den Anstoß zu der ersten schweren Einbuße, zum Abfall der eben erst gegen Frankreich gesicherten amerik. Kolonien.

Mit Georg III. hatte die lange Herrschaft großer geschlossener Parlamentsparteien ihr Ende erreicht. Eifersüchtig auf die Macht der führenden Minister wollte er ein selbst regierendes Königtum wieder an deren Stelle setzen. Bei seiner eigenen Unfähigkeit war das Ergebnis aber nur ein höchst trauriges: er verdrängte Pitt durch den unfähigen Bute und sprengte die große Whigpartei, indem er die Opposition durch eine besondere Partei der "Königsfreunde" stärkte, die er durch Bestechung mit Ämtern und Geld zusammenbrachte. So konnte sich bei den ausgelösten und schwankenden Parteiverhältnissen kein Ministerium lange halten, zumal immer Georgs unberechenbarer Eigenwille störend eingriff. Nach Ablauf des ersten Jahrzehnts regierte er bereits mit seinem fünften Ministerium. Nun hatte in dem ganz richtigen Gedanken, daß die amerik. Kolonien zur Tilgung der gewaltigen Kriegsschuld beisteuern sollten, das Ministerium Grenville die amerik. Eingangszölle erhöht und besonders durch die Stempelakte (s. d.) eine neue Abgabe (1765) eingeführt. Drückend war diese nicht und besonders gerechtfertigt, weil der Krieg zum guten Teil im Interesse der Kolonien geführt war; aber sie führte sofort zu der grundsätzlichen Frage, ob das brit. Parlament das Recht habe, die Kolonien ohne ihre eigene Zustimmung zu besteuern. In Amerika wurde diese Frage entschieden verneint, und auf Pitts Drängen hob das folgende Ministerium Rockingham die Stempelakte wieder auf. Die einsichtigern Staatsmänner erkannten die Berechtigung des amerik. Standpunktes an, nicht aber Georg. Er hatte 1770 den gefügigen Lord North an die Spitze der Geschäfte berufen und zwang diesen, energisch auf dem letzten noch beibehaltenen Theezoll zu beharren und der Widersetzlichkeit der Amerikaner mit Zwangsmaßregeln, Sperrung des Bostoner Hafens, Aufhebung des Freibriefs von Massachusetts, zu begegnen. Die vereinte Parlamentsmehrheit der Tories und Königsfreunde leistete ihm hierbei Folge. Ein Kongreß der Amerikaner zu Philadelphia (1774) verbot dafür allen Handel mit dem Mutterlande; auf beiden Seiten rüstete man, 1775 brach der Krieg aus, und 1776 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung der 13 Vereinigten Staaten von Amerika (s. d.).