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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Harzgeist - Harzsäuren

Die physiol. Bedeutung der H. ist nicht bekannt. Man weiß hier ebensowenig wie über die Gummigänge (s. d.); daß die Harze dazu dienen, bei Verwundungen einen schnellen Verschluß der Wunde herzustellen, ist wohl sicher, aber es ist unwahrscheinlich, daß sie nicht auch noch eine andere wichtigere Funktion haben, wenn man nicht annehmen will, daß es Exkrete sind, welche im Laufe des Ernährungsprozesses als überflüssig abgeschieden werden.

Harzgeist, s. Harzessenz.

Harzgerode, Stadt im anhalt. Kreis Ballenstedt, 12 km im SW. von Ballenstedt, in 402 m Höhe, auf dem südöstl. Harzplateau, an der Schmalspurbahn Gernrode-H. (17,5 km), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Dessau), hat (1890) 3667 E., Post, Telegraph, alte St. Marienkirche (1697) mit Fürstengruft, ein altes Schloß mit einer Mineraliensammlung; eine Eisengießerei, Fabrikation von Hängelampen, künstlichen Blumen, Schießpulver und Feuerwerkskörpern, Silber- und Bleierzgruben. Zur Gemeinde H. gehören Alexisbad (s. d.) und Mägdesprung (s. d.). H. wird schon 961 genannt und war 1635-1709 Residenz der Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Harzgerode.

Harzgrafen, s. Harz (S. 851 a).

Harzgürtelbahn, Bezeichnung für eine am Nordabhange des Harzes ziemlich parallel mit der Bahn Aschersleben-Bienenburg-Grauhof geplante Bahnlinie, welche zur weitern Erschließung des Harzes (s. Harzbahnen) die von letzterwähnter Bahnstrecke in die Thäler des Harzes abzweigenden Stichbahnen von Ballenstedt aus über Quedlinburg, Blankenburg, Wernigerode, Harzburg und Oker zum Anschluß an die Linie Oker-Goslar-Langelsheim untereinander verbinden soll. Einzelne Strecken der H. sind bereits ausgeführt, so die Linie Wermgerode-Ilsenburg (20. Mai 1881), Quedlinburg-Suderode-Ballenstedt (1. Juli 1885), während die Strecke Ilsenburg-Harzburg sich noch im Bau befindet. Es fehlt also noch das etwa 30 km lange Zwischenglied Quedlinburg-Wernigerode und die nur wenige Kilometer lange Strecke Harzburg-Oker, für welche vom preuß. Staate bereits Vorarbeiten angefertigt sind.

Harzkitt, s. Kitt.

Harzklub, s. Gebirgserschließung.

Harzleim, s. Harzseifen.

Harzlücken, s. Harzgänge.

Harznutzung, eine forstliche Nebennutzung. Gegenstand derselben ist der an den Nadelhölzern künstlich hervorgerufene oder durch zufällige Verletzung entstehende Harzausfluß und die Gewinnung dieses Harzes. Früher war die H. in den deutschen Fichtenwaldungen sehr verbreitet. Es werden am untern Teile älterer Fichtenstämme 3-6 cm breite und 1-1,5 m lange Rindenstreifen abgeschält. Das hervorquellende Harz füllt diese, Lachen genannten, Streifen aus, erhärtet und wird im folgenden Jahre ausgekratzt und gesammelt. Dabei, mitunter aber erst einige Jahre später, werden die Ränder der Lachen wieder aufgerissen (angezogen), um neuen Harzausfluß hervorzurufen. Die Lachen, die bei unvorsichtiger Ausübung der Nutzung sich allmählich erweitern, bilden große, offene Wunden. Diese machen nicht bloß durch Verunstaltung den untersten, wertvollsten Stammteil für Nutzholz untauglich, sondern werden sehr häufig auch Ursache zur Fäulnis des Baumes. Infolge des Steigens der Holzpreise und des Nutzholzabsatzes mußte die H. um so mehr eingeschränkt werden, je mehr die Einfuhr billiger, überseeischer Harze zunahm. Das Fichtenharz wird hauptsächlich zur Darstellung von Pech verwendet.

