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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guischard - Guise (François, zweiter Herzog von)
sein Land zu Lehn und wurde Schützling und Schützer
dcs Papstes. Durch die Verlobung seiner Tochter
Helena mit dem Sohn des griech. Kaisers MichaelVIl.
in die oström. Angelegenheiten verwickelt, schickte G.
seinen Sohn Bohenmnd zur Eroberung von Korfu
und eilte selbst gegen Durazzo (s. d.), unter dessen
Mauern er über den gricch. Kaiser Alcxios I. Komnc-
nos einen glänzenden Sieg errang. Schon drang
er durch Epirus bis Thessalonike vor und bedrohte
Koustantinopel, als er von dem durch Heinrich IV.
bedrängten Gregor VII. zu Hilfe gerufen wurde.
Sogleich eilte er zurück, nachdem er Vohemund den
Oberbefehl gegeben, zwang Heinrich IV. zum Rück-
zug, eroberte und plünderte Nom, befreite den in
der Engelsburg belagerten Papst und führte ihn
mit sich nach Ealerno. Nun ging er von neuein nach
Epirus, schlug die Griechen in mchrern Treffen und
wollte eben wieder gegen Konstantinopel vordringen,
als er anf Kephallenia 17. Juli 1085 starb. G. war
zuerst mit einer Normannin, Alberada, dann mit
der heldenmütigen Sigelgaita von Salerno ver-
heiratet. Der Sohn der letztern, Noger, beerbte
den Vater, der der erstern, Bohemund, mußte sich
mit Tarent begnügen. Durch seine Kühnheit und
gewisfenlofe Politik brachte G. die Normannen-
Herrschast in Unteritalien aus niedrigsten Ansängen
zu höchster Bedentung. - Vgl. De Blasiis, I.a in-
"N1'1'62ion6 I^IFii686 6 1a c0N(1ui8t3. ^Olmaunil
(8 Bde., Neapel 1874); von Schack, Geschichte der
Normannen in Sicilien (2 Bde., Stuttg. 1889);
Giescbrccht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit,
Bd. 3 (5. Aufl., Lpz. 1890).
Guischard, Karl Theophilus, s. Guichard.
Gnise (spr. güihs'), stark befestigter Hauptort des
Kantons G. <l 92,56 hwn, 21 Gemeinden, 20502 E.)
im Arrondissement Vervins des franz. Depart.
Aisne, an der Oise und an der Lokalbahnlinie St.
Quentin-G. (40l<m), hat (1891) 7990, als Gemeinde
8153 E., Krankenhaus, Gewerbegericht; Eisenwerke,
Fabrikation von Papier, Wollspitzen, <^eife, Ofen
und Heizanlagen. - G. war schon im 11. Jahrh,
ein fester Platz ((-ui^a) und wurde im 16. Jahrh,
durch seine herzogl. Familie berühmt; 1527 wurde
es zum Range eines Herzogtums erhoben, und der
erste Herzog, Claude von Lothringen, baute 1549 das
noch erhaltene Schloß. G. wurde oft belagert, zuletzt
1650 durch die Spanier. - Vgl. P^cheur, IIi8wii-6
äe 1a viliö ä6 6. (2 Bde., Vervins 1851).
Guife (fpr. güihf'), herzogl. Familie in Frankreich,
ein Nebenzweig des Hauses Lothringen. Claude,
ein jüngerer Sohn des Herzogs Rens II. von
Lothringen, geb. 20. Okt. 1496, wurde 1506 in Frank-
reich naturalisiert und heiratete 1513 Antoinette von
Bourbon, die Tochter des Grasen Francois von
Vendöme. Er war Besitzer von Aumale, G'., Ioin-
vilie, Elbeuf und Mayennc nebst vielen andern ins-
besondere in der Champagne und Normandie be-
legenen Gütern. Zu seinen Gunsten wurde 1527
die Grafschaft G. in eine herzogl. Pairie verwandelt.
Im Verein mit seinem Bruder, dem Kardinal Io-
bann von Lothringen, stieg er in militär. und polit.
Thätigkeit bei Franz 1. zu hohem Ansehen empor.
Er starb 12. April 1550 und hinterließ fünf Tochter,
von denen die älteste, Maria, durch ihre Vermäh-
lung mit König Jakob V. von Schottland die Mutter
der Maria Stuart wurde, und sechs Söhne: Francois,
Herzog von G. (s. d.), der des Vaters Würden
erbte, Charles, Louis, Claude, Francois und Rene.
