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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Haarseil; Haarsieb; Haarstein; Haarsterne; Haarstrang; Haarströme; Haartracht

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Haarseil - Haartracht

des ausfallenden Haars ergiebt, daß die kurzen Haare ein Fünftel oder ein Viertel des Gesamtausfalls ausmachen; dann wird die Einreibung seltener vorgenommen. Eine andere, oft recht wirksame Behandlungsmethode hat neuerdings Lassar angegeben. Der Haarboden wird zunächst 10 Minuten lang mit starker Teerseife tüchtig eingeseift, hierauf zuerst mit lauem, dann mit kühlerm Wasser mittels Irrigator oder Gießkanne abgespült und gehörig abgetrocknet; hierauf folgt eine Frottierung des Kopfs mit Sublimatlösung (0,5 g auf 150 g Wasser und je 50 g Glycerin und Kölnisches Wasser), worauf der Kopf mit absolutem Alkohol, dem ½ Proz. Naphthol zugesetzt ist, trocken gerieben und sodann mit 2prozentigem Salicylöl reichlich eingerieben wird. Diese Kur muß in den ersten 6-8 Wochen täglich, später seltener, von geübter Hand ausgeführt werden. Für das zweite Stadium der Krankheit, in welchem das ausfallende Haar nicht bloß kürzer, sondern auch dünner ist, läßt sich nur so viel im allgemeinen sagen, daß in diesem Stadium Waschungen und Einreibungen mit Sublimat, Jodkalium, Borsäure, Fowlerscher Arseniklösung, Schwefelmilch und andern Mitteln zu empfehlen sind, deren Dosierung und Anwendungsweise aber in jedem einzelnen Fall vom Arzt genau bestimmt werden müssen. Vor dem Gebrauch der zahllosen Geheimmittel gegen den H. kann nicht eindringlich genug gewarnt werden, da dieselben in den allermeisten Fällen nicht nur völlig nutzlos sind, sondern auch vielfach durch ihren Gehalt an schädlichen Substanzen geradezu direkten Schaden stiften. (S. Geheimmittel.) - Vgl. Pineus, Die Krankheiten des menschlichen Haars und die Haarpflege (2. Aufl., Berl. 1879); Lassar, Über Haarkuren (in den "Therapeutischen Monatsheften", Jahrg. 1888).

Haarseil (Setaceum) nennt man eine Schnur, welche in einen künstlich gemachten oder schon vorhandenen Wundkanal eingelegt wird. Früher brauchte man dazu eine Schnur von Haaren, daher der Name; später wurden Schnuren aus Garn, Seide, Baumwolle, schmale, an den Seiten ausgefranste Leinwandbändchen dazu verwendet. Man bezweckte dadurch, den Säfteandrang von edeln Organen abzuleiten, Geschwülste zu zerteilen, Eiter abzuleiten; nur das letztere wird wirklich von dem H. geleistet. Es ist jetzt jedoch beim Menschen ganz außer Gebrauch; auch zum Ableiten des Eiters benutzt man es nicht mehr, sondern verwendet dazu mit seitlichen Öffnungen versehene Gummiröhrchen (sog. Drainageröhrchen). - Auch bei kranken Haustieren wird das früher so häufig angewendete H. jetzt nur noch selten gebraucht.

Haarsieb, ein Sieb, dessen Boden aus Roßhaargewebe besteht.

Haarstein, s. Bergkrystall.

Haarsterne, s. Kometen.

Haarsterne (Crinoidea), s. Seelilien.

Haarstrang, Pflanzenart, s. Peucedanum.

Haarstrang, Höhenzug, s. Haar.

Haarströme, s. Haare (animalische, S. 605b).

