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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gufferlinien - Guibert (von Nogent)
in Prag), Tod des heil. Hermann; außerdem hat G. l
zahlreiche Bildnisse gemalt. Seit einigen Jahren
ist G. in Brüssel ansässig: seit 1876 ist er Mitglied
der Belgischen Akademie. - Vgl. Riegel, Geschichte
der Wandmalerei in Belgien seit 1856 (Berl. 1882).
Gufferlinien, soviel wie Moränen (s. d.).
Gugel, eine Kapuze mit Hals- und Schulterstück
<s. (^appa). Sckon die alten Römer trugen eine G.,
die an der paLnuIa, einem mit einem Schlitzlock
versehenen Mantel, angebracht war. Die ägypt.
Mönche trugen sie getrennt als ein über Kopf und
Schulter reichendes Tuch, und später ging die G. in
die Kapuze des Mönchsordens über. Im 14. Jahrh.
b0.tte die G. eine Spitze, die manchmal bis auf den
Boden reichte. Der Rat zu Speyer gestattete "nur"
eine Länge von 1^ Ellen. Im 15. Jahrb. ver-
schwindet sie in der bürgerlichen Tracht, bleibt aber
noch im 16. Jahrh, der'Reise- und Iagdtracht (Dü-
rers heil. Hubertus). In der Folge blieb sie nur
noch bei Prozessionen, Bitt- und Büßgängen, na-
türlich ohne den langen Schwanz, im Gebrauch. In
Bayern ist es noch jetzt üblich, daß bei dem Leichen-
begängnis eines Mitglieds des königl. Hauses hin-
ter dem Erzbischof und vor dem Leichenwagen
24 Männer in der G. (Gugelmänner), mit dem
tönigl. Wappen und doppelt brennenden weißen
Kerzen, ein fünfundzwanzigster aber mit dem Bild-
nisse des heil. Georg gehen. Früher ging auch
anderwärts bei feierlichen Begräbnisfen hoher
Würdenträger eine Anzahl Gugelmänner neben
dem Leichenwagen her.
Gugelhopf oder Gugelhupf, in Österreich
und ganz Süddeutschland üblicher Kuchen aus
Hefenteig, ganz nach Art der Napf- oder Aschkuchen.
Gugelmänner, s. Gugel.
Gugeln, s. Gogeln.
Guglielmi (fpr. guliell-), Pietro, ital.Komponist,
geb. im Mai 1727 zu Massa-Carrara, war Schüler
seines Vaters sin Modena) und Durantes in Nea-
pel, lebte seit 1763 in Dresden mit dem Titel eines
lursürstl. Kapellmeisters und ging dann nach Braun-
schweig, 1772 nach London, kehrte 1777 nach Neapel
zurück und wurde 1793 Kapellmeister an St. Peter
in Rom, in welcher Stellung er nur noch für die
Kirche arbeitete. G. starb 19. Nov. 1804. Er ge-
liörte zu den gefeiertsten ital. Opernkomponisten in
der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. Die Zahl feiner
Bühnenwerke beträgt gegen 200; davon waren die
vier: "I aus (^eineHi", "I viÄF^iatori", "I^H M3to-
rkiia uodii6" und "1^ dkila i)68cHtric6" weltbe-
kannt. Sie stellen die Bedeutung dar, die G. sür
die komische Oper hatte, in der er als Genie wirkte
und neue Mittel, namentlich grotesker Natur, zu
Tage förderte. Besonders Mozart hat dem G. sehr
viel zu verdanken. In der ernsten Oper und im
Oratorium waren die Leistungen G.s gering.
Güglingen, Stadt im Öberamt 'Brackenheim
des württemb. Neckarkreises, 5 km westlich von
Brackenbeim, an der in den Neckar mündenden
Zaber, in 209 m Höhe, hat (1890) 1310 E., Post,
Telegraph und berühmten Weinbau. 3 km ent-
fernt, auf dem Stromberge, die Ruinen des Schlos-
ses Blankenhorn mit Fernsicht und Anlagen.
Guhl, Ernst, Kuustschriststeller, geb^ 20. Juli
1819 in Berlin, studierte daselbst seit 1838 Philo-
logie und wurde nach einer Reise durch Italien 1848
Privatdoccnt an der Universität, später Professor
an der Akademie der Künste und außerord. Professor
an der Universität zu Berlin. Er besuchte 1856 Eng-
land, Frankreich, die Niederlande, Spanien, 1858
Griechenland und 1861 nochmals Italien. G. starb
20. Aug. 1862 in Berlin. Er schrieb: "Die neuere
geschichtliche Malerei und die Akademien" (Stuttg.
