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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grunewald - Grünhagen
Zusammenschmelzen von 12 Teilen gelbem Wachs,
6 Teilen Fichtenharz, 4 Teilen Terpentin; der ko-
tierten Masse wird 1 Teil sehr fein gepulverter
Grünspan zugefügt. Früher als Mittel gegen
Leichdörner geschätzt, ist es bereits in der 2. Auf-
lage der Deutschen Pharmalopöe gestrichen.
Grunewald, fiskalische Nadelholzwaldung bei
Berlin zwischen Charlottenburg, Spandau, der
Havel und dem Wannsee, umfaßt 4676 da, und ist
mit seinen zahlreichen Seen und Vergnügungsorten
ein beliebter Ausflugsort der Berliner. Das königl.
Jagdschloß G. wurde 1542 von Kurfürst Joachim II.
erbaut. Der Bahnhof G., fowie die Vergnügungs-
orte Halenfee, Hundekehle und Wannsee liegen an
der Berliner Stadt- und Ringbahn. Halensee, Hu-
bertus u. a., zwischen denen sich jetzt die Villenkolonie
G. entwickelt, sind auch durch Dampfstraßenbahn
von Berlin erreichbar. (S.Karte: Berlin und
Umgegend, Bd. 2,S. 812.) -Vgl.Fröhlich,Aus-
flüge und Wanderungen durch den G. (Berl. 1882).
Grünewald, Matthias, Maler aus dem An-
fang des 16. Jahrh., geb. zu Aschafsenburg, scheint
außer in seiner Vaterstadt besonders im Elsaß thä-
tig gewesen zu sein. Das Helldunkel, künstliche
farbige Lichtwirkungen, haben ihm den Beinamen
"Der deutsche Correggio" verschafft. Großartige
Formenausfassung, lebhafte, häufig bizarre Phan-
tasie, breite kühne Malweife, Unruhe und Bewe-
gung, die bis zu gewaltsamen Verzerrungen und
abschreckenden Übertreibungen führt, lassen aus den
ersten Blick G.s Werke als Schöpfungen eines Ma-
nieristen erscheinen. Erst bei längerer Betrachtung
erkennt man die geniale Kraft und Großartigkeit des
phantastifchen Künstlers. Sein Hauptwerk ist der
im Museum zu Colmar befindliche große Altar von
Isenheim mit der Legende des heil. Antonius und
Scenen aus Christi Leben. Zwei Heilige befinden
sich im Städtischen Museum zu Frankfurt, die Be-
lehrung des heil. Mauritius nebst zugehörigen drei
Altartafeln aus Halle in der Münchener Pinakothek,
Christus am Kreuz in der Galerie zu Cassel, eine
Beweinung Christi in der Stiftskirche zu Aschaffen-
burg. Andere, namentlich in Afchaffenburg befind-
liche Bilder, die man G. früher zuschrieb, find jetzt
als frühe Arbeiten von Lukas Cranach nachgewiesen.
- Vgl. A. Woltmann, Geschichte der deutschen Kunst
im Elfaß (Lpz. 1876).
Grünfärben, f. Färberei (Bd. 6, S. 573 d).
Grünfäule, eine eigentümliche Zersetzungser-
scheinung an verfchiedenen Laubhölzern, wie Birke,
Buche und Vorzugsweife an der Eiche. Gewöhnlich
zeigt sich die G. an alten, halbverfaulten Stöcken^
das morfche Holz nimmt dabei eine spangrüne Farbe
an, und zwar findet sich der grüne Farbstoff in den
Wänden der Zellen. Eine ganz gleichmäßige Fär-
bung des Holzes tritt jedoch dabei nicht ein, sondern
es bleiben einzelne Stellen ungefärbt und haben
das Aussehen des weihfaulen Holzes. Über die Ur-
sache der G. ist nichts Sicheres bekannt; zwar hat
man auf grünfaulem Holz einen Pilz aus der Familie
der Discomyceten gefunden, dessen Fruchtkörper
sowohl als auch dessen im Innern des Holzes vege-
tierendes Mycelium dieselbe spangrüne Farbe zeigen
wie das Holz selbst; doch ist nicht bestimmt nach-
gewiesen, daß dieser Pilz, ?6xi2g. ^6ruFin08H ^si-s.,
wirklich als die Ursache der G., und nicht vielmehr
bloß als eine Folge derselben zu betrachten ist. Das
letztere ist deshalb wahrscheinlich, weil mehrere Arten
"der Gattung I'c^a lebhaft gefärbte Frnchtkörper
besitzen und es leicht möglich ist, daß der als Faul"
nisbewohner auf dem grünfaulen Holze vegetierende
Pilz aus diesem den Farbstoff in sich aufnehm eil
kann. übrigens ist auch der genannte Pilz durch-
aus nicht immer in den grünfaulen Hölzern vor-
handen. Unter allen Fäulniserscheinungen des
Holzes ist die G. die am seltensten auftretende, und
es erklärt sich hieraus, daß dieselbe noch wenig un-
tersucht wurde.
