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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guineafieber – Guinicelli

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Guinea'

die im allgemeinen zwischen Juni und Oktober, in einigen Landstrichen aber jährlich zweimal eintritt, gewöhnlich mit Gewittern und Stürmen verbunden. Der Harmattan, welcher einige Monate aus NO. weht, trocknet alles aus. Gegenüber diesem ungesunden, dem Fremden oft tödlichen Klima der Küste gewähren die dahinter aufsteigenden Berglandschaften milde und gesündere Luft. Diese dicht bewaldeten und fruchtbaren Landschaften sind auch stark bevölkert von heidn. Negerstämmen, unter denen ein auffallender Unterschied zwischen den Strand- und Bergnegern hervortritt. Die erstern zeigen sich infolge des Sklavenhandels und des Umgangs mit den Europäern verderbt und geschwächt, die letztern kräftiger, ziemlich gesittet, aber auch kriegslustiger. Die wichtigsten Negerreiche in dieser Gegend sind: Aschanti, Dahome, Joruba und Benin (s. d.).

Die einzelnen Küstenstriche sind, wenn man G. im portug. Sinn bis zur Nordwestküste ausdehnt: Portugiesisch-Guinea mit den Bissagosinseln, zwischen Casamance und Compony; Französisch-Guinea (Guinée française), seit 1892 die amtliche Benennung für: Rivières du Sud (s. Senegambien), für Groß-Bassam (s. Elfenbeinküste) und für die Niederlassungen am Golf von Benin (s. Dahome); Sierra Leone, engl. Kolonialgebiet, bis zum Flusse Manoh; die Pfeffer-, Körner- oder Malaguettaküste bis zum Kap Palmas, benannt nach den hier wachsenden und früher stark ausgeführten Paradieskörnern, dem langen und Malaguettapfeffer, mit der Negerrepublik Liberia; die Elfenbein- oder Zahnküste, nach älterer Annahme bis zum Kap der drei Spitzen, jetzt nur bis zum Flusse Assini gerechnet, nach dem Hauptausfuhrprodukt benannt; die Goldküste bis zum Rio Volta, außerordentlich stark bevölkert, mit zahlreichen engl. Niederlassungen; die Sklavenküste bis zum Nigerdelta mit Deutsch-Togoland, der franz. Kolonie Benin (Dahome) und dem engl. Lagos; das Olflüssegebiet der Engländer mit dem Niger und Calabar und die deutsche Kolonie Kamerun. Bis zum Kap Lopez reicht im Sprachgebrauch die Bezeichnung Oberguinea und Golf von G. Zu Niederguinea gehören Französisch-Kongo, die Küsten von Loanda, Benguella und Mossamedes. (Hierzu Karte: Guinea.)

Guineafieber, ein bösartiges Fieber in Guinea, das wahrscheinlich mit dem Gelben Fieber (s. d.) identisch ist.

Guineagras, s. Panicum.

Guineagrün, ein Farbstoff der Triphenylmethangruppe (Natronsalz der Diäthyldibenzyldiamidotriphenylcarbinolsulfosäure).

Guinea-Inseln, s. Guinea.

Guineas (spr. gi-; frz. guinée), ein blaugefärbtes Baumwollzeug, das in den franz.-ostind. Kolonien verfertigt wird, um im afrik. Handel, namentlich in Senegambien und in einem Teile Guineas, statt des Geldes zu dienen.

Guineawurm, s. Haarwürmer.

Guinee (frz., spr. gineh; engl. guinea, spr. ginnĭ), frühere engl. Goldmünze, zuerst 1662 aus dem von der Guineaküste gebrachten Golde geprägt; sie war 22karätig und hatte einen Wert von 21 Schilling = 21,45 M. Seit 1816 wird die G. nicht mehr geprägt; an ihre Stelle trat der Sovereign.

Guinée française (spr. gineh frangßähs), s. Guinea.

Guinegate (spr. gin‘gát) oder Enguinegatte, franz. Dorf im Depart. Pas-de-Calais, berühmt ↔ durch zwei Siege Maximilians I. über die Franzosen.

