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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hans mit dem Barte - Hanswurst
auf großen Bildungskreis, bedeutendes geschicht-
liches Wissen und scharfe Dialektik gestützte Stili-
stik nehmen seine Aufsätze auf dem Gebiete des
musikalifchen Feuilletons einen ersten Rang ein.
H. gehört zu den entschiedensten Gegnern der "Zu
kunftsmusik" von Richard Wagner. Unter seinen
größern ästhetischen Arbeiten sind zu nennen: "Vom
Musikalisch-Schönen. Ein Veitrag zur Revision der
Ästhetik der Tonkunst" (Lpz. 1854; 8. Aufl. 189l),
"Geschichte des Konzertwesens in Wien" (2 Bde.,
Wien 1869 - 70), "Die moderne Oper" (6 Tlc.,
Verl. 1875-92), "Suite, Aufsätze über Musik und
Musiker" (Tefchen 1885), "Konzerte, Komponisten
und Virtuosen der letzten 15 Jahre" (3. Aufl., ebd.
1887). 1893 veröffentlichte H. in der "Deutschen
Rundschau" "Erinnerungen aus meinem Leben".
Hans mit dem Barte, Maler, s. Vermeyen.
Hansom (engl., spr. hännsöm), s. Cab.
Hanffen, Georg, Nationalökonom, geb. 31. Mai
1809 zu Hamburg, studierte seit 1827 zu Heidel-
berg und Kiel die Rechte und die Kameralwifsen-
schaften und habilitierte sich Ostern 1833 zu Kiel
für polit. Ökonomie und Statistik. Herbst 1834
ward er als Kammerfekretär in der deutschen Ab-
teilung des General-Zoll- und Handelsdeparte-
ments in Kopenhagen angestellt und 1835 zum
Kammerrat befördert. Herbst 1837 kehrte er aber
als ord. Professor an die Universität nach Kiel
zurück. Ostern 1842 folgte H. einem Rufe an
die Universität Leipzig. Seit 1848 Professor der
Nationalökonomie zu Göttingen, wurde er hier
(1851) auch zum Vorsitzenden der neuerrichteten
Landwirtschaftlichen Akademie erwählt. Im Herbst
1860 ward er nach Berlin berufen und hierzugleich
zum Mitglied des Statistischen Bureau mit dem
Titel eines Geh. Regierungsrats ernannt. 1862
erfolgte seine Aufnahme in die Akademie der
Wissenschaften. 1869 ward er wiederum an die
Universität Göttingcn zurückberufen. Arbeiten H.s
finden sich in Zeitschriften, hauptfächlich in Falcks
"Neuem staatsbürgerlichen Magazin", in dem
"Archiv der polit. Ökonomie", das er in der neuen
Folge mit Rau gemeinschaftlich herausgab, in der
Tübinger "Zeitschrift für die gefamte Staatswissen-
fchaft" und im "Journal für Landwirtschaft". Von
H.s besonders erschienenen Schriften sind hervor-
zuheben: "Histor.-statist. Darstellung der Insel Feh-
marn" (Altona 1832), "Statist. Forschungen über
das Herzogtum Schleswig" (Heft 1, Heidelb. 1832;
Heft 2, Altona 1833), "Das Amt Vordesholm"
(Kiel 1842), "Die Aufhebung der Leibeigenschaft
und die Umgestaltung der gutsherrlich-bäuerlichen
Verhältnisse überhauptin den Herzogtümern Schles-
wig-Holstein" (Petersb. 1861), eine gekrönte Preis-
schrist. Mit einer Abhandlung über "Die Gehöfer-
schasten im Regierungsbezirk Trier" (Berl. 1863)
begann er eine Reihe einzeln publizierter agrar-
histor. Untersuchungen, welche schließlich zusammen-
gefaßt u. d. T. "Agrarhistor. Abhandlungen" (2 Bde.,
Lpz. 1880 u. 1884) erschienen sind.
Httnst., bei botan. Bezeichnungen Abkürzung
für Johs. von Hanstein (s. d.).
