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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gruner (Ludwig) – Grünes Wachs

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gruner (Justus von)'

und verblieb dort bis zum Juni 1815. Beim Wiederausbruch des Krieges erhielt er die Oberleitung der seitens der verbündeten Mächte in Frankreich eingerichteten Polizei. Von dem Gedanken der preuß. Hegemonie in Deutschland beseelt, beförderte er damals die Versuche zur Stiftung eines geheimen Bundes in den mittelrhein. Landen, der für dieselbe wirken sollte. 1816 wurde er Gesandter in der Schweiz, starb aber schon 8. Febr. 1820 in Wiesbaden.

Gruner, Ludwig, Kupferstecher, geb. 24. Febr. 1801 in Dresden, war Schüler von E. G. Krüger in Dresden und arbeitete 1826–36 in Mailand unter Longhi und Anderloni. Nach einer Studienreise durch Südfrankreich und Spanien verweilte er 1837–41 in Rom, wo er Stiche nach Raffael, Pinturicchio, Mantegna und Overbeck anfertigte. 1842 ging er dann nach England, um die Raffaelschen Kartons in Hamptoncourt zu stechen, und fertigte dort weitere Stiche nach Raffaelschen Gemälden. 1857 wurde er als Professor an die Akademie und als Direktor des Kupferstichkabinetts nach Dresden berufen, wo er 27. Febr. 1882 starb. Er schrieb: «Die Basreliefs an der Vorderseite des Doms zu Orvieto» (Text von Braun, Lpz. 1858), «Lo scaffale, or presses in the sacristy of Santa Maria delle Grazie in Milan. Illustrations of the painted decorations by B. Luini» (Lond. 1859–60), «Das Grüne Gewölbe zu Dresden» (Dresd. 1862), «The terracotta architecture of North Italy» (Lond. 1867).

Grünerde oder Seladonit, ein feinerdiges Mineral von schwärzlichgrüner oder olivengrüner Farbe und großer Weichheit, das sich etwas fettig anfühlt und aus etwa 50 Proz. Kieselsäure, ferner aus Eisenoxydul, etwas Thonerde, Magnesia und Kali sowie etwa 7 Proz. Wasser besteht; es findet sich derb und als Kruste in Hohlräumen von basaltischen Mandelsteinen, auch in basaltischen Tuffen, wo es nachweisbar aus der Zersetzung von Augit hervorgegangen ist, und wird als grüne Anstrichfarbe, auch unter dem Namen Steingrün, Veronesergrün, Veronesererde, Tirolererde, b enutzt; die geschätztesten Funde sind die vom Monte-Baldo bei Verona, von der Insel Cypern und von Kaaden in Böhmen. Schöne etwas kalkhaltige Pseudomorphosen nach Augitkrystallen enthält der Porphyr aus dem Tiroler Fassathal.

Grüner Donnerstag, s. Gründonnerstag.

Grüner Frosch, s. Teichfrosch.

Grüner Galitzenstein, s. Eisensulfate.

Grüner Sonntag, s. Palmsonntag.

Grüner Star, s. Glaukom.

Grunert, Julius Theodor, Forstmann, geb. 3l. Jan. 1809 zu Halle a.d.S., studierte hier und in Neustadt-Eberswalde, wurde 1839 Docent der landwirtschaftlichen Akademie Eldena, noch in demselben Jahre Forstassessor bei der Regierung in Königsberg, 1843 Oberförster in Neu-Glienicke, 1846 Forstinspektor in Danzig, 1849 Inspektionsbeamter in Köslin, 1850 daselbst Forstmeister. 1851 übernahm er die Stellung eines Oberforstbeamten in Danzig, wurde 1854 zum Oberforstmeister ernannt, 1859 Direktor der Forstakademie Eberswalde, 1866 Oberforstmeister in Trier. 1878 trat er in den Ruhestand und starb 30. Aug. 1889 in Trier. Er schrieb: «Der Preuß. Förster» (Hannov. 1869; 2. Aufl., Trier 1883), «Forstlehre» (2 Bde., Hannov. 1875; 4. Aufl., Trier 1884), «Jagdlehre» (2 Bde., Hannov. 1879–80), ↔ «Die Forstlehrlings- und die Förster-Prüfung in Fragen u.s.w.» (Trier 1885); «Der Eichenschälwald im Regierungsbezirk Trier, mit Bezug auf Wirtschaft und Ertrag» (Hannov. 1868), «Die Jagdgesetzgebung Preußens» (Trier 1885). 1861 gründete er die «Forstlichen Blätter».

