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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamburg
Zeit um 152000 E., St. Georg und St. Pauli um
fast 42 000 zugenommen haben; durch die dichte
Bebauung und die Errichtung hoher Etagenhäuser
verlieren die Vororte immer mehr den ländlichen
Charakter, durch den sich die meisten vordem aus-
zeichneten. Zahlreiche Villen wie auch einfachere
Familienhäuser finden sich noch in den Vororten
Äotherdaum, Harvestchude, Uhlenhorst, Hohenfclde,
Eilbeck, Hamm und Horn. Der geschäftliche Mittel-
punkt der Stadt ist die Börse und deren Nachbar-
schaft, insbesondere die Straßen Neuerwall, Alter-
wall und Vurstah; die Comptoire des Großhandels
und der Reederei sind eil sich hauptsächlich in der
Altstadt, in den dem Hafen benachbarten Straßen.
Die breiteste Straße der innern Stadt ist nächst der
Esplanade (48 m) der Rödingsmarkt geworden
(33 ni), nach Zuschüttung des vordem in seiner
Mitte fließenden Fleets.
Denkmäler. Die Denkmäler stammen fast
sämtlich aus den letzten Jahrzehnten. Erwähnens-
wert sind: das Schillerdenkmal aus Bronze (1866)
in den Anlagen gegenüber der Kunsthalle; das 1877
errichtete Kriegerdenkmal zur Erinnerung an 1870
-71, eine Bronzegruppe von I. Schilling, am An-
fange der Esplanade; das Lessingdenkmal vonScha-
per, gleichfalls aus Bronze (1881) auf dem Gänse-
markt. Das aus Staatsmitteln herzustellende Denk-
mal für Kaiser Wilhelm I. soll seinen Platz auf der
Reesendammbrücke oder auf dem Nathausmarkt
erhalten. Weitere Denkmäler sind errichtet: dem
Nationalokonomen Busch, dem Reformator Bugen-
bagen (1885), dem Gründer sowie dem Erweiterer der
Stadt Bischof Ansgar und Adolf III. von Schaucn-
bnrg, letztere beiden Denkmäler auf der Trostbrücke
(1883). Von den öffentlichen Brunnen sind ihres
künstlerischen Schmuckes halber der Hansabrunnen
(1878) auf dem Hanfapiatz und der Kaifer-Karl-
Brunnen (1890) auf dem Fischmarkt anzuführen.
Kirchen. Nach Abtragung (1805) des uralten
Doms sind die ältesten Kirchen die Katharinenkirche
(13. Jahrh.) mit Turm (1657) und die Iacobikirche
(14. Jahrh.) mit Turm (1580); die Michaeliskirche
wurde 1750 durch den Blitz zerstört und danach von
Eonnin wieder aufgebaut; sie ist ein eigenartiger
Ccntralbau ohne Säulen, ihre Krypta birgt 300
Gräber, darunter das des Erbauers. Von den fünf
Hauptkirchen wurden die Petrikirche (12. Jahrh.)
und die Nikolaikirche (12. Jahrh.) 1842 durch Brand
zerstört. Erstere ist in der alten Form wieder auf-
gebaut ider Turm ist erst 1878 vollendet), die neue
Nikolaikirche, ein got. Bau mit Turm (147 m), 1846
- 63 von Scott errichtet, hat eine große Orgel
und ein Glockenspiel, welches gleich dem der Petri-
kirche wöchentlich zweimal spielt. In den Vororten
entstanden 1880-86 fünf neue Kirchen.
Weltliche Bauten. Das bedeutendste Gebäude
ist das im Bau begriffene Rathaus in deutscher
Renaissance; dasselbe erhält eine Sandsteinfacade
und einen Turm (100 m) und kostet über 9 Mill.'M.