Haartracht. Das Haar, insbesondere das Haupthaar, wurde bei allen Völkern zu allen Zeiten mehr oder weniger sorgfältig und kunstvoll angeordnet. (Über Bart s. Bd. 2, S. 438 b.) Die alten Ägypter schoren das Haar und kräuselten es; Fehlendes durch Perücken zu ersetzen, war besonders bei den Vornehmen Mode. Die Assyrer und Babylonier trugen das Haar voll, ordneten es auch in Locken. Bei den alten Hebräern trugen die Männer lang herabwallendes Haar; nur denen, die sich dem Levitenstande weihten, wurde das Haar geschoren; ebenso legten die Frauen Wert auf langes Haar. Später galt jedoch langes Haar der Männer für ein Zeichen der Weichlichkeit. In Griechenland trugen die Athener vom Mannesalter an, wenigstens seit der Zeit der Perserkriege, das Haupthaar mäßig verschnitten und gekräuselt, während bei den Knaben herabhängendes Haar üblich war, das sie beim Eintritt in das Ephebenalter (18. Jahr) einer Gottheit, meist dem Apollon, weihten; dagegen trugen bei den Spartanern die Männer das Haar lang, die Knaben aber kurz. Allgemein herrschte die Sitte, als Zeichen der Trauer das Haar wachsen oder wenigstens ungeordnet herabhängen zu lassen. Sklaven durften das Haar überhaupt nicht lang tragen. Die griech. Frauen pflegten das lange Haar weder zu flechten noch in künstliche Locken zu drehen, sondern gescheitelt über die Schläfen, öfters in Wellenlinien, nach hinten zu legen und entweder schon über dem Scheitel vorn oder am Hinterkopf in einen Schopf oder Knoten zusammenzufassen. Am häufigsten wurde das so geordnete Haar durch ein haubenartig umgeschlungenes Tuch, ein aus Goldfäden geknüpftes Netz oder Ähnliches zusammengehalten. Die Römer trugen bis 300 v. Chr. langes Haupthaar ebenso wie lange Bärte; als dann um jene Zeit die ersten Tonsoren aus Sicilien nach Rom kamen, wurde es Brauch, das Haar zu kürzen, zu kräuseln und zu salben. Die Frauen banden es ebenso wie die Griechinnen nach dem Hinterhaupt in einen Knoten; später kam die Sitte auf, das Haar zu färben, mit Goldstaub zu bestreuen und mit kostbaren Nadeln zu schmücken. In der Kaiserzeit kamen auch falsche Haartouren in Gebrauch.

Bei den Bewohnern des europ. Nordens galt das Tragen des langen Haars als ein Zeichen männlicher Würde und Freiheit; daher hat sich das Haarabscheren als entehrende Strafe noch lange Zeit in deutschen Rechtsbräuchen erhalten. Die Kelten banden das Haar am Hinterkopf zusammen (daher Gallia comata, das eigentliche Gallien, zum Unterschiede von der röm. Provinz Gallien), die german. Völker banden es oder ließen es offen herabwallen. Bei den Franken trugen die Könige, ebenso auch die Edlen langes Haar; Karl d. Gr. und überhaupt die Karolinger trugen dagegen kurzes Haar, während die Sachsen, die in den frühern Jahrhunderten Kopf- und Barthaar schoren, um diese Zeit bis gegen Ende des 10. Jahrh. das Haar lang herabwallen ließen. In dem folgenden Jahrhundert trugen die Männer das Haar bis auf die Schulter herab, pflegten es auch in Locken zu drehen. Die Frauen ließen es wie früher lang herabwallen; seit dem 12. Jahrh. bedeckten sie es mit dem Schapel, einem ausgezackten und mit Perlen und Edelsteinen versehenen Reifen, was übrigens auch bei Männern Mode war, oder hielten es mit dem Gebende, einer Art Binde, die über Wangen und Kinn ging, zusammen, oder aber, was besonders in Frankreich und England geschah, sie flochten das Haar mit Bändern in Zöpfe, die auf den Rücken oder vorn über die Schultern herabfielen. Gegen Ausgang des Mittelalters zeigt die H. beider Geschlechter die größte Mannigfaltigkeit, wozu die in den verschiedenen Zeitabschnitten und Landesteilen üblichen Kopfbedeckungen beitrugen. Am Ende des 15. Jahrh. wurde bei den Männern die bereits von Karl IV.