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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haag (Karl) - Haararbeiten
Haag, Karl, deutsch-engl. Aquarellmaler, geb.
20. April 1820 zu Erlangen, studierte bei A. Rein-
del in Nürnberg, dann in München, Antwerpen
und Brüssel und besuchte 1847 England. Nachdem
er 1847-48 in Rom zugebracht, wurde er 1850 zum
Mitglied der Londoner i^ovai Zocikt)' ofpaint6i8 in
^vatsr coioui'8 gewählt. Von der Königin Victoria
nach Schottland eingeladen, malte er dort u. a. 1853:
Diekönigl. Familie denLoch-no-Garbesteigend. 1854
unternahm H. eine Neisenach Dalmatienund Monte-
negro und vollendete in Venedig sein großes Bild:
Dalmatinischer Barde in den Ruinen von <^alona
die Zerstörung der Stadt besingend. In Rom ent-
standen sodann eine Anzahl kleiner ital. Genre-
bilder, in München (1857) das größere Gemälde:
Zitherspielender Genisjäger vor einer Alpenhütte.
1858-00 bereiste H. Griechenland, Ägypten, Palä-
stina und Syrien, 1863-64 von neuem Schottland,
1873-74 Ägypten und Nubien. Diese Reisen boten
ihm den Stoss zu einer Reihe teils figürlicher, teils
landschaftlicher Bilder, welche in England lebhafte
Anerkennung fanden. Seit 1867 lebt H. in London.
Haager Gesellschaft zur Verteidigung der
christlichen Religion, eine 1785 in Holland be-
gründete Vereiniguug, bezweckt preiswürdige wissen-
schaftliche Schriften "zur Bekämpfung der Angriffe
aus das Christentum zum Druck zu dringen und deren
Verfasser auszuzeichnen. Sie schreibt alljährlich
mehrere Aufgaben aus, für deren gelungene Löfung
eine goldene oder silberne Medaille mit 400 Fl. ge-
währt wird. Die gekrönten Schriften werden in die
Werke der Gesellschaft aufgenommen. - Vgl. Hot
llÄÄF8c1i6 (^6N0t3c1iap tot voräecliZinF van äo
c1ii'i3t6Mvo F0<l3äi6N3t (Leid. 1885).
Haager Konzert, s. Haag (niederländ. Stadt).
Haakon, nordische Könige, s. Hakan.
Halmen, Remi van, Holland. Landschaftsmaler,
geb. 5. Jan. 1812 zu Oosterhout im nördl. Vrabant,
wohnte seit 1837 in Wien. 1845 wurde er Mit-
glied der Akademie der bildenden Künste in Amster-
dam, später Ehrenmitglied verschiedener anderer
Akademien. Bilder des Künstlers sind im Wiener
Privatbesitz häufig; zu dm vorzüglichsten gehören
seine Winterlandschaften, so in der Nationalgalerie
zu Berlin (1835), in der Galerie Ravene' zu Berlin
(1846), im Stadtmufeum zu Danzig, im Rudolphi-
num zu Prag (1885). Außerdem betrieb H. auch die
Radierkunst; er schuf etwa 40 Originalradierungen.
Haaparanta, f. Haparanda.
Haar, f. Haare.
Haar, die, auch der.Haarstrang genannt,
schmaler Höhenzug in Westfalen, welcher in einer
Länge von 75 kin im S. von der Mohne und Ruhr
begleitet wird. Im westl. Teile heißt sie das Ardey
ls. d.), in den waldreichen Höhen des südöstl. Teils
des Kreises Hamm Schelk (234m hoch). Im O.
ist sie anfangs ein 280 - 320 in hoher, meist wald-
loser Rücken, der sich weiter westlich in breite Hügel-
gruppen auflöst, bis auch diefe bei Viülheima.d.Ruhr
aufhören. Der südl. Abfall bietet östers schroffe
Felswände, während der nördliche sanst zur Ebene
der Lippe, zum sog. Hellweg (107 m) abfällt. Im
W. endet sie in dem kaum 150 in hohen bcrgifch-märk.
Kohlengebirge. Die H. erreicht in der Bifchofs-
haar 308 m Höhe. Auf der Höhe der H. läuft der
Länge nach der Haarweg, vom Hohen Turm süd-
lich von Wülste bis Wickede im S. von Werl.
