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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grotjohann - Grotthuß

Grotjohann, Philipp, Zeichner und Aquarellist, geb. 27. Juni 1841 zu Stettin, erhielt seine künstlerische Ausbildung seit 1862 in Düsseldorf unter Sohn und Lasch. Als erstes Werk veröffentlichte er Illustrationen zu den altdeutschen Sprüchen auf der Wartburg, dann lieferte er für die Klassikerausgabe der Groteschen Verlagsbuchhandlung in Berlin die Illustrationen, welchen später die zu Shakespeare und Walter Scott folgten. Für das in München erschienene Hohenzollernwerk lieferte er eine große Anzahl Aquarelle. Außerdem schuf er auch Kartons für Glasgemälde, Diplome u. s. w. und hatte auf die Hebung der Kunstindustrie als Vorstand des Central-Gewerbevereins und des Museums für Rheinland und Westfalen großen Einfluß. Er starb 20. Okt. 1892 in Düsseldorf.

Groto oder Grotto, Luigi, genannt Cieco d'Adria, ital. Dichter, eine der eigentümlichsten Erscheinungen in der Litteratur der Cinquecentisten, geb. 7. Sept. 1541 zu Adria bei Venedig, erblindete 8 Tage nach der Geburt. Trotzdem widmete er sich philol. und litterar. Studien und erlangte solchen Ruf, daß er 1556, kaum 15jährig, gewählt wurde, um die Begrüßungsrede an die durch Venedig reisende Königin Bona von Polen sowie an den neugewählten Dogen Lorenzo Priuli zu halten. 1585 spielte er auf dem Teatro Olimpico in Vicenza den König Ödipus. Er starb 13. Dez. 1585 zu Venedig. Man hat von ihm 24 Reden ("Orazioni volgari", 1589, 1604, "Orazioni italiane elatine", 1623; neue Ausg., von Brocchi, 1817), eine Übersetzung des ersten Buchs der Ilias in Ottaven (1571), die Hirtendramen "Il pentimento amoroso" (1576) und "La Callisto (1575), die Tragödien "L'Adriana" (1578) und "La Dalida" (1572), das geistliche Schauspiel "Isaac" (1586), die Komödien "L'Emilia" (1579), "Il tereso" (1583) und "L'Alteria" (1587), lyrische Gedichte ("Rime", 1577), eine Sammlung von Briefen ("Lettere famigliari", 1601) u. s. w. Alle Ausgaben der Werke erschienen in Venedig. - Vgl. La vita di L. G. C d'A. (von Giusti G., Novigo 1777); Bocchi, L. G., il suo tempo, la sua vita e le sue opere (Adria 1886).

Grotta-Ferrata, alte griech. Abtei, 4 km im SW. von Frascati in der ital. Provinz Rom, wurde 1002 von sicilischen, vor den Saracenen flüchtenden Mönchen des Basilianerordens gestiftet und enthält alte Mosaiken sowie vortreffliche Fresken des Domenichino. Die Klosterbibliothek besitzt viele griech. Handschriften.

Grottaglie (spr. -tallje), Stadt im Kreis Tarent, an der Linie Tarent-Brindisi des Mittelmeernetzes der ital. Provinz Lecce, hat (1881) 9431 E., Weinbau, Bienen- und Seidenzucht sowie Baumwollindustrie.

Grottammare, Flecken im Kreis Fermo der ital. Provinz Ascoli Piceno, an der Mündung des Tesino ins Adriatische Meer und an der Linie Ancona-Foggia, hat (1881) 2962, mit Castello di G. 3695 E. und einen unvollendeten Hafen für Küstenfahrer, den der hier geborene Papst Sixtus V. anlegen ließ.

Grottau, Stadt im Gerichtsbezirk Kratzau der österr. Bezirkshauptmannschaft Reichenberg in Böhmen, nahe der sächs. Grenze, an der Görlitzer Neisse, in 266 m Höhe, an der Linie Zittau-Reichenberg der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 3903 meist deutsche E. (119 Czechen), Post, Telegraph, eine alte, 1765 erweiterte Pfarrkirche; Baumwollspinnereien, mechan. Webereien, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen mit Eisengießerei, Färbereien und Kohlenbergwerk. Unter dem Schloßberge eine Brauerei. - G. gehörte ehemals zur Herrschaft Grafenstein, deren Schloß, jetzt im Besitz des Grafen Clam-Gallas, auf einer bewaldeten Höhe (320 m) in der Nähe einen anziehenden Punkt bildet.

