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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Haberfeldtreiben; Haberkorn; Haberl; Haberlandt; Häberlin; Haeberlin

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Haberfeldtreiben - Häberlin

Haberfeldtreiben nennt man in Bayern eine Art Volksgericht, das im bayr. Hochwalde, ursprünglich in dem Gebiete zwischen Mangfall, Isar und Inn, selten anderwärts nachgeahmt, solchen sittlichen Vergehungen Sühne zu verschaffen sucht, die dem Arm der ordentlichen Justiz unerreichbar sind. Geiz, Wucher, unerlaubter geschlechtlicher Umgang u. dgl., Willkür der Beamten, aber auch hochfahrendes Wesen und unmoralischer Wandel der Geistlichen sind die gewöhnlichen Anklagepunkte. Die Procedur und Rechtsprechung soll von einer geheimen Verbindung ausgehen, deren Wesen bis jetzt noch Geheimnis ist. Wenn die von glaubwürdigen und für die Wahrheit ihrer Beschuldigung bürgenden Männern angeklagte Person auf wiederholte briefliche Verwarnungen nicht zur Besserung gebracht ist, erscheinen plötzlich in einer dunkeln Nacht Hunderte von vermummten, geschwärzten und bewaffneten Gestalten vor dem Hause derselben, versperren alle Ausgänge und tragen, unterbrochen von entsetzlicher Katzenmusik, Gewehrschüssen u. s.w., eine in Knittelversen verfaßte Strafpredigt vor, ohne jedoch an der Person des Bestraften oder seinem Eigentum sich zu vergreifen. Früher wurden nur hausgesessene Männer, später auch ledige Burschen in den Geheimbund aufgenommen, dem zwölf Habermeister vorstehen sollen. Die Sitte soll Namen und Ursprung davon haben, daß in frühern Zeiten die jungen Burschen eines Dorfs gefallene Mädchen mit Rutenhieben in ein Haferfeld und dann wieder nach Hause trieben. Andere finden in dem H. einen Rest alter Rügengerichte aus den Zeiten Karls d. Gr., der am Schlusse der Strafpredigten regelmäßig citiert wird, um das Protokoll zu unterschreiben. Der Gebrauch ist jetzt zwar seltener, aber keineswegs erloschen. - Vgl. Bavaria, Bd. 1 (Münch. 1860).

Haberkorn, Daniel Ferdinand Ludwig, konservativer Parlamentarier, geb. 2.Sept. 1811 in Kamenz (Oberlausitz), studierte 1830 - 33 in Halle und Leipzig die Rechte, wurde 1838 Advokat in Kamenz, später Gerichtsdirektor daselbst und war 1846 - 56 Bürgermeister der Stadt. Seit 1857 bekleidete er das Bürgermeisteramt in Zittau bis zu seiner Pensionierung 1887. In der sächs. Zweiten Kammer, in die H. 1849 eintrat, versah er, mit ein paar Unterbrechungen, 1859 - 90, das Amt des Präsidenten. 1867 gehörte er auch dem konstituierenden Norddeutschen Reichstage als Mitglied an. H. veröffentlichte: "Die Kirchenvorstands-und Synodalordnung für die evang.-luth. Kirche des Königreichs Sachsen vom 30. März 1868" (Dresd. 1868), "Die Verfassungsurkunde des Königreichs Sachsen vom 4. Sept. 1831 sonst und jetzt" (ebd. 1881).