Mit der Rückseite stößt es an die Börse am Adolfs-
platz. Letztere ist 1839-41 erbaut (745000 M.),
1880-84 erweitert (875000 M.), 1893 durch eine
Sandsteinfacade (323300 M.) verschönert und ent-
hält drei große Säle, die Bureaus und Vibliotbek
der Handelskammer, Ausstellungsräume für Ep
portmusterlager, Lesezimmer der Aktiengesellschaft
Vörsenhalle u. s. w. linter den verschiedenen Ge-
bäuden, welche staatlichen Verwaltungsbehörden
dienen, ragt das von der Polizeibehörde benutzte
Stadthaus am Neuenwall hervor; der ältere Teil
(1717), ursprünglich ein Palais und später Woh-
nung des deutschen Gesandten, ist 1889-91 durch
einen großartigen Anbau erweitert (Kosten 1622000
M.). An der Ringstraße ist 1891-93 ein schönes
Verwaltungsgebäude für die Generalzolldirektion
errichtet worden (900000 M.). Das vordemHolsten-
thore belegene umfangreiche StrafjustiMbäude in
deutscher Renaissance mit großem Untersuchungs-
gefängnis ist 1879-82 erbaut und 1893 erweitert;
im Norden der Stadt, beim Dorfe Fuhlsbüttel, liegt
das Centralgefängnis, 1876-79 erbaut, für 760
Gefangene, unweit davon die Korrektionsanstalt
für 800 Personen. Nennenswert sind ferner die vom
Reiche1879-81 errichtete Deutfche Seewarte (s. See-
warte) am Elbufer, das Hauptpostgebäude am Wall
beim Dammthor, 1883-86 erbaut (2 080000 M.).
Von privaten Gebäuden zeichnen sich nur wenige
durch eine reichere Architektur aus, so das am alten
Iungfcrnstieg belegene Aktienhotel Hamburger Hof
und Ludwigs Konzerthaus in St. Pauli. Einen
großartigen Anblick gewähren die im Freihafen-
gebiet von einer Aktiengesellschaft errichteten fünf-
bis sechsstöckigen Speicher. Die zahlreichen Villen
und Wohnhäuser der reichen Kaufleute und Reeder
haben bei ihrem einfachen Äußern meist eine reiche
und künstlerische innere Ausstattung.
Verwaltung. Das städtische Gebiet wird durch
die Staatsbehörden verwaltet (s. oben). Die für
berg und Dr. Versmann. Das Gehalt der jurist.
Senatoren beträgt 25000 M., der kaufmännischen
12000 M., die beiden Bürgermeister erhalten Zu-
lagen von 5000 bez. 3000 M. Die Leitung der Poli-
zei des städtischen Gebietes geschieht durch einen
Senator (Polizeiherrn); dieselbe besteht aus 2100
Beamten, davon kommen 1770 auf den Sicherheits-
dienst, einschließlich 150 Mann Hafenpolizei. Die
Feuerwehr setzt sich zusammen aus 1 Branddirektor,
5 Offizieren und 300 Mannschaften; es bestehen
8 Feuerwachen, 181 Feuermelder, 11 Dampf- und
12 Schiffsdampfspritzen und 5062 Wasserposten.
Die Wasserkunst im Billwärder Ausschlag liefert
filtriertes Elbwasser, das in einer ausgedehnten
Sandfilteranlage(1893beendet, Kosten 9Mill.M.)
gereinigt wird. 1891 wurden 46 905322 odm Wasser
verbraucht (täglich 220 1 auf den Kopf). Die Siel-
systeme (bis 3 m Durchmesser) der Kanalisation sind
321 km lang, anf eine Länge von 3 kni mit Kähnen
zu befahren und münden noch innerhalb der Stadt
in die Elbe. Die beiden großen und das kleine
städtische Gaswerk (ein drittes großes ist im Bau
begriffen) erzeugten (1892) 42 501876 cdm Gas für
24047 Straßenlaternen, 337300 Privatflammen
uud 375 Gasmotoren (1316 Pferdestärken); das
Leitungsnetz ist 411,7 km lang. Die elektrische Be-
leuchtung wird durch eine größere Anzahl privater
Anlagen und durch die staatlichen Elektricitäts-
werke, deren Betrieb verpachtet ist, unterhalten;
Anfang 1890 bestanden im ganzen 159 elektrische
Beleuchtungsanlagen mit 32800 Glühlampen und
750 Bogenlampen, von letztern 82 für Straßen-
beleuchtung. Nber die Finanzen s. oben (S. 699a).
Behörden. H. ist Sitz sämtlicher Staatsbehör-
den, einer preuß. Gesandtschaft, des hanseatischen
Oberlandesgerichts mit drei Landgerichten (Bremen,
H., Lübeck), eines Landgerichts mit drei Amtsgerich-
ten (Bergcdorf, H., Ritzebüttcl), sechs Civil-, drei
Strafkammern und sechs Kammern für Handels-