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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hauer - Hang (Joh. Christoph Friedr.)
lands. Die Bewohner der Herrschaft zeichnen sich
durch kräftige Gestalt, eigentümliche Sitten und be-
sondere Kleidung aus. Mit der in Trümmern lie-
genden Burg, dem Sitze eines edlen Geschlechts,
das bis 1392 urkundlich genannt wird, war H.
Hcreeptort der breisgauischen Herrschaft H. (427ykm,
42000 E.). Diese bildet den westl. Teil des Alb-
gaues, kam zur Zeit des deutschen Zwischenreichs
unter Habsburg. Herrschaft und erhielt durch die
Hauensteiner Einung von 1433 eine neue Ver-
fassung, welche alle Hauensteiner zu gemeinsamer
Verteidigung ihrer Rechte verpflichtete. Die große
Einung bestand aus acht kleinen Einungen und
drei Vogteien. Die wiederholten Konflikte wer-
den nach dem ersten Anführer (im Anfang des
18. Jahrh.), dem Salpetersieder Fridolin Albiez,
Salpetererkriege genannt.
Hauer,dasmännlicheHausschwein(s.Schweme),
auch dessen untere Eckzähne (s. Hakenzähne).
Hauer, Franz, Ritter von, Geolog und Paläon-
tolog , geb. 30. Jan. 1822 zu Wien, studierte in
Wien und an der Bergakademie in Schemnitz und
wurde 1843 an das Montanistische Museum in
Wien berufen, wo er 1844 seine öffentlichen Vor-
träge über Paläontologie eröffnete. 1846 wurde
H. zum Assistenten Haidingers ernannt und ver-
öffentlichte seine erste größere Arbeit: "Die Cepha-
lopoden des Salzkammergutes aus der Sammlung
des Fürsten von Metternich" (Wien 1846). Nach
Errichtung der k. k. Geologischen Reichsanstalt 1849
zum ersten Bergrat an dieser ernannt, war H.
bis 1867 mit geolog. Aufnahmen in allen Teilen
der Monarchie beschäftigt. Die zahlreichen Arbei-
ten, die er in dieser Zeit vollendete, sind größtenteils
in den Schriften der Reichsanstalt und der Aka-
demie der Wissenschaften veröffentlicht; außerdem
schrieb er: "Geolog. Übersicht der Bergbaue der
österr. Monarchie" (mit Foetterle, Wien 1855), die
"Geologie Siebenbürgens" (mit G. Stäche, ebd.
1863) und die "Geolog. Karte Siebenbürgens"
lHermannst. 1861). 1867 wurde H. Direktor der
Geologischen Reichsanstalt. Seitdem veröffentlichte
er noch eine "Geolog. Übersichtskarte der Aster-
reichisch-Ungarischen Monarchie" (in 12 Blättern,
1:576000, mit einem Heft Erläuterungen zu jedem
einzelnen Blatt, Wien 1867-73), ferner "Die Geo-
logie und ihre Anwendung auf die Kenntnis der
Vodenbeschaffcnheit der österreichisch-Ungarischen
Monarchie" (ebd. 1875; 2. Aufl. 1878) und eine
"Geolog. Karte von Osterreich-Nngarn" (1 Blatt,
1:2016000; 4. Aufl. 1884). Seit 1885 ist er
Intendant des Wiener k. k. Naturhistorischen Hof-
museums, dessen "Annalen" (Bd. 1-8, 1886-93)
er begründete und redigiert. 1892 wurde H. als
Mitglied auf Lebenszeit in das Herrenhaus des
östcrr. Reich srates berufen.
Häuer, s. Bergmann.
Häuerarbeiten, s. Bergbau (Bd. 2, S. 756d).
Häufeln, ein Glücksspiel, das mit Spielkarten
ausgeführt wird. Der Bankhalter macht aus einem
Kartenspiel bis 5 verdeckte Häufchen, von denen er
selbst eins erhält. Die übrigen werden von den
Mitspielenden mit Geld besetzt. Wo dann das un-
terste Blatt höher ist als das des Bankhalters, ver-
liert dieser, wo es dagegen gleich oder niedriger ist,
gewinnt er.
Haufen, bei den Italienern dat^Iions oder
8ciuHär0N6 genannt, die taktische Einheit der Lands-
knechte, die nach der Geviertordnung, d. h. an-
nähernd quadratisch gebildet wurde (s. Fechtart,
Äd. 6, S. 614d).
