Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

711
Hamburger Pflaster - Hamburg Südamerik. Dampfschiffahrtsgesellschaft
Hamburger Pflaster, s. Mutterpflaster.
Hamburger Rauchfleisch, gepökeltes und ge-
räuchertes Rindfleisch, wozu man die von den
Knochen und dem Fett befreiten großen Fleischstücke
aus der Keule verwendet. Das H. R. ist besonders
berühmt nicht bloß wegen der guten Methode des
Pökelns und Räucherns, sondern weil das dazu
verwendete Fleisch der Holstein. Marschochsen vor-
züglich saftig und schmackhaft ist.
Hamburger Thee, ein vielverwendeter Abführ-
thee, besteht aus 32 Teilen Sennesblättern, 8 Teilen
Koriander, 16 Teilen Manna und 1 Teil Weinstein.
Hamburgerweiß, s. Bleiweiß (Bd. 3, S. 122 a).
Hamburgische Baugewerks-Berufsgenos-
seuschaft, s. Vaugewerks-Berufsgenossenschaften.
Hamburgische Börsen-Halle, in Hamburg
zweimal täglich erscheinende Zeitung, deren Kaupt-
aufgabe die Vertretung aller Interessen des Han-
dels, des Verkehrs, der Schiffahrt sowie der all-
gemeinen Volkswirtschaft bildet. Verlag: Aktien-
gesellschaft Neue Börsen-Halle in Hamburg; Re-
dacteur: Rud. Singer. Die Zeitung wurde von
Gerhard von Hosstrup (geb. 1771, gest. 1851), der
1803 in Hamburg das dem Börsenverkehr und kauf-
männischen Nachrichtendienst dienende Institut der
"'Börsen-Halle" errichtet hatte, 1805 begründet. Sie
kam zweimal wöchentlich heraus und enthielt an-
fangs nur Mitteilungen über Handel und Schiff-
fahrt. 1811 wurde sie von dem franz. Komman-
danten Hamburgs unterdrückt und erschien erst drei
Jahre später wieder und zwar seit 1819 sechsmal
wöchentlich. 1869 ging mit dem Besitz der Börsen-
Halle auch die Zeitung von der Firma "G. von
Hosstrup & Sohn" auf die neugebildete Aktien-
gesellschaft "Neue Börfen-Halle" über.
Hamburgifche Landwirtschaftliche Be-
rufsgeuossenschaft, s. Landwirtschaftliche Be-
rufsgenossenschaften.
Hamburgischer Eorrespondent,dreimaltäg
lich in Hamburg erscheinende liberale Zeitung, im
Besitz der Aktiengesellschaft "Neue Börsen-Halle" in
Hamburg. Leiter des Blattes ist der Direktor der
"Neuen Börsen-Halle", Franz Rosatzin. Als beson-
dere Beilagen erscheinen allwöchentlich die "Zeitung
für Litteratur, KunstundWissenschaft" und die"Land-
wirtschaftliche Zeitung". Vorläufer des Blattes war
die seit 1710oder1711vomBuchdruckerHerm.Heinr.
Holle in Schissbeck bei Hamburg zweimal wöchentlick
u. d. T. "Schiffbecker Posthorn", später "Aviso",
seit 1721 "Staats- und Gelehrte Zeitungen des
Hollsteinischen unpartheiischen Correspondenten"
herausgegebene Zeitung. 1731 ging sie in das
Eigentum des Buchdruckers Georg Christian Grund
in Hamburg über und hieß nun "Staats- und Ge-
lehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen
Correspondenten". Sie fand in der zweiten Hälfte
des vorigen Jahrhunderts wegen ihrer direkten
Nachrichten von allen bedeutendern Plätzen eine
für damalige Verhältnisse grohe Verbreitung und
war am Beginn des 19. Jahrh, das gelesenste Blatt
in (5'uropa; die Auflage stieg bis 1806 auf 30000
Exemplare. 1813 während der franz. Occupation bis
zum Abzug der Franzosen nach der Schlacht bei
Leipzig erschien der H. C. französisch und deutsch
als "^ourutll än D6pai-t6ni6Qt ä68 VcnielißZ äs
I'NId" oder Staats- und Gelehrte Zeitung des
Hamburgischen unpartheiischen Correfpondenten".
