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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gudok - Gudschrat
Königsberg), Rettung der Passagiere des Columbus
(1831; Museum zu Bordeaux), Windstoß auf der
Neede von Algier, Mondschemlandschaft bei Neapel,
Hafen von Konstantinopel, Schiffbruch eines franz.
Fahrzeugs an der Küste von Genua (1837), Bewegte
See nach einem Gewitter (1839; letztere beide im
Museum zu Leipzig), Bretonische Küste mit Leucht-
turm, Schleichhändler-Feluke an der Küste von
Biscaya (1845; beide in der Berliner National-
galerie), Seegefecht zwifchen Franzofen und Hollän-
dern (1852; "Dresdener Galerie). 1838 erhielt er
von König Ludwig Philipp den Auftrag, die Helden-
thaten der franz. Marine für das Museum zu Ver-
sailles in einem Cyklus von Bildern darzustellen;
M solcher Bilder gelangten (1838-48) zur Aus-
führung, 63 sind in dem genannten Museum. Er
starb 11. April 1880 in Voulogne-sur-Seine.
Gudok, russ. Streichinstrument, eine Art Vio-
line mit drei Saiten; auf der höchsten wird die
Melodie gespielt, die andern beiden, in die tiefere
Quinte gestimmt, dienen als Hummeln (s. d.).
Gudrun (so lautet die niederdeutsche, Xüti-ün
oder Küäi-ün die mittelhochdeutsche Namensform),
ein deutfches volksmäßiges Epos, in feiner uns er-
haltenen Gestalt aus dem ersten Jahrzehnt des
13.Jahrh., das neben dem großartigern, aber minder
einheitlichen Nibelungenliede dasteht, wie neben der
Ilias die Odyssee, gleich dieser auf Infeln, Küsten
und Meeren spielend. Das nur in der iungen
Ambraser Handfchrift erhaltene Gedicht zerfällt in
seiner jetzigen Gestalt in drei sich gesteigert wieder-
holende Teile. Der kurze erste erzählt die märchen-
hafte Entführung Hagens von Irland durch Greife,
seine Ernährung durch drei Königstöchter, feine
Heimkehr und Vermählung mit Hilde aus India.
Die aus diefer Ehe stammende Tochter, gleichfalls
Hiloe genannt, will ihr Vater nur dem vermählen,
der ihm an Stärke gleichkommt; die Brautwerber
läßt er töten. Der zweite Teil berichtet, wie auf
"Geheiß König Hettels von Hegelingen dessen Helden
Frute und Horand, jener durch Klugheit, dieser
durch seinen süßen Gesang ausgezeichnet, im Verein
mit dem alten Wate, dem Starken, als Kaufleute ver-
kleidet, Hagens Tochter Hilde entführen und fpäter
in Waleis mit Hagen, der den Räubern nachgesetzt
war, kämpfen; den Schluß bildet eine Versöhnung
und die Vermählung Hettels mit Hilde. Der letzte,
umfänglichste Teil, von dem das Gedicht den Namen
hat, erzählt, wie G., Hettels und Hildes Tochter,
wider ihren Willen geraubt wird von Hartmut,
dem Sohne König Ludwigs von der Normandie,
der den verfolgenden Hettel in der Schlacht auf
dem Wulpenwerde erschlägt, und wie sie, da sie den
verhaßten Werber standhaft zurückweist, in harter
Gefangenschaft gehalten, von Hartmuts Mutter
Gerlind viele Jahre zu Magddiensten erniedrigt
wird, bis ihr Bruder Ortwein und ihr Verlobter,
König Herwig von Seeland, sie befreien und rächen.
Der Schauplatz des Gedichts ist das nördl.
Deutschland, Friesland, Dietmarsen, Dänemark,
Seeland, Irland, die Normandie, und nur einem
mit dem Meere und der Schiffahrt vertrauten Volke
kann die Sage in dieser Gestalt angehören. Ihren
Kern bildet die nordisch bezeugte Hildensage (G. ist
in der nordischen Sage der Name für Kriemhild,
die Gattin Siegfrieds), die mit dem nie endenden
mythischen Vernichtungskampf zwischen Hildens
Vater und Entführer schließt; eine Variation und
Wiederhowng dieser zu versöhnlichem Abschluß ge-
brachten Sage war die Kudrunsage, die sich im
10. Jahrh, an der Nordseeküste mit allerlei Wikinger-
sagen verknüpfte. Horands Gesang ist alter Be-
standteil der Sage, Wate und Frute stammen aus
andern Kreisen. Auch die G. ist, wie das Nibe-
lungenlied, aus Einzelliedern erwachsen, die auf
verschiedenen Varianten der Sage beruhten und
deren Widersprüche noch deutlich durchschimmern;
es kam hinzu, daß das wahrscheinlich auf bayr.