Grotte (vom ital. grotta, Höhle, später Gewölbe), eine von der Natur oder durch Kunst gebildete gewölbte Höhle von meist geringer Tiefe. Als natürliche G. bezeichnet man z. B. die Höhlen von Adelsberg (s. d.) und die Blaue Grotte (s. d.) auf Capri. Künstliche G.. die im Altertum einzelnen Gottheiten und Nymphen geweiht waren (z. B. G. der Egeria, der Sibyllen), wurden besonders häufig in der Renaissance und der Barockzeit beliebt und dann mit Muscheln, Tuffsteinen u. dgl. ausgelegt. Vorbild hierfür waren die G. der Boboli-Gärten in Florenz aus dem Anfang des 17. Jahrh. In den Palästen des 18. Jahrh. liebte man es, den Gartensälen Wölbungen und Einkleidung mit Grottenwerk dieser Art zu geben. Ein Hauptbeispiel ist der Grottensaal im Neuen Palais bei Potsdam, der Sonnentempel in Bayreuth u. a. Auch jetzt wird diese spielerische Kunstform noch oft verwendet.

Grotte, Stadt in der ital. Provinz und dem Kreis Girgenti auf Sicilien, an der Linie Girgenti-Caltanissetta der Sicil. Eisenbahnen, hat (1881) 8808 E. und große Schwefelbergwerke. G. ist das alte Erbessos, welches 262 v. Chr. Proviantstation der Römer war, ihnen aber von dem Karthager Hanno entrissen wurde.

Grottenassel oder Höhlenassel, s. Asseln.

Grottenkrebs (Astacus s. Cambarus pellucidus Telk.), Höhlenkrebs, ein Süßwasserkrebs, der die Gewässer der Mammuthöhle in Kentucky (Nordamerika) bewohnt und zufolge seines Aufenthaltsortes farblos, durchsichtig und blind geworden ist.

Grottenolm, s. Olm.

Grottesk, s. Grotesk.

Grottger, Arthur von, poln. Maler, geb. 11. Nov. 1837 zu Ottyniowice in Galizien, erhielt seine Ausbildung an der Kunstschule zu Krakau und an der Akademie zu Wien. Einen Namen erwarb er sich durch seine ebenso geistvollen als ergreifenden und mit packender Wahrheit ausgeführten Cyklen von Zeichnungen: Warschau im J. 1861, Polonia, Litthuania, Im Thale der Thränen. Der letztere Cyklus von zwölf größern Kohlezeichnungen, den Kaiser Franz Joseph erwarb, schildert in tiefempfundenen Bildern das Elend und die Greuel des Krieges. 1859-66 lieferte G. viele Zeichnungen für die Waldheimschen Wochenschriften "Mußestunden", "Illustrierte Zeitung", darunter Scenen aus dem Italienischen Kriege von 1859, Illustrationen zu Jókais "Braut des Teufels" und andern Romanen. Auch für die Geschichte Österreichs von Alex. Patuzzi zeichnete G. eine Reihe von vorzüglichen Bildern. G. starb 13. Dez. 1867 in Amélieles-Bains; seinen Nachlaß gab seine Schwester heraus (Wien 1893 fg.). - Vgl. die Biographie (polnisch) K. Kanteckis (Lemberg 1879).

Grotthaus, Georg Herbert, Freiherr von, s. Münster-Ledenburg, Graf von.

Grotthuß, Elisabeth, Baronin von, Romanschriftstellerin, geb. 29. Okt. (10. Nov.) 1820 zu Dürben in Kurland, verlor 1854 gänzlich das Augenlicht, trat 1855 in Teplitz zur kath. Kirche über und folgte 1856 ihrer Freundin, Gräfin Kuefstein, nach Wien. Seit 1864 veröffentlichte sie eine Reihe von Novellen, Romanen, Lustspielen, Erzählungen