Seit 1830 kam die Zeitung täglich heraus. 1869
wurde sie von der Aktiengesellschaft "Neue Börsen-
Halle" erworben und erschien eine Zeit lang mit
der hinzugefügten Bezeichnung: "Morgenzeitung
der Börfen-Halle" (s. Hamburgische Börsen-Halle).
Unter der Leitung Julius von Eckardts (s. d.)
entwickelte sie sich zu einem polit. Organ in großem
Stil. 1881 wurde eine Mittags-, 1885 eine Abend-
ausgabe hinzugefügt. Seit 1852 ist die Zeitung
auch Amtsblatt für Hamburg.
Hamburg-Kalkutta-Linie, Dampfschiffahrts-
gesellschaft in Hamburg, Dez. 1888 für die direkte
Verbindung zwischen Deutschland und Ostindien
gegründet, besitzt fünf große Seedampfschiffe erster
Klasse mit zusammen 15687 Registertons, sodaß
jedes außer seinen Kohlenvorräten etwa 4800 Tons
Leicht- und Schwergut und eine beschränkte Anzahl
Passagiere befördern kann. Die Linie hat mit der
schlechten Lage des Frachtenmarktes und mit der
mächtigen engl. Konkurrenz zu kämpfen, hat aber
wesentlich zur Hebung des Handels zwischen Deutsch-
land und Ostindien beigetragen. Die Dampfer
gehen gewöhnlich einmal im Monat von Hamburg
via Sueskanal nach Bombay, Madras und Kalkutta
ab, berühren jedoch nach Bedarf auch andere Plätze.
Das Aktienkapital beträgt 4,5 Mill. M., von der
Prioritätsanleihe von 2 Mill. ist erst 1 Mill. M.
flüssig geworden, während jährlich 100000 M. ge-
tilgt werden.
Hamburg - Magdeburger Feuerversiche-
rungsgesellfchaft, s. Feuerversicherung (Bd. 6,
S. 752).
Hamburg-Pacific-Dampffchiffslinie, 1888
in Hamburg gegründet für die direkte Dampfer-
verbindung zwischen Deutschland und der Westküste
Süd- und Centralamerikas. Die Schiffe gehen
monatlich 2-3mal, berühren in der Regel Ant-
werpen, gelegentlich auch andere europ. Plätze und
laufen an der Westküste Amerikas alle Zauptplätze
bis Costa-Rica an. Am 1. Jan. 1893 bestand die
Flotte aus 11 Dampfschiffen erster Klasse mit
28000 t, ein neues (5000 t) war im Bau. Das
Aktienkapital beträgt 4 Mill. M. nebst einer
Prioritätsanleihe von 2 Mill. M., denen die 11
Dampfer mit einem Buchwert von 6344000 31t.
gegenüber standen. Infolge der polit. Wirren in
den amerik. Freistaaten hat die Linie, trotzdem die
schiffe für Frachtverkehr wie für eine beschränkte
Anzahl von Kajütenpassagieren vorzüglich eingerich-
tet sind, mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt.
Hamburg-Sildatnerikanifche Dampfschiff-
fahrtsgesellschaft, die zweitgrößte hamburgische
Dampfs'chiffslinie, wurde 1875 gegründet. Die
Dampser berühren die Haupthäfen Brasiliens, Per-
nambuco, Vahia, Rio de Janeiro und Santos, so-
wie die Häfen des La-Plata, Montevideo, Buenos-
Aires und Rosario; indes hat die Linie auch seit
1892 kleinere, stacher gehende Boote eingestellt, welche
die nur für Schiffe mit geringerm Tiefgang zu-
gänglichen Häfen von Südbrasilien, als Rio Grande
do Sul, Sao Francisco, Sta. Catharina u. a. be-
fahren. Die Linie ist Anfang 1893 im Besitz von
26 Seedampffchissen erster Klasse von zusammen
57000 t, zu denen alljährlich neue Boote hinzu-
kommen, wogegen ältere Schiffe verkauft oder in
Tausch gegeben werden. Die Dampfer haben nicht
nur vorzügliche Einrichtungen für die Beförderung
von Gütern, sondern auch zweckentsprechende Räume
für Passagiere erster, zweiter und dritter Klasse.
Namentlich werden die Dampfer dieser Linie viel-
fach benutzt von Kranken, die zur Kur nach Madeira