Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

622
Habsburg
nahm den erzherzogl. Titel all, den 1453 Kaiser
Friedrich III. bestätigte. Nach seinem kinderlosen
Tode (1365) übernahmen seine Brüder Albrecht III.
und Leopold III. die Regierung, die sie anfangs ge-
meinschaftlich führten. 1379 einigten sie sich ent-
gegen dem Hausgesctz ihres Vaters über eine Tei-
lung ihrer Länder, in der Albrecht III. das eigent-
liche Osterreich erhielt, das seine Nachkommen bis
zu ihrem Aussterben 1457 beherrschten, während
Leopold III. alle übrigen Habsburg. Länder zu-
fielen. Die Nachkommen Albrechts III. waren:
sein Sohn Albrecht IV. (gest. 1404), dessen Sohn
Albrecht V., König von Böhmen und Ungarn, als
deutscher König (seit 1438) Albrecht II. (gest. 1439).
Diesem gebar seine Gemahlin, Kaiser Sigismunds
Tochter Elisabeth, den spätern König von Böhmen
und Ungarn, Ladislaus PostHumus, der 1457
kinderlos starb. - Leopold III., der jüngste Sohn
Albrechts II., hattcvierSöhne: Wilhelm (gest. 1406),
Leopold IV. (gest. 1411), Ernst (gest. 1424) und
Friedrich IV. mit der leeren Tasche (gest. 1439).
Von diesen anfangs gemeinschaftlich regierenden
Brüdern starben Wilhelm und Leopold unbeerbt.
Ernst und Friedrich teilten die Länder der Leopol-
dinischen Linie uuter sich, sodaß Ernst über Steier-
mark, Kärnten und Kram, Friedrich über Tirol und
die Hausgüter im Elsaß, Hclvetien und Schwabeu
regierte. Friedrichs Sohn Sigismund starb l 496 ohne
Nachkommen. Ernsts Söhne waren: der deutsche
Kaiser Friedrich lll. (als Erzherzog von Österreich
Friedrich V., gest. l 493) und Albrecht VI. (gest. 1463).
Friedrich vereinigte nach Ladislaus PostHumus' Tod
Meder, nach Albrechts VI. Ableben auch Oberöster-
reich wieder mit seinen Ländern, und da der kinder-
lose sigismund 1490 Tirol und Vorderösterreich
an Friedrichs Sohn Maximilian l. abtrat, waren
alle Habsburg. Besitzungen wieder in einer Hand
beisammen. Maximilian I., deutscher Kaiser seit
1493, brachte durch Heirat mit Maria vou Bur-
gund (l477) die reiche burgnnd. Erbschaft au sein
Haus. Er starb 1519. - Sein Sohn Philipp der
schöne gewann seinem Hause durch Heirat mit
Johanna der Wahnsinnigen Spanien und starb
1506. Doch trat uun eiue Teilung der Familie und
der Hausbesitzungen ein, indem Philipps ältester
Sohn als Karl I. Spanien und Burgund erhielt und
1519 als Karl V. deutscher Kaiser ward, während
Ferdinand I., der zweite Sohn Philipps, die österr.-
deutschen Länder bekam, denen er durch seine Heirat
mit Anna (1521), der Schwester Lndwigs II., des
letzten Königs von Ungarn und Böhmen aus dem
Hause der Jagellonen (gest. 1526 in der Schlacht
bei Mohacs), noch diese Königreiche, nebst Mäh-
ren, Schlesien und der Lausitz hinzufügte. DieSpa -
nischoLinie setzte Karls V. Sohn Philipp II. (gest.
1598) fort, dessen ältester Sohn Don Carlos schon
1568 vor ibm starb, während Philipp III. (gest.
1621) sein Nachfolger wurde. Diesem folgte sein
(^ohn Philipp IV. (gest. 1665), mit dessen Sohn
Karl II. 1700 die Spanische Linie ausstarb. Die
Deutsche Linie der Habsburger erlosch 1740 mit
Karl VI., doch wurde sie durch die Linie Habs-
durg-Loth ringen (s. unten) fortgesetzt. - Ferdi-
nand I., der Bruder Kaiser Karls V., wurde 1556
deutscher Kaiser und hatte 15 Kinder, darunter
Maximilian II., 1564 deutscher Kaiser (gest. 1576);
Ferdinand, Regent von Tirol und Vorderösterreich
(gest. 1595), dessen Söhne von Philippine Welser
als unebenbürtig von der Nachfolge ausgeschlossen
waren; Karl, Regent voll Steiermark, Kä'rnten,
Kram und Görz (gest. 1590). Maximilian II.
hatte fünf Söhne: Rudolf II., Kaiser (gest. 1612);
Erust (gest. 1595); Mathias, Kaiser (gest. 1619);
Max, Deutschmeister (gest. 16l8) und Albrecht (gest.
