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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Grude; Grudeherd; Grudekoks; Gruder; Grudziądz; Gruić; Gruĭdae; Gruinālen; Gruithuisen; Grulich; Grumbach

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Grude - Grumbach

Grude, Grudekoks, die bei der Paraffinbereitung als Nebenprodukt erhaltene, abgeschwelte, feinverteilte Kohle, die vielfach als Heizmaterial, oft in besonders dazu eingerichteten Öfen (Grudeöfen), benutzt wird. Das Material wird geschätzt, weil es, entzündet, lange Zeit fortglimmt, ohne einer Überwachung zu bedürfen, und dabei eine lange andauernde, gleichmäßige, wiewohl nicht sehr hohe Wärme verbreitet. Da die G. ohne Rauchverbreitung und ohne Geruch zu entwickeln verbrennt, so glaubt man vielfach, sie in offenen Feuerkästen, ohne Dunstabzug, verwenden zu können: eine durchaus irrige Ansicht, der schon mehrfach Menschenleben zum Opfer gefallen sind, da sich das giftige Kohlenoxydgas hier ebenso wie bei jeder andern Kohle entwickeln kann.

Grudeherd, s. Kocheinrichtungen.

Grudekoks, Grudeöfen, s. Grude.

Gruder, eine Klasse der Halloren (s. d.).

Grudziądz (spr. grudschonz), poln. Name für Graudenz (s. d.).

Gruić (spr. gruitsch), Sava, serb. Staatsmann, geb. 1840 im Dorfe Kolare im Kreis von Požarevac, verließ 1861 die Belgrader Militärakademie als Artillerielieutenant und wurde zur weitern militär. Ausbildung auf 1½ Jahre nach Berlin, später auf 6 Jahre nach Rußland kommandiert, wo er die Artillerieakademie von Michailow absolvierte und im Petersburger Arsenal arbeitete. In der Heimat übernahm er die Leitung der Geschützgießerei von Kragujevac, mußte aber 1873 wegen einer Schrift über die Organisation der serb. Armee den Dienst eine Zeit lang verlassen. Im Türkischen Krieg von 1876 zeichnete er sich als Artilleriechef im Generalstab des Generals Tschernajew aus und wurde für die Verteidigung von Alexinac und Deligrad zum Obersten befördert. Während des zweiten Türkenkrieges 1877‒78 war er Kriegsminister, 1879‒87 erster diplomat. Agent Serbiens in Bulgarien, Gesandter in Griechenland und später in Rußland. Im Juni 1887 wurde er Kriegsminister im Koalitionskabinett Ristić und Jan. 1888 auf wenige Monate Ministerpräsident eines radikalen Kabinetts, nachdem er inzwischen zum General befördert war. Nach dem Rücktritt des Königs Milan abermals April 1890 an die Spitze eines radikalen Ministeriums gestellt, trat er 9. Febr. 1891 zurück, um Paschić Platz zu machen, war dann Präsident des Staatsrats, seit Nov. 1891 Gesandter Serbiens in Konstantinopel und übernahm Juni 1893 im Kabinett Dokić wieder das Kriegsministerium.

Gruĭdae, s. Kraniche.

Gruinālen, Ordnung aus der Gruppe der Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charakterisiert durch zwittrige und meist regelmäßige, fast stets fünfzählige Blüten, in denen gewöhnlich doppelt soviel Staubgefäße als Blumenblätter vorhanden sind; fünf davon sind jedoch häufig steril und als Staminodien ausgebildet. Der Fruchtknoten ist oberständig und besteht aus fünf miteinander verwachsenen Fruchtblättern. Die Frucht springt in einigen Familien bei der Reife auf oder spaltet sich in fünf Teilfrüchtchen. Die Ordnung der G. umfaßt die Familien der Geraniaceen, Tropäolaceen, Oxalidaceen, Linaceen, Balsaminaceen. Hierzu Tafel: Gruinalen. Zur Erklärung vgl. die Artikel Linum, Erodium, Oxalis, Impatiens.