Gebiet in der Gudrunstrophe (s. d.) abgeschlossene
Epos durch Interpolationen, die andere Sagen-
formen vorausfetzten, die zum Teil sogar in anderer
Form (Nibelungenstrophe) abgefaßt waren, weiter
entstellt wurde. Trotzdem wirkt die Dichtung wenig-
stens in ihrem letzten Teile harmonischer als das
Nibelungenlied; ihre kraftvollen und doch echt weib-
lichen Frauengestalten geben ihr eine herbe Anmut
von unverwelktem Reiz.
Wertvolle Kritik, die den Ton der echten Dich-
tung ahnen läßt, aber wohl zu viel unternimmt,
übte Müllenhoss, Kudrun (Kiel 1845); vgl. Wil-
manns, Die Entwicklung der Kudrundichtung (Halle
1873). Die beste Ausgabe von Martin (ebd. 1872,
mit Anmerkungen), andere von Bartsch (4. Aufl.,
Lpz. 1880) und von Symons (ebd. 1883); Über-
setzungen von Simrock (Stuttg. 1843 u. ö.), Klee
(Lpz. 1878), Weitbrecht (freie Nachdichtung, Stuttg.
1884), L. Freytag (Berl. 1888), Lemmermayer
(Stuttg. 1890), Legerlotz (Bielef. 1893) u. a.; in
Hexametern von Gervinus (unvollendet, LpZ. 1836).
Als Oper ist der Stoff mehrfach behandelt worden,
z. V. von K. Niemann, dessen Text A. Klughardt
komponierte, als Drama u. a. von Iul. Grosse.
Gudrunstrophe, die Strophenform, in der das
mittelhochdeutsche Epos von Gudrun (s. d.) abge-
faßt ist, fcheint sich aus der Nibelungenstrophe (s. d.)
so entwickelt zu haben, daß im zweiten Verspaar
klingender Reim eingeführt und der letzte Halbvers
von 4 Hebungen mit stumpfem Ausgang auf 5 He-
bungen mit klingendem vermehrt wurde. Beifpiel:
sliu tier in lieru -wälcis ir ^vLids 11620H 8tön,
<1i6 V180K6 äi" üü, 8Ü1t6N IN äern >vä.F6 v1i626U,
äis I1626H ir ßevorts. ^k Iiünäs sr 8insr VÜ0ZS w6l
F6N1S26N.
Gudfcherat, s. Gudschrat.
Gudschrat, Gudscherat, genauer Gudscha-
rat (engl. ^oojr^t, (luj6i-Ht, (^u^i-Hte). 1) Pro-
vinz der indobrit. Präsidentschaft Bombay, ehemals
ein mächtiges Königreich, umfaßt auf 26309 hkm
mit (1891) 3097540 E. die Halbinsel G. (Ka-
thiawar, arab. Dschasira) zwischen dem Busen
von Cambay und dem Golf von Katfchh. Dieselbe
steigt nach der Mitte an und ist an der Westküste in
den Virdabergen bis 528 in hoch. Im Südostteile
erhebt sich zu 500 in der isolierte Basaltberg Pali-
tana, berühmt wegen der Menge von Tempeln
und Klöstern der Dschain. Westlich von ihm erhebt
sich der Girnar (1117 m), ein wilder Haufe gra-
nitischer Spitzberge bei der alten Stadt Dschuna-
garh, mit zahlreichen und kostbar ausgestatteten Wall-
fahrtsorten und Klöstern der Dschain, Hindu und
Mohammedaner. Dazu kommen Teile des angren-
zenden Festlandes mit dem Nordende des West-Ghat
und der Satpurakette. Auch das westl. Ende des
Windhiagebirges, die Variahügel und Lunawara-
berge liegen innerhalb des Gebietes, dessen wichtigste
Ströme die untere Tapti und die Narbada, die
Mahi und Sabarmati sind. Das Klima, vorzugs-
weise das der Halbinsel, ist sehr ungesund. Das
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