Haufenwolke, s.Cumulus; federigeH., s.Cirro-
cumulus; getürmte H., s. Cumulo-Stratus.
Hauff, Wilh., Schriftsteller, geb. 29. Nov. 1802
zu Stuttgart, besuchte seit 1816 die Klosterschule
zu Blaubeuren und studierte seit 1820 Theologie
zu Tübingen. Als Hauslehrer zu Stuttgart er-
öffnete er seine schriftstellerische Laufbahn mit dem
"Märchenalmanach auf das 1.1826" (Stuttg. 1825),
dem noch zwei gleiche Vändchen (1826 u. 1827)
folgten. Dem Stoffe nach meist entlehnt, zeich-
neten sich diefe Märchen doch durch die freie und
phantasiereiche Behandlung wie durch die fchöne
Abrundung der Darstellung höchst vorteilhaft aus.
Noch im felben Jahre fchrieb und veröffentlichte er
anonym den 1. Teil der "Mitteilungen aus den
Memoiren des Satans" (Stuttg. 1826; der 2. Teil,
mit feinem Namen, erschien ebd. 1827), zwar ein
fragmentarisches, aber doch an Witz und phantasti-
scher Darstellungskunst reiches Werk, und den nach
dem Muster Walter Scotts angelegten histor. Ro-
man "Lichtenstein" (3 Bde., ebd. 1826), worin mit
einiger Breite die Charaktere, besonders die der
schwäb. Bauern, gut gezeichnet und die Lokalitäten
anschaulich geschildert sind. Der Noman "Der
Mann im Monde" (Stuttg. 1827) war ursprünglich
in teils bewußter, teils unbewußter Nachahmung
der Claurenschen Manier entstanden, wurde aber
bald zu einer täuschend nachgebildeten Parodie auf
Clauren gestempelt, unter dessen Namen ihn H. auch
erscheinen ließ. Dagegen war ernsthaft gemeint die
sarkastische "Kontroverspredigt überH. Clauren und
den Mann im Monde, gehalten vor dem deutschen
Publikum in der Herbstmesse 1827", die witzig und
fchlagend die erst parodierte Manier angriff und
der Lächerlichkeit und Verachtung preisgab. Origi-
nelle Erfindung und launige Phantastik zeigen H.s
"Phantasien im Bremer Ratskeller" (Stuttg. 1827).
Unter feinen Novellen sind besonders "Die Bett-
lerin vom Pont des Arts" und "Das Bild des
Kaisers" als kleine Meisterstücke hervorzuheben.
Von seinen lyrischen Gedichten sind mehrere zu
Volksliedern geworden, z. B. "Steh' ich in finstrer
Mitternacht" und "Morgenrot, Morgenrot, leuch-
test mir zum frühen Tod". Nachdem H. noch einige
Zeitdie3iedaktiondes"Morgenblattcs"geführt hatte,
starb er 18. Nov. 1827 in Stuttgart. Sein Denkmal
am Hasenberg bei Stuttgart wurde 7. Juli 1882
euthüllt. Seine "Sämtlichen Werke" gaben u. a.
heraus: G. Schwab (36 Vdchn., Stuttg. 1830 u. ö.)
und Fr.Vobertag (in Kürschners "Deutscher Na-
tionallitteratur", ebd. 1889 -93), eine Auswahl
mit ausführlichen Einleitungen M. Mendheim
(3 Bde., Lpz. 1891). - Vgl. Klaiber, Wilh. H. Ein
Lebensbild des Dichters (Stuttg. 1881).
Sein Bruder, Hermann H., geb. 22. Aug. 1800
M Stuttgart, gest. daselbst 16. Aug. 1865, folgte
ihm in der Redaktion des "Morgenblattes" und ist
Verfasser der Werke "Moden und Trachten" (Stuttg.
1841) und "Skizzen aus dem Leben und der Natur"
(2 Bde., ebd. 1840).
Hausse, Friederike, bekannt unter dem Namen
"Seherin von Prevorst", s. Prevorst.
Haug, Joh. Christoph Friedr., Epigrammen-
dichter (auch unter dem Pseudonym Hophthal-
mos), geb. 9. März 1761 zu Niederstotzingen in
Württemberg, studierte seit 1775 auf der Karls-
schule, wo er mit Schiller Freundschaft schloß, diß