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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grundton - Gründung (einer Aktiengesellschaft)
von gleicher Kulturart verschiedenen Eigentümern
gehören. In einigen Staaten ist für diese Parzellen
cm Miniiualmaft festgesetzt (s. Dismenlbration).
Grundton oder Hauptton, derjenige Ton
eines Accords, auf dein der terzenweise Aufbau
desselben sich erhebt, zu dem also die übrigen har-
nionischen Intervalle im Verhältnis von Terz,
Ollinte, Septime, None u. s. w. erscheinen. Bei den
Ilmkehrungen der Accorde kann der G. seine Stelle
als tiefster Ton mit einein der über ihm liegenden
Accordintervalle vertauschen, ohne darum sein Wesen
als Grund- oder Hauptton aufzugeben. - G. nennt
man ferner den tiefsten oder untersten Ton einer
Tonart, auf dem deren diatonische Dur- oder Moll-
skala errichtet wird. In diesem Sinne wird der G.
auch Tonika genannt.
Grulldtvig, Nikolai Frederik Severin, dän.
Theolog, Historiker und Dichter, geb. 8. Sept. 1783
zu Udby, Pfarrhaus auf Seeland, studierte in Kopen-
haaen, wurde 1808 Lehrer an einer Privatfchule da-
selbst, 1810 Vikar seines Vaters, kehrte nach dessen
Tode 1813 nach Kopenhagen zurück und lebte da-
selbst ohne amtliche Stellung, namentlich mit dem
Studium derVorzeit feines Volks beschäftigt. König
Friedrich VI. ernannte ihn 182 l. zum Pastor in
Praestö auf Seeland, 1822 zum Kaplan an der Er-
löserkirche in Kopenhagen. Als Vorkämpfer gegen
den herrfchenden Nationalismus schrieb G. 1825 ge-
gen Clausens (s. d.) Schrift "Katholicismus und Pro-
testantismus" feinen "Protest der Kirche" ("Kirkens
Gienmcele"), worin er Claufen aufforderte, entweder
seme Irrlehre zu widerrufen oder fein Amt nieder-
zulegen. Die deshalb gegen G. angestrengte Klage
endigte mit seiner Verurteilung. G. legte 1826 sein
Amt nieder und wurde erst 1839 als Prediger am
Hospital Vartou in Kopenhagen wieder angestellt.
l^861 zum Bischof ernannt, starb er 2. Sept'. 1872.
Seit seiner Verurteilung wirtte G. für die Tren-
nung der Kirche vom Staat und die Bildung einer
"Volkskirche", die sich auf das nach feiner Über-
zeugung schon am ersten Pfingstfest gebrauchte
apostolifche Bekenntnis, die Sakramentsworte und
das Vaterunser, nicht aber auf die erst ein Menschen-
alter nach der Stiftung der Kirche entstandene Heilige
Schrift und die von den ihm verhaßten Deutfchen
herrührenden Vekenntnisschriften stützen follte. Das
Streben des sog. Grundtvigianismns zielte be-
sonders auf die vollständige liturgifche und dogma-
tifche Freiheit der Geistlichen und auf die Löfung
des .Nirchfpielverbandes. Die Erfolge diefer all-
mählich wachsenden Bewegung waren 1842 die Er-
laubnis, für die Konfirmation feiner Kinder, ohne
Rücksicht auf das Kirchspiel, jeden beliebigen Geist-
lichen wählen zu können, ferner die bürgerliche
Gleichstellung der Konfessionen durch das Staats-
grundgesctz von 1849, die Lösung des Parochial-
zwanges 1855, die Aufhebung des Taufzwanges
1857, sowie die Erlaubnis zur Errichtung von
"Wahlgemeinden>> innerhalb der Volkskirche, die
von mindestens 20 Haushaltungsvorständen gebil-
det werden und ihre eigenen Geistlichen berufen
dürfen, durch die Gesetze vom 15. Mai 1868 und
7. Juni 1873. Das Organ des Grundtvigianis-
mus war die "Danske Kirketitende"; seine Ten-
denzen legte G. dar in: "Die dän. Staatskirche,
unparteiisch beurteilt" (1834) und "Über den Lebens-
laus der Kirche" (1871); 1825-28 gab er mit Nudel-
dach und Lindberg die "Thcologisk Maaned^strift"
(13 Bde.) heraus.'