Zur Gewinnung des viel flüssigern Harzes der Seekiefer (Pinus pinaster Sol.) werden die Bäume ebenfalls mit der Länge nach verlaufenden, schmalen Lachen versehen, die von Zeit zu Zeit nach oben verlängert, aber nicht verbreitert werden. Das flüssige Harz wird in kleinen, am untern Ende der Lache aufzuhängenden Thon- oder Zinkgefäßen aufgefangen und gesammelt. Die nicht mehr benutzten Lachen überwallen bei dieser Holzart sehr schnell, wodurch sich die Wunde wieder schließt. Bei der Schwarzkiefer (Pinus nigricans Host.) wird ebenfalls das flüssige Harz gewonnen. Nahe am Boden wird in den Stamm selbst eine napfförmige kleine Grube gehauen, in der sich das von den Lachen herabfließende Harz sammelt. Von Zeit zu Zeit wird letzteres ausgeschöpft. Die Lachen sind sehr breit, bis zu zwei Drittel des Stammumfangs, aber nur etwa 40 cm hoch und werden jährlich um dieselbe Höhe nach oben erweitert. Das Harz der Schwarzkiefer ist sehr reich an Terpentinöl, reicher selbst als das der Seekiefer. Das auf der Lachenfläche trocken werdende Harz wird abgescharrt, hat aber nur einen geringen Wert. 50 kg Schwarzkiefern-Rohharz liefern 7-10 kg Terpentinöl und etwa 30 kg Kolophonium. Diese H. ist in der Heimat der Schwarzkiefer nicht ohne Bedeutung, so z. B. im Wienerwald.

Weniger von Belang ist die H. bei andern Nadelhölzern. Starke Lärchen werden im südl. Tirol mit einem großen Bohrer angebohrt, das sich nach der Wunde ergießende Harz wird in verschiedener Weise gesammelt; es liefert den sog. Venetianischen Terpentin. Die hauptsächlich nur in der Rinde Harz führenden Weißtannen liefern den Straßburger Terpentin aus Harzbeulen, die sich in der Rinde bilden. Bei der gemeinen Kiefer (Pinus silvestris L.) ist die H. überhaupt nicht möglich, weil bei ihr auch nach Verwundung das Harz nicht reichlich genug ausfließt. Letzteres läßt sich nur durch Destillation gewinnen, und zwar als Teer bei der sog. Teerschwelerei, eine Nutzung, die ihres geringen Ertrags wegen aus den Kulturwäldern mehr und mehr verschwindet.

Harzöl, Produkt der trocknen Destillation des Fichtenharzes. Zur Darstellung wird gewöhnliches Harz, amerik. Kolophonium, in gußeisernen Blasen über freiem Feuer zuerst mäßig erhitzt, wobei neben unverdichtbaren Gasen und Wasser zuerst eine dünne gelbe Flüssigkeit, Harzessenz (s. d.), übergeht; bei gesteigerter Wärme destilliert dann ein dickes Öl mit bläulichem Schein, das dicke H., worauf ein dünnflüssiges, ebenfalls blau fluorescierendes Öl, das dünne H., folgt, während als Rückstand Pech verbleibt. Von 100 Teilen dunklem amerik. Harz erhält man 2-3 Essenz, 32-34 dickes Öl, 38-40 dünnes Öl und 12-14 Pech. Das dicke Öl wird in Verbindung mit Kalk vorzugsweise als Wagenschmiere gebraucht, das dünne dient als Schmiermittel für Maschinen. Für letztern Zweck wird das Öl raffiniert, ist dann hellgelb gefärbt und zeigt keine Fluorescenz mehr. - Vgl. B. Hoffmann, Die Fabrikation der Harzprodukte (Pancsova 1872).

Harzsäuren, Bezeichnung für eine Anzahl kompliziert zusammengesetzter Säuren, wie die Abietinsäure (s. d.), die Pimarsäure (s. d.) u. a., die den