')848), "Der Dom zu Köln" (ebd. 1851), "Künstler-
briefe" (2 Bde., Verl. 1854 - 56; 2. Aufl., be-
arbeitet von Rofenberg, 1880), "Die Frauen in der
Kunstgeschichte" (ebd. 1858), "Leben der Griechen
und Römer, nach antiken Bildwerken dargestellt"
(mit Koner, ebd. 1862; 6. Aufl. 1893).
Guhns, ostind. Gewicht, s. Goonze.
Guhr, s. Gur.
Guhrau. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Vres-
lau, hat 697,15 hkm, (1890) 35349 (16570männl.,
18 779 weibl.) E., 3 Städte, 106 Landgemeinden
und 75 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis G.,
80 kin im NW. von Breslau, in einer weiten
Ebene, an der Nebenlinie Vojanowo-G. (15,2 km)
der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes
und eines Amtsgerichts (Landgericht Glogau), hat
(1890) 4557 E., darunter 1047 Katholiken und 93 Is-
raeliten, Post erster Klasse, Telegraph, Vorschuh-
verein, Kreissparkasse, je 2 evang. und kath. Kirchen,
Mittelfchule, städtische und kath. Waifenanstalt,
Hospital, städtisches und Kreiskrankenhaus, Kreis-
siechenhaus; Zuckerfabrik, Dampfmühle mit Brot-
däckerei, Orgelbauanstalt, je zwei Molkereien und
Brauereien, zahlreiche Windmühlen, starken Acker-
und Spargelbau. - G., slaw. (^oi-a, d. h. Berg,
wird 1064 zuerst urkundlich genannt. 1759 wurde
die Stadt von den Russen verbrannt.
Guhrauer, Gottschalk Eduard, Litterarhistori-
kcr, geb. 15. Mai 1809 zu Bojanowo im Posenschen,
studierte feit 1829 zu Breslau, 1832-34 zu Berlin
Philologie und Philosophie und wirkte 1836--37
als Lehrer am Köllnischen Gymnasium in Berlin.
1836 hielt sich G. einige Zeit in Hannover auf, um
Leibniz' hinterlassene Schriften zu benutzen, und
veröffentlichte dann dessen "Deutsche Schriften"
l2 Bde., Verl. 1838-40). Als Frucht eines zwei-
jährigen Aufenthalts in Paris 1837-39 schrieb er
das "Nöinoiie 8ui- 1e pro^6t d'kxpoäition 6n
I^^pte pr^36iit6 en 1672 a I^onis XIV par I^sid-
nit2" (Par. 1838). 1841 als Kustos bei der Uni-
versitätsbibliothek zu Vreslau angestellt, habili-
tierte er sich 1842 daselbst für allgemeine Litteratur-
geschichte und wurde im Herbst 1843 zum außerord.
Professor ernannt. Er starb 5. Jan. 1854 zu Breslau.
G.s Hauptwerk ist "Leibniz, eine Biographie" (2 Bde.,
Bresl. 1842). Von seinen übrigen Schriften sind na-
mentlich zu nennen: die (wenig gelungene) Fort-
setzung von Danzels Werk "Gotthold Ephraim Les-
sing", Bd. 2 (Lpz. 1853-54); ferner "Kurmainz in
der Epoche von 1672" (2 Bde., Hamb. 1839), "Les-
sings Erziehung des Menschengeschlechts, kritisch und
philosophisch erläutert" (Berl. 1841), "Das Hepta-
plomeres des Jean Boom" (ebd. 1841), "Joachim
Iungius und sein Zeitalter" (Stuttg. 1850).
Guhr-Dynamit, s. Kieselgur-Dynamit.
Guiamar, Stadt auf Teneriffa (s. d.).
Guiana, s. Guayana.
Guibert von Nogent (spr. gibähr), theol. und
bistor. Schriftsteller, geb. 1053 zu Clermont, aus
vornehmer Familie, trat 1064 in das Benediktiner-
kloster St. Germer de Flair (daher ^1aviN06N3i8),
wurde 1104 Abt des Klosters Le^tas Nai-ias zu
Nogent in der Diöcese Laon und starb um 1124.
Befonders bekämpfte er die Mißbräuche im Heiligen-
und Reliquienkultus. Seine Schriften, in denen er