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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hang (Martin) - Haugwitz
Rechte, wurde 1783 Sekretär bei dein herzogl. Ge-
heimen Natskollegium, 1794 Geh. Sekretär und 1816
Hoftat und Bibliothekar. Er starb 30. Jan. 1829 in
Stuttgart. Als ernster Lyriker zeigte sich H. korrelt
und sauber, doch ohne jede Originalität, dagegen
leistete er auf dem Gebiete des Epigramms Außer-
gewöhnliches. Für die Beweglichkeit und Mannig'
faltigkeit seines Witzes legen z. B. seine "Zwei'
hundert Hyperbeln auf Herrn Wahls ungeheure
Nase" (Stuttg. 1804; 3. Aufl., St. Gallen 1850)
Zeugnis ab; auch über Arzte, Zecher, Geschminkte
sauen seine Epigramme gleich in Centurien her.
Seine zu große Produktivität auf so beschränkten!
Gebiete verführte ihn freilich häufig zur Trivialität.
Im Improvisieren besaß er ein außerordentliches
Talent. Mit seinem Freunde C. F. Weisser zusam-
men ein Hort der Aufklärung in Schwaben, hatte
H. längere Zeit teil an der Herausgabe des "Mor-
genblattes". Eine Auswahl seiner "Gedichte" er-
schien in Leipzig (2 Bde., 1827) und in Stuttgart
(1840). - Vgl. Fischer, Beiträge zur Litteratur-
geschichte Schwabens (Tüb. 1891).
Haug, Martin, Orientalist, geb. 30. Jan. 1827
zu Ostdorf bei Valingen in Württemberg, studierte
in Tübingen und Gottingen und habilitierte sich
1854 in Bonn. 1856 folgte er einer Einladung
Vunsens nach Heidelberg, um Mitarbeiter an dessen
Vibelwerke zu werden. Hier erhielt er einen Ruf
nach Indien und kam 1859 als Professor des Sans-
krit nach Puna. Auf einer wissenschaftlichen Reife
durch die Provinz Gudschrat, die er 1863 im Auf-
trag der engl. Regierung unternahm, sammelte er
vie!e kostbare Zend- und Sanskrit-Manuskripte.
1866 nach Deutschland zurückgekehrt, lebte er einige
Zeit in Stuttgart und wurde 1868 als der erste ord.
Professor des Sanskrit und der Sprachvergleichung
nach München berufen. Er starb 3. Juni 1876 in
Bad Nagaz. H. veröffentlichte außer zahlreichen
kleinern Abhandlungen: "Über die Pchlewispracbe
und den Bundehesh" (Gott. 1854), "über Schrift und
Sprache der zweiten Keilschriftgattung" (ebd. 1855),
"Die fünf Gathas, oder Sammlungen von Liedern
und SprüchenZarathustras, seiner Jünger und Nach-
solger" (2 Bde., Lpz. 1858 - 60), "N88<^8 ou tk6
83.01'eä. 1LMAU3S6, >viitiuF8 auä reli^ion ok t^6
?Hl3668" (Bomb. 1862; 2. Aufl. nach H.s Tode von
West in Trübners "Olienwl 86rie8", 1878). Ein
"Oiä Aeuä-I'adig.vi Alo^ar^" und ein "I'aliiavi-
?H2a.iiä ß1o883.i^" gab er mit Destur Hoschangsi
(Bomb.-Lond. 1867 u. 1870) heraus, letzteres mit
einer längern Einleitung: "N88^ on tü6 laiii^vi
I3.Q3a3.F6" (auch einzeln erschienen, Stuttg. 1871);
sein letztes Hauptwerk in dieser Richtung war "Mo
K00K of ^räa. Virak" (mit E. W. West, Vömb.-
Lond. 1872-74). H.s Hauptwerk im Gebiete der
altind. Litteratur ist die Ausgabe und Übersetzung
des "^itHi'673. Lraiimana. 0t' tlis Ivi^v^ii" (2 Bdcv,
Bomb. 1863). Außerdem sind noch zu nennen: "über
die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Brahma"
(Mi'mch. 1868), "Brahma und die Vrahmanen"
(ebd. 1871), "über das Wesen und den Wert des
vedischen Accents" (ebd. 1873) und "Vedische
Rätselfragen und Rätfelsprüche" (ebd. 1875). - Vgl.
H.s Nekrolog in Bezzenbergers "Beiträgen zurKunde
der indogerman. Sprachen", Bd. 1, S. 70 fg., mit
vollständigem Verzeichnis von H.s Schriften.