Als Frucht seiner Beschäftigung mit der nordi-
fchen Sagenwelt, Geschichte und Dichtung erschie-
nen: "Nordens Mythologie" (1808; neue Bearbei-
tung 1832), "Optrin af Kiämpelivets undergang i
Norden" (1809-11; 2. Aufl. 1881, Scenen aus dem
Untergang des Reckenlebens im Norden, eine episch-
dramat. Dichtung), "Kort Vegreb af Verdens
Krönike i Sammenhceng" (1812), "Roskilde Nim"
und "Noskilde Saga" (1814, poet. Verherrlichung
der dän. Geschichte), "Quädlinger" (1815, Samm-
lung patriotischer Lieder), die Übersetzung des Saxo
Grammaticus und Snorre Sturleson (6 Bde., 1818
-22), "Kong Harald og Ansgar" (1826), "Krönike-
riim" (1829), "Haandbog i Verdenshistorien"
("Oldtiden og Middelalderen", 2 Bde., 1833-36;
"Nyaars-Tiden", 2 Bde., 1842; 2. Aufl. 1869),
"Sangvoerk til den danske Kirke" (Bd. 1-2,1837 fg.;
neue Ausgabe 1870-75; Bd. 3-5, 1873-81;
4. Aufl. 1890 fg., eine Sammlung geistlicher Lieder),
"Nordifke Smaadigte" (1838). G. beteiligte sich auch
lebhaft am polit. Leben; im grundgefetzgebenden
Reichstag und im Folkething faß er auf der Seite
der Liberalen und kämpfte für religiöfe und bürger-
liche Freiheit. In der Angelegenheit der Herzog-
tümer ein heftiger Gegner der deutfchen Partei und
namentlich Preußens, hat er in einer fpätern Schrift:
"Die Versöhnung mit Deutschland" (1867), weit ge-
mäßigtere Ansichten kundgegeben. Von Bedeutung
ist die Stiftung der sog. Volkshochschulen zum Zweck
der Fortbildung der Jugend nach der Schulzeit in
nationalchristl. Sinne. G.s "Poetiske Skrister" hat
fein Sohn Sveno G. (7 Bde., Kopenh. 1880-89)
herausgegeben. Viogr. Skizzen und litterar. Unter-
fuchungen gaben heraus F. Winkel-Horn, F. Rön-
ning u. a. (1883). - Vgl. Hänfen, Wefen und Be-
deutung des Grundtvigianismus (Kiel 1863); Pry,
G., biograsifk stizze (Kopenh. 1871); Kaftan, G.,
der Prophet des Nordens (Baf.1876); Nielfen, G.s
religiöfe Udvikling (Kopenh. 1889).
Grundtvig, Svend Hersleb, dän. Philolog und
Literarhistoriker, Sohn des vorigen, geb. 9. Sept.
1824 in Kopenhagen, studierte feit 1846, diente im
Kriege 1848 - 50 als Freiwilliger und avancierte
zum Hauptmann, wandte sich aber wieder den Stu-
dien zu und erhielt 1863 eine Anstellung als Do-
cent, 1869 als Professor der nordischen Sprachen
an der Universität in Kopenhagen, wo er 14. Juli
1883 starb. G.s Hauptwerk ist die 1853 begonnene,
aber unvollendet gebliebene kritische Ausgabe der
alten dän. Volkslieder: "Danmarks gamle Folkevi-
ser" (Bd. 1-5, Kopenh.1853-91). Auch zu isländ.
und färöifchen Sammlungen hat er Beiträge gelie-
fert. Ferner veröffentlichte er: "Gamle danske
Minder" (3Bde., 1854-61), "Danske Folkeeven-
tyr" (1876-78; 2. Aufl. 1881), "Udsigt over den
nordiske Oldtids heroiske Digtning" (in "Nord.
Univ. Tidskrist", 1876), "Om Nordens gamle Lite-
ratur" (1867), "Er Nordens gamle Literatur norst?
Eller er den dels islandsk, og dels nordist?" (l869),
eine Streitschrift gegen die Munch-Keyseyche Theorie
über die altnord. Litteratur; ferner eine Ausgabe
der "Scemundar-Edda" mit Anmerkungen, mehrere
altdän. Texte, eine kritifche Ausgabe der poet.
Werke feines Vaters, "Dansk Retstrivnings-Ord-
bog" (1870) und "Dansk Haandordbog" (1872;
2. Aufl. 1880).
Gründung einer Aktiengesellschaft. Die
G. umfaßt nach dein Deutfchen Handelsgefetzbuch
die Feststellung des Gesellschaftsvertrags (Statuts,