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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Harmosten; Harmotom; Harms

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Harmosten - Harms (Ludwig)

Register kommen aber bei größern Instrumenten noch eine 16- und 4-Fußoktave hinzu, wobei die tiefen Töne durch Beschwerung der Zungen mit Bleigewichten ermöglicht werden. Die zwei Blasbälge werden vom Spieler selbst mit den Füßen regiert, und der stärkere Druck des Fußes erzeugt ein Crescendo des Tons. Die Fülle des orgelartigen Klanges ist im Verhältnis zur Kleinheit des Instruments sehr bedeutend, doch trägt der Ton weniger in die Ferne, und die Stimmung ist sehr wandelbar. Um die Intonation der Zungen präciser und rascher zu machen, verbindet man mit dem Windmechanismus häufig noch ein Hammerwerk. Vermöge dessen schlägt beim Niederdruck der Taste der Hammer sanft an die Zunge, diese schon etwas in Schwingung setzend und dem Winde die Arbeit erleichternd. Das H. eignet sich mehr zum mäßig bewegten, gebundenen Vortrag als zu schnellen Sätzen. Harmoniumschulen schrieben Sachs (1878), Mettenleiter (2 Tle., 1881-82) u. a.

Harmosten hießen zuerst die Vögte in Lakonien, durch welche die dor. Herren ihre Unterthanen (die Periöken) regierten. Bekannter sind namentlich die seit Lysanders Zeit, gegen Ende des Peloponnesischen Krieges, auftretenden H.; es sind die über ganz Griechenland diesseit und jenseit des Ägäischen Meers verbreiteten spartan. Residenten, welche alle den Athenern entrissenen Orte überwachten und namentlich (in der Regel mit Hilfe einer lacedämonischen Besatzung) der ihnen verbündeten Oligarchie die Hand zur Unterdrückung der Demokratie boten. Diese durch den Übermut und die Willkür der H. bald allgemein verhaßte Einrichtung fand erst mit dem Zusammenbruch der spartan. Hegemonie (371 v. Chr.) ein Ende; nachher nahmen sie die Thebaner in ihrem Interesse für einige Jahre wieder auf.

Harmotom oder Barytkreuzstein, zu den Zeolithen (s. d.) gehöriges, mit Phillipsit und Desmin isomorphes Mineral, krystallisiert in anscheinend rhombischen Formen, die indessen auf eine Zwillingsverwachsung monokliner Individuen zurückzuführen sind, auch in Doppelzwillingen (s. beistehende Abbildung) und in rechtwinklig gekreuzten Doppelzwillingen. Die Härte ist 4,5, das spec. Gewicht 2,44 bis 2,5; er ist farblos, meist aber weiß oder gelblichweiß, glasglänzend, wenig durchscheinend. Chemisch besteht er aus 46 Proz. Kieselsäure, 16 Thonerde, 20 Baryt, 3 Kali, 15 Wasser. Salzsäure zersetzt ihn vollkommen. Er findet sich namentlich auf Erzgängen zu Andreasberg, Kongsberg in Norwegen, Strontian in Schottland, auch seltener in Melaphyrmandelsteinen und Basalten.

^[Abb.]

Harms, Friedrich, philos. Schriftsteller, geb. 24. Okt. 1819 zu Kiel, studierte Naturwissenschaften und Philosophie zu Kiel und Berlin, habilitierte sich 1842 zu Kiel für die philos. Disciplinen, wurde 1848 außerord., 1858 ord. Professor daselbst und folgte 1867 einem Rufe an die Universität zu Berlin, wo er 1873 Mitglied der Akademie der Wissenschaften wurde. Er starb 5. April 1880 in Berlin. H. schrieb: "Der Anthropologismus in der Entwicklung der Philosophie seit Kant" (Lpz. 1845), "Prolegomena zur Philosophie" (Braunschw. 1852), "Die Philosophie Fichtes" (Kiel 1862), "Abhandlungen zur systematischen Philosophie" (Berl. 1868), "Zur Erinnerung an Hegels 100jährigen Geburtstag" (ebd. 1871), "A. Schopenhauers Philosophie" (ebd. 1874), "Über den Begriff der Psychologie" (ebd. 1874), "Die Reform der Logik" (ebd. 1874), "Die Philosophie seit Kant" (ebd. 1876), "über den Begriff der Wahrheit" (ebd. 1876), "Psychologie, Logik und Ethik" (ebd. 1877), "Die Formen der Ethik" (ebd. 1878), "Die Philosophie in ihrer Geschichte" (Tl. 1 u. 2, ebd. 1878-81), "Metaphysik" (hg. von H. Wiese, Bresl. 1885), "Logik" (hg. von demselben, Lpz. 1886), "Ethik" (hg. von demselben, ebd. 1889), "Begriff, Formen und Grundlegung der Rechtsphilosophie" (ebd. 1889).

