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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gützkow - Guyon (Jeanne Marie Bouvier de la Motte-)
tungeil am häuslichen Herd" heraus. Sein späterer , gir
Roman "Hohenschwangau" (5 Bde., Lpz. 1867), ein ! M
auf tiefen Studien ruhendes Kulturgemälde des Re- '
sormationszeitalters, hat einzelne Partien von künst-
lerischer Rundung und großer Schönheit, verwandelt
sich aber ebenso oft in eine mit poet. Arabesken ver-
zierte histor. Monographie. Mehr aus einem Guß
ist der pädagogische Roman "Die Söhne Pestalozzis"
(3 Bde., Verl. 1870), der das interessante Problem
behandelt, wie es durch Casp. Hauser gestellt war.
Der Roman "Fritz Ellrodt" (3 Bde., Jena 1872;
2.Aufl.1874),derinderzweitenHälftedes18.Jahrh.
spielt, zeichnet sich durch feine, oft humorvolle Schil-
derung und gedrängte .Handlung aus. Neben diesen
größern Werken schrieb G. noch Novellen, die er
u. d. T. "Lebensbilder" (2. Aufl., 3 Bde., Stuttg.
1874) zusammenstellte; eine Spruchsammlung:
"Vom Baum der Erkenntnis" (ebd. 1868), und
Skizzen: "Die schönern Stunden, Rückblicke" (2. Aufl.,
ebd. 1869). Ein in Mannheim zur Aufführung ge-
kommener dramat. Versuch: "Der Westfälische
Friede", hatte keinen nachhaltigen Erfolg. Auch
in dem "Gefangenen von Metz" (aufgeführt am
Berliner Hoftheater 1872) konnte er nicht recht den
inzwischen veränderten Ton der Zeit treffen. Eine
bis in die größten Einzelheiten des Ausdrucks durch-
geführte Revision seiner beiden großen Romane
und der in 12 Bänden (Jena 1873-76) erschiene
nen neuen, vielfach vermehrten Auflage seiner "Ge-
sammelten Werke" beschäftigte ihn teils in Berlin,
teils in Italien und Wieblingen. Sein letzter Ro-
man: "Die neuen Serapionsbrüder" (3 Bde.,
Bresl. 1877; 2. Aufl. 1878), behandelt in leichter,
heiterer Form Berliner sociale Eindrücke. Einen
wesentlichen Beitrag zu seiner Biographie bieten
G.s "Rückblicke auf mein Leben" (Berl. 1876).
Eine 4. Gesamtausgabe seiner Werke erschien in
Jena (Serie 1,12 Bde., 1873 fg.; ^erie 2, dramat.
Werke, 1881-82). G. war entschieden der produk-
tivste und hervorragendste Vertreter des Jungen
Deutschland. Hervorgegangen ans dem Studium
der Hegelschen Philosophie, erfüllt von den Ideen,
die die Iulirevolution in Deutscbland angeregt
hatte, teilte er, ein scharfsinniger Kritiker und geist-
reicher Polemiker, die geistige Strömung seiner Zeit,
in Politik und Philosophie ein Vorkämpfer des
Liberalismus. Auch als Dichter ist er keineswegs
zu unterschätzen: Erfindung und Charakteristik ist
ihm sogar in bewundernswertem Maße verliehen.
Aber freilich, das Geheimnis der innern Form war
ihm verschlossen, wie der ganzen unkünstlerisch ten-
denziösenZeit. - Vgl. I.Prölß, Das junge Deutsch-
land (Stuttg. 1892).
Gützkow, Stadt im Landkreis Greisswald des
preuß. Veg.-Bez. Stralsund, am Swinower Bach
und unweit der Peene, hat (1890) 2096 meist
evang. E., Post, Telegraph, evang. Kirche und
Vorschußverein.
Gützlaff, Karl Friedr. Aug., evang. Missionar
und Sinolog, geb. 8. Juli 1803 zu Pyritz in Pom-
mern, erlernte zu Stettin das Gürtlerhandwcrk.
Auf Veranlassung des Königs von Preußen, an den
er sich gewandt hatte, kam er 1821 in die Iäniteschs
Missionsanstalt zu Berlin. 1823 ging er zu der Hol-
land. Missionsgesellschaft nach Rotterdam, in deren
Auftrag er sich 1826 nach Vatavia begab. Nach-
dem er sich hier zwei Jahre hindurch mit der chines.