Gruithuisen (spr. chreutheusen), Franz von Paula, Astronom und Naturforscher, geb. 19. März 1774 auf dem Schlosse Haltenberg am Lech, erlernte die Chirurgie und nahm 1788 in der österr. Armee als Feldchirurg Dienste. Seit 1801 studierte er in Landshut Philosophie und Medizin, wurde 1808 Lehrer der Naturkunde an der landärztlichen Schule zu München und 1826 ord. Professor der Astronomie an der Universität daselbst. Er starb 21. Juni 1852 zu München. Unter seinen philos. und astron. Schriften sind die wichtigsten: «Anthropologie» (Münch. 1810), «Organozoonomie» (ebd. 1811), «Über die Natur der Kometen» (ebd. 1811). Außerdem gab er die «Analekten für Erd- und Himmelskunde» (ebd. 1828‒31) heraus, die er seit 1832 als «Neue Analekten u. s. w.» fortsetzte; ebenso seit 1838 ein «Astron. Jahrbuch». Im größeren Publikum machte sein phantastischer Aufsatz in Kastners «Archiv» über die «Entdeckung vieler deutlicher Spuren der Mondbewohner, besonders eines kolossalen Kunstgebäudes derselben» vieles Aufsehen, nachdem er schon 1821 in den «Akten» der Leopoldinischen Akademie seine «Selenognostischen Fragmente» veröffentlicht hatte. Er gab zuerst und lange vor Civiale (s. d.) ein Instrument an, um den Blasenstein zu zerbröckeln.

Grulich, czech. Kraliky, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Senftenberg in Böhmen, nahe der preuß. Grenze (570 m), an der Linie Hannsdorf-Wichstadtl-Lichtenau der Mähr. Grenzbahn, hat (1891) 2991 meist deutsche E., Post, Telegraph, Bezirksgericht (130,36 qkm, 19 Gemeinden, 24 Ortschaften, 15073 meist deutsche E.), eine schöne Pfarrkirche, eine Bürgerschule, eine Fachschule für Holzindustrie, das Töchterpensionat Maria maggiore der ehemaligen Berliner Ursulinerinnen; Seiden- und Baumwollwarenfabrik, Branntweinbrennerei, zwei Brauereien, zwei Ziegeleien, eine Dampfbrettsäge und lebhafte Hausindustrie (Baumwollweberei und Holzschnitzerei). Der nahe Marienberg (760 m) trägt ein vom nachmaligen Königgrätzer Bischof Johann Tobias Becker 1696 gegründetes Servitenkloster, das 1883 an den Orden der Redemptoristen überging, mit einer vielbesuchten Wallfahrtskirche.

Grumbach, Wilh. von, fränk. Edelmann aus einem alten, im 17. Jahrh. ausgestorbenen Geschlecht, geb. 1. Juni 1503, ein Schwager Florian Geyers und durch seine Frau, eine geborene von Hutten, dem Geschlecht Ulrichs von Hutten verwandt, taucht zuerst im Bauernkrieg 1525 auf. Seit 1538 Amtmann des Markgrafen Albrecht Alcibiades, später unter der Regierung des mit ihm verwandten Bischofs von Würzburg, Konrad von Bibra, Hofmarschall und Amtmann des Stifts, kehrte er nach dem Tode Konrads und der Wahl des Bischofs Melchior von Zobel in die Dienste Albrechts zurück, für den er im Schmalkaldischen Krieg Reiter warb und 1552 den berüchtigten Vertrag mit dem Stift Würzburg vermittelte, wobei er selbst seinen Besitz mehrte und seine stiftischen Lehnsgüter in freies Eigentum verwandelte. Die Verträge wurden jedoch von der Versammlung zu Passau nicht bestätigt und auch vom Kaiser schließlich kassiert und G.s Besitzungen nach der Ächtung des Markgrafen durch den Bischof Melchior eingezogen. Nun trat er 1557 in die Dienste Johann Friedrichs Ⅱ. von Sachsen, dessen Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen ihn für Umwälzungsgedanken zugänglich machte. Da wurde 15. April 1558 Bischof Melchior auf offener Straße