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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Haarwurzel; Haarzellen; Haarzirkel; Haarzucker; Haarzüge; Haarzwiebel; Haas; Haase

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Haarwurzel - Haase (Buchdruckerfamilie)

das einzelne, selbständig gewordene Organ übertrifft den ursprünglichen Tierkörper an Masse jetzt um das 10-20 000fache! Die winzigen Anguilluliden oder Älchen (Aaltierchen, Anguillulae) leben teils frei in feuchter Erde oder faulenden Stoffen, teils parasitisch in Pflanzen und Tieren; doch bringen alle einen Teil ihres Lebens im Freien zu. Zu den ganz freilebenden Arten gehört das in alter Essigmutter und in gärendem Kleister oft in großer Zahl vorkommende Essig- oder Kleisterälchen (Anguillula aceta = A. glutinis Ehrenbg.). Das Genus Tylenchus besitzt einige, durch ihren Parasitismus an Pflanzen oft schädlich werdende Angehörige, z. B. das Weizen- oder Getreideälchen (Tylenchus tritici Bast.), das seine Jugend in eigentümlich entarteten Weizenkörnern, den sog. Gichtkörnern, verbringt und in diesen lange Jahre vollkommen ausgetrocknet verharren kann. Werden solche Gichtkörner wieder ausgesät, dann erwachen durch die Feuchtigkeit des Bodens auch die Älchen aus ihrem Schlafe (Trockenstarre), verlassen ihre Wohnstätte, um sich in benachbarte, gesunde Weizenstengel einzubohren und hier eine aufs neue in die sich bildenden Körner hineinwandernde Brut zu erzeugen. Durch seine schnelle Vermehrung sehr gefährlich ist auch der den Älchen nahe verwandte Rübenwurm oder der Rübennematode (Heterodera Schachtii Schmidt, Fig. 16), der die sog. Rübenmüdigkeit erzeugt (s. Rübennematode). Wegen seiner Entwicklung durch Heterogenie (s. d.) erwähnenswert ist das in den Lungen des Frosches lebende Rhabdonema nigrovenosum Lt. Die Jungen dieses nur im weiblichen Geschlecht dort schmarotzenden Wurmes schlüpfen im Darme ihres Wirts aus und gelangen mit den Exkrementen nach außen. In der feuchten Erde entwickelt sich die Brut zu kleinen, getrenntgeschlechtigen Würmchen (dem durch eine zweite, zähnchentragende Anschwellung des Ösophagus charakterisierten Genus Rhabditis zugehörig), die sich alsbald begatten und eine neue Nachkommenschaft erzeugen; diese aber muß, wenn sie sich weiter entwickeln soll, wiederum in den Frosch zurückwandern. Zunächst entstehen männliche Würmer; auf einmal aber beginnt der Hoden dieser Männchen Eier zu bilden und diese werden mit dem in des Wurms erster Lebenszeit erzeugten und aufgespeicherten Sperma befruchtet. So wechselt hier eine parasitische Generation mit einer freilebenden regelmäßig ab. Auf dieselbe Weise entwickelt sich ein nahe mit dem Rhabditis nigrovenosum Lt. verwandter Wurm, der neuerdings als Ursache der sog. Cochinchinakrankheit (Diarrhöe und Dysenterie) des Menschen erkannt worden ist, die Anguillula intestinalis Grassi, deren freilebende Generation schon früher als Rhabditis stercoralis Bavay beschrieben wurde. - Als hauptsächlichstes Werk über H. ist außer Schneiders "Monographie der Nematoden" (Berl. 1866) u. a. vor allem zu erwähnen: Leuckart, "Die Parasiten des Menschen", Bd. 2 (Lpz. 1876).

Haarwurzel, s. Haare (animalische, S. 606 a).

Haarzellen, s. Gehör (Bd. 7, S. 691 a).

Haarzirkel, eine zum Abmessen sehr kleiner Entfernungen dienende Art der Federzirkel (s. Greifzirkel).

Haarzucker zur Kräftigung des Haarbodens, s. Geheimmittel.