1621), von denen keiner männliche Nachkommen
hinterließ. Karls von Steiermark (gest. 1590) Söhne
waren Leopold, der die jüngere Habsburg.-tirol.
Linie begründete, die 1665 erlosch, und Kaiser
Ferdinand II. (gest. 1637), der alle österr. Länder
wieder vereinigte. Sein Sohn Ferdinand III., Kaiser
seit 1637, hatte sechs Söhne, darunter: Ferdinand
Franz (gest. 1654) und Leopold I., Kaiser seit 1658.
Letztern überlebten zwei Söhne: Joseph I., Kaiser
seit 1705, und Karl VI., Kaiser seit 1711, der bei
der Teilung der span. Monarchie im Frieden zu
Rastatt die Niederlande, Neapel, Sicilien und Mai-
land erhielt und mit dem 1740 der Mannsstamm
des Hauses H. ansstarb.
Karl VI. hinterließ traft der Pragmatischen Sank-
tion (s. d.) seine Staaten seiner ältesten Tochter
Maria Theresia (gest. 1780), in der das Haus H.
durch ihre Verbindung mit dem Herzog Franz I.
Stephan (seit 1737 Großherzog von Toscana, seit
1745 deutscher Kaiser) aus dein Hause Lothringen
als Habs bürg-Loth ringen wieder aufblühte,
und die ihrem Erbe noch Galizien und die Buko-
wina hinzufügte. Sie gebar ihrem Gemahl 15 Kin-
der, von denen folgende von geschichtlicher Bedeu-
tung sind: i^. Joseph II. (gest. 1790), Kaiser seit
1765, dessen beide Töchter früh starben; d. Maria
Christine (gest. 1798), vermählt mit Albrecht von
Sachsen-Teschen, Statthalter in den Niederlanden;
c. Maria Amalie (gest. 1804), vermählt mit Ferdi-
nand von Parma; ä. Leopold II., Kaiser seit"i790
(gest. 1792); 6. Karoline Maria (gest. 1814), Ge-
mahlin des Königs Ferdinand IV. von Neapel;
f. Ferdinand, Herzog von Modena (gest. 1806),
wurde durch seine Vermählung mit Maria Bcatrice,
Tochter und Erbin Hercules'III., des letzten Her-
zogs von Modena aus dem Hause Este, Begrün-
der der Linie Ost erreich-Este oder Modena,
die mit seinem Enkel Franz V. 1859 ihren Thron
verlor und mit diesem 1875 im Mannsstamm aus-
starb; jetzt führt der Erzherzog Franz Ferdinand
den Namen Österreich-Este; 3. Marie Antoinette
(gest. 1793), Gemahlin Ludwigs XVI. von Frank-
reich; K. Maximilian, Erzbischof von Köln und Kur-
fürst, Bischof zu Münster, Hoch- und Deutschmeister
(gest. 1801). - Kaiser Leopold II. hinterließ eine
zahlreiche Familie. Zu nennen sind: 1) Maria The-
resia (gest. 1827), vermählt mit dem König Anton
von Sachsen; 2) Franz N., deutscher Kaiser 1792-
1806 (gest. 1835), der sich seit 1801 als Kaiser von
Asterreich Franz 1. nannte; 3) Ferdinand Il1.,Groß-
hcrzog von Toscana (gest. 1824), dessen Sohn Leo-
pold II. (gest. 1870) 1859 aus seinem Lande ver-
trieben wurde. Er hatte sechs Kinder, darunter
Ferdinand IV., Großherzog von Toscana; 4) Karl,
der, als Feldherr berühmt, 1847 starb und vier
! Söhne, darunter den Feldmarschall Erzherzog
! Albrecht (s. d., geb. 1817), und zwei Töchter hinter-
^ ließ; 5) Joseph, gest. 1847 als Palatin von Ungarn,
l der zwei Söhne und zweiTöchter hinterließ; 6) Marie
> Clementine (gest. 1801), vermählt mit Franz I. von
> Sicilien; 7) Johann, der 1848 deutscher Reichs-
verweser ward und 1859 starb; 8) Rainer, bis 1848
Vicekönig von Mailand, gest. 1853 mit Hinterlassung
von fünf Söhnen und einer Tochter; 9) Rudolf,