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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hafnarfjord - Haftpflichtgesetze
Kampfe gegen Timur siel, in seinen Gedichten ge-
priesen. Timur, der zum erstenmale 1388 in Schi-
ras war, soll den H. mit Auszeichnung behandelt
haben. Mehrfachen Einladungen an Fürstenhöfe,
so an den der Ilchaniden von Bagdad, an den des
ind. Fürsten Mahmud Schah Bahmani (1378-97),
zog H. den Aufenthalt in seiner Vaterstadt vor, wo
er 1389 starb. Erst nach seinem Tode wurden von
seinem Freunde Mohammed Gulandäm die Oden
und Elegien, an Zahl etwa 700, in einen "Diwan"
gesammelt, der viele Kommentatoren gefunden hat.
Gedruckt ward er zuerst in Indien (Kalkutta 1791),
wo er, besonders in jüngster Zeit, wie auch in Persien
in vielen vom Stein gedruckten Ausgaben erschienen
ist. Den Ausgaben von Konstantinopel (1810) und
Kairo (3 Bde., Vulak 1834) sind die türk. Schotten
des Sudi beigegeben. Diese ^cholien enthält auch
die große kritische Ausgabe von Herm. Brockhaus
(3 Bde., Lpz. 1854-61); einzelne Gedichte wurden
bereits 1771 in Wien herausgegeben; vollständig
übertragen wurde der "Diwan" vonHammer (2 Bde.,
Tüb. 1812-13, ein Werk, das Goethe zu Gedichten
desWestöstlichen Diwan anregte); den Text mit gegen-
überstehender metrischer Übersetzung gab Vincenz
von Rosenzweig heraus (3 Bde., Wien 1858-64);
ausgewählte Gbaselen hat Vodenstedt verdeutscht
u. d. T. "Der Sänger von Schiras. Hafisische Lie-
der" (Berl. 1877); ins Englische wurde H. mehrfach
übersetzt, unter anderm der ganze "Diwan" vonE.H.
Palmer (Lond. 1881) und eine Auswahl von Bicknell
(ebd. 1876, in prachtvoller Ausstattung). Den lyri-
schen Gedichten des H., in denen er mit Anmut und
Feuer Wein, Liebe und Genusi besingt, liegt nach
Ansicht der Perser oft ein mystischer Sinn zu Grunde,
den Schemi, Eururi u. a. zu erörtern sich bemüht
haben. Sein Grabmal bei Schiras wird noch gegen-
wärtig häufig von frommen Moslems besucht. -
Vgl. Vullers, Vitas p06tai lim perLicorum ex vau-
Iktsciiani iiigtoi'in. poetai-um excerpwe, Heft 1
(Gießen 1839).
Hafnarfjord, Ort auf Island (s. d.).
Hafner, s. Hafen (S. 631 d).
Hafner, Philipp, der Vater der Wiener Lokal-
posse, geb. 1731 zu Wien, war Assessor beim Wiener
Stadtgericht und starb bereits 1764. Er lenkte die
bis dahin wesentlich extemporierende Voltskomödie
in regelmäßigere Bahnen. Seine erfolgreichsten
stücke waren: "Megära, die fürchterliche Hexe, oder
das bezauberte Schloß des Herrn von Einhorn"
(1764 erschienen) und "Evatathel und Schenk".
Mehrere seiner Possen bearbeitete Perinet zu Sing-
stücken, wie "Die Schwestern von Prag", "Das
Sonntagskind" u. s. w. Seine gesammelten Schrif-
ten gab Sonnleithner (Wien 1872) heraus.
^ Hafnereck, Gipfel der Ankogelgruppe in den
Hohen Tauern (s. Ostalpen), an der Grenze von
Salzburg und Kärnten, liegt an einem südöstl! Qucr-
kamm der Tauern und erhebt sich zu 3061 in Höhe.
^cine kleinen Gletscher sind die östlichsten der Gneis-
alpen. Das H. wird aus dem Maltathale, seltener
aus dem Lieserthale bestiegen.
Hafnererz, soviel wie Glasurerz, s. Glasur.
Hafnerzell, bayr. Marktflecken, s. Obernzell.
ÜNlniÄ., lat. Name für Kopenhagen.
Hafren, Oberlauf des ^evern (s.V).
Haft, s. Haftstrafe und Untersuchungshaft.
Haftara, s. Haphtara.
