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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Habil - Habsburg
Habil slat.), geschickt, gewandl, sähig; Habili-
tät, Geschicklichkeit, Fähigkeit.
Habilitation (neulat.), die Erwerbung des
Rechts, akademische Vorlesungen zu halten, durch
eine öffentliche Disputation über eine selbstversaftte
wissenfchastliche Abhandlung (Habilitation s -
fchrift); fich habilitieren, dieses Recht er-
Habit (lat.), Kleid, Tracht. "erben.
Ila.dita.ti0 (lat.), Wohnung, Wobnungsrecht
(s. d.); habitiereil, bewohnen.
Habitue (frz., spr. abitüeh), häufiger Besucher,
Stammgast.
Habituell (frz.), was durch Gewohnheit zu ciuer
bleibenden Eigenheit oder zur andern Natur ge-
worden ist, ohne in der ursprünglichen Richtung
und Entwicklung eines Individuums notwendig be-
gründet zu fein; wird sowohl von mechan. Fertig-
keiten, körperlichen Bewegungen und finnlichen
Vorgängen als von geistigen Thätigkeiten und Ge-
sinnungen gebraucht. Habituelle K r a n k b e i t e n
nennt man folche Affektionen, welche seit langem
schon bestehen, fodaß der Körper durch sie in seinem
relativen Wohlbefinden nicht mehr beeinträchtigt
wird, z. B. die habituelle Skoliofe (s. d.).
Habltus (lat.), äußere Erscheinung, Gestalt,
Haltung. In der Botanik ist H. oder Tracht die
gefamte äußere Form der Pflanzen. Im weitern
Sinne wird der H. durch die Richtung des Stammes
(aufrecht, schlingend, kletternd, kriechend, über-
hängend u. s. w.), wie auch durch die Ricbtung der
'Aste und Zweige, d. i. durch den Winkel, den sie mit
der Hauptachse bilden, und andere Verhältnisse mit-
bestimmt, die den Pflanzen ein eigenartiges Gepräge
verleihen. Der Landfchaftsgärtner muß mit dem
H. der zu pflanzenden Gehölze in ihrer normalen
Entwicklung genau vertraut fein, um danach die er-
forderliche Gruppierung für feine beabsichtigten
Zwecke vornehmen zu können. - über H. im medi-
zinischen Sinne s. Konstitution (mediz.).
Naditus non ta.oit inonäoliuin, lat. sprich
wort, entsprechend dem deutschen: die Kntte macht
nicht den Mönch (der Hut macht nicht den Doktor,
der Bart macht nicht den Gelehrten u. dgl.); serner
dem französischen: I^badit ne tait pag 1e inowo,
und dem italienischen: 1^' ".dito non t^ ii monaco.
(S. (Xiculius.)
Na.drop^Aa., s. Ustrilde; II. minima ^e/li.,
s. Vlutfink; H. inüellnäa 6lmt?ci? f. Binfenastrild;
II. niiäulüta. I^ii., s. Fasänchen.
Habsburg, deutsches Herrschergeschlecht, hat
seinen Namen von dem Schlosse H. (Habichts-
burg), das der Bischof vonStrahburg, Werner, aus
dicfer Dynastie um 1027 auf einer Anhöhe bei Win-
disch an der Aar erbaut haben foll. Werner I., der
1096 starb, ist der erste, der den Titel eines Grafen
von H. führt. Dessen Enkel, Werner II., erscheint
(1135) im Besitz der Landgraffchaft Oberelfaß, wo
das Geschlecht schon früher ausgedehnte Güter ge-
habt hat, und der Schirmvogtei über das Kloster
Murbach, dem auch Luzern mit den übrigen Ort-
schaften gehörte. Werners Sohn, Albrecht III., be-
kam von Kaiser Friedrich I. den Zürichgau und als
Verwandter des gräflich Lenzburgschen Hauses, das
1172 ausstarb, einen Teil von dessen Gütern am
Luzernerfee, Willisau, Sempach u. s. w. Dessen
Sobn Rndolf stellte dem Kaiser Friedrich II. be-
deutende Geldmittel zur Verfügung, wofür ihm die
Graffchaft Aargau verliehen wurde. H.s Besitzun-
gen hatten eine folche Ausdehnung erlangt, daß sie
zum Iurisdiktionsgebiete sieben geistlicher Fürsten
gehörten, der Bischöfe von Straßburg, Konstanz,
Basel, Chur, Genf und Laufanne und des Abtes
! von St. Gallen. Graf Rudolf (gest. 1232), der auch
^ noch die Grafschaft im Frickgau gewann, hinterließ
zwei Söhne, Albrecht den Weifen (gest. 1239), Vater
des nachmaligen röm. Königs Rudolf, und Ru-
dolf II. Sie teilten die Vesitznngen unter sich, fodaß
Albrecht außer dem Schlosse H. die Ländereicn im
Aargau und Elfah, Rudolf die Graffchaft Klettgau,
die Herrschaften Rheinfelden und Lauffenburg und
die Besitzungen im Breisgau erhielt. Nach dem Re-
gierungssitze hieß diese Linie die Lauffenburgifche.