Grunert, Karl, Schauspieler, geb. 16. Jan. 1810 in Leipzig, war anfangs für das Studium der Theologie bestimmt, debütierte bei einer wandernden Schauspielergesellschaft und kam 1830 nach Augsburg, 1833 nach Freiburg i.Br., wo er die Direktion des Theaters erhielt. In Hannover wirkte er 1834–42 am Hoftheater unter Holbeins Leitung als erster Charakterdarsteller und Oberregisseur. Seit Ende 1842 war G. am Stadttheater zu Hamburg engagiert; 1846 erhielt er ein lebenslängliches Engagement am Hoftheater zu Stuttgart, wo er 27. Sept. 1869 starb. Vortreffliches leistete G. besonders in der Darstellung der Helden und Charaktere Shakespeares, Goethes, Schillers, Lessings und Ifflands. Seine litterar. Thätigkeit beschränkte sich hauptsächlich auf Einrichtungen älterer Stücke für die Bühne sowie auf Übersetzung und Bearbeitung von Molières «Tartuffe» (Stuttg. 1865).

Grüner Tisch, soviel wie Spieltisch, auch Bezeichnung für den Kanzleitisch, übertragen auch für bureaukratisches Wesen, Bureaukratismus.

Grüner Turban, in mohammed. Ländern das Abzeichen der angeblichen Nachkommen des Mohammed, der Scherife (s. d.). Das Recht, den G. T. zu tragen, unterliegt der Kontrolle der Nakib al-aschrâf, besonderer Beamten, die über die Geburten und Sterbefälle der Scherife Register führen; sehr glaubwürdig scheint in dieser Hinsicht die Familienüberlieferung nicht zu sein, da man hie und da auch Mohren von reinstem afrik. Typus im G. T. sieht. Wie dieser also den Scherif bezeichnet, so der weiße Turban den Schriftgelehrten; da unter beiden Würden die letztere die höher geachtete ist, so zieht es der dem Gelehrtenstande angehörende Scherif vor, den weißen Turban zu tragen.

Grüner Vitriol, s. Eisensulfate.

Grüner Zinnober, eine Malerfarbe, ist eine Mischung von Berlinerblau und Chromgelb.

Grünes Blatt (Geometra papillionaria L.), ein Nachtschmetterling, s. Spanner.

Grünes Gewölbe in Dresden, s. Dresden (Bd. 5, S. 516a).

Grünes Meer, s. Arabisches Meer.

Grünes Pulver, ein Sprengstoff, der zu den Pikratpulvern (s. d.) gehört. Er besteht aus Pikrinsäure, chlorsaurem Kali und gelbem Blutlaugensalz. Diese Bestandteile werden in feuchtem Zustande miteinander gemischt. Das G. P. sieht getrocknet gelb aus, erhält aber infolge seiner großen Hygroskopizität bald die grüne Farbe, die ihm den Namen gegeben hat.

Grünes Vorgebirge (Cabo verde), der an der Westküste von Afrika zwischen dem Gambia und dem Senegal, 14°53'5'' nördl. Br. und 17°34' westl. L., ins Meer weit hineinragende Gebirgsvorsprung, zugleich die westl. Spitze des Erdteils. Seinen Namen hat es von den breiten Kronen des Affenbrotbaums (Baobab), durch welche die sonst blendendweißen oder roten Küsten hier grün erscheinen und welche dem Entdecker, dem Portugiesen Dom Fernandez, 1443 entgegentraten. Umsegelt wurde das Kap 1445 vom Portugiesen Cadamosto. In der Nähe die Kapverdischen Inseln (s. d.).

Grünes Wachs, Grünspan-Cerat, Ceratum aeruginis, Ceratum viride, wird erhalten durch

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 507.