- Charles, Kardinal und Erzbisch'of von Reims,
gewöhnlich Kardinal vonLothringe n genannt,
geb. 17. Febr. 1524, gest. 26. Dez. 1574, ein großer
Feind der Protestanten, ein überaus hochstrebender
und kluger, weniger charakterreincr Staatsmann, be-
herrschte mit seinem Bruder Francois teilweise schon
unter Heinrich II., ganz unter Franz 14., in ver-
ringertem Grade unter Karl IX. den Hof. Auch
Louis, gewöhnlich Kardinal von G. genannt,
geb. 21. Okt. 1527, gest. 28. März 1578, spielte in
den Wirren dieferZeit eine Rolle. Claudc, Herzog
von Aumale und Stifter dieser Nebenlinie, wnrde
1573 bei Rochelle getötet. Francois, Malteser
und General der Galeeren, starb 1563 nach der
Schlacht von Dreur. Rene, Marquis von Elbcuf,
der Stifter diefer Nebeulinie, ebenfalls General
der Galeeren, starb 1566. Herzog Francois und
Charles hoben das Geschlecht in die erste Reihe
der franz. und europ. Geschichte der Zeit. Per-
sönlich ehrgeizig, thatkräftig und hochbegabt, der
Hort der franz. Katholiken, die Verbündeten des
kath. Spaniens, bildeten sie den äußerst wirkunas-
reichen Mittelpunkt einer großen, internationalen
Partei. - Francois, der zweite Herzog von G.,
hinterließ drei Söhne, Henri, Louis und Charles,
und eine Tochter, Katharina Maria, die Gemahlin
des Herzogs Louis von Bourbon-Montpensier, die
an den liguistischen Händeln großen Anteil nahm
(s. Montpensier, Katharina Maria). Henri I., drit-
ter Herzog von G< (s. d.), der Erbe der Würden des
Vaters, wurde auf Befehl Heinrichs III. 23. Dez.
1588 zu Vlois ermordet. Louis, Kardinal von Loth-
ringen und Erzbischof von Reims, der eifrigste Be-
förderer der Ligue, erlitt 24. Dez. 1588 das Schicksal
seines Bruders. Charles, Herzog von Mayenne,
! der Stifter dieser Linie, der hierauf die Führung der
Partei übernahm, starb, nachdem er sich nach mehr-
jährigem Kriege 1596 mit Heinrich IV. vertragen
hatte^ 4. Okt. 1611. - Unter den Nachkommen des
Herzogs Henri I. zeichneten sich aus: Charles, der
die Würden des Vaters erbte und 1640 in Italien,
von Richelieu verbannt, starb, und Claude, Herzog
von Chevreuse, gest. 1657, besonders bekannt durch
seine Gemahlin, Marie, gest. 1679 (s. Chevreuse,
Marie von Nohan). - Von den Söhnen dcs Herzogs
Charles erhielt der zweite, Henri II., Herzog von
G. (s. d.), das Erbe des Vaters. Er setzte seinen
Neffen, Louis Joseph, Herzog von G., Ioyeuse
und Angouleme, zum Erben ein, mit dessen Sohne
Francois Joseph 16. März 1675 die unmittel-
bare Linie der Herzöge von G. aus dem Hause Loth-
ringen erlosch. - Vgl. Vouillö, IIi3wii6 668 cwcs
ä6 '6. (4 Bde., Par. 1849); Forneron, 1.63 äue8 ä^
6. (2 Bde., ebd. 1878); de Croze, 1^68 (^., 168 Valois
st I^ilippL II (2 Bde., ebd. 1866); de Pimodan,
1^ m^rtt 6"8 t3. ^ntoin6tt6 lls Ncuirknn scdd. 1889).
Guise (spr. güihs'), Francois, zweiter Herzog von,
genannt I" NlUNii^, "der Benarbte", franz. Feldherr,
geb. 16. Febr. 1520 in Bar-le-Duc, zeichnete sich,
als Graf von Aumale, schon in dem dritten Kriege
gegen Karl V., besonders durch die Verteidigung
von Landrecies (1543) und St. Dizicr (1544),
aus. 1545 kämpfte er gegen die Engländer um
den Besitz Boulognes und holte sich dort eine
mächtige Lanzennarbe im Gesicht, woher er seinen
Beinamen führte, 1552 wehrte er als Komman-
dant von Metz alle Stürme der Kaiferlichen ab.
Nnter Heinrich II. bewirkte er nebst seinem Bruder
Charles, dem Kardinal von Lothringen, in stetem
Gegensatz gegen Montmorency ss. d.), die Auf-