Harms, Klaus, evang. Theolog, geb. 25. Mai 1778 zu Fahrstedt im Süderdithmarschen, bezog, nachdem er bis dahin in dem Geschäft seines Vaters, eines Müllers, gearbeitet, 1797 das Gymnasium zu Meldorf und bereits 1799 die Universität Kiel. Er wurde 1802 Hauslehrer in Propsteierhagen, 1806 Diakonus zu Lundon im Norderdithmarschen, 1816 Archidiakonus an der Nikolaikirche in Kiel, 1835 Hauptpastor und Propst daselbst und 1841 Oberkonsistorialrat; nachdem er 1849 seine Ämter wegen Erblindung niedergelegt hatte, starb er 1. Febr. 1855 zu Kiel. H. ist besonders bekannt durch den sog. Harmsschen Thesenstreit. Die Jubelfeier der Reformation 1817 veranlaßte ihn zur Veröffentlichung der Schrift: "Das sind die 95 Theses oder Streitsätze Luthers teuren Angedenkens, zum besondern Abdruck besorgt und mit andern 95 Thesen als mit einer Übersetzung aus 1517 in 1817 begleitet" (Kiel 1817; neu herausgegeben in der "Bibliothek theol. Klassiker", Bd. 7, Gotha 1888), die in kerniger, volkstümlicher Weise gegen den Rationalismus wie gegen die Union und für die luth. Kirchenlehre eintrat. In dem dadurch hervorgerufenen Streit erschienen etwa 200 Schriften für und wider H., die wichtigsten von Christoph Friedr. Ammon (s. d.) für, von Schleiermacher gegen ihn; er selbst verteidigte sich in mehrern Entgegnungen, besonders den "Briefen zur nähern Verständigung über verschiedene, meine Thesen betreffende Punkte" (Kiel 1818). Von seinen erbaulichen Schriften seien genannt: "Winterpostille" (Kiel 1808), "Sommerpostille" (ebd. 1811; beide in 6. Aufl., Lpz. 1871), "Christologische Predigten" (Schlesw. 1821), "Neue Winterpostille" (Altona 1824), "Neue Sommerpostille" (ebd. 1827), "Des Christen Glauben und Leben in 28 Predigten" (Hamb. 1869; aus seinem Nachlaß); ferner schrieb er ein treffliches Volkslesebuch: "Gnomon" (Kiel 1842; 3. Aufl. 1854), die "Pastoraltheologie in Reden an Theologie Studierende" (ebd. 1830; 3. Aufl. 1878; neu in der "Bibliothek theol. Klassiker", Bd. 5 u. 6, Gotha 1888) und seine "Lebensbeschreibung" (Kiel 1851; neu in der "Bibliothek theol. Klassiker", Bd. 7, Gotha 1888). - Vgl. Kaftan, Klaus H. (Bas. 1875); Lüdemann, Erinnerung an Klaus H. und seine Zeit (Kiel 1878).

Harms, Ludwig, luth. Theolog, geb. 5. Mai 1808 zu Walsrode im Lüneburgischen, studierte in Göttingen, war dann abwechselnd Hauslehrer und Gehilfe bei seinem Vater, dem er 1849 im Amte eines Predigers zu Hermannsburg folgte. Hier begründete er 1849 eine in streng konfessionellem Geiste geleitete Missionsanstalt. H. starb 14. Nov. 1865. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Evan-^[folgende Seite]