Hauge, Hans Nielsen, Begründer derHaugia -
nischen Bewegung in Norwegen, geb. 3. April
177 l,fühlte sich als einfacher,ungelehrterBauer1796
von Gott zum Propheten berufen, durchzog feit 1797
ganz Norwegen als Vußprediger und wirkte durch
zahlreiche populäre Erbauungsschriften. Im Gegen-
satz zu dem herrfchenoen Rationalismus gewann
seine in methodistischem Tone gehaltene Erweckungs-
predigt, namentlich im niedern Volke, viele An-
hänger, die sich, ohne offene Trennung von der
Kirche, in Konventikeln sammelten. Nachdem H.
auf Grund des die Laienpredigt untersagenden sog.
Konventikelplakats mehrfach mit dem Kirchenregi-
ment zusammengestoßen und bereits zehnmal ver-
haftet gewefen war, erfolgte 1804 wiederum seine
Festnahme; er wurde mit einer kurzen Unterbrechung
bis 1811 in Haft behalten und 1814 zu zwei Jahren
Festungsarbeit verurteilt, die in höherer Instanz in
eine bedeutende Geldstrafe umgewandelt wurden.
H. starb 29. März 1824 auf feinem Hofe Bredtwedt
in Aker bei Kristiania. Zahlreiche Laien-und Bauern-
prediger setzten, namentlich seitdem 1842 das Kon-
ventikelplakat aufgehoben war, fein Werk fort, dessen
Nachwirkungen bis in die Gegenwart reichen. -
Vgl. Bang, Hans Nielsen H. (2. Aufl., Krist. 1875).
Haugesenk, eine beim Hauen der Feilen benutzte
Unterlage aus Eisen. (S. Hanblei.)
Haugesund, Stadt im norweg. Amt Stavan-
ger, am Ende des schmalen Sundes, der die Insel
Karmö vom Festlande trennt, hat (1891) 5383 E.,
einen vortrefflichen Hafen, lebhaften Handel, See-
fahrt und Fischerei. In der Nähe ein Obelisk zur
Erinnerung an König Harald Harfagr (gest. 933)
und seinen Sieg (872).
Haugianische Bewogung, s. Zauge.
Haugsdorf, Marktflecken in der österr. Vezirks-
hauptmannfchaft Oberhollabrunn in Niederöster-
reich, an der Pulka und der Linie Lundenburg-
Zellerndorf der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, Sitz
eines Bezirksgerichts (128,74 ^m, 14 Gemeinden,
16 Ortschaften, 15509 dentsche kath. E<) und hat
(1890) 2015, mit Klein-Haugsdorf 2137 E., Land-
wirtschaft und bedeutenden Weinbau.
Haugwitz, Christian Aug. Heinr. Kurt, Graf
von, Freiherr von Krappitz, preuh. Staatsmann,
geb. 11. Juni 1752 auf dem väterlichen Gute Peuke
bei Öls in Schlesien, studierte in Halle und Göttin-
gen die Rechte, trat während seiner Studien und
Reisen in freundschaftliches Verhältnis zu den Brü-
dern ^tolberg und Lavater und in Beziehungen zu
mystisch-religiös erregten Kreisen. 1781-91 lebte
er auf feinen Gütern in Schlesien und wurde 1791
von den Ständen zum Generallandfchaftskonsulen-
ten dieser Provinz erwählt. Durch seinen Hang
zum Mystischen empfahl er sich auch dem Könige
Friedrich Wilhelm II., der ihn 1792 als Gesandten
nach Wien schickte; in demselben Jahre noch über-
nahm er als Kabinettsminister die Leitung der
answärtigen Angelegenheiten. Mit seinem Namen
verknüpft sind die zweite Teilung Polens (1793),
die darauf folgende Entfremdung zwischen Öster-
reich und Preußen, der Abschluß des Haager Sub-
sidienvertrags mit England und Holland (1794),
der Baseler Friede mit Frankreich (1795). Mehr
einsichtig als energisch, erkannte H. schon früh die
von Vonaparte drohende Gefahr, und als seine
Warnung vor Frankreich auch 1803 nach der Be-
setzung Hannovers durch Napoleon kein Gehör
fand, zog er sich auf feine Güter zurück. Als aber
die Franzofen 1805 durch Ansbach marschierten,
wurde H. zur Führung der neuen Unterhandlungen
in deren Lager gesandt, wo er kurz vor der Schlacht