  • 1) Erzherzog Maximilian belagerte Juli 1479 die franz. Festung Thérouanne (bei St. Omer), bezog aber dann südlich eine Stellung bei G., als ein französisches, an Reiterei überlegenes Entsatzheer unter Philippe de Crèvecoeur sich näherte. Am 17. Aug. kam es zur Schlacht, in der das deutsche und niederländ. Fußvolk die franz. Francs-archers schlug, die burgund. Reiterei aber von der französischen geworfen und verfolgt wurde. Als Crèvecoeur mit der franz. Ritterschaft zurückkehrte, war diese der Wiederaufnahme des Kampfes abgeneigt; so blieb Maximilian Herr des Schlachtfelds, mußte aber die Belagerung aufheben.
  • 2) Heinrich VIII. von England belagerte im Sommer 1513 Thérouanne; Kaiser Maximilian, sein Verbündeter gegen Frankreich, kam ihm zu Hilfe, überfiel (Aug. 1513) mit 4000 deutschen Reitern und einigen leichten Geschützen ein franz. Entsatzheer und warf es in die Flucht. Eine zweistündige Verfolgung brachte 400 franz. Ritter, darunter die Führer Bayard und den Herzog Dunois von Longueville, in deutsche Gefangenschaft. Nach der schimpflichen Niederlage der Reiterei (die Franzosen bezeichneten die Schlacht selbst als Journée des éperons, Sporenschlacht) trat auch das franz. Fußvolk eiligst den Rückzug an, und Thérouanne ergab sich an Maximilian.

Guînes (spr. gihn), Hauptstadt des Kantons G. (147,94 qkm, 16 Gemeinden, 12960 E.) im Arrondissement Boulogne-sur-Mer des franz. Depart. Pas-de-Calais, an der Lokalbahnlinie Anvin-Calais, hat (1891) 3668, als Gemeinde 4502 E., Hutfabrikation, Handel mit Hopfen, Hölzern und Wolle. In dem Schlosse, dessen Reste erhalten sind, wurden 6. Juni 1520 und 7. Juni 1546 Verträge zwischen Franz I. und Heinrich VIII. unterzeichnet. Die Grafen von G. starben 1137 aus.

Guines (spr. gihnes), Stadt auf Cuba, nahe der Südwestküste, an der Linie Habana-Cienfuegos, hat (1887) 12618 E., Zucker- und Kaffeebau.

Guingamp (spr. gänggáng). 1) Arrondissement des franz. Depart. Côtes-du-Nord, hat 1731,45 qkm, (1891) 127933 E., 77 Gemeinden und zerfällt in die 10 Kantone Bégard (102,14 qkm, 11349 E.), Belle-Isle-en-Terre (172,45 qkm, 13433 E.), Bourbriac (172,72 qkm, 10315 E.), Callac (293,46 qkm, 17620 E.), G. (119,56 qkm, 18360 E.), Maël-Carhaix (186,31 qkm, 10195 E.), Plouagat (130,18 qkm, 8797 E.), Pontrieux (105,82 qkm, 12591 E.), Rostrenen (257,59 qkm, 14621 E.), St. Nicolas-du-Pélem (191,22 qkm, 10652 E.). –

2) Hauptstadt des Arrondissements G., an dem Küstenflusse Trieux und an der Linie Rennes-Brest der Westbahn, hat (1881) 7041, als Gemeinde 9196 E., in Garnison das 48. Infanterieregiment, Reste alter Mauern, einen Gerichtshof, Gefängnis, Remontedepot; Garnspinnerei, Handel mit Holz und Cider. Berühmt ist die Kirche Notre-Dame-de-Bon-Secours (13. bis 15. Jahrh.), ein Wallfahrtsort der wunderthätigen Jungfrau, zu dem Anfang Juli Pilger aus der ganzen Bretagne zusammenströmen. – G. war Hauptstadt des Herzogtums Penthièvre.

Guinicelli (spr. -tschelli), Guido, ital. Dichter, von Dante Vater der guten Liebessänger genannt, geb. um 1240 zu Bologna, aus der adligen Familie der Principi daselbst. Er studierte die Rechte, ward Richter in seiner Vaterstadt, 1274 mit der Partei der Lambertazzi verbannt und starb 1276. Es haben sich von ihm nur einige Canzonen und

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 545.