Sprache vertraut gemacht hatte, gab er die Be-
ziehungen zu der niederländ. Gesellschaft auf und
ing 1828 zunächst nach Bangkok, von da nach
Nacao. Er begann mit Medhurst eine neue Über-
setzung der Bibel in das Chinesische, gab ein ckines.
monatliches Magazin heraus und unternahm von
Macao aus wiederholte Reisen nach verschiedenen
Teilen des Chinesischen Reichs. Über diese berichtete
er unter anderm im "^ouriigi 0t' tiii'^6 vo)^F68 3I011F
tk6 c0k8t ofOliwa in 1831,1832 anä 1833" (hg. von
Ellis, Lond. 1834; deutsch, Bas. 1835). Seit 1835
Dolmetscher bei dem engl. Konsulat, später Sekretär
der engl. Gesandtschaft in China, hat er in dem
Englisch-Chinesischen (sog. Opium-) Kriege dem brit.
Heere durch seine Kenntnis von Land und Volk
wesentliche Dienste geleistet. 1844 gründete er in
Hong-kong aus belehrten Chinesen den "Chinesischen
Verein" in der Absicht, sie zu Predigern auszubil-
den und so China durch Chinesen zu evangelisieren.
Von einer 1849-51 nach England und Deutsch-
land unternommenen Reise nach Hong-kong zu-
rückgekehrt, starb er hier 9. Aug. 1851. Unter
G.s Schriften sind zu nennen: "(?Iiina openeä"
(2 Bde., Lond. 1838), "Geschichte des Chinesischen
Reichs" (hg. von Neumann, Stuttg. 1847), "^1i6
Ijfs ol laou-XunNnZ" (Lond. 1851; deutsch, Lpz.
1852). - Vgl. Ga'ihan, G., Der Missionar der
Chinesen (2. Aufl., Duisburg 1850). ^
Guxen werden in der deutschen Schweiz kalte
Nordstürme genannt, die in der franz. Schweiz
^(mriii6nt(i8 heißen.
Guyana, s. Guayana.
Gu^de Maupassant (spr. güih de mopaffäng),
franz. Schriftsteller, s. Maupassant.
Guyenne (spr. glenn), Guienne, früher eine
Provinz im Südwesten Frankreichs, ein Teil des
alten Aqnitanien (s. d.), umfaßte das eigentliche
G. an der Gironde nebst Perigord und Agenois
(Nieder - Guyennc); ferner Quercy und Rouergue
(Ober-Guyenne); es sind die Depart. Gironde,
Dordogne, Lot, Lot-et-Garonne und Aveyron. Als
1137 der Mannsstamm der Herzöge von Aquitanien
ausstarb, brachte die Erbtochter Eleonore das Land
an ihren Gemahl Ludwig VII. von Frankreich. Da
dieser sich jedoch von ihr scheiden ließ, siel das
ganze Erbe 1152 an ihren zweiten Gemahl, Hein-
rich II. von England, und bli.'b nun in engl. Besitz,
bis nach langen Kämpfen Karl VII. von Frankreich
G. 1451 eroberte und 1453 dem franz. Reiche ein-
verleibte. Bis zur Revolution von 1789 bildete G.
mit der Gascogne ein Gouvernement. (S. Histo-
rische Karten von Frankreich 4, Bd.7,^.80.)
Guyet (spr. giieh), Francois, franz. Philolog,
geb. 1575 zu Angers, lebte 'nach längerm Aufent-
halt in Paris und Rom ganz den Wissenschaften im
^0ll6A6 d6 N0U1-Z0FU6 zu Paris. Er starb 12. April
1655 zu Paris. G. schrieb Noten zu Terenz (hg.
von Böcler, Straßb. 1657), Hesiod (Amsterd. 1667),
Hesychius (Leid. 1668), Statius, Lucanus (ebd. 1738)
und Lucian (1687), in dcncn er sich als einen der
größten Kritiker seiner Zeit zeigt. - Vgl. Uri, ^i-au-
5018 6. (Par. 1886).
Guy Fawkes (spr. gei fahks), s. Fawkes.
Guyon (spr. giiöng), Ieanne Marie Vouvier
de la Motte-, neden Molinos (s. d.) Begründerin
des Quietismus (s. d.), geb. 13. April 1648 zu
Montargis in der Provinz Orle'ans, wurde im Alter
von 16 I.mit Jacques de la Motte-Guyon vermählt.
1676 Witwe geworden, suchte sie ihre mystischen
Anschauungen in weitern Kreisen zu verbreiten. Sie
begab sich 1681 mit ihrem Beichtvater Lacomde nach