Hansteen, Christopher, Astronom und Physiker,
geb. 26. Sept. 1784 zu Kristiania, studierte zu
Kopenhagen Mathematik. Zuerst als Lehrer an der
gelehrten Schule zu Frederiksborg auf Seeland an-
gestellt, erhielt er infolge einer preisgekrönten
Schrift über den Erdmagnetismus 1814 ein Lektorat
und 1816 eine Professur an der Universität zu Kri-
stiania. 1821 entdeckte er zuerst eine tägliche re-
guläre Variation der horizontalen magnetischen
Intensität. Nachdem er 1828- -30 mit Erman (s. d.)
auf Staatskosten Sibirien bereist hatte, bewilligte
1833 das Storthing die Mittel zur Erbauung einer
Sternwarte in Kristiania, in deren Park 1839 auch
ein magnetisches Observatorium errichtet wurde.
Seit 1837 stand H. auch der rafch vorschreitenden
trigonometr. Vermessung Norwegens allein vor.
Seit 1861 emeritiert, starb H. 15. April 1873 zu
Kristiania. Großes Auffehen,besonders in England,
machten feine "Untersuchungen über den Magnetis-
mus der Erde" (Bd. 1, Krist. 1819, mit Atlas).
Ferner veröffentlichte er "Reiseerinnerungen aus
Sibirien" (deutfch von Sebald, Lpz. 1854), "Resul-
tate magnetischer, astron. und Meteorolog. Beobach-
tungen auf einer Reife nach Sibirien" (Krist. 1863,
mit Karten u. s. w.), "Meteorolog. Beobachtungen,
1837-63" (ebd. 1862-65), "Vorlesungen über
Astronomie", "Lehrbuch der Geometrie" (ebd. 1835),
"Lehrbuch der Mechanik" (2 Bde., ebd. 1836-38).
Das von ihm mit Maschmann und Lundh 1823
begonnene "Magazin for Naturvidenskabcrne" ent-
hält viele seiner Abhandlungen.
Hanstein, Johs. von, Botaniker, geb. 15. Mai
1822 zu Potsdam, bildete sich als Gärtner aus,
besuchte die Gärtnerlehranstalt zu Potsdam und
studierte in Berlin Naturwissenschaften. Er habili-
tierte sich daselbst 1855, wurde 1861 zum Kustos
am königl. Herbarium ernannt und 1865 als ord.
Professor der Botanik und Direktor des Botanischen
Gartens nach Bonn berufen. Er starb 27. Aug. 1880.
H. schrieb: "Untersuchungen über den Bau und die
Entwicklung der Baumrinde" (Berl. 1853), "Über
den Zusammenhang der Blattstellung mit dem Bau
des dikotvlen Holzringes" (ebd. 1858), "Versuche
über die Leitung des Saftes durch die Rinde" (ebd.
1860), "Zur Entwicklungsgeschichte der Gattung
N^ilia" (2 Bde., ebd. 1862-64), "Die Milchsaft-
gefäße und die verwandten Organe der Rinde"
(ebd. 1864), "Befruchtung und Entwicklung der Gat-
tung N^ilia" (ebd. 1865). Von 1870 an gab
H. "Botan. Abhandlungen aus dem Gebiete der
Morphologie und Physiologie" im Vere'm mit an-
dern Botanikern heraus, die in Bonn erschienen
und in denen folgende wichtige Arbeiten von ihm
veröffentlicht wurden: "Die Entwicklung des Keims
der Monokotylen und Dikotylen" (1870), "Die Par-
thenogcnesis der <ÜH6i6d(iF^ii6 ilicifolia" (1877) und
eine nachgelassene Abhandlung: "Einige Züge aus
der Biologie des Protoplasmas" (1880).
Han-sur-Lesse (spr. ang ßür less'), in der belg.
Provinz Namur, f. Lesse.
Hanswurst, Benennung eines ehemals ständi-
gen grotesk-komischen Charakters der deutschen
Bühne. Die älteste bekannte Erwähnung des H.
kommt in der Aorm "Hans Worst" in einer
niederdeutschen Übersetzung von Sebastian Brants
"Narrenschiff" (Rostock 1519) vor; im Original steht
dafür "Hans Mist". Luther braucht den Ausdruck
H. erstmals in der "Vermahnung an die Geist-
lichen" (1530) und dann in der geyen den Herzog
von Braunschweig-Wolfenbüttel gerichteten Schrift
"Wider H." vom 1.1541. Der H. blieb jahrhunderte-
lang ein Liebling des schaulustigen deutschen Volks
und sprach anfangs wohl bloh aus dem Stegreif.
Die Figur meinte ursprünglich einen dummschlauen
Bauern, wie sie in den Fastnachtspielen des 15. und
16. Jahrh, reichlich auftraten. In Georg Rolls