Grünfink, Grünling, Grünhänfling, Hi r-
fenfink (I^ZurinuZ chlorig 2v.), ein zur Finken-
familie gehörender Vogel mit kurzem, fcharfschnei-
digem Kegelschnabel, kurzen Füßen und langem,
seicht ausgeschnittenem Schwanz. Seine Haupt-
sarbe ist gelbgrün, die großen Schwungfedern sind,
wie fast der ganze Schwanz an der Wurzelhälfte
der Außenseite, gelb. Der lebhafte Vogel lebt in
ganz Europa, Nordafrika und Kleinasien in bufchi-
gen Gegenden von Sämereien, besonders Hanf-
samen, ist nicht scheu und brütet zwei- bis dreimal
in einem napfförmigen Neste. Er wird auch als
Wildling ungemein zahm, ist zum Ein- und Aus-
fliegen zu gewöhnen, dabei anspruchslos und aus-
dauernd, im Gesang aber unbedeutend; im Gesell-
schaftskäfig zeigt er sich zänkisch. Trotzdem ist er be-
liebt und auch schon gezüchtet.
Grünftügel-Arara(3itwc6Hi0r0xt6i'9.^-a^),
einer der größten Papageien und häusig in den
zoolog. Gärten, wo er meist auf Bügeln sitzt und
mit Mais, Hanf und Weißbrot gefüttert wird. Sein
Preis beträgt etwa 80 M. Er stammt aus dem
tropischen Südamerika.
Grünfutter, alle im frischen, grünen Zustande
zur Fütterung verwendete Pflanzen im Gegensatz
zu Dürr- oder Rauhfutter (f. Futter).
Grünhagen, Colmar, Geschichtschreiber, geb.
2. April 1828 zu Trebnitz bei Vreslau, studierte in
Jena, Berlin und Breslau Geschichte und habilitierte
sich 1855 an der Breslauer Universität auf Grund der
Abhandlung "Otfried und Heliand, eine histor. Pa-
rallele". Seit 1858 wandte er sich speciell der Ge-
schichte seiner Heimat zu. 1862 zur Leitung des
Vreslau er Staatsarchivs berufen, übernahm G. zu-
gleich die Redaktion der "Zeitfchrift des Vereins für
Geschichte und Altertum Schlesiens", welchen Ver-
ein er auch seit 1872 als Vorsitzender leitet; 1866
ward er zum außerord. Professor der Gefchichte an
der Universität Breslau ernannt, 1873 zum königl.
Archivrat, 1885 zum Geh. Archivrat. Von G.s
Publikationen sind hervorzuheben: eine Sammlung
mittelalterlicher Breslauer Gefchichtsquellen ("(^o
äkx äipIoinaticuZ 8ii68iH6", Bd. 3, Vresl. 186l")
und als deren Verarbeitung die Schrift "Breslau
unter den Piasten als deutfches Gemeinwesen" (ebd.
1861); ferner "I^6ss68ta 6pi8copatu8Vi'ati8^vi6ii8i^"
(hg. mit Korn, Bd. 1, ebd. 1864), "Ilk^trum
8. ^V6nc68lai. Urkunden vorzüglich zur Gefchichte
Oberfchlesiens" ("(^ci6x dipioinaticu" 3ii63iat;",
Bd. 6, hg. mit Wattenbach, ebd. 1865), "Regesten
zur schles. Geschichte bis zum I. 1300" ("Ooäsx 6i-
piomatieus 8ii68ia6", Bd. 7, ebd. 1867; Tl. 1 in
2. Aufl., ebd. 1884; Tl. 2,1875; Tl. 3, 1886), "Ur-
kunden der Stadt Brieg" ("lüoä. äipi. 8Ü68.", Bd.!),
ebd. 1870), "Geschichtsquellen der Hussitenkriege"
("8oiii)t0r63 rsrnm ^ii68iacilruni", Bd. 6, ebd. 1871),
"Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner
einzelnen Fürstentümer im Mittelalter" (mit Mark-
graf, Tl. 1, Lpz. 1881; Tl. 2,1883, als Bd. 7 und 16
der "Publikationen aus den königlich preuß. Staats-