Haarzüge, Züge von sehr geringem Querschnitt, die in großer Anzahl dicht nebeneinander in die Seele einer gezogenen Handfeuerwaffe (s. d.) eingeschnitten waren und oft nur das Aussehen von regelmäßigen Schrammen hatten. Sie waren in der Mitte des 19. Jahrh. bei Handfeuerwaffen in Gebrauch. Oft werden auch Bogenzüge von geringem Querschnitt, wie sie bei den ältern Armstrongkanonen benutzt wurden, als H. bezeichnet.

Haarzwiebel, s. Haare (animalische, S. 606 a).

Haas, Johannes Hubertus Leonardus de, holländ. Maler, geb. 25. März 1832 zu Hedel in Nordbrabant, war Schüler von van Os in Haarlem und lebt seit 1857 in Brüssel. Von seinen Gemälden sind hervorzuheben: Viehstück (Kunsthalle zu Hamburg), Kühe auf der Weide (Berlin, Nationalgalerie), Heranziehendes Gewitter (München, Neue Pinakothek), In den Dünen (Museum in Stuttgart), Vieh auf der Weide (Museum in Amsterdam), Am Ufer der Yssel (Museum in Brüssel).

Haas, Michael, Pädagog, geb. 8. April 1810 zu Pinkafeld im Eisenburger Komitat, studierte in Steinamanger, Fünfkirchen und Wien, wurde 1834 zum Priester geweiht, 1837 Professor der Geschichte am Lyceum zu Fünfkirchen, 1846 Stadtpfarrer daselbst, 1853 k. k. Schulrat des Pester Statthaltereigebietes, 1860 Bischof von Szatmár und 1862 Wirkl. Geheimrat und Mitglied des Unterrichtsrates. Von seiten der magyar. Nationalen hatte er 1861 viele Angriffe zu erleiden, sodaß er längere Zeit sein Bistum und das Land meiden mußte. Er starb 1868. H. war in deutscher und ungar. Sprache als Historiker und Pädagog thätig. Sein Hauptverdienst erwarb er sich um die Hebung des Volksschulwesens in seinem Verwaltungsgebiet; namentlich verdanken ihm viele Pußtenschulen ihre Entstehung.

Haas, Philipp, österr. Industrieller, geb. 7. Juni 1791, begründete 1810 in Wien eine Weberei von Modestoffen, wozu 1818 eine Weberei für Möbelstoffe und 1838 eine Fabrik für Teppiche kam. Das Haus, seit 1850 unter der Firma "Philipp Haas & Söhne", erlangte bald Weltruf, und H. gründete noch Fabriken zu Hlinsko (für Sammet), Ebergassing (Weberei und Spinnerei), Bradford (für Wollstoffe), in Lissone bei Mailand (für Seidenstoffe), und errichtete an mehrern Orten Europas Verkaufsstellen. Er starb 31. Mai 1870 zu Vöslau, worauf sein Sohn Eduard, Ritter von H. (geb. 15. Sept. 1827, gest. 13. Nov. 1880), und dann dessen Sohn Philipp, Ritter von H. (geb. 18. Nov. 1858), Chef des Hauses ward. Im Nov. 1883 wurde die Firma mit 6 Mill. Fl. Kapital in die "Aktiengesellschaft der k. k. privilegierten Teppich- und Möbelstofffabriken vormals Philipp Haas & Söhne" (Direktor: kaiserl. Rat Laurenz Gstettner) verwandelt, mit Fabriken (1893) in Wien, Ebergassing, Mitterndorf, Hlinsko, Bradford, Lissone; Warenhäusern in Wien, Budapest, Prag, Mailand; Filialen in Bukarest, Rom, Neapel, Genua, Graz, Linz, Lemberg, Brünn; gegen 400 Beamte und 3000 Arbeiter.

Haase (ursprünglich wohl Ase), auch Hase, Fluß in Hannover, entspringt in 125 m Höhe am Teutoburgerwalde nahe bei Borgholzhausen, ist von Quakenbrück an kanalisiert und mündet nach einem Lauf von 130 km bei Meppen rechts in die Ems.

Haase, Buchdruckerfamilie. Gottlieb H., geb. 1763 zu Halberstadt, gest. 1824, kam 1798 nach Prag und errichtete hier eine Buchdruckerei, mit der Papierhandlung, Steindruckerei und Schriftgießerei verbunden wurden. Seine Söhne Ludwig H. (geb. 1801, gest. 1868) und Andreas H. (geb. 1804, gest.