Haberl, Franz Xaver, kath. Geistlicher und Musiker, geb. 12. April 1840 zu Oberellenbach in Niederbayern. Seine musikalische Ausbildung erhielt H. auf dem bischöfl. Seminar zu Passau, später in Regensburg durch Proske, Mettenleiter, Schrems. 1868 - 70 war er Organist an der deutschen Nationalkirche in Rom, 1871 - 82 Domkapellmeister in Regensburg; seitdem ist er Direktor der Kirchenmusikschule daselbst. H. ist seit dem Tode Fr. Witts Redacteur der Monatsschrift "Musica sacra" und als erster Vicepräsident Vertreter jener Bewegung zur Hebung der kath. Kirchenmusik, die in Deutschland durch den "Cäcilienverein" ihren Ausdruck findet. Von den Diensten, die er der kath. Kirchenmusik als Gelehrter erwiesen hat, ist sein "Magister choralis", ein Lehrbuch des Gregorianischen Chorals, hervorzuheben, das seit 1864 zehn starke Auflagen erlebt hat und ins Französische, Italienische, Spanische, Englische, Ungarische und Polnische übersetzt worden ist. 1876 begründete H. den "Cäcilienkalender", ein kirchenmusikalisches Jahrbuch, das teils Neuausgaben alter vergessener Meister, teils musikgeschichtliche Arbeiten bringt. Seit 1882 redigiert er die Gesamtausgabe der Werke Palestrinas, die 1893 in ihrem musikalischen Teil in 32 Foliobänden vollendet wurde. Von seinen sonstigen Beiträgen zur Musikgeschichte sind die Monographie über G. Dufay (Lpz. 1886), der Katalog des päpstl. Kapellarchivs (ebd. 1888) und die Geschichte der römischen Schola cantorum bis zur Mitte des 16. Jahrh. (ebd. 1888) hervorzuheben.

Haberlandt, Gottlieb Friedr. Joh., Botaniker, geb. 28. Nov. 1854 zu Ungarisch-Altenburg als Sohn des auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Pflanzenbaues bekannten Professors Friedr. H., studierte an den Universitäten Wien und Tübingen Naturwissenschaften mit besonderer Berücksichtigung der Botanik, habilitierte sich 1879 als Docent der Botanik an der Universität Wien, von wo er 1880 einen Ruf als supplierender Professor an die Technische Hochschule in Graz erhielt; 1884 wurde er daselbst zum außerord., 1888 zum ord. Professor an der Universität und zum Direktor des Botanischen Gartens ernannt. 1891 unternahm er eine Forschungsreise nach Java. Außer kleinern Arbeiten in Fachzeitschriften schrieb H.: "Die Schutzeinrichtungen in der Entwicklung der Keimpflanze" (Wien 1877), "Die Entwicklungsgeschichte des mechan. Gewebesystems" (Lpz. 1878), "Vergleichende Anatomie des assimilatorischen Gewebesystems der Pflanzen" (ebd. 1881), "Physiol. Pflanzenanatomie" (ebd. 1884), "Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Laubmoose" (Berl. 1886), "Das reizleitende Gewebesystem der Sinnpflanze" (Lpz. 1890); "Anatom.-physiol. Untersuchungen über das tropische Laubblatt" (Wien 1892), "Eine botan. Tropenreise" (Lpz. 1893).

Haeberlin, Karl, Historienmaler, geb. 16. Dez. 1832 zu Obereßlingen in Württemberg, besuchte die Kunstschule in Stuttgart und wandte sich 1852 nach Düsseldorf, wo besonders Schadow und Hildebrandt seine Lehrer waren. Erst in der Weise seiner Düsseldorfer Lehrer malend, wie im Tod Sickingens (1854), Erstürmung eines Klosters während des Bauernkrieges (1856), schloß er sich nach seiner Übersiedelung nach München 1858 ganz an Piloty an, wie dies das 1862 gemalte Bild -Aufhebung des Klosters Alpirsbach (Staatsgalerie in Stuttgart), Jud Süß am Totenbette des Herzogs Karl Alexander von Württemberg (1858; für die Herzogin von Urach) und Die Frauen von Schorndorf (1866; Galerie in Barmen) zeigen. Unter den histor. Wandgemälden des Bayrischen Nationalmuseums in München ist er mit der Darstellung Jakobäa von Bayern (1864) vertreten. Seit 1866 Professor an der Kunstschule in Stuttgart, malte er außer Porträten noch die Historienbilder: Tezels Ablaßzug, Diebsbande vor Gericht, Belagerung von Stralsund, Schlacht von Belgrad (Staatsgalerie in Stuttgart). 1883 von der Professur zurückgetreten, begann H. in den nächsten Jahren mit den Entwürfen und Ausführungen der Wandgemälde im Kreuzgang des Inselhotels zu Konstanz und 1892 die Wandgemälde im Baron Schererschen Schloß Castel (Thurgau).

Häberlin, Karl Friedr., Staatsrechtslehrer, geb. 5. Aug. 1756 zu Helmstedt, war der Sohn Franz