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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamiltonspitzen - Hamlet
fluß, der den Aswanipisee durchströmt. H. I. ist ein Hauptsitz der Robbenschlägerei und der Fischerei auf Heringe, Kabeljau und Makrelen.
Hamiltonspitzen (auch Schottische Spitzen), einfache Klöppelspitzen, die um die Mitte des 18. Jahrh. durch eine Lady Hamilton in Schottland in Aufnahme kamen.
Hämīn ist salzsaures Hämatin (s. d.) und bietet bei Teichmanns Blutprobe ein Mittel zur Untersuchung von Blutflecken (s. d.).
Hamitische Völker und Sprachen, Bezeichnung für eine Reihe von Völkern und Sprachen, die sich über den Norden und Nordosten Afrikas verbreiten und weder zu den Negern noch zu den später eingewanderten Semiten (Abessiniern und Arabern) gehören. Der Ausdruck "hamitisch" ist 1 Mose 10 entnommen, in der gleichen Weise wie der Ausdruck "semitisch" (s. Semitische Sprachen). Die Hamiten zählen insgesamt zur sog. mittelländischen Rasse, sind also leiblich mit den Semiten und Indogermanen verwandt. Nach den von ihnen gesprochenen Sprachen bilden die Hamiten eine linguistische Einheit untereinander und mit den semitischen zusammen eine höhere Einheit. Man redet mit Recht bereits von dem hamito-semit. Sprachstamm. Wahrscheinlich haben die hamit. Völker ehemals mit den Semiten zusammen in Vorderasien gewohnt und sind von da aus in das von Negerstämmen bewohnte nördl. Afrika eingewandert und zwar in grauester Vorzeit, wahrscheinlich lange vor Beginn des alten ägypt. Reichs; denn die Ägypter sind wahrscheinlich die letzten der eingewanderten Hamiten gewesen, da sie sich im äußersten Nordosten Afrikas, an der Schwelle Asiens, niedergelassen haben. Im ganzen sind die hamit. Sprachen zur Zeit noch wenig erforscht; bis vor nicht langer Zeit war fast nur das Ägyptische besser bekannt. Die seit mehrern Jahrhunderten verstummte, vom Arabischen völlig erdrückte Sprache des untern Nilthals ist aus mehrfachen Gründen der wichtigste Repräsentant der hamit. Sprachen, nicht zum wenigsten deshalb, weil man die ägypt. Sprache Jahrtausende zurückverfolgen kann. - Alle andern hamit. Sprachen kennt man dagegen erst aus weit neuerer Zeit, auch den zweiten Hauptzweig, den libyschen oder berberischen; denn die magern libyschen Inschriften aus dem Altertum, die erhalten sind (in einer besondern noch heute gebräuchlichen Schrift, Tisinagh genannt), genügen nicht, ein Bild von der alten Sprache der Libyer, Numidier, Gätuler zu geben. Die libyschen sprachen erstreckten sich von Ägypten nach Westen über die ganze Nordküste und die Sahara bis zu den Canarischen Inseln. Unter der Herrschaft der Araber in Nordafrika ist das Gebiet der libyschen sprachen zwar erheblich zurückgegangen, nimmt aber immerhin noch einen sehr beträchtlichen Raum ein. Auf den Canarischen Inseln erlosch die Sprache der Einwohner (Guanchen) nach der Entdeckung und Besitznahme der Inseln durch Europäer. Die Franzosen als Beherrscher Algeriens haben sich um die Kenntnisse der verschiedenen Zweige der libyschen Sprachen verdient gemacht. - Ein dritter Zweig der hamit. Völker wohnt in und rings um Abessinien, vielfach innig vermischt mit den später eingewanderten Semiten (Äthiopiern). Es gehören hierhin namentlich die Galla und Somal im Süden, die Bischarin im Norden Abessiniens, die Saho und Danakil (Afar) im Osten an der Küste und die verschiedenen Agaustämme zum Teil im Herzen von Abessinien. Die Sprachen dieser Völker sind zum größten Teil erst in den letzten Jahren bekannt geworden, meist durch die rastlosen Bemühungen von S. L. Reinisch in Wien. Auch die Haussa-Sprache hat man zu den libyschen gezählt. Um die Abgrenzung des Begriffs der H. V. u. S. hat sich besonders F. Müller verdient gemacht.