Haftbefehl. Außer zurHerbeiführungderUnter-
suchungshaft (s. d.) kennt die Deutsche Strafprozeß-
ordnung den richterlichen H., um den während deA
Vorverfahrens auf freiem Fuße gelassenen Angeklag-
ten zum Erscheinen in der Hauptverhandlung (s. d.)
zu zwingen (§§. 229, 235), und den H. behufs Voll-
streckung einer Freiheitsstrafe. Diefer wird von der
Staatsanwaltschaft oder dem mit der Strafvoll-
streckung betrauten Amtsrichter erlassen, wenn der
Verurteilte sich auf Ladung zum Straf antritt nicht
stellt oder der Flucht verdächtig ist (§. 489). (S..
Steckbrief.)
Hafte oder Ephemeren, s. Eintagsstiegen.
Haftgeld oder Haftpfcnnig, Geld oder eine
^ache, welche als Arrha (s. d.) gegeben wurde, so-
daß erst mit dieser Hingabe im ältern Deutschen
Recht der Vertrag gültig wurde; bisweilen wurde
es an die Kirche gegeben (s. Gottespfennig). In
der Schweiz bezeichnet H. im Gegensatz zu Reugeld
das Draufgeld, welches dem Empfänger im Zwei-
fel ohne Abzug von seinem Anspruch verbleibt^
ohne daß er sich durch dessen Innelassung von sei-
ner Schuld lösen kann.
Haftkiefer oder Plektognathen (^lecto^nH-
tlii), eine sonderbare, durch abenteuerlich plumpe
Form ausgezeichnete, nicht allzu zahlreiche Unter-
ordnung der Knochenfische, bei denen der Ober^und
Zwischenkiefer untereinander und mit dem Schä-
del unbeweglich verbunden sind. Dadurch entsteht
eine schmale, scharf umrandete, oft papageischnabel-
artig vorgezogene Schnauze, die bisweilen durch ihren
Schmelzüberzug ein außerordentlich kräftiges Gebiß
darstellt. Die Flossen der H. bleiben klein und er-
höhen den Eindruck der Plumpheit. Durch die eigen-
tümliche, aus starken, oft stachelbewehrten Knochen-
platten bestehende Hautbedeckung erinnern sie an
die Schmelzschupper. Sie bewohnen meist tropische
Meere, nur wenige gehen ins Sühwasser. Vermöge
des starken Gebisses, das bald bezahnt, bald (bei
den Nacktzähnern oder Gymnodonten) zahnlos, aber
durch träftigen Schmelzüberzug über die Kiefern
gebildet ist, zermalmen sie Krebse, Konchylien, Ko-
rallenstücke und derartige harte Tiere, die ihnen zur
Nahrung dienen. Das Fleisch, namentlich aber die
Leber vieler Arten ist für den Menschen tödlich-
giftig. Zu ihnen gehören der Kofferfisch, der
Igelfisch, die Hornfische (s. d.), die größte Art
ist der Mondfisch (s. d.).
Haftpfennig, s. Haftgeld.
Haftpflicht, die vermögensrechtliche Haftung,,
besonders für Handlungen oder aus Verschulden
anderer, von dem Verpflichteten zu vertretender
Personen oder für Verletzungen durch dessen Tiere
oder Sachen. Im engern Sinn wird damit die Haf-
tung der Vetriebsunternehmer von Eisenbahnen,
Dampfschiffen, Fabriken, Bergwerken, Gewerben
für den durch Unfälle, die beim Betriebe erlitten
sind, verursachten Schaden bezeichnet. Die H. ist
beschränkt durch die Gesetze über die Arbeiterver-
sichcrung. iS. Haftpflichtgesetze.)
Haftpflicht der Post, s. Ersatzleistung für Post^
sendungen und Postgesetz.
Haftpflichtgesetze, Gesetze,welchedieHaftpsticht
(s. d.) im engern Sinne regeln. So das Deutsche
Reichsgesetz vom 7. Juni 1871, das Osterreichische
Haftpflichtgefetz für die Eisenbahnen vom 5. März
1869, das ^ckweizer Bundesgesetz, betreffend die
Haftpflicht aus Fabrikbetrieb vom 25. Juni 1881,
das Gesetz vom 26. April 1887, betreffend die Aus-
dehnung der Haftpflicht, das Gesetz vom 1. Juli.
1875, betreffend die Haftpfiick>t der Eisenbahn- und