In der Folge teilte sie sich wieder in zwei Linien,
von denen die eine mit dem Grafen Johann IV.
1408, die andere mit dem Grafen Eggo 1415 er-
losch. Lauffenburg kam dadurch an Österreich, Klett-
gau ging durch Johanns IV. Erbtochter Ursula auf
den Grafen ^ulz und von diefem dnrch Heirat 1687
auf das Hails Schwarzenberg über. Albrecht,
Stammvater der Hauptlinie, bahnte die Erwerbung
nener Besitzungen an durch die Heirat mit Heil-
wigis, Gräsin von Kyburg, Tochter des Grafen Ulrich
i von Kyburg. Aus diefer Verbindung stammt Ru-
! dolfl., geb. I.Mai 1218, derBegründer des Kaifer-
! gefchlechts H., der 1. Okt. 1273 durch Wahl der
Kurfürsten den deutfchen Thron bestieg. Der Kampf
mit Ottokar von Böhmen verschaffte dem Haufe H.
den Besitz von Österreich. Von feinen Besitzungen
gingen in den folgenden Zeiten die helvetifchen an
! die zur Unabhängigkeit gelangte Eidgenosfenfchaft,
! die im Elfah an Frankreich verloren; nur die in
Schwaben blieben bei feinem Haufe,
i Rudolf I. wußte durchlauf und andere Mittel
feine Besitzungen in der Schweiz zu vermehren, und
bei seinem Tode (15. Juli 1291) standen Freiburg,
Luzern, Zug, Glarus, Kyburg, Zofingen, Baden,
Lenzburg, Aarau, der Aar- und Thurgau u. s. w.
entweder ganz oder zum Teil unter Habsburg. Herr-
schaft. Er hatte drei Söhne: Albrecht I., feit 1298
deutfcher König, Hartmann, dem er die burgund.
Krone zuwenden wollte, der aber 1281 im Rhein er-
trank, und Rudolf (gest. 1290), der anfangs mit Al-
brecht die österr. Lehen teilte, sie aber letzterm 1283
gegen ein Jahrgeld überließ. Rudolfs Sohu Jo-
hannes (Parricida), erst nach dem Tode des Vaters
geboren, ward 1308 der Mörder seines Oheims
Albrecht und starb 1313. Der König Albrecht I. hatte
von seiner Gemahlin Elisabeth, der Tochter des
Herzogs Meinbard von Kärnten und Tirol, sechs
Söhne: Rudolf (gest. 1307), seit 1306 König von
Böhmen, Friedrich I., als deutscher König seit 1314
! Friedrich III., der Schöne (gest. 1330), Leopold I.
! (gest. 1326), Albrecht II., der Weise (gest. 1358),
! Heinrich (gest. 1327), Otto (gest. 1339). Friedrich
leitete nach Albrechts I. Tode die Verwaltung Öster-
reichs und Leopold die der Besitzungen im Elfaß,
Hclvetien und Schwaben. Rudolf, Friedrich der
Schöne, Leopold und Heinrich hinterließen keine
Erben. Albrecht II. und Otto regierten gemeinfam,
bis Otto 17. Febr. 1339 starb, dem seine Söhne
Friedrich II. und Leopold II. beide 1344 im Tode
nachfolgten, fodaß auf Albrecht II. und feiner mä'nn-
l lichen Nachkommenschaft die Hoffnungen des Haufes
^ ruhten. Er starb 1358 und hinterließ vier Söhne:
Rudolf IV. (gest. 1365), Friedrich III. lgest. 1362),
Albrecht III. (gest. 1395), Leopold III. (gest. 1386).
^ Dem Familienvertrage der Unteilbarkeit der Län-
der gemäß leitete Rudolf IV. die Regierung. Er