Vgl. folgende Werke von Reinisch: Die Bilin-Sprache (2 Bde., Lpz. 1883 u. 1887), ein kurzer grammatischer Vorläufer dieser Arbeit u. d. T.: Die Bilin-Sprache in Nordafrika (Wien 1882), Die Chamir-Sprache (2 Hefte, ebd. 1884), Die Afar-Sprache (3 Hefte, ebd. 1885-87), Die Quara-Sprache (2 Hefte, ebd. 1885), Die Saho-Sprache (in der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", Bd. 32), Die Saho-Sprache (2 Bde., Wien l889), ein Band Text mit Übersetzung; durch Reinisch gleichfalls veranlaßt ist Colizza, Lingua Afar (ebd. 1887). Außerdem sind hervorzuheben: Tutschek, Dictionary of the Galla-language (3 Tle., Münch. 1844-45; der 3. Tl. u. d. T.: A grammar of the Galla-language); Hanoteau, Essai de grammaire kabyle (Algier und Par. 1858); ders., Essai de grammaire de la langue tamachek (Par. 1860); ders., Poésies populaires de la Kabylie (ebd. 1867); Reise der österr. Fregatte Novara. Linguistischer Teil von Friedr. Müller (Wien 1867); Friedr. Müller, Allgemeine Ethnographie (2. Aufl., ebd. 1879); verschiedene Arbeiten von R. Basset im "Journal Asiatique" seit 1879; Almkvist, Die Bischari-Sprache (2 Bde., Upsala 1881 u. 1885).
Hamlet, ein sagenhafter dän. Prinz, in alten Chroniken und besonders bei Saxo Grammaticus erwähnt, durch Shakespeares tiefsinnige Tragödie allbekannt. Er soll 500 v. Chr. gelebt haben, nach einigen auf Seeland, wo man selbst noch den Bach zeigt, in den sich Ophelia gestürzt hat, nach andern in Jütland. Auch die Namen der in dieser Sage auftretenden Personen lauten sehr verschieden. Der Gang der Ereignisse ist ziemlich derselbe wie bei Shakespeare, doch der Schluß ein anderer. Der Sage nach vermählt sich H. mit der schott. Prinzessin Hermutrude, unterliegt aber als jütländ. Unterkönig dem Dänenkönige Viglet auf einer Heide in Jütland (später Hamletsheide genannt), worauf Hermutrude ihr Versprechen, mit H. jedes Schicksal, selbst den Tod zu teilen, bricht und sich mit Viglet vermählt. So etwa berichtet Saxo Grammaticus um 1200, dem Belleforest ("Histoires tragiques", zuerst 1559 u. ö.) folgte; dessen Fassung gab "The hystorie of Hamblett", Shakespeares Quelle, wieder. Dieser hat mit dem Stoffe, der schon vor ihm auf die engl. Bühne gebracht worden zu sein scheint, mit genialer Freiheit geschaltet, um eine Tragödie zu schaffen, die, allenfalls mit Ausnahme des roh skizzierten "Faustus" von Marlowe, zuerst philos. Fragen dramatisch behandelte. H. bildet bis auf den heutigen Tag neben Goethes "Faust" in höherm Maße als irgend ein anderes Stück den Gegenstand ästhetisch-kritischer Untersuchungen, mehr noch in Deutschland, wo das Drama seit Anfang des 17. Jahrh. aufgeführt wird, seit Schröder (1776) allgemeines Repertoirestück ist, als in England. - Vgl. Tschischwitz, Shakespeares H. im Verhältnis zur Gesamtbildung der Zeit Elisabeths (Halle 1867); ders., Shakespeare Forschungen ("Shakespeares Hamlet, vorzugsweise nach histor. Gesichtspunkten erläutert", ebd. 1868); Wer-^[folgende Seite]