Haar, Bernard ter,holländ.Dichter, geb. 13. Juni
1806 zu Amsterdam, studierte daselbst und in Lei-
den Philologie und Theologie und bekleidete dann
Predigerstellen in verschiedenen Städten. 1843-54
war er Pastor in Amsterdam, wurde 1854 zum Pro-
fessor der Kirchengeschichte an der Hochschule zu
Utrecht ernannt und lebte, nachdem er 1874 in
den Ruhestand versetzt war, in Vely bei Arnheim,
wo er auch 19. Nov. 1880 starb. 1835 erschien sein
".Io1mnui8 6U 1ii65^6N68" (4. Aufl., Arnheim 1856),
eine dichterische Erzählung in dem romantischen
Stile des Walter Scott; dieser folgte die Erzählung
"lluidm-t sn Xwai-t.j6" (Haag 1844; 3. Aufl., Haar-
lem 1858), H.s Meisterstück; ferner "De 8t. ?auw3
15ot8" (Amsterd. 1847; 5. Aufl., Arnheim 1865),
ein Gedicht, das trotz des Mangels an psychol.
Tiefe durch den Wohlklang der Verse, die Schön-
heit der Sprache und die Farbenpracht der Natur-
beschreibungen gerechte Anerkennung fand. Als
Profaschriftsteller war H. aufgetreten mit seinen
"(^68c1ii6ä6ni3 der Iv^i^iiervoriniu^ in tat6i'66l6w>
(Haag 1843; 5. Aufl., Amsterd. 1854; deutsch von
C. Groß, Gotha 1856). In der 1849 veröffentlich-
ten ccVsl^ÄINLlin^ van V61'8^I'0id6 6U 0HIiit^6A6V6N
^6äicut6ii" (3. Aufl., Arnheim 1852) wie auch in
den "2HNF6I1 VHN VI-06^61'611 Ikkfti.jä 6Q Ki6U^V6
(^6(1ic1it6ii" (ebd. 1851; beide Bände vereinigt
u. d. T. "(^6äic1it6w>, 4. Aufl. 1857) zeigt H. eine
Hinneigung zur Gedankenlvrik nach dera Muster
Lamartines. 1866 trat er mit einer dritten Samm-
lung "(^6c1iclit6u" auf, worunter einzelnes, wie
"I51i2H'8 vluclit", zu dem Schönsten gehört, was er /
gefchrieben hat. Seine "I^atstL (-säi^ten" erschie-
nen Haag 1879, eine Volksausgabe seiner "Xom-
pikte ^6äickt6n" in 3 Bänden Leiden 1878-79.
Ferner sind hervorzuheben die durch Renans "Vis
äs <I68U3" veranlaßten zehn Vorträge u. d. T. "^Vis
^vg.8 ^62U3?" (Utrecht 1863) und die verdienstliche
"HiLtoi-ioFrapliiE äei' I<6rX'F68<M6ä6ni3" (2 Bde.,
ebd. 1870-73). - Vgl. N. Beets, I.6V6H3d6i-ic1ir
van Noi-nNi-ä toi- II. (Leid. 1881).
Haaramethyst, f. Amethyst.
Haararbeiten, alle aus dem Kopshaar des ,
Menschen hergestellten Gebilde, wie Perücken, künst-
liche Bärte, Uhrbänder, Armbänder, Stirnbänder
und andere Ziergeflechte. Wegen der beschränkten
Länge der Menschenhaare werden sie von der Hand,
unter Anwendung einfacher Werkzeuge und Geräte,
fertig gestellt; das Verfabren ist eine Art des Klöp-
pelns. Zur Herstellung der Perücken dient als
Träger der zu vereinigenden Haare ein passend ge-
staltetes Stück feinmaschiger Tüll, der selbst aus
Menschenhaaren geklöppelt ist, zuweilen auch ein
aus Rohseide gewebtes Stück Gaze; in die Ma-
schen dieses Perückenbodens werden die vorher
durch Waschen in Ammoniatwasser gereinigten und
sorgfältig gehechelten Haare einzeln eingeknüpft,
was zu den Nebengeschäften des Friseurs gehört.
Die Herstellung flacher und runder Geflechte
aus Menschenhaaren hat von alten Zeiten her eine
gewisse Bedeutung insofern, als sie das Andenken
an verstorbene Personen in einer zwar äußerlichen,
aber doch nicht ungefälligen Form zu erhalten er-
möglicht. Die durch Waschen und Trocknen, Hecheln
und Kardätschen vorbereiteten Haare werden in
Bündelchen (Strähnen) von 5 bis 20 Haaren mit-
tels kurzer Zwirnfäden an bleierne Klöppel (von
etwa 30 F Gewicht) angebunden und an einem höl-
zernen, wagerecht gestützten Rahmen, dessen vier
Schenkel vielfach gekerbt sind, durch planmäßiges
Bewegen diefer Klöppel untereinander verschränkt.